Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?15046

Die verlorene Sprache der Kräne

Ein verhängnisvolles Coming-out


Das Coming-out des schwulen Sohnes entlarvt die Lebenslügen der Eltern

In der neuen Reihe "Die Besten" bringt der Bruno Gmünder Verlag Neuausgaben wichtiger schwuler Romane heraus. Als dritter Band ist David Leavitts "Die verlorene Sprache der Kräne" erschienen.

Von Carsten Weidemann

"Ein erstaunliches Stück Literatur ... zärtlich, amüsant, eloquent und weise", urteilte die "New York Times" über David Leavitts Roman "Die verlorene Sprache der Kräne". Es ist konsequent, dass der Bruno Gmünder Verlag das 25 Jahre alte Werk in seine neue Reihe "Die Besten" aufgenommen hat, mit der die wichtigsten Werke schwuler Literatur gewürdigt werden sollen. "Die verlorene Sprache der Kräne" ist bereits der dritte Band - nach Edmund Whites "Selbstbildnis eines Jünglings" und "Tanz auf meinem Grab" von Aidan Chambers.

Die Handlung: Für Rose und Owen Benjamin scheint die Ehe, die sie seit siebenundzwanzig Jahren miteinander führen, ein sicherer Fluchtpunkt zu sein - bis ihr Sohn Philip sich nach schmerzvoll durchlittener Pubertät zu seiner Sexualität bekennt. Als Kind einer liberalen Zeit ist er bereit sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Er ahnt nicht, wie nachhaltig er damit die Ehe seiner Eltern in Frage stellt: Göttergatte Owen verlässt nämlich schon lange die häusliche Geborgenheit, um in schwulen Pornokinos flüchtige Sexabenteuer zu suchen, und auch Rose unterdrückt ihre Bedürfnisse und Sehnsüchte.

Drei Gefühls-Autisten, die sich nicht mehr verständigen können

Mit dem unerwarteten Coming‐out des schwulen Sohnes ist das häusliche Glück mit einem Schlag vorbei: Man liebt sich und kann nicht mehr zusammenleben. Man redet miteinander und kann sich nicht mehr verständigen. Zurück bleiben drei Gefühls‐Autisten, ähnlich jenem vernachlässigten Kind, das durch das Fenster seines Zimmers die Kräne auf der Baustelle gegenüber anstarrt und ihre Sprache nachahmt, die sonst niemand versteht.

David Leavitt, geboren 1961 in Pittsburgh, Pennsylvania, wuchs in Kalifornien auf und studierte Anglistik in Yale. Das englische Original des Romans "Die verlorene Sprache der Kräne" erschien erstmalig 1986 und wurde 1991 von der BBC verfilmt. Leavitt schrieb noch sechs weitere Romane und viele Erzählungen. Seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der offen schwul lebende Autor unterrichtet heute an der University of Florida Kreatives Schreiben und gibt das Literaturmagazin "Subtropics" heraus.

David Leavitt: Die verlorene Sprache der Kräne. Die Besten #3, Roman, 386 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Bruno Gmünder Verlag, Berlin 2011, 12,95 €