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Jamie mit seinem Vater

Ist es eine Serie von Selbstmorden von schwulen Teenagern im nordamerikanischen Raum oder hat sich die Aufmerksamkeit vergrößert, auch die Bereitschaft der Eltern, über das Thema zu sprechen?

Englischsprachige Medien berichten jedenfalls groß von dem 15-jährigen Jamie Hubley aus Ottowa in Kanada, der sich am letzten Freitag das Leben nahm. In einem Blog hatte er zuvor über Monate hinweg über seinen Kampf mit Depressionen und die Schwierigkeiten mit dem Leben als schwuler Teenager berichtet. In seinem letzten Eintrag schrieb er, er sei ein "Opfer der Liebe", könne nicht mehr weiterleben.

In Anspielung auf die ermutigende "It gets better"-Videokampagne äußerte er, niemand könne sagen, dass es später besser werde. Auch könne er nicht noch Jahre warten. Hubley, der Schauspieler und Sänger werden wollte, berichtet in dem Blog von schwulenfeindlichen Beleidigungen durch Mitschüler. Die High School sei tausend mal härter als das Leben in "Glee". "Ich hasse es, der einzige offen schwule Schüler in meiner Schule zu sein." Auch berichtete der Teenager, dass Medikamente nicht wirkten, er postete Bilder von Selbstverletzungen.

Jahrelange Schikane

In einem Statement gegenüber dem "Ottawa Citizen" sagte der Vater von Jamie, der Stadtrat Allan Hubley, Homophobie sei nicht der oder der einzige Grund für den Selbstmord seines Sohnes gewesen, aber ein Faktor. So habe sein Sohn mehrfach von Schikanen durch Mitschüler berichtet, in der siebten Klasse sei er wüst beschimpft worden, weil er Eislaufen statt Hockey gewählt hatte.

Als Jamie einen LGBT-Club an seiner Schule einrichten wollte, seien nicht nur Poster entfernt oder beschädigt worden, der 15-jährige sei von Mitschülern überall in der Schule laut gehänselt worden und auch im Internet habe sich eine Menge Hass entladen. Jamie und seine Familie hätten sich zugleich über die Gegenreaktion gefreut, so hatten Schüler angeboten, die Poster zu bewachen.

Jamie habe viele Freunde gehabt, die ihn nun vermissen. Ebenso wie seine Eltern, die ihn geliebt und immer unterstützt hätten. Der Vater kündigte an, sich dem Kampf gegen Bullying zu widmen, wenn er und seine Familie sich von dem Verlust erholt hätten.

Youtube | Für seinen Youtube-Kanal nahm Jamie einige Cover auf, darunter "Talking to the moon" von Bruno Mars

Unterstützung für Teenager

Erst vor rund vier Wochen hatte der Selbstmord eines 14-Jährigen aus New York für Schlagzeilen gesorgt - Jamey Rodemeyer hatte ebenso wie Jamie Hubley in einem Blog auf der Plattform tumblr von den Schikanen durch Mitschüler berichtet (queer.de berichtete). Selbst ein Video für die "It gets better"-Kampagne hatte er gedreht.

Diese war vor rund einem Jahr nach Berichten über einige Selbstmorde von LGBT-Teenagern entstanden, inzwischen haben tausende Prominente wie Nicht-Prominente auf der ganzen Welt die Mutmacher-Videos aufgenommen (Youtube-Kanal, dt. Version). In Deutschland gibt es zahlreiche LGBT-Jugendgruppen und -zentren (eine nicht mehr ganz aktuelle Übersicht, zur Not einfach mal googeln) sowie einige Webseiten gezielt für LGBT-Jugendliche, etwa dbna (Du bist nicht allein) oder die des bundesweiten Jugendnetzwerks Lambda. Auch Anlaufstellen bei Problemen mit Depression können online schnell gefunden werden. (nb)



#1 JapanfanEhemaliges Profil
#2 LorenProfil
#3 Timm JohannesAnonym
  • 19.10.2011, 17:50h
  • Also sehr traurig...
    --------------------------------

    Selbst habe ich meine sexuelle Orientierung erst Anfang des Studiums mit 21/22 Jahren der Familie und Freunden/Bekannten und Verwandten offenbart und das war Anfang der 1990er, als ich Student an der Universität war.

    Mit 15 Jahren am Gymnasium hätte ich dies noch nicht gekonnt. Rückblickend bin ich froh, das ich es erst als Student gemacht habe, da ich zu Schulzeiten diese innere Selbststärke noch nicht gehabt hätte.

    Mein Vorteil damals war, das ich dadurch auch keine Sonderstellung am Gymnasium hatte und so unauffällig die Oberstufenpartys/Abifeten feiern konnte. Und mein Vorteil war, das ich in keinster Weise auffiel, da ich der Durchschnittjugendliche damals war und keine typisch femininen Eigeschaften hatte, wie sie einige ("aber längst nicht alle") schwule Männer aufweisen.

    Selbstbewusstsein und innere Selbststärke sind in jungen Jahren als Jugendlicher/Heranwachsender erst zu erarbeiten und waren mir in diesen Jahren zwischen 15 und 19 auch "weniger" gegeben.

    Persönlich kann ich daher auch gerade schwulen Jugendlichen/Heranwachsenden nicht dazu raten, an der Schule schon das Coming Out zu machen und würde dazu erst nach der Schulzeit raten.

    Was Eltern/Geschwister angeht, da würde ich es Heranswachsenden/Jugendlichen schon eher raten, soweit das Familienverhältnis gut und harmonisch ist.

    Um ein Coming-Out an der Schule als Jugendlicher/Heranwachsender gut zu überstehen, bedarf es bereits eines starken Selbstbewusstseins...und ich hätte es damals nicht gehab in jenen Jahren und daher war es richtig, erst nach der Schulzeit das Coming Out nach aussen umzusetzen.
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#4 LorenProfil
#5 hinweisAnonym
  • 19.10.2011, 19:02h
  • Zum Thema Mobbing gibts heute abend in der ARD nach dem Film " Homemovie" noch ne Diskussion bei Anne Will.

    Zu Gast ist unter anderen die Mutter eines Mobbings Opfers:
    "Kurzbiografie: Geboren am 13. September 1959 in Kassel. Ihr Sohn Joël nahm sich im Mai 2010 im Alter von 13 Jahren das Leben, nachdem jemand auf Joëls Facebook-Seite einen Link zu einer Seite gepostet hatte, auf der er sexuell diffamiert wurde. "

    daserste.ndr.de/annewill/archiv/gaesteliste599.html
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#6 realityAnonym
#7 antos
  • 19.10.2011, 19:30h
  • Antwort auf #5 von hinweis
  • Dass da ausgrechnet der Disziplin-Herr Winterhoff eingeladen wurde, spricht nicht gerade für die Sendung. Sein Buch beinhaltet so hanebüchenes 'Narzisssmus'-Geschwurbel, dass er - zum Glück - schon von vielen Seiten/Fachleuten kritisiert worden ist. Aber für eine Show reichts ja immer. Ich bin gespannt.

    Ebenfalls gespannt bin ich darauf, wie Frau Will mit dem Fall des armen Joel umgeht - und mit der ihm unterstellten Homosexualität.
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#8 ClaudiaAnonym
  • 19.10.2011, 19:57h
  • Furchtbar. Wann hört das auf, dass hasserfüllte Mobber und Homophobe schwule Teenager in den Suizid treiben? Grässlich! Bei den homophoben, evanglikalen, religiös-fundamentalistischen Strukturen in den USA wundert es mich null. Aber auch in Kanada scheint es das zu geben.
    Der arme Junge! Schrechlich, so ein sinnloser, viel zu früher Tod.
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#9 Lapushka
  • 19.10.2011, 21:00h
  • Ich frage mich aber auch, wo sind die Eltern, wo sind die Lehrer in so einem Fall?

    Das muss man doch merken. Mobbing muss doch den Lehrkräften auffallen. Und wenn Gesprächsrunden mit den betreffenden Schülern bzw. deren Eltern usw. nichts bringen, müssen eben notfalls juristische Schritte eingeleitet werden.
    Kinder und Jugendliche können grausam sein, das weiss ich, ich habe in der Grundschule auch einen Jungen gemobbt.
    Aber als er dann irgendwann mal geweint hat, habe ich Mitleid bekommen und ihn in Ruhe gelassen. Aber wenn Erwachsene dabei sind und es mitkriegen, muss das einfach unterbunden werden.
    Ich verstehe gar nicht wie man das als Lehrer mit seinem Gewissen vereinbaren kann sowas zuzulassen.
    Sowas kann einen Menschen selbst wenn er sich nicht umbringt doch nachhaltig schädigen, manche schleppen das noch im Erwachsenenalter mit sich herum.
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#10 alexander
  • 19.10.2011, 21:23h
  • Antwort auf #8 von Claudia
  • hallo, liebe claudia,
    natürlich hast du absolut recht mit deinem statement, aber wir waren alle mal teens und hatten ähnliche probleme !
    was mich doch sehr verwundert und sogar beängstigt, ist die allgemeine entwicklung, die laut statistik behauptet, dass die zahl der homosexuellen kontakte, bei jungs in der pubertät, so drastisch abgenommen hat, im vergleich zu den 70 zigern !
    logisch, dass mehr gemoppt wird und noch mehr schrankschwestern grossgezogen werden !
    aber genau, dass ist das problem, es wird keine erziehung mehr möglich, durch die jugendlichen selbst, die von vornherein alles ablehnen, dass ihnen "unnormal erscheint"!
    hierbei spielen die medien eine nicht unwesentliche rolle. und wenn, wie in diesem fall, nicht mal die familie einen selbstmord verhindern kann, zeigt es doch, wie sehr kids vom internet abhängig und geprägt sind !
    und es hat nicht nur mit amiland zu tun, das gleiche spielt sich bei uns hier auch ab, nur weniger spektakulär !
    umso schlimmer, dass unsere so wundervolle regierung immer noch jede verbesserung unserer stellung, was die "normalität" angeht bewusst verhindert ! von den kirchenklopsen garnicht erst zu reden !
    schlimmer noch, wir können nicht darauf hoffen, dass diese situation schnell verbessert wird, wir leisten uns eine kanzlerin, die jungs an einer nicht vorhandenen front verrecken lässt, bestenfalls mit "bestürzung" reagiert !!!
    wo soll da menschlichkeit herkommen ???
    amiland ist mal wieder der vorreiter.
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