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David Testo fällt das Reden über die eigene Homosexualität im Interview noch schwer, man spürt aber die beginnende Entspannung

Der amerikanische Profifußballer David Testo hat sich am Donnerstag in einem Interview mit dem kanadischen Sender Radio Canada als schwul geoutet. Der 30-jährige Mittelfeldspieler hatte in den ersten und zweiten Bundesligen von Amerika gespielt, bis er im Oktober keine Vertragsverlängerung mehr erhielt. Zuletzt war er beim kanadischen Zweitligisten Montreal Impact im Einsatz.

"Meine Homosexualität ist etwas, mit dem ich mein ganzes Leben und meine ganze Karriere lang gekämpft habe", sagte Testo dem Sender. Dabei könne ein hervorragender Fußballer zugleich schwul sein. "Ich bereue es, mich nicht früher öffentlich geoutet zu haben." Nicht geoutet zu sein sei "als ob man ein Geheimnis mit sich herumträgt, viel Gepäck, und ohne Erlaubnis, man selbst zu sein". Das "tägliche Aufpassen", was man wann wem erzähle, koste "Unmengen Energie". So habe er oft daran gedacht, seine Karriere aufzugeben und in der Wirtschaft anzufangen, in der Homosexualität mehr akzeptiert sei.

An Freunden habe er sehen können, wie leicht ihnen ein offen schwules Leben falle. Dabei wusste der Club bereits bei seiner Verpflichtung im Jahr 2007 von seiner sexuellen Orientierung, auch die meisten Mitspieler. Als Testo zwei Jahre später Spieler des Jahres wurde, wollte er sich bei seinem Freund als wichtigsten Unterstützer bedanken, konnte es aber nicht: "Ich hätte es tun können, hatte aber zuviele Sorgen zu der Zeit." Man sieht im Video, dass er das mittlerweile zu bereuen scheint.

"Leben ist so viel mehr als Fußball, Gewinnen und Verlieren", sagt Testo heute, zwischenmenschliche Beziehungen seien viel mehr wert. "Wenn man auf dem Sterbebett liegt, kommt es nicht darauf an, wieviele Tore man erzielt hat, wieviele Spiele man gewonnen hat, nichts davon." Die Personen, die man trifft, deren Leben man verändert, das seien die Dinge, auf die es ankommt. Auch in diesen Fragen sei er durch sein Schwulsein gereift, "mehr, als ich es mir erträumt habe".

Youtube | David Testo spricht gegenüber Radio Canada von seiner Homosexualität

Engagierter Spieler

Testo, geboren in North Carolina, hatte seine Profi-Karriere 2003 bei dem US-Zweitligisten Richmond Kickers begonnen, scheiterte aber, Medienberichten zufolge wegen seines Temperaments, bei einer Auswahl für das nationale Jugendteam. Dann folgte für eine Saison der Erstligist Columbus Crew, danach ebenfalls in der amerikanischen Liga die kanadischen Vereine Vancouver Whitecaps und Montreal Impact. Er könnte noch ein offen schwuler aktiver Fußballer werden: Sein früherer Club (der jetzt in die erste US-Profiliga wechselt) hat zwar den Vertrag gekündigt, Testo möchte seine Karriere aber noch nicht an den Nagel hängen.

"Die Erklärung von David Testo ist bemerkenswert persönlich", sagte der Präsident von Montreal Impact der Nachrichtenagentur Associated Press. "Wir wussten bereits vor seiner Verpflichtung im Jahr 2007 von seiner Orientierung. Während seiner Karriere in Montreal war er immer ein professioneller und engagierter Spieler. Seine Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen, muss eine schwere gewesen sein und wir respektieren das."

Youtube | David Testo schießt ein Tor gegen Milan. Da sollte doch wohl auch mit 30 noch ein Profivertrag drin sein.

Befreiendes Coming-out

In den letzten Jahren haben sich immer mehr Profisportler geoutet, die wenigsten allerdings im Fußball. In letzter Zeit häuften sich die Coming-outs ausgerechnet in der als hart angesehenen Sportart Rugby. Erst vor zwei Wochen outete sich der walisische Profispieler Jed Hooper, der in Bristol spielt (queer.de berichtete). In einem Interview sprach er von der befreienden Wirkung des Coming-outs: "Wenn das jemand lesen sollte, der in der gleichen Situation ist wie ich, ist alles, was ich sagen möchte: Lass sich die Sachen nicht aufstauen", so Hooper. "Denn, glaub mir, es gibt Licht am Ende des Tunnels." (nb)



#1 HinnerkAnonym
  • 11.11.2011, 16:34h
  • Aber unsere deutschen Feiglinge spielen lieber weiter Verstecken statt echte Vorbilder zu sein und zu sich selbst zu stehen.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 11.11.2011, 17:08h
  • David Testo hat es vorgemacht, nun müssen es ihm die deutschen Profifußballer nur noch nachmachen und merken, daß es doch nicht so schlimm ist, wie sie es immer befürchten! Ich hoffe, daß David bald einen neuen Verein findet!
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#3 Timm JohannesAnonym
  • 11.11.2011, 18:29h
  • Antwort auf #2 von FoXXXyness
  • Nach dem schwedischen Fussballer Anton Hysén vor einigen Monaten nun als ein US-amerikanischer Fussballspieler; das ist sehr erfreulich.


    David Testo ist Jahrgang 1981 und dürfte wohl eher am Ende seiner Fussballprofikarriere stehen.

    Wann wird wohl, wenn man Marcus Urban von Rot-Weiß Erfurt vor vielen Jahren mitrechnet, der nächste offene deutsche Fussballspieler sich outen ?? Und vor allem wann wird sich der erste schwule deutsche Bundesligaspieler aus der Ersten Bundesliga sich outen ? Darauf warten wir in Deutschland immer noch.
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#4 FussballerAnonym
  • 11.11.2011, 19:04h
  • Antwort auf #2 von FoXXXyness
  • ...auch wenn hier gleich ganz viel rot aufleuchtet...in Europa wird David Testo niemals spielen können nach seinem Outing, kein Verein wird ihm einen Vertrag anbieten (auch wenn es bestimmt mind. in der 3. Liga noch spielen - und gutes Geld verdienen - könnte). Das ist traurig, aber im Profizirkus (der nichts, aber auch gar nichts mit Fußball zu tun hat!!!!) ist das in Europa und der Welt eben so....Hier wird ein Produkt verkauft an eine ganz bestimmte Zielgruppe. An biertrinkende Männder (die nur "echte" Kerle sehen wollen) und an Frauen, die süße Typen sehen wollen (die sie zumindest theoretisch haben könnten). Ein schwuler wäre sehr schlecht für das Geschäft, weil er nicht nur keinen Umsatz generiert, sondern im schlimmsten Fall zu Verlusten führt. Und da hört der Spaß auf!!! Der Rubel muß rollen!
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#5 In DeutschlandAnonym
#6 eMANcipation*Anonym
  • 11.11.2011, 20:05h
  • Es tut sich etwas. Vielleicht dauert es gar nicht mehr lange und in Deutschland outet sich auch jemand.
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#7 Kein FussballerAnonym
  • 11.11.2011, 20:39h
  • Antwort auf #4 von Fussballer
  • Auf dreißigjährige Feldspieler, welche in ihrer gesamten Laufbahn nicht aus den Fußballentwicklungsländern USA und Kanada herausgekommen sind, ist man in Europa generell unglaublich scharf. Auch und gerade in der deutschen Drittliga, wo mit Geld nur so um sich geworfen wird und die Vereine eher mit ihren enorm hohen Einnahmen kämpfen als ums Überleben.
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#8 FussballerAnonym
  • 11.11.2011, 20:46h
  • Antwort auf #7 von Kein Fussballer
  • Du kanns die US-Liga durchaus mit unseren dritten Ligen vergleichen. Und da gibt es Vereine die seeeehr viel Geld ausgeben (ja, trotzdem ist unsere dritte Liga finanziell eine gesunde Liga).....und auch als 30-jähriger kannst du da noch nen Platz finden...theoretisch...das es praktisch unwahrscheinlich ist, da das Angebot in Europa sehr groß ist, ist ne andere Kiste. Nur für ihn ist diese Tür nun endgültig zu.
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#9 sportboy19Anonym
  • 12.11.2011, 13:54h
  • wäre zu wünschen das sich das weitere profis zu herzen nehmen und mit ihrem versteckspiel ein ende machen
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#10 citizenAnonym