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Nikolai Aleksejew war der bekannteste Sprecher der LGBT-Bewegung

Der Organisator des CSD in Moskau und bekannteste wie umstrittenste Fürsprecher der Bewegung in Russland gibt überraschend seine Posten auf.

Von Norbert Blech

Der bekannteste LGBT-Aktivist in Russland hat seinen Dienst quittiert: Nikolai Aleksejew gab in der Nacht zu Freitag bekannt, das Projekt Gayrussia.ru und die Organisation des CSD in Moskau mit sofortiger Wirkung abzugeben.

Die Nachricht verbreitete Aleksejew über Twitter und Facebook - und wurde, nach einigen Erfahrungen mit wirren Postings, zunächst national wie international nicht allzu ernst genommen. Doch inzwischen hat der Aktivist seinen Rückzug bestätigt. In einer eMail an "UK Gay News" schrieb er: "Es stimmt, dass ich keinen Bock mehr habe, und deswegen habe ich mich zum Rücktritt entschlossen." Er habe dazu eine längere Begründung geschrieben, will sie aber nicht veröffentlichen und auch nichts weiteres zu den Gründen sagen.

"Liebe Freunde, am heutigen ersten Jahrestag der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte bezüglich der Illegalität der Verbote des Moskauer CSDs habe ich entschieden, von meinen Posten (...) zurückzutreten", heißt es in dem Facebook-Eintrag. "Ich wünsche allen Erfolg! Ich habe alles getan, was ich tun konnte! Macht es besser!"

Personeller Neuanfang


Die Neuen: Nikolai Baev (r.) und Alexander Naumchik (m.) vor dem diesjährigen CSD in Moskau. Anno Komarow (l.) hat für morgen eine (verbotene) Demo für Transgender-Rechte organisiert

Bis zur Wahl eines Nachfolgers soll Nikolai Baev die Organisation führen, Alexander Naumchik Proteste organisieren. Baev spricht hervorragendes Englisch und Deutsch und gilt als gelassener wie geselliger Stratege. Er könnte GayRussia zu mehr produktiver Zusammenarbeit mit anderen LGBT-Gruppen in Russland und international führen. Sein Mitstreiter und neuer CSD-Organisator Naumchik spricht nicht so gut Englisch, hat aber eine ansteckende Persönlichkeit (und ein Faible für Lady Gaga, die nach dem Europride auch mal den CSD in Moskau besuchen könnte). Baev sagte gegenüber "UK Gay News", man solle nicht versuchen, etwas in den Rücktritt Aleksejews hereinzulesen.

"Ich respektiere seine Entscheidung und muss sagen, dass alle seine Freunde und Kollegen in Russland traurig sind, dass wir ohne Nikolai kämpfen müssen", so Baev. Mit der Hilfe von Aleksejew habe man enorme Erfolge für die LGBT-Bewegung in Russland erreicht. "Es ist wirklich traurig, dass er zurückgetreten ist." Man werde die Aktivitäten in Moskau weitertreiben und noch mehr Bemühen hereinstecken, aber kaum an die Energie von Nikolai heranreichen, die einzigartig gewesen sei.

Engagement und Frust


Aleksejew wird beim ersten CSD in Moskau 2006 verhaftet, der Beginn einer kleinen, aber einflussreichen Bewegung

An Energie fehlte es Aleksejew nie, wovon die Richter des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte und die Moskauer Stadtverwaltung das ein oder andere Liedchen singen können. Immer wieder überzog er sie mit Anträgen und Klagen. Das Motto, steter Tropfen höhlt den Stein, könnte auf Dauer erfolgreich gewesen sein: Russland hat es nun schriftlich, dass CSD-Verbote illegal sind; es wird die Urteile früher oder später berücksichtigen. Auch die Medien schlugen sich in letzter Zeit immer häufiger auf LGBT-Seite, vor allem berichteten sie in den letzten Jahren plötzlich massenhaft über Homosexualität.

Es bleibt aber eine stark homophobe Gesellschaft. Aleksejew hat es, als prominentester Fürsprecher der Bewegung, nie so richtig vermocht, die Bevölkerung und die Szene auf diesen wichtigen Schritten mitzunehmen. Immer häufiger beklagte er sich über Nichts-Tuer, die nichts erreichten (andere Aktivisten mussten dann noch die Erfahrung machen, dass sie bei harmloseren Aktionen ebenfalls festgenommen werden; freilich gibt es genügend Gründe für Zusammenarbeit und weniger aktivistische Coming-out-Gruppen oder LGBT-Kulturfestivals, wie es sie in Russland durchaus erfolgreich gibt).

Die Frustration wuchs, von der ein oder anderen Aktion hatte man sich mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung erwartet, wie etwa zum CSD 2009, der gleichzeitig zum Eurovision Song Contest in Moskau stattfand. Aleksejew saß schließlich, wie so häufig, im Gefängnis, während Hunderttausende Schwule das Spektakel verfolgten. Zuletzt stieß Aleksejew Unterstützern, selbst Volker Beck, zunehmend per Facebook oder persönlich vor den Kopf. Auch hier war die Kritik teilweise nicht immer unberechtigt, aber ungeschickt. Sie erntete ihm zunehmend Kritik ein, mit der er schlecht zurechtkam.

Mit dem Kopf durch die Wand - das zeichnete Aleksejew im Guten wie im Schlechten aus. Er war damit vielleicht genau der Richtige, um der ansonsten noch recht scheuen, vorsichtigen Aktivisten-Szene Russlands einen Kickstart zu geben. Als einen solchen Urknall wird man ihn in Erinnerung halten.



#1 FloAnonym
  • 21.10.2011, 18:22h
  • Diese plötzliche Aufgabe schockt mich schon.

    Wenn das wirklich aus freien Stücken oder persönlichen Gründen geschieht, ist das sein gutes Recht und muss akzeptiert werden. Aber es könnte ja auch sein, dass er dazu gezwungen wird, weil er zu einflussreich und bekannt wurde. Ich finde es auf jeden Fall komisch, dass das von heute auf morgen passiert ist. Ohne dass es vorher irgendwelche Anzeichen gab.

    Ich wünsche ihm so oder so alles Gute und hoffe, dass seine Arbeit nicht umsonst war und seine Nachfolger ähnlich aktiv sind und vielleicht das Ziel erreichen.
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#2 flämmchenAnonym
#3 kot1276Profil
  • 21.10.2011, 23:53hMoskau
  • Al russische LGBT-Aktivist, kann ich nur eins sagen: ENDLICH!!!
    Hat viel gemacht, aber viel auch versaut.
    Hat einiges erreicht, aber vieles versaut. Seinetswegen ist der Grad der Homofobie in Russland nur noch höher geworden.
    Hoffentlich ist es nicht noch eine PR-Nachricht.
    Ich persönlich werde nicht traurig sein.
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#4 HinnerkAnonym
  • 22.10.2011, 10:19h
  • Antwort auf #3 von kot1276
  • Aber immerhin hat er es geschafft, auch außerhalb seines Landes bekannt zu werden und international auf die Probleme in seiner Heimat hinzuweisen.

    Ich hoffe, es sind wirklich nur "Unlust" oder andere Gründe und keine ernsthafteren Gründe, die ihn zu seiner Aufgabe zwingen.
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
#7 kot1276Profil
  • 22.10.2011, 20:25hMoskau
  • Antwort auf #4 von Hinnerk
  • Ja, er hat es geschaft bekannt zu werden. Aber wem auser ihm hat es genutzt?
    Aber außer Gaypride und Blutspende hat er nicht mehr was nützliches gemacht. Er hat nur die russische Gesellschaft noch mehr gegen LGBT aufgeheizt. Mit seine Methoden hat er wirklich nur geschadet.
    Man sagt, dass die andere Aktivisten in Russland nichts machen. Aber das ist falsch. Die andere Aktivisten haben das Ziel LGBT zu helfen, sie starten verschiedene soziale Projekte, organisieren verschiedene Veranstaltungen. In Europa weiß man leider fast nicht darüber, weil es nicht so spanend ist. Natürlich ist es interesanter auf die geschlagene und verhaftete Demonstranten zu sehen, als ein Bericht über eine erfolgreiche Veranstaltung ohne Zwischenfälle zu lesen.
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#10 kot1276Profil