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kreuz.net ärgert sich über eine vermeintliche Zensur - und bringt sogar den Holocaust ins Spiel.

Blogs loben und kritisieren, dass die Hasseite für Schüler in NRW nicht aufrufbar sei. Dabei gibt es keine solche Sperre. Und Filtersysteme blockieren oft auch LGBT-Seiten.

Von Norbert Blech

Die Aufregung war groß: Die in vielen Bereichen fundamentalistische und unter anderem mit dreister Freude homophobe Seite kreuz.net berichtete die Tage, sie sei "Opfer des linken Maulkorbs" geworden. NRWs Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) habe sich für einen kritischen Bericht gerächt und die Seite quasi eigenhändig "von den staatlichen Schulservern" entfernen lassen.

Der Alarm stellte sich schnell als massiv übertrieben heraus. Auf Anfrage von queer.de erklärte das NRW-Schulministerium, es gebe überhaupt keinen Schulserver in der Art, dass man als Provider auftrete. Die Schulen bezögen ihr Internet teilweise über die jeweilige Kommune, teilweise über herkömmliche Provider. Und es gebe keinerlei Vorschrift an die Schulen, Filtersoftware oder bestimmte Filterlisten einzusetzen. Der Eigenbericht von kreuz.net kann sich also auf nur eine einzige Schule beziehen. Lehrer und Schüler sollen angeblich als Begründung zu lesen bekommen haben: "Politisch Extrem, Diskriminierung, Gewalt".

Die Mär von kreuz.net, hier habe eine Zensur durch ausdrückliche Einzelsperrung stattgefunden, setzte sich freilich auch bei den Gegnern des Portals fort. So schrieb ein Autor des Portals Suite 101, die Filterei sei "ein erster und wichtiger Schritt hin zu einer deutschlandweiten Sperrung der Seite", verbunden mit der Forderung, Hasseiten sollten ebenso wie Kinderpornographie gesperrt werden. Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck verlinkte den Artikel auf Facebook mit dem Hinweis: "Eigentlich finde ich diese ganze Sperrerei Quatsch." Aber wenn es Sperrungen bei Schulservern gebe, "dann wohl zuerst die Hassseiten. Generell gilt aber auch für kreuz.net löschen statt sperren!"

Nun hat sich kreuz.net, anonym betrieben von vermutlich einigen Piusbrüdern und offiziell angesiedelt in Amerika, bislang resistent gezeigt gegen Anzeigen wegen Volksverhetzung oder sonstigen Löschversuchen. Einige Filterprogramme von kommerziellen Anbietern oder Jugendschutzsysteme blockieren den Aufruf der Seite, sei es, weil bestimmte Reizwörter enthalten sind, es genügend Beschwerden gab oder Teile der Seite von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert sind.

Queer.de nicht im NRW-Landtag abrufbar


Der Landtag in NRW nutzt wie viele Firmen und Behörden einen Router wie "ProSecure". Er wird u.a. damit beworben, dass er über 100 Millionen URLs vorab in 64 filterbare Kategorien einteilt.

Der Einsatz von automatischen Filtersystemen hat aber auch Tücken, oft werden etwa LGBT-Seiten gesperrt. Vor rund zwei Wochen amüsierte Volker Beck seine Twitter- und Facebook-Follower mit der Meldung, dass Queer.de nicht im NRW-Landtag erreichbar sei. Ein wenig Rumsurfen brachte weitere Ergebnisse: Auch die Webseite des LSVD ging nicht, für beide Seiten habe es die Warnmeldung gegeben, sie enthielten "sex education". kreuz.net sei hingegen aufrufbar gewesen, berichtete Beck.

Auf Anfrage von Queer.de erklärte die Pressestelle des Landtags, die Webseiten seien nur im speziellen Netz für Besucher gesperrt, Abgeordnete und Mitarbeiter könnten alle Seiten aufrufen. Ein Mitarbeiter des IT-Managments antwortete per eMail ausweichend zu den Gründen der Sperrung von queer.de: "Das Gastnetzwerk des Landtags wird hinter einer Sicherheitsinfrastruktur betrieben, die unter anderem Internetseiten zum Thema 'Sex' und Ähnliches sperrt." Auf die Frage, welche Kriterien angelegt würden, gab er folgende Stellungnahme ab: "Informationen zur Sicherheitsinfrastruktur des Landtags (inklusive der Einstellungen) sind vertraulich zu behandeln und werden grundsätzlich nicht an Dritte weitergegeben."

Der Mitarbeiter konnte auch nicht sagen, welche und wieviele LGBT-Seiten gesperrt werden, gab aber zu, dass es "bei der automatischen Klassifizierung von Webseiten zum Thema 'Sex' (...) zu Fehlern kommen" könne. Damit müsse man aber leben: "Da sich Webseiten in der Regel kurzfristig ändern ist eine manuelle und dadurch personell aufwendige Filterung nicht geplant."

Sperrungen in Firmen üblich

Dass viele LGBT-Seiten fälschlicherweise automatisch als Sexseiten angesehen und folglich gesperrt werden, kommt auch häufig in Firmen vor, die auf entsprechende Filter-Systeme setzen. Diese haben den Nutzen, dass Angestellte nicht zu viel privat surfen, sie beschränken auch die Haftung der Betriebe. Doch so werden automatische Systeme, Softwarefirmen oder IT-Experten zu Zensoren ohne Schulung und Überwachung. An wen sollen sich zensierte Seiten wenden, um eine Aufhebung zu erreichen?

Problematisch wird es vor allem, wenn damit die Arbeit verhindert wird. Der Redaktion bekannt ist etwa ein öffentlich-rechtlicher TV-Sender, dessen Redakteure statt Queer.de eine Warnseite geliefert bekommen. Wollen sie die Seite trotzdem sehen, müssen sie das bestätigen, daraufhin wird jeder Zugriff protokolliert.

Auch wenn Sperrsysteme oft sinnvoll erscheinen - das Lob für die vermeintliche Sperrung von kreuz.net kommt nicht von ungefähr - bringen sie viel Ärger und wenig Nutzen. Die meisten Systeme lassen sich mit einem einfachen Proxy-Server umgehen oder auf Anbieterseite mit einer unverfänglicheren Zweitdomain (planetromeo statt gayromeo). Die uns bekannten Kollegen vom öffentlich-rechtlichen TV-Sender surfen übrigens während der Arbeit weiter ungestört auf queer.de - mit dem Handy.



#1 JapanfanEhemaliges Profil
  • 27.10.2011, 15:18h
  • ach ja. Kreuz.net. Da lese ich jeden Tag.
    Da kann man auch ein paar nette Leute kennen lernen. :D
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#2 eBauerAnonym
#3 undercoverAnonym
  • 27.10.2011, 22:51h
  • was ist los@queer.de, wer hat euch gehackt?
    wars kreutz.net oder der dfb?

    Anm. d. Red.: Unser unfähiger Provider.
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#4 chris23Anonym
  • 27.10.2011, 23:53h
  • Meinungen die einem nicht passen sollte man mit Gegenargumenten bekämpfen und nicht mit Sperrungen, da hat Volker Beck ganz recht. Das gilt für queer.de genauso wie für kreuz.net.

    Ansonsten ist kotz.net bekanntlich lt. Impressum in 1018 E. Mariposa Ave, El Segundo, CA 90245-3114 angesiedelt, nur ein paar hundert Meter vom Flughafen Los Angeles entfernt, auf dem jedes Jahr zigtausend deutsche Kalifornienurlauber landen. Kann da nicht jemand mal schnell mit dem Mietwagen vorbeifahren und nachschauen? ;-)
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 28.10.2011, 00:10h
  • Natürlich hat sich Volker Beck mal wieder zu Wort gemeldet, was ihn auf meiner Lieblingslästerskala steil nach oben steigen läßt!

    Gut, daß die Seite von Schülern nicht aufgerufen werden kann, denn dann kann der Homophobie an den Schulen kein Nährboden bereitet werden!
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#6 eMANcipationEhemaliges Profil
#7 felixbAnonym
  • 28.10.2011, 08:05h
  • ich halte das sperren solcher hassseiten auch nicht für zielorientiert, es gibt immer genug wege, sie dennoch zu finden. verbote schaffen immer erst die aura des interessanten.....

    das einzig gewinnbringende ist aufklärung, aufklärung, aufklärung und aufklärung.
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#8 chrisProfil
  • 28.10.2011, 08:19h Dortmund

  • Also in meiner Firma hat unser Forefront Server Queer.de anfangs auch blockiert. Kurz danach nicht mehr *fg*.
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#9 HinnerkAnonym
  • 28.10.2011, 09:05h
  • Wenn man Hass-Seiten sperrt, ist die Aufregung stets groß. Aber bei Sperrung von GLBT-Seiten muss jeder Verständnis haben.

    So sperrt z.B. die Kette "Mayersche Buchhandlung" sowohl für Mitarbeiter als auch an den Internet-PCs für Kunden queer.de und andere schwul-lesbische Nachrichten- und Aufklärungsseiten.

    Bei Pornos kann ich es ja verstehen, aber nicht bei Aufklärsungsseiten, Nachrichtenseiten, etc.
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#10 schwulenaktivist
  • 28.10.2011, 09:09h
  • Die wichtigste Erkenntnis ist doch die folgende: Wann immer jemand/jefrau anonym zu sein glaubt, über winden sie die bürgerliche Hemmschwelle und werden zu "Monstern", die sich dann an Anderen für all das rächen, was ihnen in ihrer nächsten sozialen Umgebung "angetan" worden ist.

    Wer jeweils ihr konkreter "Feind" wird, ist völlig wurscht und steht natürlich in ihrer "eigenen Machtverfügung".

    Also es geht immer um Macht, sei sie eingebildet oder Kompensation von eigener Ohnmacht. Das gilt besonders im Bereich sexueller Abbildungen! Und es gilt für BEIDE GeschlechterInnen! :P
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