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Magnus Hirschfeld würde mit der nach ihm benannten Stiftung nicht glücklich, kritisiert TransInterQueer (Bild: Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V.)

Das Berliner Netzwerk TransInterQueer hat für die geplante Magnus-Hirschfeld-Stiftung einen breiteren Forschungsauftrag und eine Einbeziehung in alle Gremien gefordert. Die Errichtung der Stiftung war Ende August vom Bundeskabinett beschlossen worden (queer.de berichtete), nachdem sie in den letzten Jahren Spielball des Parteienstreits war. Die Stiftung hat den Zweck, sowohl an die Verfolgung Homosexueller durch die Nationalsozialisten zu erinnern als auch deren heutige Lebenswelt zu erforschen. Sie wird mit zehn Millionen Euro Stiftungsvermögen ausgestattet.

In den aktuellen Stiftungszielen und der Satzung der Bundesstiftung "fehlen Transgender, Transsexuelle und intergeschlechtliche Menschen und damit wesentliches", kritisiert nun das Berliner Netzwerk TransInterQueer. "Dies dürfte nicht im Sinne des Namensgebers sein." Gerade das an Transgendern begangene Unrecht durch die Nazis sei "historisch und in seinen Interdependenzen zu Homosexualität und anderen Mehrfachdiskriminierungen unbearbeitet."

Es sei "mehr als unredlich, einerseits historisch richtigerweise die Stiftungsgründung mit der Diskriminierung auch von Transgendern argumentativ zu begleiten, dies jedoch nicht im Mandat einzulösen." Es sei auch bedenklich, dass in Fachbeirat und Kuratorium kein Transgender-Vertreter vorkomme. Nach einer Intervention beim Bundesjustizministerium seien nun immerhin zwei Plätze im Fachbeirat in Aussicht gestellt worden.

Mehr als guter Wille gefordert

Doch solange die Stiftung kein ausdrücklickes Mandat zur Erforschung von Transgender-Themen habe, sei man auf den guten Willen der Verantwortlichen angewiesen, kritisiert TransInterQueer. "Wie schon die Entstehungsgeschichte der Stiftung zeigt, ist darauf kein Verlass - oder warum hat niemand zuvor im Planungsprozess daran gedacht?" Dabei sei diese Forschung auch im Hinblick auf aktuelle Diskriminierung erforderlich, so das Netzwerk, das auch die "Marginalisierung lesbischer Perspektiven" in der Stiftung kritisiert.

Vor wenigen Wochen hatte bereits der Lesbenring die Stiftung kritisiert (queer.de berichtete), weil Lesben in Person und Inhalten zu wenig vertreten seien. Für die TransInterQueer-Forderung nach einem "Ende der Exklusion, Ignoranz, Fremdrepräsentation und des 'Mitgemeint-Seins'" hat sich der Verein zahlreiche Unterstützer gesichert, darunter mehrere Institutionen wie das queere Filmfestival in Hamburg oder GLADT, aber auch zahlreiche Einzelpersonen, von der viele an Universitäten forschen.

Individuelle Verfolgung


Ein Stolperstein und ein Leben

Der Pressemitteilung beigefügt hat das Netzwerk die Biographien von zwei Personen: Von Charlotte Lahm, die mehrere Treffpunkte für Lesben betrieb und die Transvestitenvereinigung D`Eon gründete. Sie wurde vom Vater ihrer Freundin der Verführung Minderjähriger angeklagt und kam ins Gefängnis. Später landete sie im Frauenkonzentrationslager Moringen, die genauen Haftgründe bleiben unbekannt, und überlebte.

Deutlicher und tragischer ist die Geschichte des Ludwigshafeners Heinricht Habitz, die sich Liddy Bacroff nannte und als schwuler Transvestit bezeichnete. Liddy ging anschaffen, wurde mehrfach wegen Unzucht verurteilt. Nachdem ein Arzt beim Begehren einer "freiwilligen" Kastration Liddy bescheinigte, sich als "Urning = Strichjunge = passiver Päderast" auch nach einer Kastration vermutlich weiter zu betätigen, wurde sie 1938 vom Landgericht Hamburg wegen "gewerbsmäßiger widernatürlicher Unzucht" als "gefährlicher Gewohnheitsverbrecher" zu drei Jahren Zuchthaus mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Am 6. Januar wurde Liddy im KZ Mauthausen ermordet.

Liddy ist in Hamburg ein Stolperstein gewidmet, dessen Webseite mehr von der Verfolung erzählt.



MdBs in Hirschfeld-Stiftung gewählt

Der Bundestag hat am Donnerstag die neun Abgeordneten für das Kuratorium der neu gegründeten Magnus-Hirschfeld-Stiftung bestimmt.
Weiter LGBT-Kritik an Regierung

Die Magnus-Hirschfeld-Stiftung bleibt umstritten. Auch die Kürzungen bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sorgen weiterhin für Wirbel.
#1 Geert
  • 19.10.2011, 11:50h
  • Man kann nicht das ganze Lexikon der Erotik abdecken. Die Stiftung sollte sich mit der EINEN menschlichen Sexualität beschäftigen, die sich in vielen bunten Farben zeigt.
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#2 stromboliProfil
  • 19.10.2011, 12:36hberlin
  • Antwort auf #1 von Geert
  • der "EINEN menschlichen Sexualität"..
    meinst du vieleicht deine???

    Die "eine" gibt es nur in der konservativ/ bewahrenden interpretation der polarisierenden hetero-homonormierung...
    aber "gott sei dank", es gibt mehr als nur diese beschränkte wahrnehmung oder der neuinterpretation der farbenlehre.
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 19.10.2011, 12:54h
  • Bleibt zu wünschen, daß beide Organisationen ihre Differenzen aus der Welt schaffen können und das zu einem versönlichen Ende kommt.
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#4 ArthasAnonym
  • 19.10.2011, 13:51h
  • Wie wäre es denn neben dem Lesbenring und dem Transinterqueeren noch mit den Sado-Masochisten, den Metrosexuellen, den Asexuellen, den Bisexuellen und den Pansexuellen? Die Hirschfeld Stiftung ist zuerst eine Stiftung für Schnwule im NS, und kein Sammelbecken für jede x-beliebige Randgruppe die meint ihren Senf dazu zugeben muss! Mit solchen unsinnigen Forderungen bringt ihr das ganze noch zum Scheitern!
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#5 finkAnonym
  • 19.10.2011, 14:18h
  • die forderung scheint mir sehr berechtigt.

    es ist schon ziemlich dreist, eine stiftung nach hirschfeld zu benennen und dann den gesamten bereich, den hirschfeld als "sexuelle zwischenstufen" beschrieben hat, weitgehend zugunsten einer homosexuellen monokultur auszublenden.

    studien zu homosexualität gibt es vielleicht auch immer noch nicht genug, aber die historische und wissenschaftliche forschung zu trans* scheint mir noch wesentlich lückenhafter. hier besteht eindeutig nachholbedarf.
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#6 schwulenaktivist
  • 19.10.2011, 14:37h
  • Es ist müssig, über die Inhalte einer Magnus-Hirschfeld-Stiftung zu diskutieren! Denn damals kannte Hirschfeld noch gar nicht "alle" Zwischenstufen und wer deren einzelne Nennung fordert, der/die ist so überheblich, anzunehmen, wir wüssten heute schon alles! Also mal kürzer treten, Mädels!
    Je mehr Zwischenstufen in die "Verantwortung einer Stiftung" abwandern, desto mehr ziehen sich stramme Heteros und Heteras aus der gesellschaftlichen Verantwortung zurück! Das sollte auch bedacht werden. Ich habe so den Eindruck, dass es bald nur noch stramme Heteros/as gibt und dann noch "Schwule mit dem anderen Abfall"...
    Nicht jede der Zwischenstufen hat übrigens die gleichen Interessen und zuerst sollte mal die Mehrheit solidarisch sein, bevor die Minderheiten moralisiert werden!
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#7 soggiAnonym
  • 19.10.2011, 15:08h
  • Antwort auf #6 von schwulenaktivist
  • "Nicht jede der Zwischenstufen hat übrigens die gleichen Interessen und zuerst sollte mal die Mehrheit solidarisch sein, bevor die Minderheiten moralisiert werden!"

    gut auf den punkt gebracht!
    die transsexuellen und auch die bisexuellen machen sich vornehmlich in schwulen kreisen stark und verlangen das die schwulen als auffangbecken dienen. das geht so weit das es in einigen schwulen foren extra threads gibt in denen sich männliche bisexuelle über "geile frauen" austauschen obwohl es genügend hetenseiten gibt in denen es um frauen geht..
    komischerweise gibt es in hetenforen aber nichts entsprechendes in denen bi´s über männer posten..?!
    und auch was gesellschaftliche und politische themen betrifft wäre es an der zeit das sich trans und bi´s auch in hetenforen und allgemeinen foren für vielfalt einsetzen und kämpfen, schon weil bisexuelle und transsexuelle mit der hetenwelt weit mehr gemeinsamkeiten haben als schwule und lesben es haben.
    zum einen stehen die bisexuellen auch auf das gegenteilige geschlecht und die transsexuellen wollen das jeweis andere geschlecht sein, daher haben sie mehr berührungspunkte mit heterosexualität.
    das sie in der allgemeinheit gegen heteronorm kämpfen merkt man aber wenig, das tun sie dann (fast) nur bei den schwulen und lesben.
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#8 nogoAnonym
#9 PfuiAnonym
  • 19.10.2011, 15:57h
  • Klar, Transsexualität und Heterosexualität gehen Hand in Hand, wer glaubt denn sowas? Bei all den heteroliken Schwulen kann aber ein anderer Eindruck entstehen...
    Und überhaupt, es gibt viele Trans*Leute, die schwul oder lesbisch sind, warum sollten die sich dann nicht auch in der Szene aufhalten?
    Wer sich aufrichtig mit Diskrimierung auf Grund der sexuellen Orientierung und/oder Identität beschäftigen will, kann doch nicht Trans*Leute unter den Tisch fallen lassen!
    Toleranz/Akzeptanz, das fordern sie doch alle hier,
    aber die eigene Beschränktheit, die wird lieber nicht hinterfragt.
    Pfui
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#10 schwulenaktivist
  • 19.10.2011, 16:30h
  • Antwort auf #7 von soggi
  • Ich erlebe gerade von den Bisexuellen immer die schärfsten Kritiken. Aber das ist logisch, denn sie buckeln nach oben (Hetero) und trampen nach unten (Homo). Nur sind sie zu dumm, um das als "Velofahrer" selber zu merken.
    Wir Schwulen sollten uns nicht in solche Fallen locken lassen. Es gibt immer welche, die aus Geilheit gegenüber Bi-/Heteros auch schweigen, oder gar Frauen gegenüber ein schlechtes Gewissen haben - und meist gar nicht wissen warum...
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