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Weniger Geld für homophobe Länder

Entwicklungshilfe: Vorwurf des Kolonialismus


Der britische Premierminister David Cameron will die Entwicklungshilfe von der Einhaltung der Menschenrechte abhängig machen (Bild: World Economic Forum / flickr / by-sa 2.0)

Regierungsvertreter aus Uganda, Malawi und Ghana werfen der britischen Regierung vor, sich weiterhin wie eine Kolonialmacht zu verhalten, weil England die Auszahlung von Entwicklungshilfe von der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben abhängig macht.

So erklärte der ugandische Präsidentenberater John Nagenda in der BBC, dass die Briten Afrikaner "wie Kinder" behandeln würden. Nagenda wirft dem britischen Premierminister David Cameron vor, eine "ex-koloniale Mentalität" zu besitzen: "Uganda ist, wenn Sie sich bitte daran erinnern, ein souveränes Land und wir sind dieser Standpauken überdrüssig. Wenn sie ihr Geld behalten wollen, bitte schön."

Großbritannien hatte im Oktober angekündigt, seine Entwicklungshilfe für Länder zu kürzen, die "die Menschenrechte nicht respektieren" - dazu gehörten insbesondere auch die Rechte von Schwulen und Lesben (queer.de berichtete). Aus diesem Grund wurden die Gelder für Malawi bereits gekürzt - auch Deutschland hat Hilfsgelder eingefroren (queer.de berichtete). Am Wochenende bekräftigte Premierminister Cameron in einem BBC-Interview, dass die Hilfe an Bedingungen geknüpft sein müsse. Er hat das Thema Homo-Rechte auch beim Commonwealth-Treffen in Perth angesprochen.

Homo-Verbot beruht auf britischem Kolonialrecht


Regierungssprecherin Patricia Kaliati

Auch die Regierung von Malawi hat die Haltung Großbritanniens scharf kritisiert. Regierungssprecherin Patricia Kaliati nannte es "unglücklich", dass London "pro-schwule Bedingungen" an seine Hilfe knüpfe, so Kaliati gegenüber der "Nyasa Times". Sie verwies darauf, dass Homosexualität in Malawi illegal sei - und das als direkte Folge des britischen Kolonialrechts. Anders als in den meisten Ex-Kolonien hat Großbritannien aber bereits 1968 das Homo-Verbot aufgehoben.

Ghanas Handelsministerin Hannah Tetteh erklärte am Dienstag, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen unafrikanisch seien: "Jede Gesellschaft hat ihre Normen", sagte Tetteh bei einem Pressegespräch in der Hauptstadt Accra. "In der westlichen Welt ist es akzeptabel, schwule Beziehungen und sogar die Homo-Ehe anzuerkennen. In unserer Gesellschaft ist das aber inakzeptabel."

Christliche und islamische Würdenträger unterstützen Homo-Verfolgung

In den drei Ländern haben sich auch religiöse Vertreter der Haltung ihrer Regierungen angeschlossen und Europa aufgefordert, den Afrikanern keine fremden Werte aufzuzwingen. So unterstützt der Kirchenrat in Malawi die Regierung. Es sei wichtiger, die Regeln Gottes zu befolgen als Hilfe anzunehmen, argumentiert der Zusammenschluss protestantischer Kirchen. In Ghana erklärte Chef-Imam Alhassan Abdulai, dass die muslimische Community gegen eine von Großbritannien erzwungene Legalisierung von Homosexualität auf die Straße gehen würde. Er erklärte, dass Ghana nicht geholfen werde, wenn sich die Menschen "wie Tiere im Dschungel" verhalten würden.

Kritik an der Kürzung gab es am Wochenende auch von afrikanischen Homo-Gruppen (queer.de berichtete). Sie befürchten eine Verschlechterung der Lebensbedingungen für Schwule und Lesben, da diese als Sündenböcke für die Kürzungen gebrandmarkt würden. Außerdem seien die Gelder besonders für Bereiche wie Bildung und Gesundheitsvorsorge vorgesehen und würden damit gerade die Menschen treffen, die Hilfe am meisten nötig hätten. (dk)

Wöchentliche Umfrage

» Soll die Entwicklungshilfe für Länder gestrichen werden, die Schwule und Lesben verfolgen?
    Ergebnis der Umfrage vom 31.10.2011 bis 07.11.2011


Gambia: Homo-Verbot wichtiger als Entwicklungshilfe

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Afrikanische Homo-Gruppen kritisieren Westen

Schwule und lesbische Gruppen aus ganz Afrika haben in einer gemeinsamen Erklärung die Einschränkung der westlichen Entwicklungshilfe für homophobe Länder kritisiert.
#1 seb1983
  • 02.11.2011, 16:16h
  • Wie soll sich die Situation verschlechtern wenn Homosexualität ohnehin schon illegal ist?? Die Todesstrafe haben die meisten Länder ja freundlicherweise abgeschafft.
    Dann lieber jetzt ein Ende mit Schrecken, mit einer Chance auf Verbesserung, als Schrecken ohne Ende.
    Klar ist: mit Appelen und Bitten ändert sich nichts, es wird höchstens noch schlimmer wie in Uganda!

    Den Rest muss man sich aber mal auf der Zunge zergehen lassen: Von den Briten eingeführtes Kolonialrecht ist auf einmal urafrikanisch, man ist ein souveränes Land, hält aber gleichzeitig an kolonialen Gesetzen fest.

    Die Länder beklagen sich wie Kinder behandelt zu werden? Dann sollen sie sich gefälligst wie Erwachsene verhalten!
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#2 Lapushka
  • 02.11.2011, 16:29h
  • "In den drei Ländern haben sich auch religiöse Vertreter der Haltung ihrer Regierungen angeschlossen und Europa aufgefordert, den Afrikanern keine fremden Werte aufzuzwingen."

    universell gültige, von Geburt an jedem gegebene, nicht verhandelbare Menschenrechte sind keine "fremden Werte" und die können - eigentlich - auch nicht aus Jux und Dollerei anders ausgelegt werden.

    Ferner hat Homosexualität nichts mit Werten zu tun. Sie ist einfach da, so wie rote Haare, Linkshändigkeit, geringe oder große Körpergröße und Sommersprossen. Vielleicht sollte das jemand diesen Leuten mal erklären.
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#3 CichoriumIntybusAnonym
#4 schwulenaktivist
  • 02.11.2011, 18:01h
  • Offenbar geht es erst beim Geld ans "Eingemachte". Die armen afrikanischen Länder vergessen einfach, dass genau die homofeindlichen Gesetze von den Kolonialmächten eingeführt worden sind. Wenn es damals keine Homosexualität gegeben hätte, weil diese angeblich "unafrikanisch" seien, hätten die Gesetze ja nicht eingeführt werden müssen.

    Schwule und Lesben sind in deren Augen wie Tiere, darum wundern sie sich jetzt über die internationale Hilfe. Doch die Tierschutzparks sind auch erst von Europa aus eingerichtet worden, sonst hätten sie ihre eigene Fauna ausgerottet, um sich die Taschen vollzustopfen...
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#5 EnyyoAnonym
  • 02.11.2011, 18:13h
  • "Uganda ist, wenn Sie sich bitte daran erinnern, ein souveränes Land und wir sind dieser Standpauken überdrüssig. Wenn sie ihr Geld behalten wollen, bitte schön."

    Na und wie gerne wir dieser Aufforderung nachkommen werden!

    Hoffentlich schliessen sich andere Fördernationen der britischen Forderung an - wobei ich mir für Deutschland lieber keine allzu großen Hoffnungen mache unter der Leitung der fdp...

    Afrika hat eine Geburtenrate, die die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2100 auf über drei Milliarden anwachsen lassen wird - so leid es mir für den Einzelnen tut, gibt's deshalb trotzdem von mir keinerlei Spendengelder mehr für diesen Kontinent.

    Sollen sich die Kirchen an ihren "Schäfchen" freuen und deren Hunger stillen, vielleicht gibt's ja auch bald mal einen auch außen schwarzen Papst - Afrika braucht m.E. mal einen kompletten "Reset", sonst wird das nichts mehr!

    Und was die Bildung durch Entwicklungshilfe angeht: theoretisch ist das richtig, praktisch gibt es in den Ländern schon intelligente Menschen, die entweder emigrieren oder die weniger gebildeten Einwohner unterdrücken und somit kein Interesse an einer breiten (Aus-)Bildung haben.
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#6 Timm JohannesAnonym
  • 02.11.2011, 18:59h
  • Da Entwickungshilfegelder bekanntlich nur begrenzt zur Verfügung stehen und nicht unendlich sind, sollten sie auf die homofreundlichen Drittweltstaaten verteilt werden: beispielsweise auf Mali, Niger, Mosambik, Madagaskar oder Südafrika.

    Afrikanische Länder wie Simbabwe, Sudan, Mauretanien, Uganda, Nigeria oder Malawi haben derzeit keine deutschen Entwicklungshilfegelder verdient.
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#7 Dee-MoeAnonym
  • 02.11.2011, 19:19h
  • Wer sich wie ein Kind verhält und Leute bestraft, nur weil sie anders sind, der wird auch wie ein Kind behandelt - so einfach ist das.
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#8 Flo_Anonym
  • 02.11.2011, 20:02h
  • "Christliche und islamische Würdenträger unterstützen Homo-Verfolgung"

    So sehr sich die Religionen auch bekriegen, aber beim Schüren von Hass auf Schwule und Lesben stehen sie alle Seite an Seite.

    Weil sie alle durch selbstbestimmte, glückliche Menschen ihren Machtanspruch und ihr Geschäftsmodell gefährdet sehen.
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#9 MarekAnonym
  • 02.11.2011, 20:25h
  • 1. Menschenrechte zu fordern ist weder Kolonialismus noch sonst was. Menschenrechte sollten eigentlich selbstverständlich sein.

    2. Der Vorwurf des Kolonialismus ist absurd:
    niemand zwingt die zu irgendwas. Aber wenn sie Menschenrechte missachten, dürfen sie dafür nicht auch noch finanzielle Belohnung erwarten.
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#10 SebiAnonym
  • 02.11.2011, 21:23h
  • "In den drei Ländern haben sich auch religiöse Vertreter der Haltung ihrer Regierungen angeschlossen und Europa aufgefordert, den Afrikanern keine fremden Werte aufzuzwingen. So unterstützt der Kirchenrat in Malawi die Regierung. Es sei wichtiger, die Regeln Gottes zu befolgen als Hilfe anzunehmen, argumentiert der Zusammenschluss protestantischer Kirchen."

    1.
    Menschenrechte sind universell!

    2.
    Wollen die uns jetzt wirklich weismachen, die "Regeln Gottes" würden Hass vorschreiben?

    3.
    Die denken, sie hätten die alleine Wahrheit gepachtet und Schwule seien wie "Tiere im Dschungel". Das zeigt, wie arrogant die sind.
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