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Elio Di Rupo (Bild: Wiki Commons / Michiel Hendryckx / CC-BY-3.0)

Der belgische Sozialist Elio Di Rupo wird aller Voraussicht nach der erste offen schwule Regierungschef der Welt. Am Freitag einigten sich nach 15 Monaten Hin und Her sechs Parteien auf die Bildung einer Regierung. Di Rupo hatte den Auftrag zur Formierung einer neuen Regierung bereits am 8. Juli 2010 von König Albert II. erhalten und zwischendurch das Handtuch geworfen. Als "Präformateur" steht ihm traditionell das Amt des Regierungschefs zu.

Die neue Regierung verfügt über eine komfortable Zweidrittelmehrheit, mit der sie lang anstehende Reformen einleiten kann. Die mega-große Koalition umfasst die christdemokratischen, sozialistischen und liberalen Parteien beider Landesteile, aber nicht die Grünen, wie Di Rupo es sich gewünscht hatte.

Leicht wird es für den Premier nicht, so sind für den nächsten Haushalt Einsparungen in Höhe von mehr als 20 Milliarden Euro geplant. Unter anderem daran könnte die neue Koalition noch in letzter Sekunde platzen: Details zum Regierungsprogramm sollen noch besprochen werden. Die Vertreter wollen sich dazu ab nächsten Freitag zusammensetzen.

Schwule Premierministerpremiere

Der 60-Jährige Elio Di Rupo, der wie einst der deutsche Politiker Heinz Riesenhuber seine Fliege zum Wahrzeichen machte, kann auf eine lange Politik-Karriere zurückblicken. So war der Sozialist unter anderem Bürgermeister von Mons und Ministerpräsident der Wallonischen Region, Mitglied des Europäischen Parlaments und bereits seit 1999 Vorsitzender der Parti Socialiste. Der Chemiker ist Inhaber eines Doktortitels der Université de Mons-Hainaut. 1996 geriet der Sohn italienische Einwanderer im Rahmen der Dutroux-Affäre in die Schlagzeilen, als rechtsextreme Politiker ihn in einen Topf mit Kinderschändern warfen. Der Politiker hatte zuvor zugegeben, und zwar recht offen, die Dienste von Strichern in Anspruch genommen zu haben.

Di Rupo würde der erste offen schwule Chef einer Staatsregierung werden, während auf lesbischer Seite Jóhanna Sigurðardóttir in Island bereits vor zwei Jahren Premiere feierte (queer.de berichtete). (nb)



#1 Timm JohannesAnonym
  • 14.10.2011, 20:23h
  • Also die Wahl eines offen schwulen Regierungschefs in Belgien ist per se sehr erfreulich.

    ---------

    Mich wundert nur, wie eine Regierung aus Sozialisten, Christdemokraten und Liberalen funktionieren soll...?

    Positiv wiederum, das anscheinend in Belgien weder Sozialisten noch Liberale noch Christdemokraten ein Problem damit haben, wenn ein offen schwuler Mann das Land führt.

    Das dürfte den Wowereit in Berlin freuen.
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#2 FloAnonym
  • 14.10.2011, 21:35h
  • Schöne Nachrichten.

    Natürlich kommt es noch viel mehr auf seine Fähigkeiten und Taten an. Nicht, dass es dort so ist wie bei uns mit Westerwelle, der mit seiner geballten Inkompetenz, Ignoranz und Überheblichkeit dem Ansehen der Schwulen mehr schadet als nützt.

    Aber wenn er einen guten Job macht, ist es natürlich toll, dass er offen schwul ist.
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#3 gatopardo
  • 14.10.2011, 22:05h
  • Mir ist das jetzt egal, ob Di Rupo mit so unterschiedlichen Parteienlandschaften koaliert.
    Atemberaubend allemal die Tatsache, dass endlich mal ein Schwuler die Normalität mit einem Regierungsauftrag einläutet. Wenn das man nicht auch ein Signal für Wowi sein könnte ?
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#4 Geert
  • 14.10.2011, 22:08h
  • Rupo ist schon sehr lange offen schwul. Vor Jahrzehnten, als auch in Belgien Homosexualität noch nicht gesellschaftlich anerkannt war, wurde er deshalb von der Opposition als "Pädophiler" verleumdet.
    Dass ein schwuler Premierminister in einem katholischen Land wie Belgien (neben der Öffnung der Ehe, wie auch im katholischen Spanien) möglich ist und im "protestantischen und aufgeklärten Deutschland" (noch) nicht, zeigt, dass Katholizismus und volle schwule Emanzipation sich nicht ausschließen - egal was der Vatikan dazu sagt.
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#5 julian21
  • 14.10.2011, 22:43h
  • Antwort auf #4 von Geert
  • "Laut einer Umfrage von 2006 der belgischen Wochenzeitschrift "Le Vif/L'Express" erklärte sich die Mehrheit der belgischen Bevölkerung als Atheisten, Agnostiker oder nicht gläubig. [...] Die meisten Einwohner Belgiens gehören gleichwohl einer Konfession oder Weltanschauung an, und zwar meist der römisch-katholischen Kirche (etwa 75 %). Dies hängt zum einen mit der historischen Prägung Belgiens als der einstigen "katholischen Niederlande" zusammen. Zum anderem hat es auch damit zu tun, dass in Belgien das Bekenntnis zu einer Konfession nicht mit einer zusätzlichen Steuer, wie der Kirchensteuer, einhergeht, sondern die Religionsgemeinschaften einschließlich der atheistischen Freigeistigen Weltanschauungsgemeinschaft aus dem allgemeinen Staatshaushalt finanziert werden."

    Quelle:
    de.wikipedia.org/wiki/Religion_in_Belgien

    Schickes Eigentor, Geerti.
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#6 goddamn. liberalAnonym
  • 14.10.2011, 22:50h
  • Antwort auf #4 von Geert
  • Homosexualität ist in Belgien - dem Code Penal und den dortigen bürgerlichen Revolutionären sei Dank - seit 1794 legal.

    Dass das in Belgien möglich ist, liegt nicht am Katholizismus, sondern vielmehr daran, dass sich v.a.im frankophonen Teil des Landes seit dem 19. Jahrhundert eine gut aufgestellte antiklerikale Arbeiterbewegung traditionell und freudig mit einem freimauerisch geprägten bürgerlichen Liberalismus GEGEN die kath. Kirche zusammentut.

    Ein 'liberaler' Phillip Rösler, der meßdienerhaft Ratzinger anhimmelt, wäre in Belgien auch in bürgerlichen Kreisen eine degoutante Lachnummer...
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#7 Geert
  • 14.10.2011, 23:12h
  • Antwort auf #6 von goddamn. liberal
  • Der französischsprachigen Teil Belgiens hat in der Tat eine starke sozialistische und freidenkerische Arbeitertradition. Er macht allerdings nur 40 % der Bevölkerung aus. 60 % sind niederländischsprachige Flamen, die früher "katholischer als der Papst" waren. Durch die gemeinsame(?) Sprache mit den aufgeklärten calvinistisch-humanistischen Niederländern ist liberales Gedankengut in den letzten Jahren auch nach Flandern herüber geschwappt, so dass auch dort der Katholizismus seine prägende Kraft verloren hat. Es ist heute ein liberaler und offener Katholizismus ohne jeden moralischen Druck. Ich würde ihn, ähnlich wie in Bayern und Österreich, als "Folklorekatholizismus" bezeichnen. Verkniffene protestantische Evangelikale, die einen mit BIbelsprüchen erschlagen wollen, gibt es dort so gut wie keine. Insgesamt eine gute Voraussetzung für die -volle- Emanzipation der Schwulen und Lesben.
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#8 EmireProfil
  • 14.10.2011, 23:17hNürnberg
  • Ab mit ihm zum Staatsbesuch nach Saudi Arabien und davor noch zu Kaffeekränzchen in den Iran :D
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#9 gatopardo
  • 15.10.2011, 07:51h
  • Vielleicht kann auch mal jemand recherchieren, weshalb es in Europa immer die Monarchien sind, die sich für die totale Gleichstellung entschieden haben ?
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#10 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 15.10.2011, 09:20h
  • Endlich bekommt Belgien wieder einen schwulen Premierminister und bald eine (handlungsfähige) Regierung! Es hat auch lange gedauert! Jedoch im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen, wo "nur" eine Minderheitsregierung herumlaviert ist Belgien im Begriff, eine breite und stabile parlamentarische Mehrheit zustande zu bringen.
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