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Gunther Geltinger im Interview

Ein schwuler Autor auf Sinnsuche


Gunther Geltinger

Mit "Mensch Engel" sorgte der Kölner Gunther Geltinger 2008 für Verzückung bei Buchwürmern. Auch die Kritiker mochten die Geschichte um die schwule Hauptfigur Leonard Engel. Derzeit verbringt Geltinger viel Zeit in Norddeutschland, um für sein neues Buch zu recherchieren. queer.de-Redakteur Dennis Klein hat sich mit dem schwulen Autor unterhalten.

Frage: Wie findest du Themen für deine Bücher?

Gunther Geltinger: Ich suche ins Nichts hinein. Ich habe viele Ideen, die sich aber beim Schreiben in sich selbst auflösen, weil ich keine Sprache finden kann. Ideen taugen nur, wenn sie sich in der Sprache niederschlagen. Ich bin bewusst in den Norden gegangen, um die Sprache der Landschaft aufzunehmen. Mein Ausgangspunkt sind ein bis zwei Figuren, die gewisse Befindlichkeiten haben. Daraus entwickeln sich die Szenen und die Motive. Ich plane nicht, auf Seite 47 und Seite 180 Wendepunkte in die Geschichte einzubauen, sondern überrasche mich auch gerne selbst beim Schreiben. Manchmal gibt es ein böses Erwachen, wenn die Geschichte nicht funktioniert.

Ist es schwieriger, über eine schwule Figur zu schreiben als eine heterosexuelle?

Nein. Ich versuche in meinen Büchern auch nicht, das Schwulsein zum Thema zu machen. Es kommen einfach schwule Figuren vor - bedingt durch ihre Sexualität haben sie eine bestimmte Wahrnehmung gegenüber der Welt. In "Mensch Engel" wird das Coming-out in den ersten 20 Seiten behandelt. Ich will die Sexualität integrieren, aber bestimmte Leser nicht ausschließen. Deshalb versuche ich, homosexuelle Codes zu vermeiden und schicke etwa meine Figur nicht in die Szene.

Taucht das Thema Homosexualität auch in deinem neuen Buch auf?

Hier ist der Weg offener, weil es darin um eine 13- bis 14-jährigen Jungen geht, der auf der Schwelle zum Erwachsensein steht. Das Thema kreist ums Alter, homosexuelle Tendenzen sind Teil der Figurenkonstellation.


Geltingers Debütroman "Mensch Engel" erschien 2008 bei Schöffling & Co. Das Cover oben zeigt die im vergangenen Jahr erschienene Taschenbuch-Ausgabe von Suhrkamp

Wie oft kommst du denn zurück an deinem Wohnort, nach Köln?

Ich habe Köln seit 2010 stiefmütterlich behandelt. Ich bin meist dank Stipendien in Norddeutschland - in einem Künstlerdorf im Wendland, in Lüneburg und auf Sylt. Köln ist mein Stützpunkt, dort wohnt mein Freund, dort ist meine Wohnung, mein soziales Umfeld. Ich führe aber ein literarisches Vagabundenleben. Ich kann aber besser reisen, weil ich Köln als Heimat habe. Ich suche nach neuen Orten als Lebensort, komme aber gerne nach Köln zurück. Wenn ich dort zulange bleibe, wird mir langweilig und es zieht mich wieder in die Ferne.

Du hast Drehbuchschreiben in Wien studiert. Wie unterscheidet sich das vom Romanschreiben?

Wenn ich ein Buch schreibe, weiß ich am Anfang nie, wie eine Geschichte ausgeht. Beim Drehbuch ist das festgelegt. Ein Drehbuch beruht auch viel eher auf Konsensbildung, weil es mehrere Instanzen gibt, die bis zu einer drehfertigen Form mitsprechen. Beim Roman ist das anders. Das Drehbuch hat auch ein festgelegtes Format. Ich stehe der Filmbranche im Moment distanziert gegenüber, bin aber trotzdem ein leidenschaftlicher Kinogänger. So schreibe ich Kritiken für das schwule Filmmagazin "Sissy".

Dein letztes Buch ist vor drei Jahren erschienen, dein nächstes soll 2013 herauskommen. Warum dieser große zeitliche Unterschied?

Ich bin ein langsamer Schreiber. Ich schreibe auch immer wieder um und lasse nichts stehen, das ich nicht als wirklich gut empfinde. Es gibt Kollegen, die können jedes Jahr ein Buch herausbringen. Ich bin sparsamer und vorsichtiger und habe nicht den Drang, viele Geschichten zu erzählen.Wenn ich eine Geschichte erzähle, möchte ich sie so erzählen, wie sie noch nicht erzählt worden ist. Ich weiß schon, dass fünf Jahre im Buchmarkt eine lange Zeit sind. Autoren werden schnell vergessen. Aber ich bin froh, dass mein Verlag keinen Druck macht und Vertrauen in mich setzt. Ich bin nun einmal keine Produktionsmaschine.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 supatopfoxxxyAnonym
#3 EnyyoAnonym
  • 27.09.2011, 10:50h
  • ... und äußerst knuffig ausschauen tut der gute Gunther Geltinger auch noch - könnte durchaus mal einen Bildband veröffentlichen!
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