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Der Kölner Kardinal Joachim Meisner und der Kurienkardinal Walter Brandmüller gehen verbal gegen Papstkritiker vor

Bischöfe und Kardinäle bringen sich gegen die Papstproteste in Stellung: Die Würdenträger beschimpfen die Kritiker, gleichzeitig kungelt die Kirche mit den Traditionalisten der Pius-Bruderschaft.

Von Dennis Klein

Eine Woche vor dem Papstbesuch geht der Medienzirkus richtig los. Nachdem ungefähr 100 Bundestagsabgeordnete angekündigt haben, der Rede des Kirchenführers am 22. September aus Protest fernzubleiben, hält die Kritik an. Nach Ansicht der Kirche schaden die Politiker damit nicht nur der größten deutschen Glaubensgemeinschaft, sondern auch ihrem Vaterland: "Die Abgeordneten ... müssen sich der Wirkung dieser Art von Protest im Ausland bewusst sein", sagte etwa der deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller der "Bild"-Zeitung. "Sie verstärken dadurch das Bild vom 'hässlichen Deutschen'". Diese "Affäre" spreche nach Ansicht des 82-Jährigen nicht gegen den Papst, sondern sei eine "Blamage" für Deutschland.

Mehrere andere lokale Kirchenfürsten stimmten in den Kanon ein, ohne jedoch auf die inhaltliche Kritik einzugehen. So nannte der Kölner Kardinal Joachim Meisner die Proteste der Abgeordneten "kleinkariert und engstirnig". Solche Parlamentarier seien "kein Qualitätsmerkmal für die hehre Vertretung unseres Volkes". Der Dresdner Bischof Joachim Reinelt sprach von einem "schiefen parlamentarischen Selbstverständnis". Der 74-Jährige sagte gegenüber der "Leipziger Volkszeitung", er finde es "beschämend", wenn Abgeordnete ihre Kritik an der ersten Rede eines Papstes vor dem Parlament damit zum Ausdruck brächten, indem sie dieser Ansprache "bereits im Vorfeld mit Ignoranz und Feindseligkeit begegnen". Die Abwesenheit sei eine "platte Demonstration von Ignoranz" und zeuge von schlechtem Stil.

Kritik an katholischer Werbeveranstaltung

Als Gründe für den Protest nennen viele Abgeordnete die diskriminierende Politik des Papstes gegenüber sexuellen Minderheiten, Frauen oder die Haltung im Kampf gegen HIV. Außerdem sei es falsch, im Bundestag für eine bestimmte Religion zu werben - der Bundestag sei kein "Ort der religiösen Missionierung", meint etwa der SPD-Parlamentarier Rolf Schwanitz. Die katholischen Würdentrüger streiten dabei nicht einmal ab, dass der Papstbesuch in erster Linie eine Werbeveranstaltung für ihre Kirche ist. So erklärte Triers Bischof Stephan Ackermann gegenüber der dpa: "Ich erhoffe mir durch den Papst-Besuch Ermutigung und Stärkung in der Situation, in der wir stehen". Der 2009 zum Bischof ernannte Ackermann hatte sich bislang vor allem damit hervorgetan, den nach Kapstadt entsandten Pfarrer Stefan Hippler freizustellen. Der Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde arbeitet mit HIV-Positiven und hatte es gewagt, Kondome als ein Schutz vor der Immunschwächekrankheit darzustellen.

Kirche bandelt mit radikalen Piusbrüdern an


Gleichzeitig zur Papstrede im Bundestag ist eine vom LSVD mitorganisierte Demo am Potsdamer Platz geplant

Während sich die Kirchenvertreter über die Parlamentarier echauffieren, nähert sich der Vatikan in Gesprächen weiter der Piusbruderschaft an. Die Priestervereinigiung gilt als ultrakonservativ und setzt sich für einen noch schärferen Umgang der Kirche mit Homosexuellen ein. So organisierte die Pius-Bruderschaft mehrere Jahre lang Demonstrationen gegen den CSD in Stuttgart (queer.de berichtete). In der Vergangenheit haben sie auch eine Rekriminalisierung von Homosexualität verlangt. Der Pius-Weihbischof Richard Williamson hat außerdem mehrfach den Holocaust geleugnet, ohne dass dies zu kirchenrechtlichen Konsequenzen geführt hat.

Kirchenkritiker warnen davor, dass zu viel politischer Einfluss der katholischen Kirche negative Auswirkungen haben könnte: "Nahezu jeder wichtige Wert - ob Demokratie, Gleichberechtigung oder Menschenrechte - musste gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden", sagte Michael Schmidt-Salomon von der Giordano Bruno Stiftung gegenüber der "Südwestpresse". Die katholische Kirche hat allerdings nicht mehr den Rückhalt aus der Bevölkerung wie noch im letzten Jahrhundert: So leben heute zwar 24 Millionen Katholiken in Deutschland. Es gibt allerdings inzwischen 28 Millionen Konfessionslose, die mit ihren Steuergeldern den Papstbesuch - sowie weitere kirchenfreundliche Subventionen - mitfinanzieren dürfen, obwohl sie die politische Haltung der Glaubensorganisation nicht teilen.

Im Bundestag stellen sich auch Abgeordnete von SPD, Grünen und Linkspartei, die der Papstrede beiwohnen wollen, hinter ihre protestierenden Kollegen. So sagte etwa Grünenchefin Claudia Roth der "Berliner Morgenpost", dass das Recht auf freie Meinungsäußerung beim Papstbesuch nicht eingeschränkt werden dürfe. Mit Blick auf Themen wie Frauenrechte und die Gleichstellung von Schwulen und Lesben ergänzte die 56-Jährige, es werde dem Papst "mal ganz gut tun, nach Berlin zu kommen und zu spüren, was Realität ist im Jahr 2011".



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#1 maaaaartinAnonym
  • 16.09.2011, 09:30h
  • es benötigt keinen papst besuch um hier beinahe täglich den häßlichen katholiken präsentiert zu bekommen.
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#2 goddamn. liberalAnonym
  • 16.09.2011, 09:46h
  • 'Der hässliche Deutsche'?
    Ach Gottchen!

    An Raffinesse hat es dem katholischen Klerus nie gemangelt. Auch in der Abwehr hiesiger innerkatholischer Demokratisierungstendenzen klaut man gerne 'Nie wieder Deutschland'-Parolen von ganz links und schreit sie nach Unten. Und schwingt komischerweise sogar ab und an die Nazi-Keule, als wäre das Ermächtigungsgesetz nicht vom vatikanhörigen Prälat Kaas durchgeboxt worden...

    Währenddessen fordern Gestalten den Pluralismus, die ihn am liebsten gleich wieder abschaffen wollen, und Herr Meisner ('Kirche hat mit Demokratie nichts zu tun') würdigt demokratische Volksvertreter herab.

    Das Ganze wäre einfach nur lustig, wenn diese Kirchenfürsten nicht von einer allumfassenden Gysi-Nahles-Lieberknecht-Seehofer-Rösler-Koalition mit Abermillionen von Steuergeldern regelrecht zugeschüttet würden.
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#3 MariusAnonym
  • 16.09.2011, 09:48h
  • Totalitäre Gesinnungen hatten immer schon Probleme mit anderen Meininungen und freier Meinungsäußerung. Kritik gefährdet deren Geschäftsmodell!!

    Aber gleichzeitig paktiert die Kinderschänder-Sekte mit Holocaust-Leugnern, Rassisten und anderen Faschisten.

    Die sollten lieber mal ganz schnell ihren dreckigen Mund halten.
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#4 MarcAnonym
  • 16.09.2011, 09:53h
  • Was sind das für Menschen, die Liebe verachten und Hass predigen?

    Als ob die katholische Kirche mit jahrzehntelangem Vertuschen von Kindesmissbrauch, Kondomverbot, etc. etc. etc. nicht schon genug Leid und Elend über die Welt gebracht hätte.
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#5 MarekAnonym
#6 Simon H.Anonym
  • 16.09.2011, 10:01h
  • Nochmal zur Erinnerung:
    diese Hassprediger dürfen ihre menschenverachtende Propaganda sogar vor dem deutschen Bundestag verbreiten!

    Aber den Kritikern wird die Demo am Brandenburger Tor verboten! Den Kritikern werden demokratische Grundrechte wie Rede- und Versammlungsfreiheit genommen.

    Armes Deutschland! Unsere Demokratie geht vor die Hunde...
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#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 16.09.2011, 10:06h
  • Die Floskel "der häßliche Deutsche" hat ja leider Tradition, vor allem beim britischen Schundblatt "The Sun", die sind nämlich Weltmeister darin!

    Dann sollte man aber in diesem Zusammenhang von den "häßlichen Katholiken" sprechen; diese würden nämlich am allerliebsten die Inquisition wieder einführen!

    Wir brauchen endlich den "säkulären" Staat; die Türkei soll ja angeblich - wie Herr Erdogan ja so vollmundig verkündet - das beste Beispiel sein.
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#8 HinnerkAnonym
  • 16.09.2011, 10:06h
  • Totalitäre Regime dulden keine Kritik und keinen Widerspruch! Das werden die sehr ungemütlich.

    Wann stoppt endlich jemand diese menschenverachtende Sekte, die Religion pervertiert um ganz andere Ziele zu erreichen?! Denen geht es NUR um Macht und Geld!
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#9 CarstenFfm
  • 16.09.2011, 10:08h
  • Also wenn ich mir das Bild von Kurienkardinal Walter Brandmüller in dem Artikel so anschaue....
    ... ich finde ja, dass er ein sehr häßlicher Deutscher ist.
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#10 Tobi CologneAnonym
  • 16.09.2011, 10:13h
  • Ein Grundprinzip von Demokratie ist die Trennung von Staat und Kirche!

    Ich werde mir sehr genau ansehen, welche Parteien der Papstrede andachtsvoll lauschen werden und welche Parteien hoffentlich ihre Kritik kundtun und geschlossen den Saal verlassen, sobald der Papst anfängt zu reden.

    Ich werde nie mehr eine Partei wählen können, die dieses Schmierentheater mitmacht und diese Vermischung von Staat und Kirche zulässt. Ich wähle keine Demokratiefeinde.

    Sollte das keine Bundestags-Partei machen, werde ich in Zukunt eben nur noch solche Partein wählen können, die momentan nicht im Bundestag sind, z.B. die Piraten.
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