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Vor fünf Jahren sorgte der "Gesprächsleitfaden für einbürgerungswillige Ausländer" des damals CDU-geführten baden-württembergischen Innenministeriums für Schlagzeilen. Die "Loyalitätsprüfung" war Anfang 2006 eingeführt worden, um festzustellen, ob Neubürger Werte wie Toleranz und Demokratie verinnerlicht haben (queer.de berichtete). Dazu gehörte anfangs auch die Frage: "Stellen Sie sich vor, ihr volljähriger Sohn kommt zu Ihnen und erklärt, er sei homosexuell und möchte gerne mit einem anderen Mann zusammen leben. Wie reagieren Sie?"

Obwohl die Homo-Frage nach Protesten bereits 2007 gestrichen wurde (queer.de berichtete), kramt sie der deutsch-türkische Rechtsanwalt und ehemalige FDP-Politiker Mehmet Gürcan Daimagüler (Foto oben) in seinem neuen Buch Kein schönes Land in dieser Zeit - Das Märchen von der gescheiterten Integration wieder hervor. Die Antwortmöglichkeiten hat er dabei "zum besseren Verständnis aus Verwaltungskauderwelsch ins Deutsche übersetzt":

Wie würden Sie reagieren, wenn ihr Sohn sich als schwul outen sollte?
Antwort a): Ich würde ihn persönlich kastrieren.
Antwort b): Ich würde ihn mit seiner ebenso schnauzbärtigen Cousine zwangsverheiraten (beim Küssen müsste er sich gefühlsmäßig nicht groß umstellen).
Antwort c): Ich würde vor lauter Glück Lambada tanzen und ihm eine Familienpackung Gleitgel schenken.

Lustig? Na ja. Doch wem das Lachen im Halse stecken geblieben ist, sollte auf jeden Fall Mehmet Gürcan Daimagülers eigenen, hervorragenden Kommentar lesen:

Antwort C wäre natürlich der einzig richtige Weg zum deutschen Pass. Die Fragen und Antworten sagen nicht so viel darüber aus, wie der Ali-Normal-Verbraucher so tickt, sondern darüber, wie der Deutsche gerne wäre: weltoffen und supertolerant. Ist er aber nicht. (...) Wenn Leitkultur bedeutet, dass ich die systematisch zum Teil in Gesetzesform gegossene Benachteiligung ganzer Menschengruppen hinnehmen soll, dann kann ich das nicht akzeptieren. Wieso haben Homosexuelle in unserem Land noch immer nicht die gleichen und vollen Bürgerrechte wie die Heterosexuellen? Wieso dürfen die einen Kinder adoptieren und die anderen nicht?



#1 Knueppel
  • 07.11.2011, 16:17h
  • So verlogen ich damals den Fragebogen fand, weil er ausgerechnet von CDU-Figuren ins Gespräch gebracht wurde, die sich selbst um's Verrecken nicht an die von Migranten eingeforderte Toleranz und Akzeptanz hielten ...

    Ein Problem ist die, mit angeblicher "religiöser oder kultureller Besonderheit" begründete Aberkennung von elementaren Menschenrechten (z.B. Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit) und massive Herabsetzung uns Schwulen gegenüber, für mich schon. Und da stehen Migranten und ihre Nachkommen für mich nicht unter "Natur- oder Artenschutz" nur weil sie "ja selbst unterdrückt werden".

    Kürzlich gab es bei 3-sat einen Thementag "Türkische Migration nach Deutschland" (Anwerbe-Abkommen etc.). Die Moderatorin Tina Mendelsohn fragte in HH-St.Georg, "in dem es relativ häufig zu Übergriffen junger Türken gegenüber Schwule kommt", einen türkischen Taxifahrer, wie er sich gegenüber Schwulen verhalte. Erst wich der Mann, der einen langen Bart, "in islamischer Tradition" trug, der Frage aus. Dann antwortete er: "Sie wissen dass der Koran Homosexualität verbietet ..." Leider hat Frau Mendelsohn nicht nachgefragt, ob er auch eine Tötung von Schwulen, "gem. Koran" befürworte.

    Dass Homophobie kein Exclusiv-Thema von Migranten ist, weiß ich natürlich. Vor Jahren habe ich, unter meinem Nick "Knüppel", eine Umfrage bei ZEIT-ONLINE erstellt, deren Kommentare mich teilweise "von den Socken gehauen" haben (in diesem vorgeblich liberalen Umfeld der ZEIT-LeserInnen).

    Eine Leserin schrieb, nach Sichtung der Antworten an mich, u.a.

    ‚dame.von.welt’ schrieb am 12.04.2009 um 14.04 Uhr u.a.
    Kommentar # 57
    „(…) Ich habe ja gelegentlich Knüppel dafür kritisiert, dass er mir seine Sexualität ständig so um die Ohren haut. Mache ich nie wieder - es ist selbst hier in Die Zeit offensichtlich mehr als notwendig. 25 von 70 Stimmen vertreten auf die eine oder andere Weise eine Diskriminierung - das macht mich einigermaßen beklommen …“

    Und hier ist der Link zu meiner damaligen Umfrage (im Laufe der Diskussion wurde ich immer ärgerlicher und mein Ton wurde ruppiger)

    bit.ly/pVRFUC
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 07.11.2011, 17:18h
  • Der Kommentar von Mehmet Gürcan Daimagüler sagt schon alles über die derzeitige Situation in Deutschland für die LGBT-Community aus. Volle Zustimmung!
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#3 proletenbalgAnonym
  • 07.11.2011, 17:46h
  • Antwort auf #1 von Knueppel
  • @ micha

    klatsch, klatsch, klatsch.....

    @ knueppel

    Du kannst von Frau Mendelsohn viel lernen.
    Sie hat das insgesamt wirklich sehr gut gemacht.
    Vorbildlich! Sehr durchdacht.

    Wenn sie Mullahs in Gesicht scheissen möchte,
    macht sie das auch sehr gut durchdacht und
    manierlich absolut treffend.

    Mehmet Gürcan Daimagüler war letztens auch in einer NDR-Quassel-Show.
    Bemerkenswert war für mich, wie er rudern und rudern mußte, um den vermutlich sehr aufgeschlossenen anderen Teilnehmern, die Gefühle von Diskriminierung durch soziale UND ethnische Herkunft, auch nur ansatzweise zu vermitteln.

    Selbst in dieser Runde fielen ihm die Mittelschichtssozialisierten kollektiv und unabgesprochen permanent ins Wort,
    um ihm ihre gefühlte Toleranzgeschichte der BRD aufzudrängen.

    Hinter ihm saß seine Neffe Timo. Im Gegensatz
    zu seinem Onkel, schloß er in Deutsch nicht mit 1 ab, sondern mit 1+.
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#4 erste hilfeAnonym
#5 HinnerkAnonym
  • 07.11.2011, 18:25h
  • "Wieso haben Homosexuelle in unserem Land noch immer nicht die gleichen und vollen Bürgerrechte wie die Heterosexuellen? Wieso dürfen die einen Kinder adoptieren und die anderen nicht?"

    Das muss er seine eigene Partei, die FDP, fragen:
    Eheöffnung, Art. 3 GG, etc. etc. lehnt die FDP vehement ab.

    Gleichstellung im Adoptionsrecht hatte die FDP zwar im Wahlkampf versprochen, aber das war dann nach der Wahl das Erste, was man aufgegeben hat um der Union zu gefallen und ihr in den Arsch zu kriechen.

    Und Gleichstellung der Ehe 2. Klasse war auch nur ein Wahlkampfversprechen - seit der Wahl stimmt die FDP regelmäßig dagegen. Alle Fortschritte in dem Bereich kommen von Gerichten, die die schwarz-gelbe Gurkentruppe laufend korrigieren müssen.

    Also:
    im Prinzip die richtigen Fragen, nur ist gerade seine Partei, die FDP, zusammen mit der Union der Grund dafür.
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#6 SvenAnonym
#7 insightAnonym
  • 07.11.2011, 19:01h
  • Antwort auf #5 von Hinnerk
  • "Das muss er seine eigene Partei, die FDP, fragen:
    Eheöffnung, Art. 3 GG, etc. etc. lehnt die FDP vehement ab."

    Aus der ist er vor Jahren mehrfach enttäuscht ausgetreten.

    "Westerwelle sagte mir irgendwann klar, ich solle mich nicht um solche Loser-Themen kümmern. Mit diesen Themen würde ich in der FDP keinen Blumentopf gewinnen. Aber der Punkt ist doch der: Ich bin ja nicht in die FDP oder überhaupt in die Politik gegangen, um einen Blumentopf zu gewinnen, sondern ich wollte in einem Themengebiet, das mir sehr wichtig ist und von dem ich glaube, dass es eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen überhaupt ist, Dinge mit beeinflussen können. Wenn ich dann irgendwann sehe, dass das als Loser-Thema praktiziert wird, dann ist es einfach Zeit sich zu überlegen, was man will. Und ich war nicht mehr FDP, um ein Mandat zu ergattern oder Karriere zu machen."

    "Ich war vielleicht so naiv, dass ich gedacht habe, ich will Dinge bewegen. Wenn das nicht klappt, muss man sich irgendwann auch sagen: Pass auf, das hat nicht funktioniert. Und was diese ganze Steuer-Thematik angeht usw. da habe ich auch eine andere Meinung gehabt als die Parteispitze. Ich finde das Thema Steuern sehr wichtig, aber ich finde, es ist nicht das wichtigste Thema der Welt. Ich finde, dass Steuersenkungen gemacht werden sollten, wenn die Staatshaushalte in Ordnung sind. Das sind sie aber nicht. Wir sollten uns einfach mal überlegen, was wir unseren nachfolgenden Generationen an Haushalten hinterlassen wollen. Deswegen fand ich dieses ständige Schreien nach Steuersenkungen einfach nur vulgär. Ich verdiene gut als Anwalt. Wer gut verdient, der sollte sich auch an dem, was unser Staat kostet, was die Bildung kostet, beteiligen. Ich finde das fair."

    www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2011/07/132967/
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#8 julian21
  • 07.11.2011, 19:30h
  • Antwort auf #1 von Knueppel
  • "Und da stehen Migranten und ihre Nachkommen für mich nicht unter "Natur- oder Artenschutz" "

    Wie widerlich is denn bitte diese Assoziation von Migranten und Tieren?

    Fällt dir die Singularität deiner beschriebenen Situation gar nicht auf (kleiner Tip: Merkt man schnell an der Verwendung von Begriffen wie "relativ", "einen/eine", "er/sie")? Da erblasst ja selbst so manche Tageszeitung vor Neid...

    Soll ich dir jetzt tausend Gegenbeispiele nennen von Muslimen, die nicht dem homophoben Vorurteil entsprechen?

    Und was ist überhaupt, wenn die ach so tolle Tina Mendelsohn (übrigens jüdisch) einen deutschen Taxifahrer gefragt hätte? Wäre die Antwort weniger homophobe gewesen?

    Komisch ist ja auch Folgendes: Von muslimischen Bankkaufmännern und Bankkauffrauen, von muslimischen Lehrkräften oder Piloten und Pilotinnen hört man selten, dass sie homophob sind oder dass sie mal wieder Schwule oder Lesben auf der Straße attackieren.

    Ich halte fest: Es gibt homophobe Menschen in allen gesellschaftlichen Schichten. Die Ober- und die Mittelschicht ist weniger homophob als die Unterschicht.

    Und außerdem: Nur ne These, aber kann es sein, dass man von homophoben Gewalttaten von deutschen oder Menschen mit anderem Migrationshintergrund viel öfter liest, als von Menschen mit "muslimischen" Migrationshintergrund?

    Dazu kommt, dass es Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland seitens der Politik unnötig schwer gemacht wird (von der Gesellschaft (Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie) gar nicht erst zu sprechen).

    Man sieht, man muss viele Dinge beachten, bevor man urteilt. Aber nein. Da kommt ne "Moderatorin" (selbsternannte Journalistin), fragt was, kriegt, was sie hören wollte, liefert den Leuten, was sie hören wollen und alle sind glücklich... außer die Millionen Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund, die da wieder in eine Tonne geschmissen werden.

    "Dass Homophobie kein Exclusiv-Thema von Migranten ist, weiß ich natürlich."

    Aber, dass es vor allem die 5 % Migranten hier in Deutschland sind, die dafür verantwortlich sind, da bist du dir sicher? Wie widerlich!
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#9 weg mache wolleAnonym
  • 07.11.2011, 19:49h
  • Antwort auf #8 von julian21
  • "Ich halte fest: Es gibt homophobe Menschen in allen gesellschaftlichen Schichten. Die Ober- und die Mittelschicht ist weniger homophob als die Unterschicht."

    Homophob wird man gemacht?
    Von der O-, M- oder U-Schicht?
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#10 AufdeckenAnonym
  • 07.11.2011, 19:51h
  • Antwort auf #8 von julian21
  • “Die Ober- und die Mittelschicht ist weniger homophob als die Unterschicht”

    Genau, dieses Denken müssen wir endlich manifestieren.

    In der Unterschicht sollen laut Studien genauso viele deutsche Jugendliche gewalttätig sein wie Migranten.

    Ach ja, und das Sich-bekämpfen auf dem Rücken von Religion hatte von jeher territoriale Gründe.
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