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Eifersüchtiger Mann: Ausschnitt aus der "Allegorie des Triumphes der Venus" des Malers Angelo Bronzino (Bild: Wiki Commons / Eloquence / FPD-Art (Yorck Project))

Wie man das unangenehmste Gefühl, das einen in der Beziehung beschleichen kann, in den Griff bekommt. Der queer.de-Beziehungsratgeber, Teil 15.

Von Christian Scheuß

So richtig gern spricht niemand darüber. Außer vielleicht, um seinen Ex in der Clique schlecht zu machen. "Ich hätte ihn umbringen können vor Eifersucht!" Die Eifersucht gilt als schlechte Eigenschaft, als Gefühl, das einen komplett beherrschen kann, dem man selbst völlig hilflos gegenübersteht. Eine Emotion, die einen körperlich wie seelisch zusetzt, die sich wie eine Rasierklinge in einen hineinschneidet, wie Säure langsam alle guten Gefühle zersetzt. Eine Macht, die Beziehungen mühelos sprengen kann. Ohne die Eifersucht gäbe es keine Liebesdramen im Kino. Es wird also höchste Zeit, darüber ein paar Worte zu verlieren. Und ein paar Tipps zu geben, wie man am besten mit diesem Gefühl umgehen kann.

Ende Oktober zeigte die ARD eine bemerkenswerte Dokumentation zum Thema. Zu Wort kamen mehrere Paare, die damit konfrontiert waren, darunter auch ein junges schwules Pärchen. In diesem Fall versuchte der etwas ältere den jüngeren Partner vollständig zu kontrollieren. Nur wenn er wusste, wo sich sein Freund jeweils aufhielt, war er beruhigt. Hinter der Kontrollwut lauerte die Verlustangst. Sein überwachter Freund dagegen fühlte sich mehr und mehr eingeengt und in einen Goldenen Käfig gesperrt, aus dem er sich zu befreien versucht. Das wiederum bestärkte Ängste des älteren Freundes und ein schlechtes Gewissen, denn eigentlich will er gar nicht eifersüchtig sein und seinem Freund vertrauen.

Eifersucht: Kein Selbstwertgefühl und schlechte Erfahrungen


Schwule Eifersucht im Film: Stephen Frears verfilmte 1987 mit "Prick Up Your Ears" das Beziehungsdrama zwischen Kenneth Halliwell und Joe Orton (Bild: itv DVD)

Auch wenn die Eifersucht ein negativ besetztes Gefühl ist, ist es erst einmal ein wichtiger Schritt, diese Emotion für sich zu akzeptieren. Sie ist real vorhanden, sie beeinflusst das eigene Fühlen und Handeln. Wegschieben und Unterdrücken erhöht nur den Druck im seelischen Dampfkessel, löst aber das eigentliche Problem nicht. Nimmt man das Gefühl für sich an beginnt die Analyse. In der TV-Doku lagen die Wurzeln der Eifersucht zum einem in dem Gefühl des Älteren, sich als der Schwächere und weniger Attraktive zu fühlen. Zum anderen lag es an schlechten Erfahrungen aus vorherigen Beziehungen, in denen er betrogen worden ist.

Eifersucht entsteht aber nicht allein durch Minderwertigkeitskomplexe oder Ungleichgewichte in den Partnerschaften, sie können durch konkrete äußere Einflüsse aktiviert werden. Dann nämlich, wenn ein Dritter vermeintlich oder real in die Zweierbindung hineinfunkt. Der ausschließliche Besitzanspruch, den man für die eigene Partnerschaft definiert hat, ist gefährdet. Eifersucht und Neid liegen übrigens nah beieinander, aber es gibt einen wichtigen Unterschied: Ein eifersüchtiger Mensch hat Angst, zu verlieren, was (oder wen) er besitzt und wirklich oder vermeintlich braucht, und ein neidischer Mensch will das haben, was andere besitzen. Wer sich lösen kann von einem Besitzdenken in der Beziehung, der hat weniger Probleme mit der Eifersucht und kann dem Geliebten einfacher Vertrauen entgegen bringen.

Im schlimmsten Fall kommt es zum Mord

Eines der bekanntesten schwulen Paare, die mit Eifersucht zu kämpfen hatten, waren übrigens der britische Dramatiker Joe Orton und sein Lebensgefährte, der Schauspieler und Autor Kenneth Halliwell. Zunächst arbeiteten sie beide kreativ zusammen, doch dann wurde allein Joe Orton international berühmt durch seine provokanten Theaterstücke. Halliwell fühlte sich mehr und mehr vernachlässigt, vor allem die sexuellen Eskapaden seines Partners ertrug er nicht. Am 9. August 1967 erschlug Kenneth seinen Freund. Er verübte anschließend Selbstmord.

Das ist zwar ein absoluter Extremfall, aber auch weit weniger heftige Dramen lassen sich vermeiden, wenn man die eigenen Schwächen und Ängste hinter der Eifersucht erkennt, und sie gemeinsam mit dem Partner bekämpft. Der weniger von Eifersucht geplagte Freund kann dabei sehr viel helfen mit Geduld, mit Zuneigung, aber ebenso mit dem Setzen von Grenzen, die Kontrollfreaks brauchen. Auch professionelle Hilfe durch Paarberater ist bei hartnäckigen Fällen ein Angebot, das man ohne Scham annehmen sollte.



#1 Lapushka
  • 29.10.2011, 16:50h
  • Solange es im Rahmen bleibt, finde ich ein bisschen Eifersucht nicht schlimm. Im Gegenteil, zeigt einem doch, dass dem Freund was an einem liegt.
    Aber klar, wenn es Ausmaße annimmt die die Beziehung belasten und ein Partner dem anderen überhaupt kein Vertrauen mehr entgegenbringt, muss man handeln.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 29.10.2011, 17:29h
  • Auch ich war schon eifersüchtig, und zwar auf die Freundinnen einiger männlicher Bekannte, die ich klar machen wollte, obwohl sie hetero waren. Nun bin ich seit elf Jahren mit meiner besseren Hälfte zusammen und seitdem gibt es keinen Grund mehr dafür.
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#3 daVinci6667
  • 29.10.2011, 18:04h

  • Ich glaube niemandem der behauptet er könne nicht eifersüchtig sei. Wer das behauptet, bei dem zweifle ich an der Liebe. Ich vertraue meinem Mann blind wenn er auch mal alleine weggeht, denn ich würde "es" einfach riechen, wenn da was wäre, er übrigens auch. Und einmal würde man sich sowieso verzeihen.
    Nach Jahren der Beziehung nehmen Verlustängste ab, doch gibt es einen handfesten Grund sind diese sofort wieder da. Das ist natürlich, zeugt von Liebe und dafür braucht sich auch niemand zu schämen.
    Sobald aber mal der Punkt erreicht ist, dass man sich gar nicht mehr vertrauen kann, wird Eifersucht krankhaft. Dann kann wenn überhaupt, nur noch eine Paartherapie helfen.
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#4 JaroslavAnonym
#5 vingtans
  • 31.10.2011, 12:33h
  • ich finds schade, dass man irgendwie nichtmehr differenziert zwischen "eifersucht" und "krankhafter eifersucht"

    eifersucht an sich ist zu einem gewissen teil ein vollkommen natürliches gefühl, und hat auch nur bedingt was mit selbstbewusstsein zu tun , vielmehr mit angst vor partnerverlust.

    unsere vorfahren mussten eifersüchtig sein, denn ohne hätten sie das beeren sammeln und mammut jagen wohl kaum geschafft, ohne zuverlässigen partner ging das wahrscheiblich müßig. von der kindererziehung ganz zu schweigen.

    ich kann eifersucht als gefühl vollkommen akzeptieren, ich bin es, mein freund auch, wir alle sind es eben ab und an.

    und solange es eben nicht in kontrollwut und zwang endet. erst das ist krankhaft.

    bis weilen finde ich es sogar sehr charmant, wenn mein freund etwas eifersüchtig ist.
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#6 DorothyAnonym
#7 finkAnonym
  • 31.10.2011, 15:17h
  • Antwort auf #5 von vingtans
  • "unsere vorfahren mussten eifersüchtig sein, denn ohne hätten sie das beeren sammeln und mammut jagen wohl kaum geschafft, ohne zuverlässigen partner ging das wahrscheiblich müßig. von der kindererziehung ganz zu schweigen."

    beeren sammeln kann man prima in jedweder gruppe oder allein. kleinere tiere erlegen auch. zum jagen größerer tiere braucht man in der regel ein paar leute. die müssen aber kaum notwendigerweise miteinander in monogamer ehe verbunden sein. kinderaufzucht funktioniert in sehr vielen gesellschaften ganz super ohne monogame paare und sogar ohne dass mann und frau auch nur kurzfristig fest zusammenleben. es funktioniert mit vielehen, mit tanten, mit diversen formen der verwandtschaftsadoption.

    ich halte überhaupt nichts von biologistischen ableitungen.

    dass heutzutage wieder eine welle des biologismus à la "warum männer ungern schuhe kaufen" durchs land schwappt hat nichts mit wissenschaftlichkeit zu tun, sondern mit einem konservativen rollback, der versucht, in frage geratende rollenmuster und ideale als "natürlich" zu behaupten - und gleichzeitig neuere ideale und modelle als "widernatürlich" zu bekämpfen.

    stichhaltige belege für solche thesen fehlen aber. es wird hier schlicht mit unbelegten behauptungen gearbeitet. über das sozialleben der frühzeit wissen wir kaum etwas. dass ausgerechnet unsere heutigen westlichen vorstellungen von mann, frau, kind, familie, eifersucht usw. schon in der steinzeit existiert haben sollen, ist aus anthropologischer sicht extrem unwahrscheinlich.
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