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Von Dirk Jung

Der Druck auf homophobe Sänger nimmt zu. Immer öfter kommt es zu Konzert-Absagen, Sponsoren drohen mit Vertragskündigung - und die Polizei nimmt Ermittlungen wegen Hasstiraden und erfolgter Gewalt auf.

Gerade für Buju Banton wird es eng. Mark Anthony Myrie, so der bürgerliche Name des Sängers, ruft auf der Bühne zum Mord an Schwulen auf. So propagiert er in "Boom Bye Bye", Schwule durch Kopfschuss, Säure- oder Brandanschläge zu töten. Banton soll auch an einer homophoben Gewalttat beteiligt gewesen sein. Dem 31-Jährigen wird vorgeworfen, am 24. Juni diesen Jahres an einer Gewalttat gegen zwei schwule Männer aus Kingston auf Jamaika beteiligt gewesen zu sein. Er sei von den Opfern als einer der Täter erkannt worden, berichtet die Polizei. Einer Vorladung sei der Sänger nicht nachgekommen.

Aufgrund der Verdächtigungen sagte der Veranstalter ein für den 2. September in Hamburg geplantes Konzert ab. "Aufgrund der nicht abreißenden Gerüchte, dass der Künstler Buju Banton sich an Menschenrechtsübergriffen beteiligt haben soll, sowie der Bestätigung der zuständigen jamaikanischen Behörden, dass eine Vorladung gegen Buju Banton vorliegt, nehmen wir vom Konzert des Künstlers bis zur vollständigen Klärung der Vorfälle Abstand". Dies liest man auf der Homepage der Hamburger Konzertbühne Fabrik, wo Buju Banton am 2. September eines seiner Deutschlandkonzerte geben sollte. Philip Braun, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD), zeigte sich erfreut, dass sich, wie zuvor schon in Saarbrücken, ein Veranstalter dazu entschloss, ein Konzert mit dem Reggaestar abzusagen. "Das ist ein großer Erfolg unserer Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit", so der LSVD, der das Thema homophober Reggae-Musik kürzlich für sich entdeckte.

Die Konzertagentur Revelation Concerts aus dem westfälischen Hamm allerdings hält am Auftritt Bantons am kommenden Samstag (21. August) fest. Veranstalter Christoph Tewes sagte der "taz": "Es ist nicht einfach, Konzerte abzusagen. Dabei geht es um viel Geld." Tewes organisiert auch die Deutschland-Tournee, der Sänger tritt noch in Berlin und Bremen auf. Auf seiner Webseite hat er ein Statement veröffentlicht, die Kritik möge "teilweise zutreffend sein, sie mag in Teilen auch übertrieben und von Mutmaßungen und Vorverurteilungen geprägt sein". Es stimme auch, "dass der Künstler zumindest in seinem Lied 'Boom Bye Bye' in einer auch von mir nicht tolerierten Weise Homosexuelle und deren Praktiken verurteilt und verunglimpft hat", so Tewes. Aber das Lied sei zwölf Jahre alt und werde von Banton nicht mehr gesungen. Tewes veröffentlichte eine Erklärung Bantons, wonach die Anschuldigung, er werde von der Polizei gesucht, nicht zutreffend sei.

London ermittelt gegen vier Sänger

Dabei nahm auch die britische Polizei am Montag die Ermittlungen gegen Buju Banton auf. Mit ihm stehen die jamaikanischen Musiker Beenie Man, Bounty Killer und Elephant Man unter Verdacht, gegen britische Anti-Hass-Gesetze verstoßen zu haben. Die Untersuchungen der Londoner Polizei und der Staatsanwaltschaft werden mit der "zunehmenden Zahl von Beschwerden an die Polizei über homophoben Sprachgebrauch" begründet.

Da muss man nicht lange suchen. So fordert Beenie Man in seinem Hit "Bad Man Chi Chi Man" (Böser Mann, schwuler Mann) dazu auf, schwule DJs umzubringen. In "Damn" singt er: "I'm dreaming of a new Jamaica, come to execute all the queers". Ganz erfolglos sind die Aufforderungen der Sänger nicht: die bereits scharfen Gesetze gegen Schwule aus dem 19. Jahrhundert sollen auf Jamaika verschärft werden. Allein seit 1997 sind 30 schwule Männer gewaltsam getötet worden.

Virgin Records und deren Muttergesellschaft EMI sehen sich nun nach endlosen Protesten auch Anzeigen von Schwulen-Aktivisten in Großbritannien ausgesetzt. Die Plattenfirmen würden mit der vertraglichen Bindung der Künstler deren menschenverachtende Gesinnung unterstützten, argumentiert etwa die britische Homo-Organisation Outrage.

Sponsor Puma distanziert sich

Buju Banton hatte erst am Wochenende für Schlagzeilen gesorgt, als er bei den Olympischen Spielen in Athen auftrat. Ein Protest des LSVD beim Sponsor der jamaikanischen Mannschaft, dem deutschen Sportartikel-Hersteller Puma, hatte Erfolg: Dieser distanzierte sich sofort von den Hass-Songs. Es sei in keinem Fall Firmenpolitik von Puma, Hasspredigen zu dulden. Banton wurde in Athen durch Puma darauf hingewiesen, dass die Zusammenarbeit umgehend aufgekündigt werde, sollte irgendwo auf der Welt ein schwulenfeindlicher Song durch Banton vorgetragen werden. Das Konzert in Athen fanden im Olympischen Dorf statt und war allen Athleten zugänglich. Diesem Auftrittsort musste das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine Zustimmung geben. Wie die britische Schwulenorganisation Outrage bemerkt, konterkariert Banton damit den gesamten olympischen Geist, der für Friede und Brüderlichkeit steht.

18. August 2004, 19.10h



52 Kommentare

#1 mezzoAnonym
  • 19.08.2004, 09:54h
  • Tja, dann machen wir doch mal unsere Macht deutlich mit einer E-mail an:

    info-de@puma.com
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#2 Reggae LoverAnonym
  • 19.08.2004, 14:44h
  • Warum könnt ihr Homos uns normale Leute nicht in Ruhe lassen! Big Up Buju! Buju ist einer der wenigen Reggae Sänger, die nicht gegen Schwule hetzen. Da gibt es ganz andere. Fyah bun chi chi.
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#3 MarkusAnonym
  • 19.08.2004, 14:47h
  • "Normale Leute"? Du meinst die ganz normalen Rassisten? Nein, Schätzchen, die lassen wir nicht in Ruhe. Die machen wir platt! Versprochen.
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#4 Reggae LoverAnonym
#5 thomasAnonym
  • 19.08.2004, 15:33h
  • wer sich derart bei seinen texten im ton vergreift, gehoert boykotiert - egal ob es sich gegen schwule odere andere minderheiten richtet.
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#6 KaiAnonym
  • 19.08.2004, 16:19h
  • Oh Klasse, gibt's dann demnächst auch irgendwelche Summer-Open-Air-Music-Festivals, auf denen wir lustige Lieder übers Ausländerlynchen oder Judenvergasen singen? Und wird das dann auch von großen Sportartikelherstellern gesponsort? MAN FAßT ES NICHT!
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#7 Reggae LoverAnonym
  • 19.08.2004, 16:34h
  • Ihr braucht ja nicht auf solche Konzerte gehen, aber lasst den Leuten, die sowas hören wollen doch ihren Spass. Übrigens ist beim Christopher Street Day schon schön laut und fröhlich Beenie Man gespielt worden...
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#8 lurchAnonym
#9 WernerAnonym
  • 19.08.2004, 18:25h
  • @ lurch: mit Sicherheit nicht, denn zum Ehrenkodex praktizierender SM-Anhänger gehört, keine bleibenden Schäden zu hinterlassen. ;-)
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#10 WernerAnonym
  • 19.08.2004, 18:29h
  • @ Reggae Lover: "Warum könnt ihr Homos uns normale Leute nicht in Ruhe lassen!" - Ganz einfach: weil einige von Euch sog. "Normalen" uns nicht in Ruhe lassen, wie Dein heißgeliebter Buju Banton, der unter dem dringenden Tatverdacht steht, sich an Übergriffen auf Schwule aktiv beteiligt zu haben. Würdest Du etwa von einem Juden erwarten, dass er eine Fascho-Gruppe in Ruhe läßt?
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