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Krimidebüt: In "Toter als tot" gerät ein etwas neurotischer Außenseiter unter Mordverdacht

Christiane Tapkings Krimidebüt "Toter als tot" wartet mit zahlreichen verschrobenen Protagonisten auf.

Von Nicole Bruschkeit

Totgesagte leben länger. Von dem Wahrheitsgehalt dieses Sprichwortes profitiert nicht nur mancher Promi, sondern auch eine vermeintliche Leiche in einem nicht alltäglichen Krimi-Debüt. Allerdings ist sie sich dieser lebensverlängernden Maßnahme nicht bewusst, deren Wirkung zudem auch nur von kurzer Dauer ist.

Bis vor wenigen Minuten war es eine ganz normale Hunderunde, die Friedrich mit seinem Fridolin gedreht hat, doch dann spürt der Vierbeiner einen reglosen Mann in einem Gebüsch auf. Ein furchtbarer Anblick für den nichtsahnenden Gassigeher, denn der am Boden Liegende trägt einen extrem hässlichen Trainingsanzug. Als wäre das nicht schon schlimm genug, ist er auch noch verschwunden, als Friedrich mit seinem besten Freund Hanne, dem Dorfpolizisten, an den "Tatort" zurückkehrt, der plötzlich mangels Leichnam gar keiner mehr ist.

Am nächsten Vormittag tätigt die sogenannte Leiche sehr lebendig Einkäufe, einige Tage später wird sie - nun aber endgültig - ermordet aufgefunden. Friedrich, der sich zur Tatzeit im Fernsehen "Blue Velvet" ansieht, erlebt kurz darauf sein blaues Wunder, denn der Verdacht fällt ausgerechnet auf ihn. Daran stört er sich allerdings zunächst weniger als an dem nun im Ort einsetzenden Gerede um sein lang zurückliegendes homoerotisches Stelldichein mit einem Nachbarssohn. Das geht ihm dann doch zu weit! Diese Episode hatte gar nichts zu bedeuten, und er ist eindeutig nicht schwul!

Friedrich begibt sich selbst auf Spurensuche


Christine Tapking, Jahrgang 1963, arbeitet als freie Werbetexterin in Berlin

Friedrichs Verstrickung in den Mordfall nimmt er erst peu à peu ein wenig ernster, als sich die Indizien gegen ihn mehren. Jetzt begibt er sich sogar selbst auf Spurensuche - und landet dabei unverhofft in gefährlichen Betten... Ist der alleinstehende 40-jährige Kunsthistoriker tatsächlich der Täter oder spielt ihm jemand übel mit? Ist der neurotische Außenseiter nun wirklich hetero oder doch schwul, vielleicht bi oder einfach nur in sich selbst verliebt?

Nicht überall, wo "Kriminalroman" draufsteht, ist auch ein echter Krimi drin. Christine Tapking experimentiert in "Toter als tot" augenzwinkernd mit einer Mischung aus kriminalistischem Minimalismus und einer Ansammlung verschrobener Protagonisten, die vom Verdächtigen über die Witwe des Opfers bis hin zu den ermittelnden Kommissaren reicht. Der Plot zieht sich angesichts dieser Übermacht von wortspielversessenen Stoikern zumeist in die zweite Reihe zurück und liefert von dort Stichworte und Background für immer neue verbale Spitzfindigkeiten und skurrile Situationen.

Eine originelle Idee, deren Potential Christiane Tapking jedoch leider nicht voll ausgeschöpft hat. Ein locker-leichter Lese-Snack für zwischendurch ist "Toter als tot" jedoch allemal!

Christiane Tapking: Toter als tot, Kriminalroman, 181 Seiten, Querverlag, Berlin 2011, 12, 90 €