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Infektion verschwiegen

Prozess gegen schwulen HIV-Positiven


Was wird Justitia tun? (Bild: ralpe / flickr / by-sa 2.0)

In Wien steht ein 35-Jähriger vor Gericht, weil er zwei junge Männer bei ungeschütztem Sex angesteckt haben soll, einen der beiden bei seinem ersten Mal - dem Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Der mutmaßliche Täter, ein Angestellter der Österreichischen Bundesbahnen, ist seit Anfang Juni wegen Wiederholungsgefahr in Haft. Bislang hat es drei Verhandlungstage im Straflandesgericht gegeben, der vierte findet am Mittwoch statt. Dem Mann wird nach ORF-Angaben vorgeworfen, seinen Partnern nichts von seiner HIV-Infektion erzählt, aber trotzdem ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Dadurch habe er zwei Männer mit dem Virus infiziert.

Der erste Vorfall soll sich nach Angaben des Klägers im November 2009 ereignet haben. Der jetzt 20-Jährige hat als Zeuge ausgesagt: "Es kann nur von ihm sein. Ich hatte vorher ja nichts, keinen richtigen Sex. Ich hab' mir nicht gedacht, dass das jemand mit Absicht verbreiten kann". Sein Arzt hatte Anzeige gegen den Sex-Partner seines Patienten erstattet.

Der 35-Jährige wies alle Anschuldigungen zurück. Er erklärte, dass einer seiner Partner vor dem Sexualkontakt gesagt habe, dass er ebenfalls HIV-positiv gewesen sei. Daher sei mit seiner Einwilligung kein Kondom benutzt worden. Im anderen Fall erklärte der Angeklagte, dass ein Kondom benutzt worden sei.

Schwere Körperverletzung

Das Gericht wirft dem Angeklagten absichtliche schwere Körperverletzung mit Dauerfolgen und vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten vor. Die Höchststrafe liegt hier bei zehn Jahren Haft.

In Deutschland kam es im vergangenen Jahr zu einem spektakulären Fall, in der der "No Angels"-Sängerin Nadja Benaissa vorgeworfen wurde, einen Mann wissentlich mit dem HI-Virus infiziert zu haben. Sie erhielt zwei Jahre Haft auf Bewährung (queer.de berichtete). Die Deutsche Aids-Hilfe kritisierte die aggressive Strafverfolgung von HIV-Positiven scharf. Die Organisation argumentierte, dass HIV-Prävention nicht einseitig nur positiven Menschen aufgebürdet werden dürfe. Bei einvernehmlichem Geschlechtsverkehr trügen beide Partner Verantwortung dafür, für den nötigen Schutz zu sorgen, argumentierte die DAH (queer.de berichtete). (dk)



74 Kommentare

#1 HannibalEhemaliges Profil
  • 12.10.2011, 17:13h
  • Frechheit! Da gehören ja wohl immer zwei dazu! Wer unsafen Sex betreibt, soll sich gefälligst nicht wurden, wenn er sich infiziert. Sonst will doch jeder so schlau und selbstbestimmt sein, aber wenns dann mal schief geht, sind natürlich die anderen schuld! Niemand ist verpflichtet, seine Sexpartner über den eigenen Serostatus zu informieren. Moralisch, besser ethisch, ist das natürlich was anderes. Das sollte jeder mit seinem Gewissen abmachen.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 MedAnonym
  • 12.10.2011, 17:53h
  • Eigentlich ist die Sache ganz einfach: wer unsaferen Sex macht kennt die Gefahr. Anders würde ich die Sache interpretieren, wenn der Angeklagte eine HIV Infektion verneint, obwohl der Partner danach gefragt hat.
    Außerdem darf man auch nicht vergessen: bei den heutigen Medikamenten und gewissenhafter Einnahme kann kaum eine Infektion erfolgen. Sollte der Aneklagte vom seiner Infektion berits länger gewusst haben, keine medikamentöse Therapie gemacht haben und trotzdem ungeschützten Verkehr gemacht haben, ist ein Vorsatz zumindest nicht mehr ganz auszuschließen.
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#4 LegoanAnonym
  • 12.10.2011, 18:46h
  • Natürlich gehören da immer 2 dazu. Aber ich finde, dass derjenige der HIV hat muss den anderen darüber informieren und ihn selbst entscheiden lassen ob er dieses Risiko eingehen mag. Ich finde eure Einstellung echt seltsam muss ich sagen und frage mich wie ihr in dieser Situation reagieren würdet wenn ihr es auf einmal hättet. Somal der andere es wiederholt und mit Absicht verbreitet hat und bewusst Kondome zerstochen hat!!!
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#5 alexander
  • 12.10.2011, 18:56h
  • bin selbst barebacker und hasse gummis, ficke daher sehr eingeschränkt, lol !
    will sagen, es gehört mut zum risiko dazu, auch wenn man seinen partner schon länger kennt, aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen !

    unverantwortlich ist allerdings das verhalten von infizierten die völlig verantwortungslos ohne schutz, andere anstecken, obwohl sie wissen, dass sie positiv sind !
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#6 HannibalEhemaliges Profil
#7 SebiAnonym
  • 12.10.2011, 20:06h
  • Antwort auf #1 von Hannibal
  • Klar ist man es auch etwas selbst schuld, wenn man ohne Kondom Sex hat und sich dann mit einer gefährlichen Krankheit ansteckt (es gibt ja nicht nur AIDS, sondern auch Hepatitis, Tripper, Syphillis, etc.).

    Aber dennoch bleibt es natürlich moralisch und auch jursitisch verwerflich, andere vorsätzlich anzustecken.

    Hätte er es den anderen gesagt und sie dann dennoch ohne Gummi gewollt hätten, wäre nichts vorzuwerfen gewesen, aber sowas vorsätzlich zu verschweigen, ist nicht nur illegal sondern einfach asozial.

    Ein Vergleich:
    wenn man bei jemandem im Auto mitführe und sich nicht anschnälle, wäre man natürlich auch selbst schuld, wenn einem bei einem Unfall mehr passieren würde als mit Gurt. Aber wenn der Fahrer vorsätzlich (!) gegen einen Baum führe, hätte er doch auch massiv Schuld - juristisch wie moralisch.

    Es ist sicher verkehrt, alles nur auf denjenigen zu schieben, der die anderen angesteckt hat, aber es ist genauso verkehrt, das nur auf die anderen zu schieben, die in ihrer Geilheit halt mal auf ein Kondom verzichtet haben.

    Es war natürlich dumm von den Opfern auf Kondome zu verzichten. Aber es war unmoralisch, die anderen vorsätzlich anzustecken.
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#8 finkAnonym
  • 12.10.2011, 20:51h
  • selbst wenn man der meinung ist, dass wissentlich hiv-positive eine besondere moralische verantwortung tragen, ist es immer noch eine andere frage, ob eine strafrechtliche verfolgung hier sinnvoll ist.

    es spricht vieles dagegen.

    solche gerichtsverfahren fördern z.b. die gefährliche konzentration auf die _wissentlich_ infizierten, während der hauptmotor der infektionen die _unwissentlich_ infizierten sind.
    sie fördern die haltung, der andere könne für das eigene risikoverhalten verantwortlich gemacht werden.
    und nicht zuletzt fördern sie die stigmatisierung von hiv-infizierten, was es den betroffenen noch schwerer macht, mit ihrer infektion offen umzugehen. gleichzeitig wird die bereitschaft zum test herabgesetzt, wenn man als unwissentlich infizierter fröhlich unsafe herumpoppen darf, man als positiv getesteter aber vor den richter geschleppt wird.

    natürlich tragen wissentlich hiv positive eine verantwortung auch für ihre sexpartner. aber eben nicht nur sie.
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#9 Geert
  • 12.10.2011, 21:04h
  • Die Beiträge von einigen Leuten hier sind schockierend. Wie kaputt müssen einige sein? Ich hoffe, dass der Typ in Österreich bestraft wird! Es wird allerhöchste Zeit, dass auch in Deutschland härter durchgegriffen wird! Barebacker gehören bestraft und Barebackclubs verboten! Die Ausrede mit den Kondomen gilt nicht, da sich Barebacker oft gerade auf junge, unerfahrene Männer vom Land oder auf Bisexuelle stürzen. Solche Leute, die sich vielleicht zum ersten Mal in einer Großstadt mit zitternden Knien in ein Schwulenlokal wagen, denken in diesem Augenblick an alles andere, nur nicht an Kondome. Für abgebrühte und kaputte Großstadtschwule ist es aber der KIck, sich genau diese Leute auszusuchen und sie zu infizieren! Das kann man genau beobachten. Es ist ebenso ein Skandal, dass es z.B. bei GayRomeo diese vielen Bareback-Clubs gibt.
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#10 finkAnonym
  • 12.10.2011, 21:27h
  • Antwort auf #7 von Sebi
  • mich machen nicht nur solche gerichtsverfahren nachdenklich, sondern oft auch die reaktionen.

    hier z.b. wird in einem kommentar ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass der angeklagte - der die vorwürfe bestreitet - lügt. ist es wirklich ausgeschlossen, dass die kläger lügen?

    in einem anderen beitrag ist von zerstochenen kondomen die rede. davon taucht im artikel nichts auf. woher zum teufel kommt diese phantasie also?

    auch wird ziemlich leichtfertig mit dem wort "vorsätzlich" umgegangen, als sei es das bewusste ziel des angeklagten gewesen, eine infektion der anderen herbeizuführen. auch darauf deutet nichts wirklich hin, es ist einfach eine unterstellung.

    woher kommt dieses bedürfnis zur dramatisierung? reicht es nicht aus, von verantwortungslosigkeit zu reden? muss es in jedem fall gleich bewusster mordversuch sein?
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