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Guck mal, Guido, ein Buch! Rundgang mit Außenminister Westerwelle am Mittwoch (Bild: Buchmesse Frankfurt)

Frankfurt lädt wieder zum Lesen ein. Ein Überblick über das schwul-lesbische Angebot auf der großen Messe für Literatur.

Von Carsten Weidemann

Island ist in diesem Jahr der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, die vom 12. bis 16. Oktober mit 7500 Ausstellern und 3000 Veranstaltungen geschätzte 300.000 Besucher anlocken wird. Das kleine Land, von dem es heißt, in der langen dunklen Winterzeit würden die Einwohner sehr viel lesen und sogar schreiben, bietet tatsächlich ein paar erwähnenswerte Tatsachen aus schwul-lesbischer Sicht.

Fangen wir mit Halldór Laxness an, dem einzigen isländischen Autoren, der jemals einen Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Im Jahr 1925 war Halldór ein 23-jährigerrebellischer junger Mann von Welt, der auf süffisante Weise die isländische Kultur mit der anderer Länder verglich. Er schrieb: "Kulturell hatten wir während des vergangenen Jahrhunderts nichts repräsentatives vorzuweisen, nur ein paar Vagabunden auf dem flachen Land und diese erbärmliche Lateinschule ohne würdige Behausung. Und ganz plötzlich haben wir in Reykjavík alles, was eine kosmopolitische Stadt ziert, nicht nur eine Universität und ein Kino, auch Fußball und Homosexualität." Eine prominente isländische Autorin der Jetztzeit ist Jónína Leósdóttir. Die offen lesbische Roman- und Bühnenautorin ist mit Jóhanna Sigurðardóttir verheiratet, der isländischen Ministerpräsidentin.

Schwul-lesbische Bücher jetzt als E-Book auch auf dem Kindle-Reader


Tablet-Streichler statt Fingerbefeuchter-Umblätterer (Bild: Buchmesse Frankfurt)

Auch wenn sich die meisten schwul-lesbischen Verlage vor allem aus Kostengründen inzwischen nicht mehr auf der Buchmesse blicken lassen, gibt es nach wie vor genug Anlaufpunkte für das Regenbogen-Publikum. So lädt der Querverlag traditionell zum Sektempfang am Donnerstag. Der britische Schauspieler Rupert Everett ist Gast und wird über seine neue filmische Adaption eines Stücks von Oscar Wilde plaudern. Und das Schwul-Lesbische Kulturzentrum bestückt die Lesenacht mit Autorinnen und Autoren von Konkursbuch- und Querverlag. Alle Termine und Standnummern am Ende des Artikels.

Die Digitalisierung des Buchmarktes schreitet voran, eine Herausforderung für die kleinen schwul-lesbischen Verlage, denen langsam die traditionellen Vertriebswege wie der lokale Buchhandel weg brechen. Stattdessen müssen sie nicht nur die technischen Hürden zur Produktion von E-Books meistern, sie befinden sich nun auch in einem größeren Kampf um die Aufmerksamkeit von Leserinnen und Lesern in den virtuellen Mega-Buchläden wie Amazon oder iTunes. Die Neuerscheinungen von Männerschwarm, Himmelstürmer oder Querverlag sind nun alle in digitaler Form erhältlich. Und die Lesegeräte wie zum Beispiel der neue Kindle oder auch die erste Version des Oyo-Readers von Thalia sind inzwischen unter die 100-Euro Grenze gerutscht. Ein weitere Hürde zum Einstieg ins digitale homophile Lesevergnügen ist genommen.

Schwul-lesbische Termine und Stände auf der Buchmesse

13.10.; 16h, Find the present in the past: "The Happy Prince" - Oscar Wilde Adaption by Rupert Everett. Talk mit dem Schauspieler und Jörg Schulze von cine plus, im Rahmen des Konferenz-Programms "Storydrive". Messegelände, Agora, Open Space.
13.10., 17 - 18h, Lesbisch-schwuler Sektempfang. Der alljährliche Sektempfang vom Querverlag für Lesben und Schwule auf der Buchmesse, Stand 4.1 D 153.
15.10., ab 20h, Lesbisch-Schwule-Lesenacht im LSKH. Die Lesenacht im Lesbisch-Schwulen Kulturhaus, in diesem Jahr mit Anne Bax (Herz und Fuß), Regina Nössler (Auf engstem Raum) und Sandra Wöhe (Die indonesischen Schwestern) aus dem konkursbuch-Verlag sowie weiteren Gästen.

Querverlag 4.1 D153 | Konkursbuch Verlag 4.1. D154 | Milena Verlag 4.1 D125 | Elles Verlag 4.1 D156 | Arsenal Pulp Press 8.0 K941



#1 Carsten ACAnonym
  • 12.10.2011, 15:48h
  • Ja, Bücher haben (u.a. aufgrund der Vielfalt an Verlagen und Spezialbuchhandlungen) schon Homothemen aufgegriffen (sowohl in Romanen als auch Sachbüchern) als in anderen Medien noch nicht daran zu denken war!!

    Ich muss auch noch was zu eBooks sagen. Die haben viele Nachteile gegenüber gedruckten Büchern:

    - ein gedrucktes Buch brauche ich nicht immer den Akku aufladen, das funktioniert immer und überall

    - ein Buch lässt sich auch bei Sonnenlicht noch prima lesen

    - ein Buch darf auch mal hinfallen oder irgendwo anecken, ohne dass es kaputt geht.

    - ein Buch hat auch kein Problem mit Salzluft am Strand oder Sandkörnern.

    - gedruckte Seiten sind sowohl von der Qualität als auch Quantität der Informationsaufnahmme viel besser als Displays und lassen sich auch ermüdungsfreier lesen. Übrigens unabhängig von Auflösung, Kontrast, etc. des Displays (siehe Habilitation von Prof. M. Ziefle von der RWTH Aachen)

    - ein gedrucktes Buch kann man auch verleihen ohne gleich den ganzen Reader mit allen weiteren Büchern zu verleihen.

    - Vom Flair geht nichts über das haptische Erlebnis des Lesen eines echten Buchs und des Stöberns in einem gemütlichen Buchladen.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 12.10.2011, 17:51h
  • Eines hat die Frankfurter Buchmesse schon voraus geeilt: E-Books sind der absolute Ladenhüter und werden sich in Deutschland niemals durchsetzen!
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#3 MarcAnonym
  • 12.10.2011, 17:57h
  • Antwort auf #1 von Carsten AC
  • Ich bin auch Buch-Fan!

    Und neben den von Dir beschriebenen praktischen Nachteilen von eBooks kommt noch was dazu:
    gerade eBooks haben die Tendenz zur Konzentration. Vielleicht wird dann irgendwann alles jenseits des Mainstream nicht mehr erhältlich sein, weil die Vielfalt an Verlagen und Buchhandlungen zerstört wird.

    Außerdem erlaubt das natürlich die totale Überwachung, wer welche Bücher liest.
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#4 antos
  • 12.10.2011, 20:48h
  • Antwort auf #1 von Carsten AC
  • Wichtige Argumente - und über den Geruch eines neuen Buchs geht übrigens auch nix [erinnert mich immerfort an die Eroberungsfreuden meiner späten Kindheit]. Trotzdem sind eReader eine hilfreiche Erfindung: endlich keine hässlichen Bücherwände mehr! Jederzeit markieren [und elektronischen Zettelkasten anlegen - Arno Schmidts Traum erfüllt!] und zitieren per Mausklick: toll!
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#5 MartinaAnonym
  • 12.10.2011, 21:14h
  • Genau so ist es

    und wenn es in die Badewanne fällt, kann man es trotzdem noch lesen.

    in 20 Jahren ist das erneute Lesevergnügen immer noch gewährleistet.

    die Liste ließe sich endlos fortführen

    Bücher sind eben besser als Maschinen
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#6 J. FriedenbergfAnonym
  • 13.10.2011, 17:26h
  • Das Buch wird überleben, die Zeitung auch. Doch sämtliche Medien werden den wachsenden Qualitätsansprüchen ihrer Leser und Leserinnen Rechnung tragen müssen. Dass dies noch nicht geschieht, beweist zur Zeit die völlig unzulängliche Berichterstattung über die Frankfurter Buchmesse. Die Zeitungen glauben ihrer Informationspflicht schon mit einer oder auch zwei "Literaturseiten" nachzukommen. Da werden die mehr oder minder bedeutenden Preisträger mit ihren mehr oder weniger bedeutenden Werken vorgestellt. Hier und da fällt für ortsansässige Autoren und Verleger ein Lob ab, doch eine kritische Auseinandersetzung sucht man meist vergebens. Und schwullesbische Neuerscheinungen werden außerhalb der Szene kaum wahrgenommen. Wer sich im Fernsehen ´über das Messeangebot informieren will, wird auf Expertenrunden zu nachtschlafener Zeit verwiesen.Warum auch nicht? Denn von Büchern, die ihre Leser spannend und unterhaltsam erfreuen wollen, ist ohnehin kaum noch die Rede. Jürgen Friedenberg
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#7 Argument No.1Anonym
#8 antos
  • 15.10.2011, 20:58h
  • Antwort auf #7 von Argument No.1
  • Oh ja, stimmt.
    Und für die Herstellung und Distribution von Büchern brauchts ja Gott sei Dank weder Holz, noch Wasser, noch Strom.

    "Der Direktor [der Papierfabrik, moi] kennt seine Arbeiter nicht einzeln, aber er kennt ihren Gesamtwert, grüß euch Gott, alle miteinander." [E. Jelinek: Lust]
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#9 FoXXXynessEhemaliges Profil