Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?15155

Frank Kameny gilt als einer der einflussreichsten Homo-Aktivisten in den USA

Frank Kameny ist am Dienstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Astronom gilt als einer der Pioniere der in den 1960er Jahren auflebenden Schwulenbewegung in den USA.

Angehörige erklärten, Kameny sei in seiner Wohnung in Washington eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Der Aktivist hatte vor 50 Jahren die einflussreiche Gruppe "Mattachine Society" in der US-Hauptstadt mitbegründet, die sich aggressiv für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben einsetzte. In Anlehnung an den Spruch "Black is beautiful" hat er 1968 den Slogan "Gay is good" für die Homo-Bewegung erfunden.

Sein Leben als Aktivist folgte einer einschneidenden Diskriminierungserfahrung: Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er noch im US-Militär gegen die Nazis, verlor aber 1957 seinen Job als Wissenschaftler bei der Army, nachdem seine Homosexualität publik geworden war. Daraufhin prangerte Kameny offen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben an. Er rief die damals recht zahmen Homo-Gruppen auf, sich ein Beispiel an der Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen zu nehmen. So demonstrierte er seit 1963 in der Stadt Washington, um das Verbot von Homosexualität aufzuheben. 30 Jahre später waren die "Sodomy Laws" in der Hauptstadt Geschichte - mit einem Gesetz, das Kameny persönlich verfasst hatte.

Kamenys Ziel: Schwule und Lesben in der Mitte der Gesellschaft


Das Bild zeigt Kameny als Soldaten im Zweiten Weltkrieg

1971 war er der erste offen schwule Kandidat für ein politisches Amt: Er bewarb sich in Washington um den Sitz im US-Repräsentantenhaus. Er erklärte damals: "Ich bin ein homosexueller Amerikaner, der sich vornimmt, in die Mitte der Gesellschaft vorzustoßen, aus der ich ausgeschlossen wurde. Homosexuelle wurden schon immer rumgeschubst. Es reicht uns jetzt. Wir fangen an, zurückzuschubsen und werden das so lange tun, bis unsere Rechte garantiert werden."

Homo-Aktivisten haben Kameny als einen ihrer großen Vorbilder bezeichnet. So erklärte Joe Solomonese von der Human Rights Campaign, Kameny habe ein "außergewöhnlichen Leben geführt und mit seinen heroischen Taten den Grundstein für die modern schwul-lesbische Bürgerrechtsbewegung gelegt".

Kameny war bis zuletzt in der Öffentlichkeit aktiv. So wohnte er im Dezember 2010 in der ersten Reihe der Zeremonie bei, bei der Barack Obama das Homo-Verbot im US-Militär endgültig aufhob (queer.de berichtete). (dk)

Youtube | Kameny-Rede im Juni 2011


#1 1968Anonym
  • 12.10.2011, 14:31h
  • "Es reicht uns jetzt. Wir fangen an, zurückzuschupsen und werden das so lange tun, bis unsere Rechte garantiert werden."

    Eine der Methoden für alle Menschen, denen man die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verweigert.

    Vor diesem halben Jahrhundert kann man sich nur verbeugen:

    "Der Aktivist hatte vor 50 Jahren die einflussreiche Gruppe "Mattachine Society" in der US-Hauptstadt mitbegründet, die sich aggressiv für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben einsetzte. In Anlehnung an den Spruch "Black is beautiful" hat er 1968 den Slogan "Gay is good" für die Homo-Bewegung erfunden."
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Carsten ACAnonym
  • 12.10.2011, 15:55h
  • Ein großes Vorbild, dessen Bedeutung ähnlich groß ist, wie die von Harvey Milk. Schade, dass er so unbekannt ist...

    Ich stimme ihm vollkommen zu, dass wir noch viel von anderen (erfolgreicheren) Bürgerrechtsbewegungen lernen könnten (und sollten):
    - Beispiel Wahlen:
    ein Farbiger würde nie eine rassistische Partei wählen. Wieso wählen Schwule und Lesben immer noch Union und FDP? Würden wir nur ein einziges mal geschlossen diese Parteien nicht wählen, würden sie sehen, dass man gegen 15% der Bürger keine Politik machen kann. Dann wäre deren Homophobie nach einer Wahl beendet.

    - Beispiel Wirtschaft:
    andere Gruppen boykottieren Unternehmen, Produkte, Personen, etc. die sie boykottieren. Denn die Sprache des Geldes versteht jeder am besten. Selbst wenn sie hasserfüllt sind.
    Wieso boykottieren wir z.B. nicht Becks Bier und den Sänger Clueso? Beide fördern Auftritte von Hass-Sängern, die zum Mord an Schwulen aufrufen.

    Fazit:
    wir könnten so viel mehr erreichen (und auch so viel schneller), wenn wir uns unserer vereinten politischen und wirtschaftlichen Macht endlich bewusst würden und sie auch gesammelt einsetzen...
  • Antworten » | Direktlink »
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#4 MarcAnonym
  • 12.10.2011, 18:00h
  • Antwort auf #2 von Carsten AC
  • Da hast Du recht. Ich kannte den z.B. gar nicht, obwohl er ja ziemlich aktiv war. Echt schade, dass man von solchen tollen Leuten nur durch Zufall erfährt.

    Bei dem Rest stimme ich Dir zu:
    wir lassen uns viel zu viel gefallen, ohne uns zu wehren. Das unterscheidet uns von anderen Minderheiten und deshalb sind wir auch als letzte Minderheit immer noch nicht gleichgestellt.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 SebiAnonym
  • 12.10.2011, 19:56h
  • Antwort auf #4 von Marc
  • Ich glaube der Grund dafür ist ganz einfach, dass wir so selten zusammen stehen, sondern uns eher gegenseitig bekriegen.

    Die einen lästern über Bären, die anderen über Tucken, wieder andere über Dicke, andere über Alte, etc. etc. Schönheit, Jugend und Körperkult sind vielen wichtiger als innere Werte.

    Und die Konservativen lachen sich ins Fäustchen, weil wir uns gegenseitig anzicken und bekriegen. Da müssen sich die Homohasser nur noch entspannt zurücklehnen und freuen, dass wir ihnen die Arbeit abnehmen.

    Schwarze, Frauen, Behinderte, etc. kämen nie auf die Idee, sich gegenseitig so zu bekriegen. Die bündeln eher ihre Kräfte, um gemeinsam für ihre Rechte zu kämpfen. Deshalb sind sie auch gleichgestellt.

    Wie können wir Akzeptanz erwarten, wenn wir uns nicht mal gegenseitig akzeptieren?

    Würden wir unsere Vielfalt akzeptieren und für uns ALLE kämpfen, wären wir längst gleichgestellt.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 antos
  • 13.10.2011, 09:08h
  • Antwort auf #5 von Sebi
  • "Würden wir unsere Vielfalt akzeptieren und für uns ALLE kämpfen, wären wir längst gleichgestellt."

    Voraussetzung dafür wäre, ein "wir" überhaupt anzunehmen. Der CSD-Bummler mit Regenbogenwimpel und der konservative Manager mit Krawattennadel ["mein Privatleben geht niemanden etwas an"] - um zwei besonders platte Klischees zu nehmen - empfinden einander höchstens für die kurze Zeit als "Wir", in der sie einander wechselseitig im Rahmen einer Fetischbeziehung zum Lustobjekt machen. Deswegen wahrscheinlich werden manche bei Pornos von einer warmen Welle Emanzipationsgefühl überschwappt, denn dort, im Porno, werden die realen Grenzen ausgeblendet.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 kwekuAnonym