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Spielfilm "All My Life"

Schwuler Alltag in Ägypten


Ein Paradebeispiel des ägyptischen Untergrundfilms: "All My Life"

Jetzt auf DVD: Maher Sabrys mutiger Spielfilm "All My Life" musste heimlich im Guerilla-Stil in Kairo gedreht werden - ein Ex-Mufti forderte bereits die Verbrennung.

Von Carsten Weidemann

Vor genau zehn Jahren wurden 52 schwule Männer in der Discothek "Queen Boat" in Kairo verhaftet. Auf dieser Basis erzählt Autor und Regisseur Maher Sabry in seinem Spielfilm "All My Life" von der problematischen Realität homosexuellen Alltags in Ägypten.

Die dreijährige Drehzeit ohne Budget und unter hohen Risiken, geprägt von Zensurbestimmungen und staatlichen Restriktionen, hat sich jedoch gelohnt: "All My Life" ist ein Paradebeispiel des ägyptischen Untergrund-Films, ein politisches und poetisches Statement für den Kampf um Freiheit und (sexuelle) Selbstbestimmung. Und dass ein Ex-Mufti bereits die sofortige Verbrennung des Films gefordert hat und ein führender Doktor dem Film unterstellt, er würde aufgrund der Darstellung von schwulem Sex die Verbreitung von Aids fördern, zeigt, wie massiv die staatliche und religiöse Unterdrückung Andersdenkender wirklich war und - trotz Revolution - möglicherweise heute noch ist.

Liebe und Sex in der versteckten schwulen Szene von Kairo


Der Film thematisiert auch staatliche und religiöse Gewalt und Unterdrückung von Schwulen in Ägypten

Die eigentliche Story: Rami ist 26, lebt in Kairo, hat einen gut bezahlten Job, liebt das Leben - und er ist schwul. Nicht unbedingt offen, aber er versteckt sich nicht hinter heterosexuellen Beziehungen. Er war glücklich mit Walid, der ihn jedoch für eine Frau verlassen hat - aus "Rücksicht" auf die Familie. Ramis beste Freundin Dalia verlässt die Stadt, geht an die Uni von San Francisco und drängt Rami, mit ihr zu kommen. Karim, der beste Freund, Arzt, treibt sich gerne in der versteckten schwule Szene der Metropole herum, hat einen amerikanischen Liebhaber und wird bei einer Razzia beinahe verhaftet.

Ahmad, Ramis Nachbar, wiederum ist ein strenggläubiger Muslim, der mit seinen unterdrückten Trieben hadert. Und Mina, der christliche Junge von gegenüber, begehrt Rami schon lange, lebt ungeoutet unter der Fuchtel seiner Mutter. Rami beginnt ein unstetes Leben und gibt sich mit Touristen ab, die auf der Suche nach Sex sind. Als er den charmanten jungen Atef kennenlernt, einen Kellner, muss er sich entscheiden: kann er jemandem lieben, der nicht aus seinen Kreisen stammt?

Youtube | Offizieller Trailer zum Film

Auch in der Fremde sind die Macher und Darsteller Ägypter

Der Titel "Toul omry" (All My Life) basiert auf dem Titel des ägyptischen Lieds "Toul omri ayesh liwahdi" ("Mein ganzes Leben war ich allein") von Mohamad Abdel-Wahab aus den 1930er Jahren. Der Song erzählt von der Einsamkeit in einer Welt von Familien und Freunden und die Suche nach Seelenverwandtschaften. Eine zentrale Metapher des Films, ein Lied aus einer Zeit, als die ägyptische Gesellschaft liberal genannt werden konnte, als Individualismus noch nicht geschmäht und verdammt, als der religiöse Fundamentalismus noch nicht die Privatsphäre erreicht hatte.

Die Dreharbeiten für den Film verliefen abenteuerlich: Alle ägyptischen Szenen entstanden im Guerilla-Stil auf der Straße aus Furcht vor staatlichen Restriktionen. Ein Großteil konnte verständlicherweise nur im sicheren Kalifornien entstehen. Auswanderung ist ein Thema des Films, er versucht jedoch zu betonen, dass Flucht keine Lösung ist und sein darf: diejenigen, die anders sind, sollten nicht gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. Auch in der Fremde sind die Macher und Darsteller Ägypter. Der Funken, den der Einsatz dieser Talente in der Diaspora erzeugt hat, wurde gesehen und verstanden.

All My Life (Toul omry), Spielfilm, Ägypten 2008, Regie: Maher Sabry, Laufzeit: 120 Minuten, Sprache: OV (Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch) mit deutschen und englischen Untertiteln, FSK 16, Gmfilms

Galerie:
All My Life
20 Bilder


#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 11.10.2011, 16:40h
  • Momentan geht es in Ägypten drunter und drüber, und zwar wegen dem Konflikt Kopten ./. Muslime. Hier bleibt noch einiges zu tun. Vor allem aber ist es mutig, einen Film über Homosexualität unter extremsten Bedingungen zu drehen und dann zu veröffentlichen. Im November sollen in Ägypten Parlamentswahlen stattfinden und ich hoffe, daß die Demokratie im Land der Pharaonen endlich Fuß fassen kann und nicht die Scharia eingeführt wird (so wie das in Libyen beabsichtigt ist, auch wenn Gaddafi endlich weg ist)!
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#2 BurgerBerlinProfil
  • 11.10.2011, 17:11hBerlin
  • Scheinbar existiert immer noch der Irr"glaube" an ein friedliches Zusammenleben von Religionsgemeinschaften in einem zu bildenden demokratischen Staat. Leider sticht der Islam hier besonders hervor. Nicht nur, dass er "andersgläubige" verfolgt, sondern auch Homosexuelle werden mit dem Tod bedroht. Natürlich kommt jetzt wieder die ewige Leier mit dem bösen Papst bzw. der christlichen Kirchen. Nur schlachten die christlichen Glaubensrichtungen in ihrer jetzigen Entwicklung keine Schwulen mehr ab und sie betätigen sich auch nicht als feige Mörder aus dem Hinterhalt gegen Menschen die Demonstrieren, so wie im Moment in Ägypten.
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#3 mass & anstandAnonym
  • 11.10.2011, 17:46h
  • Antwort auf #2 von BurgerBerlin
  • Allgemein wird in Israel die Besonnenheit der muslimischen Bevölkerung gelobt, nachdem im Süden Israels, vor etwa einer Woche, eine Moschee in Flammen aufging. Und vor einigen Tagen muslimische und christliche Friedhöfe geschändet wurden.
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#4 finkAnonym
  • 11.10.2011, 18:00h
  • Antwort auf #2 von BurgerBerlin
  • die frage ist nicht, aus welcher religion die fanatiker kommen, die die demokratie am liebsten abschaffen und alle "sünder" ins jenseits befördern wollen. die gibt es unter christen nämlich leider auch (sie sind nur meistens nicht so erfolgreich - vorerst).

    die frage ist, ob der staat von diesen leuten unterwandert wird, so dass sie ihren wahn tatsächlich umsetzen können, oder ob er seine bürger vor diesen fanatikern schützt.

    mit anderen worten: die entscheidende front verläuft nicht zwischen christentum und islam, sondern zwischen laizismus und klerikalismus.
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#5 fakten&vernunftAnonym
  • 11.10.2011, 19:30h
  • Antwort auf #2 von BurgerBerlin
  • In den letzten Jahren war viel vom "islamistischen Terrorismus" die Rede. Schaut man sich die empirischen Befunde für Deutschland an, dann bezieht sich dies weniger auf einen Terrorismus von Islamisten, sondern vielmehr auf einen Terrorismus gegen Moslems.

    Im Einzelnen handelte es sich um folgende Angriffe:

    29-mal Steinwürfe (o. ä.)
    6-mal Einbrüche mit Vandalismus
    58-mal Brandanschläge
    4-mal Schusswaffengebrauch
    11-mal Bombendrohungen
    3-mal "Bomben"-Anschläge (o. ä.)
    11-mal Sonstige / Unbekannt
    Hinzu kommen - gemäß Literaturlage - mindestens 47 Moschee-Schändungen in 39 Orten im gleichen Zeitraum. Rechnet man Anschläge und Schändungen zusammen, dann verteilen sich die Übergriffe - Doppelnennungen ausgenommen - in insgesamt 106 Städten und Gemeinden Vorfälle gegeben.
    Die Moscheeanschläge verteilen sich auf alle alten Bundesländern mit Schwerpunkten in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Hingegen gab es in den neuen Bundesländern (Ausnahmen: Berlin-Ost und Gera) kaum Angriffe. Dies spricht hingegen nicht automatisch für eine allgemeine Weltoffenheit und Toleranz der ostdeutschen Bevölkerung. Der zugrunde liegende Tatbestand ist ein anderer: wo keine Moscheen sind, können auch keine angezündet werden.
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#6 UtøyaAnonym
#7 BurgerBerlinProfil
  • 11.10.2011, 20:55hBerlin
  • Antwort auf #5 von fakten&vernunft
  • Es ist schon erschreckend, der Artikel beschreibt die Situation in Ägypten und es wird mit irgendwelchem Zahlenmaterial - natürlich ohne Quellenangabe - über die Situation in Deutschland diskutiert. Man ist scheinbar nicht in der Lage über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
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#8 antos
#9 daVinci6667
  • 11.10.2011, 23:53h

  • Ein bestimmt interessanter Einblick den dieser sicher sehr sehenswerte Film ermöglicht.

    Schade nur, dass bei einem solchen Film, hier wieder die altbekannten Diskussionen losgehen.
    Das Leben von offen schwul lebenden Männern ist in vielen muslimischen Ländern schlicht und einfach eine Katastrophe! Das ist Fakt. Leider zweifle ich immer mehr, dass die zarten, aber großen Hoffnungen in die so dringend nötigen Verbesserungen durch den arabischen Frühling kommen werden. Bleiben diese tatsächlich aus, werden die Diskriminierungen hier lebender Muslime sicher auch nicht geringer werden.

    Ehrlich gesagt, kann ich einem Gläubigen, egal welcher Religion, nur nahelegen, sich dieser zu entledigen. Psychotherapie könnte helfen, zu einer eigenständigen Persönlichkeit zu wachsen. Schade nur, kann man nicht ganze Staaten in Kliniken einweisen....
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#10 Peter BAnonym
  • 12.10.2011, 01:51h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • Die Scharia besteht aus Rechtsnormen und Vorschriften. Auch in einer Demokratie kann sich ein Volk dazu entscheiden, die Scharia als Gesetzeslage zu verabschieden. Sprich Demokratie und Scharia schließen sich nicht aus. Demokratie heißt nicht gleich Menschrenrechte gemäß der UNO-Konventionen.
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