Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?15211

Alexander glaubt, er sei wegen seiner Homosexualität entlassen worden (Bild: gayby.by)

Der Tabakkonzern soll in Minsk einen Mitarbeiter zur Kündigung gezwungen haben, weil er schwul ist – das Unternehmen bestreiter das. Die Hauptstadt rüstet sich derweil für den verbotenen CSD am Samstag.

Von Norbert Blech

Der in London beheimatete Konzern British American Tobacco (Lucky Strike, Pall Mall, HB) soll in Weißrussland einen Angestellten zur Kündigung gezwungen haben, weil er schwul ist. Das behauptet der Aktivist Alexander Poluyan auf der Webseite gayby.net, an der erst selbst mitarbeitet.

Der 26-jährige berichtet, er habe im August im PR-Bereich der Firma angefangen und sei am Dienstag zu seinem Vorgesetzten zitiert wurden, der ihm zum Schreiben einer Kündigung aufgefordert habe. Gründe dafür habe er keine gehört, nichts, was mit seiner Arbeit zusammenhängen könnte. "Der einzige mögliche Grund ist, dass mein Chef herausgefunden hat, dass ich schwul bin und aktiv das LGBT-Leben des Landes mitgestalte."

Nach Gesprächen mit anderen Mitarbeitern sei er überzeugt davon, wegen seinem Schwulsein entlassen worden zu sein – dabei sei BAT ein homofreundlicher Arbeitgeber und habe sogar eine LGBT-Mitarbeitergruppe in Weißrussland. Der Fall zeige die "wahre Stellung von Homosexuellen in dem Land", wo selbst Angestellte eines internationalen Konzerns mit Diversity-Richtlinien einen Schwulen nicht in einer Führungsposition aushalten könnten.

BAT: Sexuelle Orientierung kein Problem

British American Tobacco bestreitet die Vorwürfe. Über die Londoner Zentrale wurde auf Anfragen von Queer.de und UK Gay News ein Statement verschickt, wonach man mit der sexuellen Orientierung Poluyans und seiner Mitarbeit an gayby.net kein Problem gehabt habe – sie sei bereits bei der Einstellung durch die vorherige Arbeit als Freelancer bekannt gewesen. Poluyan habe aber in der Probezeit weniger Leistung gezeigt als erwünscht und trotz mehrerer Warnungen seine Leistungen nicht verbessert. "Alexander wurde während seiner Beschäftigung fair und unvoreingenommen behandelt und es gab keine Anzeichen, dass Alexander aufgrund seiner sexuellen Orientierung anders behandelt oder diskriminiert worden ist."

BAT sei stolz, ein Unternehmen zu sein, dass Mitarbeitern "equal opportunities" biete. In allen Hierachien des Konzerns arbeiteten offen schwule Mitarbeiter, auch in Weißrussland. Die internationalen Richtlinien des Konzerns zu Beschäftigungsverhältnissen, die auch auf der Webseite des Unternehmens veröffentlicht sind, benennt sexuelle Orientierung als einen von vielen Punkten, der bei Entscheidungen über Einstellung, Promotion und Beschäftigungsauflösung keine Rolle spielen dürfe (neben den üblichen weiteren Punkten findet sich auch "Rauchgewohnheiten").

In Amerika sponsorte der Konzern eine Raucher-Lounge bei einer Gala der LGBT-Vereinigung GLADT und schaltete dazu einige Anzeigen. Schon früher hatte BAT LGBT-Kampagnen in den Niederlanden und den USA geschaltet. In Großbritannien ist das Unternehmen Mitglied der Organisation Stonewall.

Verbotener CSD in Minsk, verbotene Demos in Moskau


Hier soll es am Samstag einen CSD geben (Bild: Gay Belarus)

Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung ist in Weißrussland nicht verboten, gelegentlich kommt es zu Entlassungen, manchmal auf Druck von Behörden. Nach ihrer Teilnahme beim Slavic Pride in St. Petersburg im Sommer wurde etwa eine junge (und heterosexuelle) Kellnerin bei ihrer Rückkehr nach Minsk entlassen – von einem Cafébesitzer, der selbst schwul ist. CSDs und andere Demonstrationen von Schwulen und Lesben wurden bislang immer verboten.

Der erste CSD im letzten Jahr, organisiert von der Gruppe Gay Belarus, führte zu der mehrtägigen Festnahme der Beteiligten und Geldstrafen (queer.de berichtete), Mitorganisator Sergey Yenin verlor seine Unizulassung und studiert mittlerweile in Polen. Nach einer Spaltung der Gruppe gab es am 17. Mai zum Internationalen Tag gegen Homophobie einen Schweigemarsch mit Sarg, der die Demokratie darstellte. Die Teilnehmer der neuen Gruppe IDAHO Belarus, darunter Yenin, konnten rechtzeitig vor der Polizei fliehen. Zugleich wurden mehrere Personen der anderen Gruppe verhaftet, als sie Flugblätter verteilten (queer.de berichtete).

Nun hat Gay Belarus für diesen Samstag den nächsten CSD in Minsk geplant – nach einer Mitteilung des Präsidenten, er habe nichts gegen Homo-Demonstrationen außerhalb der Innenstadt, wurde er für weit außerhalb der Zentrums von Minsk beantragt und dennoch nicht genehmigt. Die Aktivisten wollen trotzdem demonstrieren.

Auch im benachbarten Russland soll es am Samstag eine verbotene LGBT-Demo geben, Anlass ist der internationalen Tag gegen die Pathologisierung von Transgendern (queer.de berichtete). Bereits einen Tag zuvor protestieren die Organisatoren von Gay Russia in in der Innenstadt, um dem Jahrestag der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte zu feiern; das Gericht hatte CSD-Verbote als illegal bezeichnet. Die übliche Ironie: Auch diese Demonstration ist verboten worden. Einschüchtern lässt sich davon niemand: Gestern gab Gay Russia bekannt, ein "Pride House" für die Olympischen Winterspiele in Sotschi beantragt zu haben.



#1 MarekAnonym
  • 20.10.2011, 22:01h
  • Der Tabak-Lobby kann man gar nichts mehr glauben. Die haben auch jahrzehntelang behauptet, Tabakkonsum sei nicht gesundheitsschädlich.

    Die geben immer nur gerade soviel zu, wie eh schon jedem klar ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 21.10.2011, 11:27h
  • Ich denke, daß bei der Entlassung des Mitarbeiters bestimmt Diktator Lukaschenko seine dreckigen Finger mit im Spiel gehabt! Ich hoffe, daß der bei BAT gefeuerte Mitarbeiter bald eine neue Stelle in einem homophilen Unternehmen bekommt!
  • Antworten » | Direktlink »