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David Norris kämpft seit Jahrzehnten für schwul-lesbische Rechte

Der schwule Kandidat David Norris hat bei der Präsidentschaftswahl zwar nur Außenseiterchancen - seine Kandidatur zeigt aber, wie sehr sich die irische Gesellschaft gewandelt hat.

Von Dennis Klein

Vergangene Woche fand David Norris einen Schwulenwitz bei einer Diskussionsrunde der sieben Präsidentschaftskandidaten gar nicht witzig. Sein Kontrahent Gay Mitchell bezeichnete sich als "einziger 'Gay', der sich für das Präsidentenamt bewirbt". Norris reagierte erzürnt auf die Stichelei: "Wir sind in einer Situation, in der wir gegen homophobes Mobbing an Schulen kämpfen und ein Kandidat macht Witze darüber, schwul zu sein. Das hätte ich nicht erwartet", so der 67-Jährige.

Der frühere Literatur-Professor ist der bekannteste und kompromissloseste Homo-Aktivist in Irland. Als er 1987 als Parteiloser in den Senat gewählt wurde, war Homosexualität auf der katholischen Insel noch verboten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Norris jedoch bereits seit Jahren gegen das diskriminierende Gesetz geklagt. Während irische Gerichte den Aktivisten noch abschmetterten, konnte er Ende der 80er Jahre einen Erfolg vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof feiern. Straßburg entschied im Fall "Norris v. Irland", dass ein Sex-Verbot für Schwule das Recht auf Privatsphäre verletze. 1993 entkriminalisierte das Parlament schließlich Homosexualität. Dank der andauernden Lobby-Arbeit von Norris ging das Parlament im vergangen Jahr noch einen Schritt weiter: Die Abgeordneten stimmten mit großer Mehrheit der Einführung von eingetragenen Partnerschaften zu (queer.de berichtete).

Norris auf Rang 2


Die scheidende Präsidentin, die homofreundliche Mary McAleese, darf nicht noch einmal zur Wahl antreten (Bild: Wiki Commons / Sherurcij / CC-BY-2.5-BR)

In Umfragen lag Norris Anfang des Jahres noch knapp vor den anderen Kandidaten, inzwischen gilt aber der Sozialdemokrat Michael D. Higgins als klarer Favorit. So sagt etwa eine neue Umfrage unter Auslands-Iren dem 70-jährigen früheren Kulturminister 41 Prozent voraus, Norris belegt mit 24 Prozent den zweiten Platz.

Ein Erfolg von Norris gilt auch wegen des Wahlsystems als eher unwahrscheinlich, weil das in Irland angewendete Rangfolgesystem anderen Kandidaten mehr nutzen dürfte als Norris. In diesem System dürfen die Wähler eine Rangfolge ihrer Lieblingskandidaten angeben - diese wird wichtig, wenn keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erhält. Weil Norris eher polarisiert als andere Kandidaten, dürfte ihm das eher schaden.

Ohnehin war Norris' Wahlkampf von "Skandalen" geprägt, die katholische Wähler eher verschrecken. So brachte eine Journalistin ein Interview mit Norris aus dem Jahr 2002 wieder in den Umlauf, in der er über Knabenliebe im alten Griechenland gesprochen hatte (queer.de berichtete). Vor knapp drei Monaten trat er dann von seiner Bewerbung wegen eines noch älteren "Vergehens" zurück: Er hatte 1997 einen Freund unterstützt, der wegen Sex mit einem Minderjährigen verurteilt worden war (queer.de berichtete). Wenige Wochen später kehrte er aber zurück, nachdem ihn mehrere Parlamentarier dazu aufgefordert hatten. Allerdings hatte er nach dem Wiedereinstieg mit kleineren Skandälchen zu kämpfen: So wurde in den Medien berichtet, er trinke zu viel Alkohol und habe unberechtigterweise eine Erwerbsminderungsrente erhalten, während er als Senator arbeitete.

Auch wenn Norris die Wahl nicht gewinnen sollte, ist es schon ein Fortschritt, dass er als aussichtsreicher Kandidat gehandelt wird - der im übrigen nicht nur in der Frage von Homo-Rechten abseits des Mainstreams wandelt. So setzt er sich für die Legalisierung von Drogen ein und verglich Papst Benedikt XVI. in der Frage der schwul-lesbischen Rechte mit Hitler. Das ist nicht schlecht für ein Land, das vor zwei Jahrzehnten noch Homosexualität bestrafte und Frauen, die eine Abtreibung durchführen lassen wollen, noch heute ins Ausland schickt.



#1 alexander
  • 26.10.2011, 21:06h
  • hut ab vor dieser persönlichkeit !
    dieser mann wäre wirklich ein gewinn in der politischen landschaft europas !
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#2 FloAnonym
  • 27.10.2011, 09:46h
  • Wäre echt cool und ein tolles Signal, wenn Irland einen offen schwulen Präsidenten bekäme.
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 27.10.2011, 12:43h
  • Auch wenn David Norris als "Außenseiter" für diese Wahlen ins Rennen geht, kann er dennoch für eine grolße Überraschung sorgen und das Rennen für sich entscheiden. Man hat in Deutschland ja schon deutlich gesehen, daß Demoskopie und Ergebnisse vom Wahltag weit auseinander liegen können.
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