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Jed Hooper meint, er sei nach dem Coming-out weniger aggresiv. Aber nur ein bisschen.

Der 22-jährige Rugby-Spieler Jed Hooper hat am Donnerstag in einem Interview erstmals offen über seine Homosexualität gesprochen. Der Waliser ist derzeit Kapitän der Old Redcliffians, einem Rugby-Union-Verein aus Bristol, der nach zweimaligem Aufstieg in Folge in dieser Saison in der fünften Liga spielt.

Er habe jemand kennengelernt, der ihm gesagt habe, dass er nicht mit ihm zusammen sein könne, sollte er im Schrank bleiben - das sei seine Initialzündung zum Coming-out gewesen, berichtet der 22-Jährige in einem exklusiven Interview mit der "Bristol Evening Post". Zuvor hatte er vielleicht zehn Leuten von seiner sexuellen Orientierung berichtet, nun wandte er sich direkt an alle.

"Ich wollte es nie Stück für Stück tun, das hätte alles zu sehr in die Länge gezogen. Also habe ich mich entschlossen, jedem eine SMS zu schreiben und es per Facebook zu posten". Er sei unglaublich nervös gewesen, habe den Text vier oder fünfmal geändert, dann aber die befreiende Nachricht an die Familie und Freunde gesandt. "Dann habe ich geheult und mir gedacht: Was hast Du getan? Aber sehr schnell hatte ich rund 40 Nachrichten, und alle waren positiv."

Wenig später habe er mit dem Vorsitzenden des Vereins gesprochen und ihm angeboten, das Kapitänsamt abzugeben, sollt es Bedenken geben. Doch der Vereinsboss habe hervorragend reagiert und gesagt: "Du bist unser Captain und das ändert gar nichts". Die Reaktion der Rugby-Gemeinde in Bristol sei mehr als positiv gewesen, er könne sich nur an einen dummen Spruch erinnern. Dabei hätten seine Mannschaftskollegen sich mit Fragen zu seinem Privatleben nicht zurückgehalten. "Aber ich war immer jemand, der gerne im Zentrum von freundschaftlichen Neckereien steht. Das einzige, was sich geändert hat, ist die Art der Lästerei."

Probleme mit dem Doppelleben

Hooper habe zum ersten Mal mit 14 Jahren bemerkt, dass er schwul sein könnte, erzählt er der Zeitung weiter. "Bereits damals hatte ich das Image eines harten Kerls, wegen des Rugbys, und so dachte ich zunächst, ich könne nicht schwul sein. Aber mit 15 wusste ich es mit vollem Herzen, ich war mir sicher. In der Schule wollte ich nicht mit Mädchen zusammen sein und konnt es nicht mit Jungen."

Sein zunehmendes Doppelleben bereitete ihm Probleme, der junge Sportler trank sich oft in einen Rausch, zeitweilig verletzte er sich selbst mit einem Messer. 2009 wurde er für sechs Monate gesperrt, nachdem er ein böses Foul begangen und später den Schiedsrichter beleidigt hatte. "Ich kann das nicht aufs Schwulsein schieben, aber ich war immer so wütend", sagt Hooper.

Heute sei er vielen Menschen näher gekommen - und glücklicher. Was er als Rugby-Spieler aber nicht missverstanden haben will: "Ich bin leicht weniger aggressiv, aber immer noch nicht der netteste Gegenspieler, den du treffen kannst." An der Kneipentheke nach dem Spiel sei er dafür "ein viel freundlicherer Kerl".

"Wenn das jemand lesen sollte, der in der gleichen Situation ist wie ich, ist alles, was ich sagen möchte: Lass sich die Sachen nicht aufstauen", so Hooper. "Denn, glaub mir, es gibt Licht am Ende des Tunnels. Die Welt ist nicht gegen dich. Wenn meine Story nur einer Person helfen kann war es das wert."

Immer mehr outen sich

Zuvor hatte es bereits zwei Prominente in der Rugby-Welt gegeben, die sich als schwul outeten; auch sie stammen aus Wales. 2007 sprach der internationale Schiedsrichter Nigel Owens in einem Interview über seine Homosexualität, wenige Monate später pfiff er als einziger Gesandter des Landes eine Partie des Rugby-Worldcups in Frankreich.

Noch bekannter ist Gareth Thomas, der seit 1995 100 Mal für die walisische Nationalmannschaft antrat und erst vor wenigen Tagen seinen Rückzug vom Profisport bekannt gab (queer.de berichtete). Der 37-Jährige hatte nach seinem Coming-out vor zwei Jahren ebenfalls positive Erfahrungen gesammelt und ist seitdem LGBT-Aktivist geworden. Auch er hatte zunächst versucht, seine Homosexualität zu ignorieren: "Ich war wie eine tickende Zeitbombe. Ich dachte, ich kann es unterdrücken und verdrängen, aber das hat nicht funktioniert." (nb)



#1 daVinci6667
  • 28.10.2011, 15:58h

  • "Er habe jemand kennengelernt, der ihm gesagt habe, dass er nicht mit ihm zusammen sein könne, sollte er im Schrank bleiben"

    Erinnert mich an meinen ersten Freund, der hat's dann auch geschafft hat. Es tat auch gar nicht weh...

    Die Liebe ist ein feines, wunderschönes Pflänzchen. Sie kann im Dunkeln nicht gedeihen sonst stirbt sie zwangsläufig.

    Willkommen im Licht und an der frischen Luft und alles gute für eure Beziehung Jed Hooper!
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#2 finkAnonym
  • 28.10.2011, 16:16h
  • toll!

    und genauso toll wie sein coming-out finde ich, dass er öffentlich darüber redet, dass er geheult habe. sowas ist für mich der anfang echter stärke!
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#3 ArthasAnonym
  • 28.10.2011, 17:01h
  • Ich finds auch gut, endlich hat sich mal ein Schwuler geoutet der auch beweisen kann das er ein ganzer Kerl ist!
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#4 alexander
  • 28.10.2011, 17:02h
  • wenn das jetzt sch(w)ule macht ???
    einfach nur klasse !

    was mich besonders freut, dass ausgerechnet die "monster" in der härtesten männersportart, den mut aufbringen, sich zu ihrer sexualität zu bekennen.
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#5 eMANcipationEhemaliges Profil
#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 28.10.2011, 18:04h
  • Kaum zu glauben, daß ein solches Beefcake schwul ist! Trotzdem Glückwunsch zum Coming-Out, Jed!!
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#7 MarekAnonym
  • 28.10.2011, 19:17h
  • Das sind echte Sportler und wahre Vorbilder. Echte Helden!

    Nicht sowas wie unsere deutschen Fußball-Sissys, die lieber versteckt leben und mitschuld an homophobem Klima haben. Dabei bräuchten gerade Jugendliche (egal ob homo oder hetero) auch schwule Vorbilder aus dem Sport.
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#8 Lapushka
  • 28.10.2011, 23:46h
  • Kommt wie ne Mischung aus Maik Franz und Wayne Rooney auf Anabolika. Ganz geil eigentlich^^

    Und seine Aussagen bzw. seinen Umgang mit seiner Sexualität finde ich auch sehr gut. Sehr nachvollziehbar was er sagt.
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#9 julian21
  • 29.10.2011, 06:22h
  • Dir ist aber schon die Bedeutung des Wortes "Sissy" (gerade in der Art wie du es verwendest) bekannt?

    en.wikipedia.org/wiki/Sissy

    Sowieso nervt mich bei dieser ganzen Geschichte die Tendenz, andere schwule Identitäten zu verunglimpfen. Da fallen dann gleich Begriffe wie "echter" oder "ganzer Kerl". Auf mich macht es den Eindruck, dass viele etwas kompensieren müssen und nicht damit zurecht kommen, dass Schwulsein eben auch bedeutet, sich von traditionellen Geschlechterrollen zu lösen.

    Aber hilft es wirklich, auf der einen Seite Menschen ganz besonders zu loben und zu bestärken sich zu outen, wenn man andererseits andere Menschen direkt oder indirekt mit seinem Geschwafel runtermacht?

    Jeder geoutete Mensch - egal ob männlich oder weiblich (besonders bezogen auf gender) - ist ein guter Mensch und ein tolles Vorbild für alle. Ein "Ranking der nützlichsten Outings" bringt gar nichts und entmutigt unnötigerweise andere, die nicht in das Schema fallen.
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#10 HinnerkAnonym
  • 29.10.2011, 10:22h
  • Antwort auf #9 von julian21
  • "Sowieso nervt mich bei dieser ganzen Geschichte die Tendenz, andere schwule Identitäten zu verunglimpfen."

    Nur, dass die schwulen Fußballer gar keine "schwule Identität" haben, sondern höchstens schwulen Jugendlichen zeigen, dass sie sich verstecken sollen und den Hetero vorspielen müssen. Und das Bild zementieren, dass Schwule allenfalls Friseure sind, aber nie sportlich.

    Diese Schrank-Fußballer realisieren gar nicht, was sie anrichten.

    Würden Sie sich outen, wären sie echte Vorbilder! Nicht nur für Schwule, die dann Vorbilder hätten. Sondern auch für Heteros, die sehen, dass man immer zu sich selbst stehen sollte.
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