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Hafenstadt mit Historie: Alicante und das auf einem Felsen gelegene Castillo de Santa Bárbara (Bild: Wiki Commons / Joesroom / CC-BY-SA-3.0-ES)

I need Spain, Teil 6: Alicante ist eine Stadt, in die man sich erst auf den zweiten Blick verliebt. Vor allem in der Altstadt und am Strand zeigt sich der Ort von seiner besten Seite.

Von Christian Scheuß

Erinnert ihr euch noch? Letzte Station unserer Spanien-Rundreise war Valencia. Von dort sind es nur rund 150 Kilometer bis Alicante - es bietet sich also an, entlang der spanischen Mittelmeerküste auch an diesen Ort zu reisen, der als touristischer Hotspot berühmt ist.

Wer sich in Valencia vollgesogen hat mit den vielen imposanten Eindrücken, die Architektur und Kultur verströmen, der wird sich zunächst ein wenig wundern bei der Fahrt entlang der Strandpromenade. Alicante, die wichtigste Stadt der autonomen Valencianischen Gemeinschaft und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, ist eine Dame, die etwas in die Jahre gekommen ist.

Bis man in die wunderschöne Altstadt vordringt, kommt man an ergrauten Hochhäusern aus den sechziger und siebziger Jahren vorbei - Wohnstätten für die rund 315.000 Einwohner oder Hotels für die Touristen. Ein renoviertes Jugendstilgebäude gegenüber dem Hafen mit dem 70er-Jahre-Casino bringt jedoch Pracht in die Allee, die sich ganz dem Massentourismus verschrieben hat. Hier legen tagsüber regelmäßig Kreuzfahrtschiffe, die ältere Herrschaften ausladen, und die sich flott mit Eiscreme, Pizza und Mineralwasser versorgen wollen.

Stolze Schönheit auf dem zweiten Blick


Schöne Fassaden, Palmen, Bars und Restaurants: Altstadt von Alicante (Bild: Wiki Commons / Fabrice Pluchet / CC-BY-SA-2.5)

Doch manchmal braucht es eben etwas Zeit, um mit jemandem warm zu werden. Alicante ist so ein Ort, der seine wunderbaren Seiten erst auf den zweiten Blick offenbart, und sich so erst als stolze Schönheit entpuppt. Eine erste Ahnung davon erhält man mit dem Erklimmen des höchsten Punktes der Stadt. Die Burg Castillo de Santa Bárbara liegt in 166 Meter Höhe auf einem Felsen. Die flächenmäßig größte Burganlage Europas, deren Spuren bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen, lässt sich glücklicherweise sehr bequem per Fahrstuhl erreichen und belohnt mit einer grandiosen Aussicht über die Region und das Meer. Hinab geht es dann zu Fuß über einen steilen Pfad und eine Art Miniausgabe der Chinesischen Mauer. Die schicken Restaurants, die auf diesem Weg liegen, lassen sich für große private Feste wie Hochzeiten und Partys buchen. Eine Outdoor-Location mit Extravaganz.

Am Fuße der Burg liegt der malerische Stadtteil Santa Cruz, der Teil der Altstadt ist, die glücklicherweise durch eine geniale Idee gerettet worden ist. Denn die alten kleinen zwei- bis dreistöckigen Häuser waren vor ein paar Jahrzehnten insgesamt in einem erbärmlichen Zustand. Wohnen wollte dort niemand mehr, es drohte der Abriss eines historischen Viertels. Doch dann erlaubte man Bars und Restaurants, dort einzuziehen. In den Gebäuden hatten die Betreiber weitgehend freie Hand bei der Gestaltung und dem Umbau, die Außenfassade dagegen sollte erhalten bleiben. Das Viertel renovierte sich durch private Hand innerhalb kurzer Zeit und ist heute der beliebte Platz der Amüsierwilligen und der Partypeople.

Hier befindet sich übrigens auch das "Les Monges", ein Gästehaus unter schwuler Leitung, mit sehr schönen individuell eingerichteten Zimmern und sehr viel Trash- und Camp-Interieur.

Gay-Szene in der Altstadt, schrägste Strandbar der Region


Alicante bietet auch traumhafte Stände (Bild: where are the joneses / flickr / by-sa 2.0)

Auch die schwule Szene hat ihre Treffpunkte überwiegend in der Altstadt. Wie überall in Spanien geht man erst spät zum Abendessen und noch später in die Bars. Sechs davon listet der Spartacus, mit am lustigsten ist es im El Forat. Dicht gedrängt steht dort das überwiegend mittelalte Publikum und schmettert spanische wie französische Schlager mit. Der deutsche Tourist wird Einiges davon erkennen: "Du bist so heiß wie ein Vulkan! Liebe, Liebe, Liebelei, morgen ist sie vielleicht vorbei." Für die näheren zwischenmenschlichen Begegnungen stehen übrigens drei Saunen zur Verfügung, und "Dark" ist nicht nur Name sondern auch Programm des Men Clubs, der anders als viele andere Cruisingbars großstädtisch schick und modern daherkommt.

Der beste Szenetreffpunkt Alicantes liegt allerdings etwas zehn Autominuten außerhalb des Stadtkerns entfernt. Am Strand "Playa de Urbanova", ganz in der Nähe des Flughafens liegt das Chiri Sol Y Luna. Eine kleine weiße hölzerne Strandhütte, die in ein wechselndes Farbenspiel getaucht ist. Hinter der Theke residiert unter anderem Pedro Martínez Picazo. Gemeinsam mit ein paar Freunden betreibt er die schräge Strandbar vom Beginn der Tourismus-Saison bis Ende September. Schwule und Lesben, Junge und Alte, aufgeschlossene Heteros und sogar ganze Familien kommen extra zu der Location, die mit Grace Jones, Amanda Lear und vielen weiteren Diven der Seventies beschallt wird. Zwischendurch gibt es vom Chef persönlich sogar ein bisschen Travestieshow im Flamencokleid mit ganz viel Drama. Dieses chiringuito ist Aufwärm- und Absturzbar zugleich, und das direkt am Meer.

Alicante ist so heiß wie ein Vulkan, und bald verbrenn ich mich daran...

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Alicante
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