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Valencia: Willkommen im Szeneladen "Café de las Horas" (Bild: Christian Scheuß)

I need Spain, Teil 5: Valencia küsst dich wirklich wach. Ein schwuler Wochenendtrip in die Gay-Metropole an der spanischen Mittelmeerküste.

Von Christian Scheuß

Wohl war, Valencia gehört bislang nicht zu den spanischen Orte, die auf der Reise-Wunschliste schwuler Touristen ganz oben stehen. Doch wer sich dort hin begibt, wird sich anschließend wundern, warum das so ist. Die Stadt im Osten des Landes, nicht allzu weit von Barcelona entfernt, ist eine kleine Perle, die es zu entdecken gilt, und die alles bietet, was man sich von einem Spanien-Urlaub wünscht, inklusive einer lebendigen Szene. Wir haben Anfang September einen Wochenendtrip ausprobiert. Es beginnt schon ganz easy mit der Anreise. Die erfolgt nämlich mehrmals täglich, entweder direkt oder über das Drehkreuz Palma de Mallorca beziehungsweise Madrid innerhalb weniger Stunden von allen großen deutschen Flughäfen aus mit Airberlin, Iberia oder Lufthansa.

Sanft in Valencia gelandet und schnell in die Innenstadt transportiert, kann man nach dem Einchecken - zum Beispiel im Designerhotel Dimar - gleich mit der Erkundung der Stadt beginnen. Erstes Urteil nach einem Rundgang: Die Stadt mit ihren rund 800.000 Einwohnern erinnert ein bisschen an Barcelona, nur ist hier alles zu Fuß erreichbar, und die Geschichte dieses multikulturell bevölkerten Ortes, der 350 Kilometer entfernt von der katalanischen Metropole liegt, ist hier greifbarer. Ebenso wie die Moderne. Aber dazu später mehr.

Die Römer und die Westgoten herrschten hier, mal war die Region Kalifat, mal muslimisch, mal christlich. All diese Einflüsse sind noch spür- und sichtbar. Da ist die Altstadt, die um die Kathedrale von Valencia herum sowie zwischen zwei übriggebliebenen Stadttoren der ehemaligen Stadtmauer das heutige Ausgeh- und Shoppingviertel bildet. Anfang des 20. Jahrhunderts hielt die Moderne der industriellen Revolution Einzug. Wohnhäuser. Stadtpaläste und staatliche Einrichtungen entstanden, die vom Jugendstil geprägt wurden. Der Colon Markt, der heute ein Veranstaltungsort ist, die "neue" Markthalle, die täglich geöffnet hat oder auch der Nordbahnhof sind nur ein paar Beispiele dieser verspielten und organisch geformten Architektur.

Captain Future lässt grüßen in der Stadt der Künste und Wissenschaften


Der deutsche Mark lebt in Valencia und liebt die Stadt, nicht nur wegen des süffigen "Aqua de Valncia" (Bild: Christian Scheuß)

Was macht man, wenn einem der Fluss, an dem man sich angesiedelt hat, mehr schadet als nutzt? Man leitet ihn um. So geschehen in Valencia mit dem Fluss Turia. Die Stadt plagten schwere Überschwemmungen, die jetzt Geschichte sind. Und was fängt man mit einem zehn Kilometer langen trockengelegten Flussbett ein? Man bildet einen Park. Mit dem Fahrrad, das sich überall in der Stadt ausleihen lässt, radelt man an Wiesen und Wäldchen vorbei, unter Brücken hindurch, die zuvor die vom Wasser getrennten Ufer verbanden. Fährt man in Richtung Westen, gelangt man zum Tierpark, fährt man in Richtung Osten, gelangt man zur Stadt der Künste und Wissenschaften.

Diese Stadt ist ein kühner Entwurf des Architekten Santiago Calatrava, deren erster Spatenstich zur Errichtung vor etwa 30 Jahren begann. Entstanden ist ein Areal, das anmutet wie aus einem Science Fiction. Die Oper ist ein riesiges weißes Raumschiff, kurz vor dem Abheben. Dahinter liegen der Kunstpalast, das Kino und noch weitere Gebäude, die einfach nur spektakulär sind. Wie in Barcelona zeigt sich auch hier, wie mutig und beeindruckend das Nebeneinander von Historie und Moderne sein kann.

Genug von der City gesehen? Dann ab in die U-Bahn, die einen direkt zum Strand bringt. Ein breiter Streifen weißen feinen Sandes lädt zum Sonnenbad ein, die Wassertemperatur des Mittelmeeres liegt von Juni bis Oktober über 20 °C. Mai und Oktober gelten als die Monate mit den meisten Regentagen, für einen Städtetrip eignet sich das Valencia ganzjährig, Badeurlaub mit heißen Tagen bekommt man zwischen Juni und September geboten.

Die schwule Szene ist ein bisschen wie in Köln, nur spanischer


Partypeople vor der Disco Deseo 54 (Bild: Christian Scheuß)

Nicht nur Fans von Design und Architektur, Kultur und Meer kommen auf ihre Kosten, auch kulinarisch gesehen ist Valencia eine Perle. Die ostspanische Küche ist von Reis, lokalem Gemüse und Fisch geprägt. Hier stammt die wahre und echte Paella, das spanische Nationalgericht, her. Huhn, Kaninchen, Bohnen, Fisch, Meeresfrüchte oder Gemüse zieren den gelb gefärbten Reis, der auf offenem Feuer in großen flachen Pfannen zubereitet wird. Das quirlige und gerade von Einheimischen geliebte Traditions-Restaurant "La Pepica" direkt am Stadtstrand ist eine sehr gute Adresse, um eine Paella zu bestellen. Typisch für Valencia ist auch die Horchata, ein Getränk aus Erdmandeln. Damit lässt sich bestens der seltsame Geschmack der Eiscreme mit Sardellen und sonstigen merkwürdigen Geschmacksrichtungen beseitigen, die hier überall angeboten werden.

Ein guter Aperitif ist auch das "Agua de Valencia", ein Mischgetränk aus spanischem Sekt Cava, frisch gepressten Orangensaft und anderen Zutaten wie zum Beispiel Wodka. Der süffige Cocktail wird zum Beispiel im "Café De Las Horas" serviert, einer angesagten Szenebar, die mit viel Camp, Samt und Seidenblumen einen etwas trutschigen Einstieg in den Abend und in das Nachtleben ermöglicht. Wie überall in Spanien wird erst spät zu Abend gegessen. Das gegenüberliegende Restaurant "Seuxerea", betrieben von dem Briten Stephen Anderson und seinem spanischem Mann, bietet landestypische Zutaten wie Fisch, Gemüse und Reis mit ein bisschen Molekularküche und sonstigen internationalen Einschlägen. Dazu gibt es perfekt passende Weine aus der Region. Wer sich nicht für ein Gericht von der Karte entscheiden kann, sollte sich von Stephen einfach mal angenehm überraschen lassen.

Noch ein Ortsvergleich sei erlaubt: Valencias Szene ist ein bisschen wie in Köln, nur viel spanischer. Natürlich ohne Kölsch, aber fussläufig erreichbar. Es gibt Bars für jeden Geschmack. Das Cafe De La Seu ist das älteste Lokal der Stadt, Transenshows und Gaykino zwischendurch bietet das Q-Art Café. Mehrere Sexbars laden zum Cruisen ein, rund ein Dutzend weitere Bars und drei Saunen lassen den Abend schnell zur Nacht werden, die den Discotheken gehört. Im Stadtviertel Cabanyal, auf der anderen Seite des ehemaligen Flusses, haben sich die Tanztempel wie das "So and Go" oder der gemischte House-Club "Deseo 54" angesiedelt. Wie gut, dass es im Hotel Frühstück bis um elf gibt, denn vor vier Uhr in der früh lohnt es sich nicht, schlafen zu gehen...

Wie man von Valencia nach Alicante kommt und was es dort zu erleben gibt, folgt im Oktober im sechsten Teil unserer Serie "I need Spain".

Galerie:
Valencia
17 Bilder


#1 vingtans
#2 Mariposa Anonym
  • 02.10.2011, 11:35h
  • Antwort auf #1 von vingtans
  • Da stimme ich Dir gerne zu.... Necesito Espana tambien, aber auf eine ganz andere Weise. Ich möchte viel lieber Kultur kennenlernen, zudem auch meine Spanischkenntnisse verbessern (die geilste Sprache der Welt - wo kann man das sonst am besten ?).
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#3 Iceman
  • 02.10.2011, 16:51h
  • hehe geil, das tshirt, was der rechte typ auf dem ersten bild an hat, hab ich auch =D
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#4 gatopardo
  • 02.10.2011, 17:05h
  • Antwort auf #2 von Mariposa
  • Ja das höre ich gerne, wenn es nicht immer nur das schwule Ibiza oder Gran Canaria sein muss.Übrigens rast der Hochgeschwindigkeitszug AVE stündlich seit Dezember2010 in 1 1/2 Stunden die fast 400km von Madrid nach Valencia, weshalb ich das im April gleich mal ausprobiert habe. Diese Stadt ist wirklich atemberaubend, überschaubar und hat alles, was man sich wünscht. Kulinarisch hervorragend sind alle möglichen Reis-Rezepte heimischen Anbaus mit Meeresfrüchten und nicht nur die "paella valenciana" . Dazu dann das prickelnde kühle "agua de Valencia" und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Anmerkung: Die autonome Region "País Valenciano" hatte schon lange vor der totalen Gleichstellung trotz ständiger konservativer Regierungen die eingetragene Partnerschaft !
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#5 ikujzhteAnonym
#6 MarcAnonym
  • 02.10.2011, 19:03h
  • Schönes Land und nette Menschen!

    Was mich nur immer wieder stört, ist die Begeisterung fürs Tierquälen (sei es Stierkampf, Straßenhunde, Straßenkatzen, etc.). Da sehen viele Spanier einfach weg oder jubeln sogar noch darüber.

    Es würde dieses Land viel attraktiver machen, wenn Tier dort einen anderen Stellenwert hätten (und es z.B. auch keinen Stierkampf gäbe).
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#7 Geert
  • 02.10.2011, 19:19h
  • Antwort auf #2 von Mariposa
  • Ich würde nicht dazu raten, zum Spanischlernen nach Valencia zu fahren. In Valencia wird nämlich Katalanisch gesprochen....
    Aber das scheint dem Reporter offensichtlich nicht aufgefallen zu sein. Spanisch (Kastilianisch) und Katalanisch sehen ja auch ähnlich aus.
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#8 Mariposa Anonym
#9 Mariposa Anonym
  • 02.10.2011, 20:52h
  • Antwort auf #6 von Marc
  • Der wurde zum Glück wenigstens in Katalonien abgeschafft. Wovor es mir aber noch mehr graut, ist diese gräßliche Vatikanpartei PP, die ja wohl leider ausgerechnet an Francos Todestag die Parlamentswahl gewinnnen wird....
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#10 Mutter RosaAnonym