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Michalis Sarris sitzt derzeit wegen des Vorwurfes Homosexulität vor Gericht

Politiker der Europäischen Union haben die Freilassung von drei Männern gefordert, die in der letzten Woche in Nordzypern verhaftet und wegen Homosexualität angeklagt worden sind.

Die drei Männer, darunter Zyperns ehemaliger Finanzminister Dr. Michalis Sarris, waren am letzten Donnerstag in einer Privatwohnung verhaftet worden. Nach fünf Tagen U-Haft beschloss eine Richterin am Dienstag, diese um weitere zwei Tage zu verlängern. Den Männern, 17, 29 und 65 Jahre alt, wird vorgeworfen, sich zu unnatürlichem Geschlechtsverkehr verabredet zu haben. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Haft.

Der entsprechende Strafrechtsparagraf 171, der wie der vergleichbare deutsche Paragraf 175 nur für Männer gilt, ist an sich in Zypern abgeschafft. Bereits 1993 hatte ein zyprischer Aktivist vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein Urteil erstritten, das den Paragrafen als unvereinbar mit dem Recht auf ein Privatleben erklärte, fünf Jahre später schafften die Abgeordneten die Bestimmung ab. Seit 2002 gilt ein einheitliches Schutzalter von 17 Jahren. Doch in der Türkischen Republik Nordzypern wurde die Abschaffung des aus der britischen Kolonialzeit stammenden Paragrafens noch nicht umgesetzt. In ihrer Fassung ist von unnatürlichem Sex die Rede, ohne ein Alter oder Geschlecht zu benennen. Für Geschlechtsverkehr mit Frauen gilt allerdings ein Mindestalter von 16 Jahren.

Damit ist Nordzypern der einzige Teil Europas, in der Homosexualität noch bestraft werden kann - es kommt aber selten dazu. Der einzige Pressebericht der letzten Jahre über einen Prozess stammt aus diesem Sommer: Zwei Männer wurden damals wegen homosexueller Handlungen angeklat. Über ein Urteil wurde nichts bekannt.

Die interfaktionelle Arbeitsgruppe des EU-Parlaments zu LGBT-Rechten hat die Verantwortlichen aufgefordert, die Männer sofort freizulassen und die Anklage zurückzunehmen. Auch müsse das verbindliche EU-Recht umgesetzt werden, forderte der britische Abgeordnete Michael Cashman. "Die Kriminalisierung von Homosexualität hat im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr."

Weitere Männer in Haft

Ersten Berichten der Polizei zufolge wurde Sarris in dem Haus in Nicosia festgenommen, als er sich von dem 17-Jährigen massieren ließ. Als die Polizei das Haus ohne Durchsuchungsbefehl stürmte, nahm sie auch gleich den Hausbesitzer mit.

Wie die Zeitung "Cyprus Mail" berichtet, hat die Polizei inzwischen zwei weitere Männer festgenommen, die ebenfalls am Montag dem Haftrichter vorgeführt wurden und weiter in U-Haft bleiben sollen. Ein 14-Jähriger habe demnach eine sexuelle Beziehung zu dem 29-Jährigen gestanden, ein 17-Jähriger habe über "Kontakte" zu Sarris berichtet. Die Polizei gab vor Gericht an, derzeit mit bis zu 20 Zeugen reden zu wollen, einige seien flüchtig.

Eine Gerichtsärztin berichtete, sie habe keine Anzeichen für einen Geschlechtsverkehr zwischem dem 17-Jährigen und Sarris. Dafür berichtete sie von einer Kopfverletzung des jungen Mannes, die er sich erst nach der Festnahme habe zuziehen können - alle Angeklagten sprachen von Misshandlungen durch die Polizei. Auch ein Freund eines Beschuldigten, der selbst nicht angeklagt wurde, berichtet von Schlägen durch Polizisten. Die Angeklagten werden unter anderem von der Türkisch-zyprischen Stiftung für Menschenrechte vertreten.

Ein Beobachter der UNO durfte erst zur Urteilsverkündung in den Gerichtssaal, berichtet die Zeitung weiter. Michalis Sarris, der auch bei der Weltbank tätig war, führt derzeit die Untergruppe Wirtschaft bei den von den Vereinten Nationen organisierten Gesprächen über eine Wiedervereinigung der Insel. Medienberichten zufolge ist die UNO in Kontakt mit dem zyprischen Außenministerium. Auch die zyprische Regierung hat sich in den Fall eingeschaltet, Präsident Demetris Christofias soll ihn bei einem Treffen mit dem nordzyprischen Präsidenten Derviş Eroğlu angesprochen haben.

Kritik auch aus Zypern

Während die Regierung Nordzyperns in einer Presseerklärung von einem Vorwurf des Geschlechtsverkehrs mit Minderjährigen sprach, ist der andere Teil der Insel außer sich. Christos Pourgourides, Mitglied des Europäischen Rates, kritisierte die Anklage und forderte die sofortige Freilassung der Männer. Er werde den Fall dem Rat vorlegen.

Auch die zyprischen EU-Abgeordneten Eleni Theocharous und Ioannis Kasoulides (beides Christdemokraten) forderten die Freilassung: "Die Verhaftungen stehen im vollen Widerspruch zu internationem Recht und dem Menschenrecht auf ein Privatleben." Eine Anklage sei illegal und komplett unnötig, da niemandem etwas getan worden sei. "Erwachsene haben das Recht zu eingewilligtem Geschlechtsverkehr mit Personen des gleichen Geschlechts. Daher müssen diese Männer sofort freigelassen werden." (nb)

Nachtrag

Am Donnerstag hat sich auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, der Sache angenommen: "Nord-Zypern gefährdet mit der Festnahme den Prozess der Wiedervereinigung und der Wiederangliederung an die EU. Ein Staat, der einvernehmliche Homosexualität verfolgt, stellt sich außerhalb des europäischen Raums der Menschenrechte und des Rechtsstaats", kritisiert Beck, der die Bundesregierung auffordert, bei den nord-zypriotischen Behörden zu eine Freilassung der festgenommenen Männer zu verlangen. "Außenminister Westerwelle muss klarstellen, dass eine Wiedereingliederung des Territoriums in die Europäische Union durch diese Festnahmen unmöglich geworden ist."

Nord-Zypern verstoße mit der Festnahme "in eklatanter Weise gegen alle menschenrechtlichen Vorgaben der EU und des Europarates". Die Türkei, in der Homosexualität seit über 100 Jahren legal ist, müsse daher als Garantiemacht "ihren menschenrechtlichen Verpflichtungen nachkommen und auf ihre dortigen Partner einwirken. Die Türkei gefährdet sonst ihre eigene politische und gesellschaftliche Anbindung an Europa."



#1 Timm JohannesAnonym
  • 19.10.2011, 16:10h
  • Dies ist natürlich ein skandalöser Vorfall in Nordzypern und sollte sofort auch vom Auswärtigen Amt in Deutschland kritisiert werden.

    Auf diese Weise hat Nordzypern KEINE Chance jemals in die EU augenommen zu werden, solange dort selbst ehemalige Minister wegen homosexueller Handlungen verhaftet werden.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 19.10.2011, 16:25h
  • Wieder einmal hat sich die Türkei von einer Seite gezeigt, die eine Aufnahme in die EU in sehr weite Ferne gerückt haben. Es ist nicht zu glauben!
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#3 CarstenFfm
#4 Ferkährte WeldAnonym
  • 19.10.2011, 17:16h
  • War sicherlich ein heißer Dreier. Wie kann man sowas bestrafen?! Die verdienen einen Preis!!!

    Keine Ironie.
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#5 Geert
  • 19.10.2011, 17:20h
  • ES GIBT KEINE "TÜRKISCHE REPUBLIK NORDZYPERN"! Es handelt sich um ein widerrechtlich von der Türkei besetztes Gebiet, das von keinem Land der Welt, mit Ausnahme der Türkei, anerkannt ist! Es ist ein Polizei"staat" von Erdogans Gnaden. Es gibt nur eine Republik Zypern und die ist ein zivilisiertes Land und Mitglied in der EU.
    Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass asiatische Völker wie die Türken nichts in der EU zu suchen haben.
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#6 felix steinAnonym
  • 19.10.2011, 17:43h
  • Leider ist Ihr Artikel schlecht formuliert und schwammig. Sie müssen vor allen Dingen klarstellen, dass es auf der Insel Zypern zwei Staaten gibt, ob sie nun von der Weltgemeinschaft anerkannt werden oder nicht spielt hier keine Rolle. Der Artikel bezieht sich auf einen Zwischenfall, der sich im türkischen Teil Zyperns ereignet hat, alle von Ihnen gedruckten Stellungnahmen stammen aber von griechisch-zyprischen Leuten. Was die zur Angelegenheit zu sagen haben ist unerheblich, sie sind eh mit dem türkischen Inselteil verfeindet. Natürlich ist die ganze Sache ein fürchterlicher Akt der Schwulenfeindlichkeit.
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#7 seb1983
  • 19.10.2011, 19:39h
  • Antwort auf #6 von felix stein
  • So etwas nennt man dann allerdings nicht einen Staat sondern ein "de facto regime".
    Rein rechtlich, also "de jure" gehört sogar die komplette Insel Zypern zur EU.

    Um die Lage dieser Verhafteten zu ändern müsste man wohl mal bei Erdogan nachfragen, der ist aber wohl grade mit "merfacher Vergeltung und Rache" beschäftigt und lässts mal wieder ganz lang aus der Hose hängen...
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#8 daVinci6667
  • 19.10.2011, 22:11h

  • Nordzypern ist ein schwarzer Fleck auf der Landkarte. Niemand (außer der Türkei) hat es anerkannt und so sind rechtlich nicht mal direkte Geldüberweisungen möglich. Deshalb kann man legal mit diesem "Land" auch keine Geschäfte tätigen. So floriert dort der Drogenhandel, Menschen- und Kinderhandel, Prostitution und andere unerwünschte Dinge. Das wird sich auch nicht andern, solange die Zyprioten beider Inselteile, Griechenland, die Türkei und die EU endlich eine gemeinsame für alle vertretbare Lösung finden.
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#9 Fiete_Jansen
  • 19.10.2011, 22:57h
  • Antwort auf #2 von FoXXXyness
  • Wie es schon im Artikel heisst, dieses Gesetz stammt aus der Kolonialzeit. Nicht aus der neuen seit 1974, sondern aus der britischen. Viele ehemalige britische Kolonien haben noch immer eine rückschrittliche und inhumane Gesetzgebung, die teilweise noch immer aus viktorianischer Zeit stammt.
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#10 ArthasAnonym
  • 19.10.2011, 23:01h
  • Antwort auf #3 von CarstenFfm
  • Homosexualität wird in der Türkei, wie in allen islamischen Staaten, anders wahrgenommen als in westlichen Ländern, d.h. als schwul gilt man nur wenn man passiv homosexuell ist. Das heißt der aktive Schwule, also der der die Penetration ausübt, gilt nicht als homosexuel und wird nicht bestraft. Der der sich pentrieren lässt hingegen schon, denn es gilt als Schwäche, Opferrolle und Demutsgeste.
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