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Selbständige Callboys müssen neben den normalen Steuern in vielen Gemeinden auch noch eine Sexsteuer abführen

In Bonn können Prostituierte an einer Art Parkuhr die neu eingeführte Sexsteuer begleichen - noch sind andere Gemeinden skeptisch, diesem Modell zu folgen.

Von Dennis Klein

Kaum ist die "Tagesschau" vorbei, schon gilt das außergewöhnlichste Parkticket der Republik: In Bonn können Prostituierte seit Januar an einem Automaten eine Berechtigungskarte lösen, mit der sie ihrem Geschäft mit dem Segen der Finanzbehörden nachgehen dürfen. Auf dem Display des erstmalig in Deutschland aufgestellten Automaten heißt es: "Montag bis Sonntag 20.15 Uhr bis 6.00 Uhr. Die Nacht 6,00 Euro". Für den Preis eines Burger-King-Menus haben die Frauen damit die in der früheren Hauptstadt neu eingeführte Sexsteuer für einen Arbeitstag beglichen - egal, wie viele Kunden sie bedienen. Die klamme Stadt will mit dieser Flat-Tax jährlich 300.000 Euro einnehmen.

Immer mehr deutsche Städte führen eine Extra-Steuer auf Prostitution ein, bislang ist aber das Bonner Modell einmalig. Es wird derzeit nur an einem sogenannten Verrichtungsgelände eingesetzt. Dort gibt es sechs Holzboxen-Parkplätze, eine Art Drive-in für heterosexuelle Autofahrer, denen es in der Hose juckt.

Ist das auch ein Konzept für die schwule Prostitution? Alex vom Kölner "Men's Club" Valentino kann dem Vorstoß einiges abgewinnen: "Es gibt immer noch Hemmungen, aufs Amt zu gehen und einen Antrag zu stellen", beschreibt er die Probleme seiner selbständig arbeitenden Callboys, die bereits seit mehreren Jahren eine Sexsteuer entrichten müssen. Insbesondere in der Altstadt von Köln seien solche Automaten sinnvoll.

Die Stadt winkt aber erst einmal ab: Man habe bislang die Einführung eines Ticketautomaten "nicht diskutiert", erklärte Sprecherin Inge Schürmann. Der Straßenstrich in Bonn sei leichter zu regulieren, da er sich in einer "baulichen Eingrenzung" befinde. Derzeit verlangt Köln zwar ebenfalls sechs Euro pro Nacht von Huren oder Callboys, allerdings ist das Verfahren komplizierter: Die Stadt geht generell davon aus, dass die Sexarbeiter pro Kalendermonat 25 Tage lang ihre Brötchen verdienen - die Steuerpflichtigen müssen dann jeden Monat ein Formular ausfüllen, in dem sie die "nachgewiesenen Veranstaltungstage" angeben müssen. Das Steueramt kontrolliert mit unangemeldeten Versuchen, ob es unter den Mädels oder Jungs Schwarzarbeiter gibt.

Aids-Hilfe kritisiert: Prostitution noch kein normales Gewerbe

Der Automat löst freilich viele Probleme nicht. So beklagen die Aidshilfen, dass Prostitution trotz der Legalisierung im Jahr 2002 immer noch nicht als normales Gewerbe angesehen wird - und die Sexarbeiterinnen und -arbeiter so diskriminiert werden: "So ist zum Beispiel die Sperrgebietsverordnung in vielen deutschen Städten noch immer eine gängige Praxis und Werbung des Sexgewerbes wird oft nur nach moralischen Aspekten bewertet", erklärte Heidi Eichenbrenner, die stellvertretende Geschäftsführerin der Aids-Hilfe Köln. Jan Gentsch von der Bonner Aids-Hilfe verweist auch darauf, dass die Automaten - obgleich sie eine "praktikablere Lösung" seien - das große Problem der Notlagenprostitution nicht lösten. Denn viele Callboys stammen aus ärmeren Ländern - vor allem aus Osteuropa - und prostituierten sich, um überleben zu können. Sie sind meist noch nicht einmal in Deutschland registriert.

In den Bonner Verrichtungsboxen überprüfen nun Beamte, ob alle Huren brav ihre Tagestickets gelöst haben. Wenn nicht, erhalten sie zunächst eine Verwarnung - wie beim Schwarzfahren werden die Sanktionen bei einem mehrmaligen Verstoß härter, bis hin zum Platzverweis. Die Steuer selbst wird übrigens auch von der Aids-Hilfe nicht als Teufelszeug angesehen: "Wie in jedem Gewerbe gibt auch im Sexgeschäft Rechte und Pflichten. Zu den Pflichten gehört, dass man auch Steuern bezahlt", erläutert Eichenbrenner.



#1 KabaleAnonym
  • 14.10.2011, 12:33h
  • Sexsteuer? Hallo, geht's noch?

    Reichen dem Staat, dieser gefräßigen Krake, nicht bereits die normalen Steuern und Abgaben, die ein jeder von uns abdrücken muss (es sei denn, er wäre superreich - dann kann man sich schön auf Null rechnen)?

    Nein, es werden immer neue Abzockmethoden erdacht - besonders gerne für die, die sich nicht so gut wehren können, wie zum Beispiel Huren und Callboys.

    Da denkt man sich, die sind sowieso "anrüchig" und haben zu wenig Geld und auch keine Lobby.

    Eine solche Steuer ist eine Unverschämtheit, weil damit ausgedrückt werden soll, dass Sexdienstleistung nicht "normal" sei. Man stigmatisiert die Sexarbeiter noch mehr, als sie es ohnehin öffentlich schon sind.

    Für mich tun Callboys und Huren nichts anderes als der große Rest der Bevölkerung: sie arbeiten, um Geld zu verdienen. Wer immer glaubt, sie deswegen diffamieren zu müssen, hat sie nicht mehr alle.

    Und die, die am meisten gegen Prostitution schreien, laufen sowieso dreimal die Woche zur Domina, um sich wieder einnorden zu lassen. Ist doch immer dassselbe ...
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#2 ArthasAnonym
  • 14.10.2011, 12:54h
  • Antwort auf #1 von Kabale
  • ES ist davon auszugehen das die meisten Huren und Callboys diesem Gewerbe ja nicht ganz freiwillig nachgehen, daher sollte der Staat eher ein Ausstiegsprogramm anbieten statt Menschen die eh nichts haben als ihren Körper zu versteuern und damit diese Praxis zumindest zu dulden. Viele Prostituierte kommen ja aus Osteuropa oder Asien die von Zuhältern hergeschmuggelt wurden oder sind drogenabhängig. Aber hier sieht man wieder das Dilemma in dem die Blockparteien sich befinden. Einerseits wollen sie immer mehr Steuern eintreiben und immer Geld haben, aber andereseits diesem Gewerbe in der Bevölkerung keine Legitimation verschaffen, könnte der eine oder andere "Sexarbeiter" doch über seinen Kundenkreis, besonders die Bonzen in der Politik, ausplaudern.
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#3 WutAnonym
  • 14.10.2011, 13:21h
  • "Die Nacht 6,00 Euro". Für den Preis eines Burger-King-Menus haben die Frauen damit die in der früheren Hauptstadt neu eingeführte Sexsteuer für einen Arbeitstag beglichen"

    wow, tolle waren- mentalität! zum kotzen.

    normalerweise ist es mir egal wenn man über den tellerrand schaut und über die heten- szene berichtet, aber wenn man betrachtet was derzeit in sachen sexualität und einseitiglkeit in unserer kultur abgeht habe ich langsam null toleranz.
    wie im artikel beschrieben geht es um callboys nur theoretisch.
    in erster linie gehts um nutten und ihre freier mit sex als art drive in- mentalität... verstehe einer die heteros und ihr billiges verständnis von sex mit abgewarackten, meist drogensüchtigen starssenstrichnutten. das elend interessiert die doch nicht.
    aber die schwulen und lesben müssen sich ja um alles kümmern sobald das wort sex draufsteht, auch wenn es langweiliger mainstream hoch 1000 ist.
    komischerweise verhält es sich andersrum völlig anders... eine heteroseite interessiert sich kaum für homosexuellen sex/erotik.
    erst neulich im "seriösen" spiegel, ein foto- artikel über eine halb erwachsene porno tussi...natürlich weiblich, was auch sonst!
    man stelle sich einen genauso alten, also knapp volljährigen jungen mann vor der so in pose gesetzt im spiegel abgelichtet wird. die leser würden nach skandal schreien und es in die pädo ecke schieben... dabei gab es zeiten in denen man (auch der durschnittsmann), jünglinge als erotsich empfand ohne empört zu sein. jetzt darf man frauen, so jung wie nur möglich, öffentlich hypen, aber schön darauf achten das sie in der fotoserie nicht mit einem jungen mann ihres alters abgelichtet wird, nein es muss natürlich eine andere frau sein, damit auch der letzte erfährt das das wort erotik ausschliesslich mit weiblichkeit in verbindung zu bringen ist...!

    es ist pure meinungsmache was derzeit in den deutschen medien abgeht, von doppelmoral nur so triefend!
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#4 stromboliProfil
  • 14.10.2011, 13:53hberlin
  • ist mit dem ganzen steuerdingsbums auch eine abgabe in krankenversicherung und rente verbunden?
    Das wäre doch die zu fordernde einbindung des ältesten gewerbes der welt, in die wirtschaftsliberale denke der heutigen zeit!
    Selbstvorsorge durch eigen erarbeitetes!
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#5 stromboliProfil
  • 14.10.2011, 14:23hberlin
  • fortsetzung..
    aber wie man sieht; auch hier nur billiglohnsektor und leiharbeitsgehabe, um sich vor der einer vollbeschäftigungsabgabe zu drücken.
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#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 14.10.2011, 14:52h
  • Eine Parkuhr als Sexsteuereinnahmequelle - wie durchgeknallt ist das denn? In den USA wäre das der Renner, aber in Deutschland?
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#7 FloAnonym
  • 14.10.2011, 20:30h
  • Antwort auf #4 von stromboli
  • Das halte ich auch für viel wichtiger, dass Sexarbeiter/-innen wenigstens eine Kranken- und Renten-Versicherung haben.

    Und vor allem, sollte niemand aus Not heraus anschaffen müssen. Und auch nicht durch Zwang von anderen. Wer das freiwillig macht, bittesehr. Aber wenn Leute dazu gezwungen werden oder das aus purer wirtschaftlicher Not machen müssen, sollte man eher überlegen, was man machen kann, damit das niemand mehr aus Not machen muss.

    Flo
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#8 Fred i.BKKAnonym
  • 15.10.2011, 05:36h
  • .....dass Edel Huren ,weiblich oder maennlich
    Steuern zahlen sollten steht ausser frage,da gehts ja um richtig Knete (mein Vorschlag : Steuerkarte,Sozialabgaben ,RV )....aber der kleine Stricher von der Ecke..das ist ja bescheuert...
    Soll dann auch noch nach Art der Dienstleistung ,versteuert werten ....Oral 6 Euro, anal 10 Euro..
    Bekommt der Freier ne Quittung und ist das Ganze absetzungsfaehig bei der Rueckerstattung .
    als besondere Belastung im Verkehr....

    sagt mal ist heute der 1 APRIL oder was ......
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#9 Prime_EvilEhemaliges Profil
  • 15.10.2011, 11:06h
  • Antwort auf #1 von Kabale
  • Kabale: "Reichen dem Staat, dieser gefräßigen Krake, nicht bereits die normalen Steuern und Abgaben, die ein jeder von uns abdrücken muss"

    Seh' ich ganz genau. Man sollte die Steuern ganz abschaffen, gleich den ganzen Staat. Und jeder kümmert sich um sich selbst: beschützt sich selbst, baut seine eigenen Straßen, entsorgt seinen Müll von selbst, entsorgt sein Abwasser selbst usw.

    Gute Idee, Kabale.

    Ach ja, und dann noch die Überschrift: "Der Steuer-Automat für Sexarbeiter"

    Sexarbeiter. Ah, das ist dieser Euphemismus für Prostituierte. Soll das etwa seriöser klingen als Huren und Stricher?
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#10 daVinci6667
  • 15.10.2011, 20:23h

  • Antwort an #7 Flo

    Bin ganz deiner Meinung Flo.
    Nur bleiben dann nur noch höchstens 10 Prozent die sich aus reinem Spaß am Sex prostituieren.

    Viele sind Drogenabhängige, oder sind illegal hier, sprechen kaum eine Landessprache, sind ohne Papiere und Krankenversicherung. Da muss einer schon ganz abgebrüht sein, um beim Sex mit so einem Stricher Spass zu haben. Hauptsache Mann kommt geil zum Abspritzen, oder was?

    Ja, deshalb frag ich mich manchmal, ob nicht der Weg Schwedens der Freier bestraft (nicht Prostituierte) eventuell der bessere ist. Aber dann könnte das klamme Deutschland ja nicht mehr Nutten und Stricher abzocken!
    Die "soziale Marktwirtschaft" hat es weit gebracht, alle Achtung! Haben wir alles den Banken und dem Euro zu verdanken.

    Ob in Zukunft auf Kondomen und allen Verhütungsmitteln auch eine "Sexsteuer" fällig wird?Wahrlich Kapitalismus in der Endphase, bevor auch der untergeht!
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