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Queer.de-Autor Robert Niedermeier (rechts) testet die Männer an Bord: Der muskelbepackte Russe gehört zum Artistenteam der "Norwegian Epic"

Selbst schwule Singles müssen auf einer Kreuzfahrt nicht darben. Die Reederei NCL lud uns ein, auf einer Karibik-Cruise die neuen Studio-Kabinen der "Norwegian Epic" zu testen.

Von Robert Niedermeier

Die rasante Rutschpartie durch die 63 Meter lange Röhre der Wasserrutsche hat Folgen. Klitschenass die Bermuda-Shorts, das T-Shirt trieft, doch die Laune ist großartig und auch die Konturen, die sich unterm feuchten Textil allzu deutlich abzeichnen, verheißen Großes. Die Band auf der Bühne heizt gleich neben dem Aquapark mit karibischen Klängen die Stimmung auf dem Deck des Kreuzfahrtschiffes ein. Nach wenigen Minuten sind die Klamotten des bärigen US-Amerikaners von der Sonne getrocknet. Die Party kann beginnen.

Bereits am frühen Nachmittag tanzen viele Passagiere Samba auf der Norwegian Epic. Gereifte Eheleute, junge Liebespärchen und Singles in Flirtlaune amüsieren sich prächtig unter der Flagge der Bahamas, die winzig erscheint zwischen den beiden riesigen Schornsteinen des Diesel betriebenen Ozean-Giganten. In Deutschland stehen die Zeichen auf Advent, vor der Küste Mexikos hingegen brennt im Dezember 2010 die Sonne: "Die ersten zwei Tage waren ungewohnt", erzählt der Amerikaner. Steves erster Urlaub seit Jahren, den der Neu-Single alleine verbringt, begann schleppend. "Man lernt aber schnell nette Leute kennen", sagt der Bermuda-Shortsträger, schlürft seinen rot schimmernden Cocktail und wippt mit den Hüften: "Man muss sich aber was trauen. Nicht jedem Mann steht 'gay' auf dem Hintern tätowiert."

Steve, der sonst in der amerikanischen Provinz bei Pittsburgh in Pennsylvania lebt, hat sich in eine Kabine der Studio-Lounges des brandneuen Kreuzfahrt-Riesen eingebucht. Praktisch für Alleinreisende, da der Single-Zuschlag für die regulären, auf Paare oder Familien zugeschnittenen Kabinen entfällt. Die US-amerikanische Kreuzfahrtreederei NCL Corporation Ltd. mit Sitz in Miami nennt den Single einen Solo-Kreuzfahrer. Eigens für diese Zielgruppe wurden die 128 modernen Studios der Norwegian Epic konzipiert und kalkuliert. Ab 749 Euro genießen Alleinreisende die kleinen aber komfortablen Unterkünfte auf einer 7-Nächte-Fahrt durch die westliche Karibik ab Florida. "Historisch gesehen hat die Kreuzfahrtindustrie diejenigen, die gern allein reisen, lange vernachlässigt, sagt Kevin Sheehan, Chief Executive Officer NCL.

Futuristisches Design für Single-Reisende


Der Brasilianer Rosenildo kümmert sich um die Kreuzfahrtgäste – die schwulen Passagiere nennen ihn liebevoll "Rose" (Bild: Robert Niedermeier)

Mit dem neuen Angebot möchte die Reederei das ändern und beweist Stil. Mit einer Schlüsselkarte erhalten Alleinreisende Zugang zur zweistöckigen Studio-Lounge auf Deck 10 und 11 des 329 Meter langen und 40 Meter breiten Stahl-Kolosses. Es eröffnet sich eine durchgestylte eigene Welt. Das klare futuristische Design kommt gut an bei den allein reisenden Passagieren, die sich nach anfänglich vorsichtigem Beschnuppern in behaglicher Atmosphäre beim Plaudern kennen lernen. Bei einer Tasse Kaffee freuen sich Amerikaner und Skandinavier gemeinsam auf den Landgang auf die Insel Cozumel.

Steve ist mittendrin und zeigt sich erstaunt, wie gemütlich sein gerade einmal neun Quadratmeter großes Single-Refugium ist: "Jeder Zentimeter wurde ideal genutzt, eng finde ich es nicht", urteilt der üppige Kreuzfahrt-Solist. Bequemes Doppelbett, separates Bad mit Dusche, Ablage für seinen Laptop, Schreibtisch und Flachbildschim-TV, alles schmiegt sich ein in das optisch reizvolle Ambiente.

Doch der große Spaß wartet außerhalb der Single-Box, wo weitere 4.200 Passagiere die zehn Meter hohe Kletterwand erklimmen, es sich in den Whirlpools gut gehen lassen, das erstklassige Entertainment-Programm genießen oder leicht beschwippst die Riesenrutsche hinuntersausen. Zusammen mit neuen Freunden amüsiert sich auch der schwule Ami: "Ich habe auch schon andere Schwestern ausgemacht", erzählt er und verrät seinen Trick: "Amerikaner tragen meistens Shorts, wer eine Brief-Badehose trägt, ist schwul. Außer Rose…" Rose heißt eigentlich Rosenildo, sorgt ganz oben am Start der Wasserrutsche für Ordnung und freut sich immer wie ein kleines Kind, wenn Steve erneut die Stufen zu ihm nach oben schreitet: "Rose ist süß, aber zu feminin", urteilt der Bärtige über seinen Fan. Steve schaut – statt dem stets aufgekratzten Jüngling aus Brasilien – lieber den vermeintlichen Heteros auf den Hintern. "Ich mag Deutsche", lächelt er frech und meint mit deutsch alle Europäer an Bord, die nicht griechisch-romanisch wirken. Dazu zählen auch die beiden Muskel bepackten Russen, die sich am Rande des großzügigen Pools in einem der Whirlpools entspannen. "Die gehören zum Artistenteam", kann Steve versichern, macht große Augen und schwärmt vom hervorragendem Entertainment-Programm auf der Norwegian Epic.

Keine Lust auf eine rein schwule Kreuzfahrt


Unser Kreuzfahrttester stellt fest: Auch in der Single-Kabine ist noch Platz für einen nächtlichen Besucher (Bild: NCL)

Doch nicht allein die vielen Künstler, Akrobaten, Kostümbildner und Musiker bestimmen die Homo-Quote an Bord. Schwule Männer im Partnerlook – auch die gibt es auf dem erfolgreichen Mainstream-Dampfer- oder recht auffällige Mode-Huschen dinieren abends bei Kerzenlicht in einem der vielen Themenrestaurants. Andere goutieren die Shows und feiern nachts auf den In- und Outdoorpartys inmitten der heiteren Hetero-Meute.

Auf eine rein schwule Kreuzfahrt hat Steve keine Lust, obwohl dort weitaus mehr eindeutige Kontakte möglich sind: "Ich mag kein House, besonders nicht rund um die Uhr…", wiegelt der Ein-Meter-Neunzig-Mann ab. Der Solo-Cruiser gesteht, bislang nicht einen Tag ohne Sex auf hoher See verbracht zu haben. "Sogar schon hier oben auf dem Deck", plaudert der 40-Jährige aus und findet es besonders heiß, dass sein Quicky der Ehemann von der Matrone mit dem hässlichen Badeanzug am Beckenrand sei: "Aber er grüßt mich tagsüber nicht," macht Steve sich ein wenig lustig, um im nächsten Moment über seine prüden Landsleute zu lästern.

Regelrecht obskure Ausmaße nimmt die von Steve eher als besonderen Kitzel empfundene Doppelmoral in der Panorama-Sauna des schwimmenden Urlauber-Resorts an. Zwar ist der Zugang in den eigentlich als Nacktbereich gekennzeichneten Saunabereich ohnehin erst Personen ab 18 Jahren gestattet, doch die amerikanischen Papis und Mamis zeigen kaum Haut, tragen stattdessen in der Finnen-Sauna dicke Bademäntel. Falls der sich löst, schützt das darunter um die Leiber gebundene Handtuch die Genitalien vor scheinbar ungewollten Blicken. "Leider passen sich selbst die Deutschen an", beschwert sich Steve unüberhörbar über die urigen Sitten in der Sonnen gefluteten Sauna, die dank der großen Panzerglasscheibe lediglich den Blick auf den weiten Ozean freigibt.

Seine tägliche Portion Sex besorgt sich Steve in der Männer-Umkleidekabine des luxuriösen Spa-Areals. Die verfügt nämlich über eine eigene, nur für Männer zugängliche Dampfsauna. Ein etwas zu langer Blick in die Augen des Auserwählten oder auffordernd am Türrahmen vorbei beim Begehen des Steams – die international verständlichen Codes funktionieren auch auf der vermeintlichen Hetero-Kreuzfahrt. Zudem hat Steve erforscht, dass es meistens die besonders hetero wirkenden Typen seien, die beim Oralsex in die Knie gingen. "Wir waren schon zu neunt in Action", rechnet der Saunabesucher mit Absichten seinen bisherigen Rekord an Bord vor. Sein nächstes Etappenziel ist bereits anvisiert: "Ich möchte unbedingt noch jemanden in meine Single-Kabine abschleppen", sagt Steve, greift sich auffällig provokant in seinen Schritt. Sein Gegenüber, ein Deutscher, stimmt sofort zu…



#1 Geert
  • 19.10.2011, 09:14h
  • Ein Schiff mit fast 4.500 schwulen und nicht-schwulen Gästen ist der Alptraum schlechthin. Hier kann sich JEDER für 749 Euro eine Woche lang dieses Schiff leisten. Es sind also die All-You-Can-Eat-Leute, die man dort um sich herum hat.... Mir könnte man eine solche Schiffreise schenken, ich würde sie nicht mit machen!
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#2 Frankyboy
  • 19.10.2011, 10:32h
  • Antwort auf #1 von Geert
  • Hat da einer Vorurteile? Man(n) sollte doch selbst erstmal sowas ausprobiert haben um dann richtig urteilen zu können.
    Es zahlen ja nicht alle Reisende auf diesem Schiff 749 €! Dort gibt es auch Suiten, die über Tausende von Euros kosten. Also nicht alles über einen Kamm scheren...
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#3 Geert
#4 SchokiAnonym
  • 19.10.2011, 11:35h

  • Mein Gott, Geert! Wenn du unbedingt so denken musst, dann ist es deine Sache, aber das heißt noch lange nicht, dass man auf solchen Kreuzfahrten keinen Spaß haben kann! Es ist halt nicht jeder ein Chef einer riesigen Firma, der es für obligatorisch hält, jeden Monat 3000 für eine Kreuzfahrt hinzublättern! Lass die Leute doch ihren Spaß haben und gut ist! Anscheinend gibt es ja genug Leute, die keine spießigen Amis und fickgeilen Deutschen sind, wie du das behauptest!
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#5 maaaartinAnonym
#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 19.10.2011, 12:56h
  • Mir gefällt das Kreuzfahrtschiff und darauf würde ich auch gerne mal durch die Karibik fahren. Ich beneide den Redakteur, der das geniesen durfte!
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#7 Frankyboy
  • 19.10.2011, 13:47h
  • Antwort auf #3 von Geert
  • Du musst es ja scheinbar wissen! Intolerant bis zum geht nicht mehr... Und auf dem Oktoberfest ist für Dich scheinbar auch nur "dummes Volk" unterwegs. Tse....

    Du bist nicht besser als unsere heterosexuellen Mitmenschen. Vielleicht bist Du auch nur ein unglücklicher Mensch.

    Ich habe schon 2 x an NCL-Kreuzfahrten in der Karibik teilgenommen. Nein, dort haben die Amis nicht mit den Händen gegessen - Nein, mir sind keine englischen Sauftouristen begegnet und auch Nein, ich habe leider keine deutschen Fickschwule getroffen.

    Aber das Wichtigste ist, dass ich dort NICHT Dir begegnet bin...
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#8 PhillipAnonym
  • 19.10.2011, 17:44h
  • Geile Geschichte! Ich will auch.
    Neben den knieenden Männern in der Sauna und den hinternrausteckenden “Femininen”, wäre ein weiteres Etappenziel von mir, ein m/w Pärchen in meine Kabine zu locken.

    Steht im Text, wohin das Schiff fährt?
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#9 reiserobbyEhemaliges Profil
  • 19.10.2011, 23:46h
  • Antwort auf #8 von Phillip
  • Ja, dem Text ist zu entnehmen: Kreuzfahrt ab Florida, Reederei sitzt in Miami, durch die westliche Karibik vor der Küste Mexikos, u.a. Landgang auf die Insel Cozumel, und, da es sich um eine Kreuzfahrt handelt, auch wieder zurück nach Miami. Dahin fährt das Schiff...:-)
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#10 neAnonym