Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?1527
  • 19. August 2004, noch kein Kommentar

"Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da", schwant es den Zuschauern, wenn sich der Vorhang öffnet und das Palast-Orchester die Bühne betritt. Doch spätestens, wenn Max Raabe seinen staatlich geprüften Bariton spielerisch durch die Register springen lässt und sein bekanntestes Lied "Kein Schwein ruft mich an" zum Besten gibt, wird die Nacht zum Tag gemacht. Mit einer detaillierten Bühnenausstattung und höchster musikalischer Perfektion gastieren Max Raabe und das Palast-Orchester in Köln (12. - 31. August), München (14. September - 2. Oktober), Ludwigsburg (19. - 31. Oktober) und Berlin (9. Februar - 6. März 2005). Mit Jan Gebauer plauderte Max über die Anfänge des Orchesters, seine neue Revue und die "Goldenen Zwanziger Jahre".

Wie kam das Palast-Orchester zusammen?

Wir waren Studenten der Musik in Berlin, als wir das Orchester gegründet haben. Zu dieser Zeit gingen wir davon aus, dass wir nur auf Studentenbällen auftreten werden. Wir haben es nicht so ernst genommen, weil wir nach unserem Studium an die Oper oder ins Symphonieorchester wechseln wollten. Aber die Resonanz war so groß, dass wir immer mehr Auftritte bekamen, um es später auch professionell zu versuchen.

Wann kam der große Durchbruch?

1992 habe ich das Stück "Kein Schwein ruft mich an" geschrieben, das plötzlich im Radio rauf und runter gespielt wurde. Dann kamen Fernsehauftritte und erste Engagements außerhalb Berlins. Es wurde immer mehr, wir machen weiter, solange wir Spaß haben und uns die Leute hören wollen. Wir sind ja Musiker, und keiner kann uns etwas vorschreiben. Kein Theaterdirektor und auch kein Kapellmeister.

Gibt es noch Musiker aus der Urbesetzung?

Es gibt einige Musiker im Ensemble, die von Anfang an mitgespielt haben. Überhaupt verändert sich die Besetzung ganz selten. Nur aus der Not heraus, zum Beispiel als unsere vorherige Geigerin eine Familie gründen wollte, werden Änderungen vorgenommen. Unser Ensemble lebt sowieso davon, dass man ohne große Absprachen weiß, was der andere tut und vorhat. Das lässt auch die Musik organischer werden.

Gibt es ein neues Stück in Eurem Programm "Palast-Revue"?

Das neueste und ungewöhnlichste Stück heißt "Klonen kann sich lohnen". Das habe ich erst vor kurzem geschrieben. Ansonsten werden aber Stücke aus den zwanziger und dreißiger Jahren zu hören sein. Wir haben einige Stücke ausgegraben, die niemand kennt und eigentlich schon vergessen waren.

Wie lange hast Du dafür recherchiert und wo?

Die Suche ist manchmal hart. Oft bekommt man etwas empfohlen. Schellackplatten-Sammler sind zum Beispiel sehr große Hilfen. Die kennen alles und wissen auch die Hintergründe zu den Stücken. Wir müssen dann hingehen und die Noten von den Schellackplatten abschreiben. Manchmal findet man auch Stücke in den Musikarchiven der Verlage oder auf Flohmärkten.

Hat sich Dein Verhältnis zur Musik der Zwanziger über die Jahre verändert?

Nein, ich bin von der Musik immer noch genauso begeistert wie zu meiner Anfangszeit. Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, dass ich die Musik selber mache. Es ist schön, wenn man ein Stück hört, das einem gefällt und dann originalgetreu wie auf Schellack erarbeiten kann. Etwas Besonderes ist es, wenn es nachher klingt wie auf der Platte. Bei der Resonanz der Menschen merkt man, dass diese die gleiche wie in den zwanziger Jahren gewesen sein muss, da der Humor und was das Stück ausmacht, nicht erklärt werden muss. Es funktioniert wie damals.

Welche Rolle spielen der Humor und die Ironie?

Die Interpreten und vor allen Dingen die Urheber der damaligen Zeit waren sehr ironisch. Ich glaube, dass das Publikum und teilweise die Interpreten selber das damals nicht richtig realisiert haben. Aber die Stücke strotzen nur so vor Ironie, und da ich selber ein sehr ironischer Mensch bin, ist es ein nahe liegendes Repertoire. Ich erhebe mich ja nicht über die Musik, sondern mache mich nur lustig über mich selber. Darum ist das Ganze auch so zeitgemäß.

Glaubst Du, dass die "Goldenen Zwanziger" wirklich so golden waren, wie man sagt?

Es ist offensichtlich, dass es eine harte Zeit für die Menschen war. Aber in der Kunst, Musik, Architektur und Literatur war es eine sehr spannende Zeit. "Golden" nicht in dem Sinne, dass alle in Saus und Braus gelebt haben, sondern was die Erträge betraf. Das tragische Leben der einfachen Menschen von damals klammert die Musik aus. Das hat sie schon damals und wenn man das weiß, kann man die Musik auch besser genießen.

Hast Du aus dieser Zeit spezielle Vorbilder?

Nein, die gibt es nicht. Ich bin eher ein Sammelsurium aus verschiedenen Sängern und Künstlern, die mir gefallen. Ich picke mir von denen die besten Eigenschaften heraus. Ich denke aber, das tun fast alle Künstler auf ihre Art und Weise.

19. August 2004, 16:30