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John Smid will nicht länger Schwule hassen – auch nicht sich selbst.

Als früher Chef von Exodus International hat John Smid Homosexuelle stets dazu aufgefordert, entweder Buße zu tun oder im Höllenfeuer zu schmoren – inzwischen tut ihm diese Haltung leid.

Von Dennis Klein

Exodus International ist die weltweit größte so genannte Ex-Gay-Gruppe. Die Mitglieder sehen es als ihre Pflicht an, Homosexuelle zur Heterosexualität zu bekehren – und das mit deftiger Rhetorik. So erklärte ihr früherer Anführer John Smid noch vor wenigen Jahren, dass der Tod in jedem Fall besser sei als das Leben als Schwuler: "Bei eurem körperlichen Tod könnte eure Seele immer noch wiederauferstehen. Wenn ihr aber zur Homosexualität zurückkehrt, macht ihr Platz für einen seelischen Tod, von dem es keine Rettung gibt."

Smid glaubte, 1984 die Antwort auf seine eigenen homosexuellen Gelüste gefunden zu haben: "Ich habe Jesus Christus als meinen Retter angenommen", wiederholte er immer und immer wieder. In den letzten Monaten sind ihm aber offenbar Zweifel gekommen: Denn in einem Blog erklärte Smid nun, dass er noch niemanden getroffen habe, der den "therapeutischen" Weg von der Homo- zur Heterosexualität wirklich erfolgreich gegangen sei. Außerdem sei es Blödsinn, so Smid, von Schwulen und Lesben Buße zu verlangen: "Die Leute können keine Buße tun, denn sie sind homosexuell – oder eben nicht. Das ist ein wesentlicher Teil ihres Seins – und auch meines Seins." Daher will er nicht mehr Homosexuelle generell verurteilen, wie es vor ein paar Jahren noch Alltag für ihn war. Heute sagt er: "Ich verstehe, warum die Gay Community so wütend über mich war. Meine Perspektive hat so viele Facetten der homosexuellen Erfahrung geleugnet. Ich habe das Leben einer Person auf ihre Sexualität reduziert, aber Homosexualität ist so viel mehr als nur Sex." Er glaubt daher nun sogar, dass der Schwule von Nebenan ein guter Christ sein kann.

Frühere Ex-Gay-Anführer in Schwulitäten


Werbung für Homo-Heilung im ländlichen Amerika

Solche Erkenntnisse gestandener Selbsthass-Aktivisten sind nichts Neues. Besonders spektakulär war der Fall des früheren Exodus-Chefs John Paulk. Der "geheilte" und mit einer "Ex-Lesbe" verheiratete Vorsitzende wurde 2000 in einer Schwulenbar in Washington gesichtet. Paulk verteidigte sich und erklärte, er habe nicht gewusst, dass er sich in einer solchen Bar aufgehalten habe – ohnehin wollte er "nur mal pinkeln" gehen. Später gab er jedoch zu, dass er Männer treffen wollte – 13 Jahre nach seiner "Heilung".

Letztes Jahr sorgte der Fall George Rekers für Erheiterung in der schwulen Welt. Der prominente Ex-Gay-Pfarrer wurde beim Europa-Urlaub mit einem Callboy erwischt (queer.de berichtete).

Lustig sind diese Geschichten für die meisten jungen Schwulen und Lesben, die mit ihrer Sexualität ringen, freilich nicht. Gerade in den letzten Jahren hat es immer mehr Berichte über schwule und lesbische Schüler gegeben, die sich aus Verzweiflung über ihre "Krankheit" das Leben nahmen.

Deutschland hat seine eigenen Homoheiler

Auch in Deutschland sind diese Missionare unterwegs – sogar in Berufszweigen, in denen man eine derartige Ignoranz nicht erwartet: So wirbt etwa der Bund katholischer Ärzte für "religiöse, psychotherapeutische und medizinisch-homöopathische Möglichkeiten der Behandlung bei Homosexualität und homosexuellen Neigungen" (queer.de berichtete). Besonders aktiv ist deutsche Ex-Gay-Verein Wüstenstrom und das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft, das von der Ärztin Christl Ruth Vonholdt betrieben wird. Erst gestern wurde verkündet, dass Vertreter beider Vereine mit dem Förderpreis der evangelikal geprägten "Christlichen Bildungsstiftung" ausgezeichnet werden. Sie hätten sich "um Belange von Bildung, Seelsorge und Mission verdient gemacht haben", heißt es in der Würdigung. Dass sie mit ihrer unerbittlichen Rhetorik über Leichen gehen, ist offenbar zweitrangig.



#1 alexander
#2 HannibalEhemaliges Profil
  • 12.10.2011, 17:06h
  • Besser spät als nie. Trotzdem schlimm genug, dass es noch Leute gibt, die diesen christlich begründeten Hirnschiss glauben. Dass alle Religionen Sekten sind und durch Gehirnwäsche versuchen, die Menschheit zu verblöden und abzukassieren sollte doch inzwischen jeder verstehen. Allen voran allerdings die sog. Staatsreligion, das Christentum!

    Wusstet Ihr eigentlich, dass das Einkassieren der "Kirchensteuer" (ich nenne es Ablasshandel) per Gehaltsabrechnung von den Nazis eingeführt wurde? Nein? Ist aber so!
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#3 Katrin
  • 12.10.2011, 17:11h
  • Der Bursche hat jahrzehntelang Eltern und Geschwister von Schwulen und Lesben mit seinem christlichen Dumfug gegen Eintrittsgeld in irgentwelchen Hotel- und Kongressräumlichkeiten vollgelabert und gut davon gelebt. Und auch Provisionen kassiert für Heilungswillige. Jetzt sind seine Vorträge nicht mehr so gut besucht und er entdeckt die Gruppe von Eltern und Geschwistern von Schwulen und Lesben, die ihre Familienangehörigen so akzeptieren wie sie sind und labert die voll mit seinem christlichen Gesülze und kassiert wieder ab. Dies ist schäbigstes verkaufen von Inhalten ohne Inhalt
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 12.10.2011, 17:32h
  • Da sieht man einmal wieder die Bigotterie dieser Ex-Gay-Bewegungen! Hoffentlich zerstören diese sich bald selbst!
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#5 HannibalEhemaliges Profil
#6 stephan
  • 12.10.2011, 17:41h
  • Zur Reue gehört Buße: Ich hoffe, Smid engagiert sich jetzt mindestens so stark darin, seine ehemaligen Lügen und Verdrehungen aus der Welt zu schaffen, wie er früher den Schwachsinn propagiert hat. Vielleicht sollte er Verein zur Heilung von 'Homoheilern' gründen und seine alten Kontakte nutzen, damit auch seine ehemaligen Mitstreiter zu dem gleichen Fortschritt gelangen wie er selber!
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#7 MarcAnonym
  • 12.10.2011, 18:05h
  • Es ist ja schön, dass er dazugelernt hat. Wenn auch reichlich spät und nur ein wenig.

    Aber egal, was er noch alles revidiert:
    das, was er bisher an Diskriminierung, Mobbing, Gewalt, Selbstmorden, etc. begünstigt und beigetragen hat, kann er nicht mehr wieder gut machen.
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#8 Kristian
#9 stromboliProfil
  • 24.10.2011, 19:55hberlin
  • "Lustig sind diese Geschichten für die meisten jungen Schwulen und Lesben, die mit ihrer Sexualität ringen, freilich nicht. Gerade in den letzten Jahren hat es immer mehr Berichte über schwule und lesbische Schüler gegeben, die sich aus Verzweiflung über ihre "Krankheit" das Leben nahmen."

    Im gegenteil: man muss diese armseligkeit dem verunsichert heranwachsenden immer vor augen halten; so sehn deine gegner aus: billig herumjammernd, mit herunter gelassenen hosen , einfach erbärmlich... und man wird zwangsläufig so , wenn man sich selbst verleugnet!
    So lernen , heißt sich der realität stellen!
    Lachen ist gesund und fegt die pompösen figuren von ihren podesten!
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