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Baden-Baden Erstmals seit der Schließung des St. Pöltener Priesterseminars äußert sich ein Seminarist in einem Interview mit der ARD über die Zustände und homosexuellen Praktiken in dem Priesterseminar in Österreich. Wörtlich sagte der Priesteramtsanwärter, der auch an verschiedenen "Sex-Festen" im Seminar teilgenommen habe: "Es hat eine homosexuelle Atmosphäre im Seminar geherrscht. Es wurden homosexuelle Beziehungen geführt zwischen beiden Regenten zu den Seminaristen. Es wurden homosexuelle Beziehungen aktiv gelebt im Seminar." Über die Vorgänge in St.Pölten berichtet die ARD am Sonntag in der Dokumentation mit dem reisserischen Titel "Das Sex-Tabu. Priesterseminare im Zwielicht." (Das Erste, 22.8.2004, 17.30 bis 18.00)

Gegenüber dem SWR führte der Priesteramtsanwärter weiter aus: "Das ist ganz schlimm und das ist ganz furchtbar, was passiert ist. Dass man das ausgenutzt hat, dass man ein Doppelleben geführt hat. Nach außen sind wir ein ganz katholisches und konservatives Priesterseminar. Und wie es innen ausschaut, war es ganz anders: Moralisch unter'm Hund." Obgleich der vom Papst eingesetzte Visitator, Bischof Klaus Küng, für alle Beteiligten ein striktes Interviewverbot verhängt hat, sagte der Seminarist: "Es war ein richtiger Sumpf. Es ist sehr schmerzhaft, dass der Vatikan sich erst durch die Medien zwingen lässt zu reagieren. Das ist traurig."

Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen - so Recherchen des SWR - wussten Bischof Kurt Krenn, die österreichische Bischofskonferenz und der Vatikan schon länger als zwei Jahre über die "homosexuellen Ausschweifungen" (ARD-Pressetext) Bescheid. Ein Vertrauter des Bischofs soll beispielsweise schriftlich vor dem "Priesterseminar als Freudenhaus für Homosexuelle" gewarnt haben. In dem dem SWR vorliegenden Schreiben heißt es, dass "Herr Regens durchschnittlich drei bis vier, und Herr Subregens durchschnittlich eine homosexuelle Beziehung lebt."

Bischofskonferenz erlaubt Klemmschwule

Auch die deutsche Bischofskonferenz hat in einer "vertraulichen" Studie mit dem Titel "Homosexualität und Priesterberuf" genaue Richtlinien festgelegt, wie in den Diözesen mit homosexuellen Priestern und Seminaristen zu verfahren ist. In dem 23-seitigen Papier, das dem SWR vorliegt, heißt es unter anderem: "Ein homosexueller veranlagter Priesterkandidat, dessen geistliches Leben deutliche Anzeichen einer Berufung zum Priestertum aufweist, könnte, wenn er in überzeugender Weise sexuelle, personale und geistliche Reife und Integration zeigt und zur zölibatären Lebensweise bereit und fähig ist, zur Weihe zugelassen werden."

Einschränkend heißt es jedoch in dem detaillierten, von Kardinal Lehmann zu Beginn kommentierten Papier: "Grundsätzlich abzulehnen ist, dass ein Priester eine homosexuelle Veranlagung zum Gegenstand eines öffentlichen Bekenntnisses macht (sich 'outet'), weil dadurch erfahrungsgemäß Ärgernisse und Skandale hervorgerufen und ihm anvertraute Gläubige verunsichert werden." Eine Weihe sei dann ausgeschlossen, wenn er nicht bereit ist, "einschlägige Treffpunkte für Homosexuelle (wie Bars, Discos, Saunen) zu meiden." Die Pressesprecherin der Deutschen Bischofskonferenz, Stefanie Uphues, bestätigte auf Anfrage des SWR das vertrauliche Papier. "Es gibt dieses Papier. Es ist ein internes Papier nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Es ist noch nicht veröffentlicht worden."

"Homosexuelle Hierarchien" in deutschen Orden

Auch in Deutschland beschäftigen sich Ordensgemeinschaften und Bischöfe zunehmend mit dem Umgang mit homosexuellen Priestern. Der Jesuitenorden hat laut dem TV-Bericht in einer internen Studie festgestellt, dass es in den Ordensgemeinschaften "homosexuelle Hierarchien" gibt. Der Novizenmeister (Ausbildungsleiter) der Jesuiten, Dr. Stefan Kiechle, sagte gegenüber dem SWR: "Wenn ein Bischof behauptet, dass er keine homosexuellen Männer zum Priester weiht, dann glaube ich ihm das nicht. Denn, wenn er das öffentlich verkündet, dann kommen sie und lassen sich heimlich weihen, und der Bischof merkt das nicht." Nach Auffassung Kiechles wird das Thema "weiterhin zu sehr verdrängt und verleugnet, obwohl es im Klerus immer deutlicher wird. Die Versuchung sitzt im Zimmer neben dran," sagte der Jesuit gegenüber der ARD.

Eine schriftliche Umfrage des SWR bei allen 27 Diözesen in Deutschland ergab, dass die meisten Bischöfe bei der Auswahl des Priesternachwuchses nach den Vorgaben des vertraulichen Papiers verfahren, homosexuellen Priestern also nicht die Weihe verweigern. Die Vorgänge in St. Pölten wurden von den meisten Bistümern als "erschreckend" und "abschreckend" bezeichnet. Durch die Vorgänge sei ein "Vertrauensverlust" für die Kirche zu befürchten. Mehrere Bistümer wollten sich zu den Vorgängen in Österreich nicht äußern. Die Befragung in allen Diözesen ergab zudem, dass es - nach Angaben der Bischöfe - in den vergangenen zehn Jahren keine Zunahme der Fälle "sexuellen Fehlverhaltens" von Priestern gab.

Offenheit statt Unreife

Die Autoren Ute-Beatrix Giebel und Thomas Leif plädieren in ihrem Film offenbar für Offenheit. Als "Hintergrund" heißt es auf der ARD-Homepage: "Sexuelle Vergehen an Kindern und Jugendlichen werden zwar oft direkt mit Homosexualität in Verbindung gebracht, doch nach übereinstimmender Analyse vieler Experten kommen diese Vergehen bei Heterosexuellen nicht weniger häufig vor. Sie haben ihren Grund nicht in einer homosexuellen Neigung, sondern vor allem in sexueller Unreife." Nach den Recherchen der Autoren werde gerade der Bildung eines reifen Verhältnisses zur eigenen Sexualität in der Priesterausbildung aber trotz einiger Fortschritte immer noch viel zu wenig Beachtung geschenkt.

In Nürnberg haben die SWR-Autoren mit dem Novizenmeister der Jesuiten, Dr. Stefan Kiechle, und Ordensneulingen darüber gesprochen, welche Bedeutung Sexualität für Priester und Ordensleute besitzt und wie sie persönlich mit ihr umgehen. Das Fazit des Ausbildungsleiters muss nachdenklich stimmen: "Im Allgemeinen wird in den Diözesen und Priesterseminaren das Thema weiterhin zu sehr verdrängt und verleugnet, obwohl es im Klerus immer deutlicher wird." Diese Verdrängung führe unter anderem dazu, dass sich immer mehr homosexuelle Priester zurückziehen und in "auffälliger Unauffälligkeit" schweigen. Dem SWR-Team ist es dennoch gelungen, mit einigen von ihnen über ihre Haltung zur Kirche, ihre Sorgen und Nöte und die Vorurteile von Eltern gegenüber homosexuellen Priestern zu sprechen. (ots/swr/nb)

"Das Sex-Tabu - Priesterseminare im Zwielicht". Ein Film von Ute-Beatrix Giebel und Thomas Leif. ARD, Sonntag, 22.8.2004, 17.30 bis 18.00 Uhr.



#1 BerndAnonym
  • 20.08.2004, 14:16h
  • Der Fernsehbericht dürfte interessant sein, jedoch der 20.08.04 ist ein Freitag!!
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#2 thomasAnonym
  • 20.08.2004, 16:49h
  • ich weiss aus eigener erfahrung, dass in den priesterseminaren viele schwule sind (meiner schaetzung nach teils weise zwischen 30 und 50%).
    doch die kirche tabuisiert dieses thema weiterhin. wer es wagt, sich zu outen, wird nicht zur priesterweihe zugelassen. solange alles heimlich ist, passiert nichts.
    und genau das ist die ungeheuerliche doppelmoral! fuer mich ist dieses verhalten - um im kirchenjargon zu sprechen - suendhaft!
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#3 NicoAnonym
  • 20.08.2004, 18:21h
  • Ich habe eben im ARD-Magazin Brisant einen Ausschnitt aus der Doku gesehen, der leider nicht refelktierte sondern die (ausgelebte) Homosexualität der Priesteramtsanwärter skandalisierte. Nix zu hören war vom Abschied vom Zölibat oder von Hetero-Sex im Pfarrhaus. Ein reichlich mit Homophobie angehauchter Beitrag. Zuvor brachte das Magazin einen übertriebenen Bericht über ein (Ex-)Lesben-Pärchen im Streit um ein Kind, dass das Kind dann im Wald aussetze, nach St. Pölten und Kurznews einen (wenigstens halbwegs einfühlenden) Bericht über eine junge Transsexuelle. Und für sowas zahlt man Gebühren!
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#4 WalterAnonym
  • 21.08.2004, 16:27h
  • ich verstehe sowieso nicht wie man als Homosexueller Mann Mitglied der katholischen Kirche sein kann ... ich bin aus der Kirche ausgetreten, weil ich mit meinem Geld keine Institution unterstütze die sich dann gegen mich richtet ... da müsste die Kirche schon erst mal eindeutig die Homosexualität als Lebensform anerkennen ...
    Ich bin auch ohne Kirche kein schlechter Mensch und ich bin schon gar nicht Scheinheilig .......
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#5 Eva-Maria HertelAnonym
  • 21.08.2004, 22:48h
  • Homosexuelität "für" die Kirche in der Priesterschaft ist doch nicht schlecht. Dann wissen sie doch, dass sie es nicht mit Frauen treiben. Darum tut sich die Institution eigentlich nicht so schwer damit. Nur dieses "Familienproblem" das ist so eine Sache! Lesbische Frauen "für" die Kirche ist dagegen schlecht, weil sie dann wissen, dass die Frauen es nicht mit den Männern treiben. Und die Frau war doch die jenige welche immer nicht so gut in der Kirche und in der "Bibelgeschichte" stehen durfte oder darf. Das ist eben so ein kleines Problemchen, aber in Ganzen denke ich mal, dass die Kirche es mal wieder schaffen wird, wenn sie alles wieder mal zu schließt und verbarrikasiert.
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#6 Björn BauerAnonym
  • 22.08.2004, 18:08h
  • @thomas

    ich weiß aus eigener erfahrung (ein jahr lang seminarist in einem südwest-deutschen priesterseminar), dass es unter den anwärtern auf den priesterberuf nicht wesentlich mehr homosexuelle gibt, als in der "freien welt".

    die von dir genannten (geschätzten) 30% bis 50% entspringen wahrscheinlich deiner allzu lebhaften phantasie.
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#7 VincyAnonym
  • 23.08.2004, 23:43h
  • In der Regel sind Priesteramtskandidaten eher langweilige und graue Erscheinungen. Auch hinter den Mauern entpuppen sich diese Typen nicht als verkappte Lustmolche. St. Pölten war wohl ein in mancher Hinsicht aussergewöhnliches Seminar - das Leben in anderen Seminaren ist dagegen mehr als unspektakulär! Wer Sex möchte geht besser wo anderst hin... wirklich!
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#8 Olli_FAnonym
  • 28.08.2004, 22:25h
  • Der Skandal ist doch nicht, dass es homosexuelle Priester gibt, sondern dass immer noch das weltfremde und eigentlich perverse(=widernatürliche) Zölibat und die generelle Sexualfeindlichkeit der Kirche weiterhin am "Leben" erhalten erhalten wird !!!
    Vor allem das katholische Christentum muß sich endlich reformieren.
    Der Papst hat ausgedient !
    Menschlichkeit muß vor dogmatischem Fanatismus obsiegen !
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#9 HeikoAnonym