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Für 1,99 Euro sollen Eltern herausfinden können, ob ihr Sohn schwul oder heterosexuell ist

Homo-Gruppen aus Frankreich laufen Sturm gegen eine App, die Eltern zeigen soll, ob ihr Sohn schwul ist.

Die Android-App "Mon fils est-il gay?" will mit 20 Fragen herausfinden, ob ein Jugendlicher homosexuell ist - mit Fragen wie "Mag er Fußball?", "Braucht er lange im Badezimmer?" oder "Kleidet er sich gut?". Am Ende gibt es zwei mögliche Ergebnisse: "Machen Sie sich keine Sorgen, Ihr Sohn ist nicht schwul" oder "Ihr Sohn ist schwul - akzeptieren Sie es." Eltern können sich das Mini-Programm für 1,99 Euro auf ihr Smartphone herunterladen.

Homo-Organisationen laufen gegen die App Sturm: "Das ist eine idiotische und widerwärtige Anwendung mit klischeebeladenen Fragen", erklärte Louis-Georges Tin von "Comité IDAHO". "Wenn das Kind schwul ist, ist es eine Katastrophe, ansonsten eine Erleichterung". Christine Le Doaré vom "Centre LGBT" nennt die App "dumm und skandalös": "Es ist schade, dass Eltern lieber diese App herunterladen als mit ihren Kindern zu sprechen." Auch die Homo-Gruppe "Dialogai" aus der französischsprachigen Schweiz kritisiert, dass die App Vorurteile fördere: "Muss man im Jahr 2011 wirklich Leute daran erinnern, dass ein schwuler Mann auch schwul sein kann, wenn er nicht Musicals liebt?". Alle Homo-Gruppen verlangen, dass die Applikation aus dem Android-Shop entfernt werden soll. "Centre LGBT" droht sogar mit einer Klage wegen Diskriminierung in Frankreich.

Entwickler: App soll Eltern helfen

App-Entwickler Christophe de Baran kann die Aufregung um sein Programm dagegen nicht verstehen: "Was ist schlimm daran, dass eine Mutter wissen will, ob ihr Sohn schwul ist?". Er erklärte, dass die App Eltern dabei helfen solle, das Schwulsein von Kindern zu akzeptieren.

In der Vergangenheit hat es bereits mehrfach Proteste gegen homofeindliche Apps gegeben. So entfernte der Konzern Apple im November 2010 nach Protesten die "Manhattan Declaration" aus seinem App-Store (queer.de berichtete). Die kostenlose Applikation basiert auf einer Erklärung evangelikaler und katholischer Christen. Sie bezichtigt Schwule und Lesben, "unmoralisch" zu leben und setzt die Gleichbehandlung von Homo-Paaren mit der Legalisierung von Inzest gleich. (dk)



#1 Lapushka
  • 26.09.2011, 12:27h
  • Das zu testen geht doch viel unkomplizierter

    media.noob.us/songay.jpg

    "App-Entwickler Christophe De Baran kann die Aufregung um sein Programm dagegen nicht verstehen: "Was ist schlimm daran, dass eine Mutter wissen will, ob ihr Sohn schwul ist?". "

    Na im Prinzip gar nichts, nur ist es etwas albern, eine solche Sache aufgrund solcher Fragestellungen herausfinden zu wollen.
    Das ist doch nur Geldschneiderei. Da sind irgendwelche "Frau im Spiegel"-Psychotests ja noch aussagekräftiger.
    Ich kenne diverse Hetero-Männer die mit Fussball rein gar nichts anfangen können und eitel sind die teilweise auch.
    Aber ich glaube, die hätten in der Jugend relativ genervt reagiert, wenn ihre Eltern sie mit folgenden Dialogen bedrängt hätten.
    "Oh ok, du bist also schwul. Das akzeptieren wir"
    "Nein Mama, bin ich nicht"
    "Du musst dich nicht schämen. Das ist ok."
    "Ich BIN es aber nicht"
    "Aber du magst kein Fußball und bis modebewusst. Und das heisst, du bist es. Hier steht es doch schwarz-auf weiss!"
    "/Facepalm"

    Im Übrigen trägt das natürlich in keinster Weise zum Abbau von Klischees bei.
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#2 SebiAnonym
  • 26.09.2011, 13:04h
  • Aha, Schwule mögen keinen Fußball, kleiden sich gut und brauchen lange im Badezimmer.

    Und Heteros mögen alle Fußball, pflegen sich nicht und kleiden sich nicht gut.

    Was für Leute meinen wirklich, solche Stereotypen und Klischees würden etwas über die Psyche aussagen...
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#3 yomenAnonym
#4 Side-FX23Anonym
  • 26.09.2011, 13:23h
  • Antwort auf #2 von Sebi
  • Diese klischeebehafteten Fragen sagen schon etwas über die Psyche aus: wie dumm der Verfasser dieser App ist und wie dämlich die Leute sind, die für so einen Quatsch auch noch Geld ausgeben.
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#5 CedricAnonym
  • 26.09.2011, 13:40h
  • Heute auch eine gute Nachricht aus Frankreich.

    Das Klischee, dass der französische Senat konservativ sein müsse, ist perdu.

    "Bei einer Nachwahl reklamieren die französischen Sozialisten die Mehrheit im Senat für sich - zum ersten Mal seit 1958.

    Die Mehrheit der Sozialisten in der zweiten Kammer des Parlaments gilt als wichtiger symbolischer Sieg für die Opposition im Vorfeld der kommenden Präsidentenwahl.

    Das linke Bündnis hatte bereits die vergangenen Wahlen auf lokaler und regionaler Ebene gewonnen." (Handelsblatt)
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#6 eMANcipation*Anonym
  • 26.09.2011, 13:47h
  • Leider ist dieser "Test" ja symptomatisch für die generelle gesellschaftlich Entwicklung, in der eine sich bedroht fühlende heterosexistische Hegemonie zunehmend aggressiv die Stigmatisierung alles Schwulen vorantreibt. Und überhaupt von allem, was nicht in die sexistischen Mann-Frau-Rollenzuweisungen hineinpasst.

    Wo immer "selbstverständlicher" aggressivster (Hetero-) Sexismus die Bilderflut bestimmt, die schon Kindern ins Hirn brennt, wie Junge/Mann und Mädchen/Frau mit ihrer Körperlichkeit umzugehen haben, wie sich ihre "Männlichkeit"/"Weiblichkeit" definiert und wie sie folglich ihre Sexualität zu leben haben.

    Dazu bedarf es, wie schon an anderer Stelle unter dem Stichwort "Neoliberalismus der Körperkonzepte" ausgeführt, keiner großen Worte, sondern viel wirkungsmächtiger sind die allgegenwärtigen, sexistischen Darstellungen, Posen, Gesten, Symbole, die von den Medienkonzernen (TV-/Filmindustrie, Musikindustrie, allgemein Werbewirtschaft) rauf- und runtergezeigt werden.

    Dass dabei alles Schwule nahezu ausschließlich in den dümmlichsten Klischees und Stereotypen vorkommen darf, weil alles andere dem heterosexistischen Geschäftsmodell diametral entgegensteht und die heterosexistische Hegemonie grundlegend ins Wanken bringen würde, liegt auf der Hand.

    Die entscheidende Frage lautet: Warum setzen wir als Schwule dieser heterosexistischen Dauerinszenierung nicht endlich viel massiver und selbstbewusster gerade die Bilder und Botschaften entgegen, die das heterosexistische Zwangskonstrukt nicht nur ins Wanken, sondern sogar an immer mehr Stellen zum Einsturz bringen könnten?!

    Vor allem dort, wo es um die "junge Zielgruppe" geht, begehrtestes Objekt der Konzerne, sei es in Fernsehen und Film, Musikindustrie, im Sportgeschäft etc. ?!

    Und sorgen gleichzeitig dafür, dass Medienkonzerne klaren gesetzlichen Regelungen gegen Sexismus - dazu gehört auch die Diffamierung, Stereotypisierung und Stigmatisierung von Schwulen - unterworfen werden! Von Freiheit der Medien kann ja keine Rede mehr sein, wenn nur noch das Geschäftsmodell (Heteros-) Sexismus die Inhalte diktiert!
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#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 26.09.2011, 14:00h
  • Gott sei Dank habe ich kein Smartphone! Die Flut von Apps nimmt langsam groteske Züge an!
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#8 daVinci6667
  • 26.09.2011, 16:15h

  • Dieses App ist einfach dumm! Leider scheinen Franzosen solche Vereinfachungen eher zu mögen als anderswo. Ob sie es auch ernstnehmen bezweifle ich. Schaltet man einen der vielen privaten TV-Sender unseres westlichen Nachbarlandes ein (wir empfangen aus FR über Digital-TV über 40 Private dazu noch die öffentlich-rechtlichen) kommt massenweise Werbung für solchen Schrott! Da gibt's beispielsweise Apps um herauszufinden ob der Ex noch einmal mit Dir in die Kiste springt, dich noch liebt, oder zu dir zurückkehrt. Oder wo deine Verstorbenen sind, wie es denen geht und was sie über dich denken, etc.etc. Dazu dazwischen minutenlang irgendwelchen Klingelton-Scheiss. Die Leute werden gnadenlos abgezockt, der Dummheit sind keine Grenzen gesetzt. Dazu passt nun noch hervorragend dieses "ist mein Sohn schwul"-App.

    Nach den bekannt-dümmlichen Klischee-Fragen, finde ich die Auswertung das Widerlichste am Ganzen. Ist das Ergebnis Hetero wird folgendes verkündet:
    « Vous n'avez pas de soucis à vous faire, votre fils n'est pas gay. Il y a donc de grandes chances pour que vous soyez grand-mère avec toutes les joies que cela procure. »

    Ein dickes Lob für die passende Antwort der Schweizer Dialogai:

    "un fils homosexuel ne signifie pas nécessairement être privée de la « joie » d’être grandmère, comme en témoignent les 20 000 enfants élevés dans des familles homoparentales en Suisse."

    www.dialogai.org/article.php?sid=1516
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#9 beobachterinAnonym
  • 26.09.2011, 16:33h
  • Antwort auf #8 von daVinci6667
  • danke für diesen wichtigen hinweis!

    ====> "votre fils n'est pas gay. Il y a donc de grandes chances pour que vous soyez grand-mère avec toutes les joies que cela procure."

    das ist wirklich widerwärtigste diskriminierung und abwertung von schwulen!

    und bestätigt, dass alle vorstehenden ausführungen zum heterosexismus voll zutreffen.
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#10 gaycomyProfil
  • 26.09.2011, 17:32hBerlin
  • Ein gelangweilter Programmierer + möglichst klischeemäßige Fragen + dumme Eltern die dafür auch noch Geld bezahlen + ein wenig Werbung durch Medien (auch wenn anscheinend negativ) = aus Blödsinn maximal viel Geld machen.

    Schade, dass es wirklich welche gibt die für sowas Geld ausgeben und das, dass Sturmlaufen dagegen den Umsatz der App wohl nur noch Erhöhen wird.
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