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  • 19.11.2011           8      Teilen:   |

Ali und Ramazan

Ein schwules Liebesdrama in Istanbul

Der Traum vom schwulen Glück zu zweit währt nicht lang: Der Roman "Ali und Ramazan" beruht auf einer wahren Begebenheit
Der Traum vom schwulen Glück zu zweit währt nicht lang: Der Roman "Ali und Ramazan" beruht auf einer wahren Begebenheit

Waisenjungen, sexueller Missbrauch, Prostitution: In ihrem Roman "Ali und Ramazan" verpackt die türkische Bestseller-Autorin Perihan Mağden schwere Themen in Kitsch.

Von Angelo Algieri

"Am 18. Dezember 1992 endet die Geschichte von Ali und Ramazan. Im wirklichen Leben. Auf Seite 3." Tragischer kann ein Roman nicht anfangen: Mit dem tödlichen Schluss. Und dem Verweis auf eine wahre Begebenheit, die angeblich auf der Sensationsseite 3 des türkischen Boulevardblattes "Hürriyet" abgedruckt wurde.

Mit diesem Paukenschlag beginnt der Roman Ali und Ramazan der türkischen Autorin und streitbaren Journalistin Perihan Mağden, Jahrgang 1960. Ihr Buch ist jetzt in deutscher Übersetzung im Berliner Suhrkamp Verlag erschienen.

Es folgt der Rückblick: Ali und Ramazan, zwei Waisenjungen, lernen sich mit 14 bzw. 13 Jahren im Waisenhaus in Istanbul kennen. Bald verlieben sie sich und haben Sex. Sie sind von nun an unzertrennlich. Der Direktor bemerkt ihre Beziehung und ist eifersüchtig. Denn Ramazan wurde von Kind an von ihm sexuell missbraucht. Als Jugendlicher muss er die Nächte mit dem Direktor verbringen und ihn ficken. Immer wenn das Bett von Ramazan leer ist, kann Ali nicht einschlafen - in ihm wächst eifersüchtige, langjährige Wut. Mit Folgen.

Im Alter von 18 Jahren leisten sie den Militärdienst. Zuerst der ältere Ramazan, dann Ali. Nach der Zeit in der Armee arbeitet Ramazan als Stricher. Als Ali vom Wehrdienst zurückkehrt, wird ihr Wiedersehen in der gemeinsamen Wohnung mit drei Wochen langen Sex gefeiert. Die schönste Zeit ihrer Beziehung. Denn die folgenden Monaten werden für beide eine Qual: Ramazan geht weiterhin anschaffen und wird zum beliebtesten Prostituierten - während Ali seinen Schmerz mit Klebstoff-Schnüffeln und Tabletten betäubt. Sie streiten sich immer heftiger, bis Ali eines Tages vor Wut Ramazan in die Brust sticht. Er überlebt und verzeiht Ali. Die Beziehung scheint gekittet zu sein. Auch wenn Ramazan weiter seinen Körper verkauft, spart er das Geld, um mit Ali an einem andern Ort bei Null anzufangen. Doch soweit kommt es nicht...

Fortsetzung nach Anzeige


Der ambivalente Umgang der türkischen Gesellschaft mit Homosexualität

Perihan Mağden hat einen ungewöhnlichen Coming-of-Age-Roman geschrieben. Die Autorin richtet den Fokus auf die Schwachen: den schwulen Sexarbeiter und die Waisenkinder. Mağden sieht die Verantwortung beim Staat und in der Gesellschaft. Sie prangert den schlechten Zustand der türkischen Waisenhäuser an und dass den Kindern keine Perspektive geboten wird. Ali und Ramazan verlassen das Waisenhaus mit einem Grundschulabschluss - zu wenig für den Arbeitsmarkt Anfang 1990er Jahre, der sich im Umbruch befand: Textilmanufakturen wurden geschlossen, Hilfskräfte nicht mehr gebraucht. Da blieb für Ramazan nur Anschaffen als lukrativer Erwerb, um für beide das Leben zu bestreiten.

Zudem durchleuchtet Mağden den ambivalenten Umgang der türkischen Gesellschaft mit Homosexualität. Unter den Freiern Ramazans sind alle Schichten vertreten - vom Gemüsehändler bis zum reichen Schnösel. Und hier zeigt sich das Heuchlerische: Auf der einen Seite ist Homosexualität gesellschaftlich verpönt (aber nicht gesetzlich strafbar!) und es kommt regelmäßig - bis heute - zu Gewaltakten, Ehrenmorden und polizeilichen Drangsalierungen. Auf der anderen Seite gibt es viele Männer, die Homosex im Verborgenen haben: mit Prostituierten, in Hamams oder in Parks.

Schmachtende Sehnsucht, die lächerlich wirkt

Perihan Mağden, Jahrgang 1960, gilt als eine der wichtigsten Schriftstellerinnen in der jüngeren türkischen Literatu
Perihan Mağden, Jahrgang 1960, gilt als eine der wichtigsten Schriftstellerinnen in der jüngeren türkischen Literatu

Ungewöhnlich ist dieser Roman auch aus literarischer Sicht. Er ist nämlich unerträglich kitschig. Schmachtende Sehnsucht, die lächerlich wirkt. Verstärkt durch Metaphern, die zum Rest des Textes überhaupt nicht passen. Die Protagonisten bleiben in ihrer Charakterisierung erschreckend holzschnittartig. Eine ironische Anspielung des Subtextes auf türkische Lieder, Soaps oder Filme kann ich nicht gelten lassen: Es wird dem ernsten Inhalt nicht gerecht.

Zudem mangelt es dem Text an Stringenz und fehlender Dramaturgie. Ständige Vorausschauen entziehen die Spannung. Außerdem hat die Autorin ihre Figuren nicht im Griff und schweift ab. Der Roman ist so schwer mit Themen überfrachtet, dass die Kern-Geschichte letztlich untergeht. Zusätzlich bleibt Mağden oft an der Oberfläche und im Ungefähren. Man fragt sich mitunter, warum die Geschichte in einem (halb-)fiktionalen Text gegossen wurde. Wäre eine Reportage nicht aufschlussreicher gewesen?

Ein Beispiel hätte sich die Autorin an dem Schweizertürken Yusuf Yeşilöz und seinem Roman "Hochzeitsflug" (queer.de rezensierte) nehmen können. Im Gegensatz zu Mağden hat er eine präzise Beobachtungsgabe und beschreibt facettenreich das soziale Milieu seines Protagonisten.

Trotz der hochbrisanten Geschichte und spannenden Kernthemen hat es Perihan Mağden leider verpasst, den Text in einer angemessenen literarischen Form zu präsentieren. Bleibt die Hoffnung, dass die derzeitige Verfilmung des Buches packender und substanzieller wird!

Perihan Mağden: Ali und Ramazan. Roman. Aus dem Türkischen von Johannes Neuner. Suhrkamp Verlag, Berlin 2011. 191 Seiten. 13,95 €

  Terminhinweis
Perihan Mağden stellt ihr Buch am Donnerstag, den 24. November 2011 im Schwulen Museum Berlin vor. Moderation: Kai Strittmatter, Beginn: 20 Uhr. Adresse: Mehringdamm 61, Kreuzberg. Eintritt: 5/3 €.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Online-Leseprobe
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Tags: perihan mağ,,,den, türkei, waisenkinder, sexueller missbrauch, sexarbeit
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Reaktionen zu "Ein schwules Liebesdrama in Istanbul"


 8 User-Kommentare als Feed (RSS 2.0, ?)

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Die ersten:   
#1
19.11.2011
17:53:35


(+1, 7 Votes)

Von Geert


Wer sich im türkischen Fernsehprogramm einmal Soaps angesehen hat, wird verwundert festgestellt haben, wie kitschig diese Filme auf uns Europäer wirken. Der Mentalitätsunterschied ist wohl doch zu groß.


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#2
20.11.2011
05:16:48
Via Handy


(+1, 5 Votes)

Von ehemaligem User eMANcipation


die story klingt echt schräg und ein wenig weit hergeholt.


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#3
20.11.2011
15:56:43


(+1, 5 Votes)

Von FoXXXyness
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Eine türkische Frau, die über türkische Schwule in Istanbul schreibt, wirkt befremdlich! Vom Inhalt her erinnert das sehr an Bollywood!


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#4
20.11.2011
16:41:56


(+6, 8 Votes)

Von Perzeption


Autorin Perihan Mağden, Jahrgang 1960

Übersetzer Johannes Neuner, Jahrgang 1975

Leser Angelo Algieri, Jahrgang 1977

_____________________________

Wohin treibt Premierminister Tayyip Erdogan sein Land?

Vorneweg eine Antwort von Perihan Magden, Schriftstellerin und bis vor kurzem scharfzüngigste Kolumnistin des Landes. Als Atheistin und Verfasserin eines legendären Pamphlets gegen das schlafraubende «Gekreisch» der Istanbuler Muezzine unverdächtig, Sympathien für Fundamentalisten zu hegen. Als Verfasserin einer weiteren Kolumne über einen «arroganten Macho», dessen Oberlippe ein kläglicher Schnurrbart «einem Schmutzrand gleich» ziere, von eben diesem Macho vor Gericht gebracht und wegen Beleidigung zu einer Strafe von umgerechnet 7000 Franken verurteilt. Der Name des Klägers: Tayyip Erdogan. Sein Beruf: Premierminister. «Ich habe den Mann nie gemocht», sagt Perihan Magden. «Aber ich bewundere ihn. Er hat die Türkei verändert. In ein besseres Land.» Und seine Aussenpolitik? «Macht mich stolz. So stolz, dass ich mich fast schäme.» Ist er ein heimlicher Islamist? «Blödsinn», sagt die Feministin. «Das sind die Nebelmaschinen seiner Gegner. Und ihre Propaganda treibt den Europäern Rauch in die Augen.»

«Es gibt einen Strom hin zu mehr Freiheit. Da verlieren natürlich die alten Könige und Königinnen ihre kleinen Reiche», sagt die Schriftstellerin Perihan Magden.

«Wir diskutieren heute den Völkermord an den Armeniern», sagt Perihan Magden. «Noch vor kurzem wussten wir nicht einmal, wie man das Wort buchstabiert. Erdogan hat die Herrschaft der Furcht gebrochen.» Sie erzählt vom 24. April. An dem Tag gedenken die Armenier der Massaker von 1915/16. Mit einem Sitzstreik erinnerten dieses Jahr auch ein paar Tausend Istanbuler der Vernichtung der anatolischen Armenier. «Früher hat die Polizei bei solchen Anlässen zugesehen, wie die Faschisten uns verprügelten», sagt Magden. «Diesmal haben sie sich schützend um uns gestellt.»

«Ich bin nun 83 Jahre alt», sagt Ishak Alaton, bekennender Sozialdemokrat und der bekannteste jüdische Unternehmer des Landes. «Aber eine Türkei so frei, so wohlhabend und so transparent wie heute habe ich mein Lebtag noch nicht gesehen.» Ja, Erdogan hat eine nationalistische Ader, einen Hang zum Autoritären. Und ja, er hat oft gezaudert, hat viel versprochen, was er nicht halten konnte, ist mit ambitionierten Reformen gescheitert, mal an gegnerischer Sabotage, mal am eigenen Dilettantismus. Die Zahl der von ihm Enttäuschten – Kurden, Alewiten, Kopftuchträgerinnen – ist gross.

Link:
bazonline.ch/ausland/europa/Der-Missverstandene/st
ory/28288157?track


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#5
20.11.2011
17:11:30


(+8, 8 Votes)

Von -hw-


Bei den längeren Beiträgen des Lesers Angelo Algieri auf queer.de beschleicht mich (Jhrg.1960) zunehmend das Gefühl, dass er seinen Kitsch in schwere Themen packt.


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#6
20.11.2011
19:11:55


(+4, 4 Votes)

Von leuchtstift


"Daniel, ein deutscher Fotojournalist, der in Istanbul lebt und dem die Werte in der Türkei fremd sind, Can, ein extrovertierter Bauchtänzer, und Ahmet, hineingeboren in eine konservative Familie, dessen Streben nach Offenheit und Freiheit in seinem gewaltsamen Tod endet."

Zenne Dancer" ist ein aufrüttelnder Film über Diskriminierung, Gewalt und Homophobie in der modernen Türkei, wo das Wort "schwul" noch immer ein Schimpfwort ist. Beim Internationalen Filmfestival 2011 in Antalya wurde er mit fünf Goldenen Orangen, den türkischen Oscars, ausgezeichnet.

Link zu www.daserste.de


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#7
05.04.2012
18:12:18


(0, 0 Vote)

Von florian234


boa, was es hier für Vorurteile gibt - magst du dir mal "Eine türkische Frau, die über türkische Schwule in Istanbul schreibt, wirkt befremdlich!" auf der Zunge zergehen lassen...

Ich finde es eher stark, dass eine Frau über Schwule schreibt und dass der Band zudem in der Türkei ein Beststeller war. Und ich weiß auch nicht, welches Buch der Rezensent hier gelesen hat. Ich finde das Buch literarisch gelungen - schaut doch mal rein! ...und mit dieser Ansicht bin ich nicht allein, wie unter anderem diese Rezension zeigt:

"So sehr, wie es nur geht":
Link zu www.kritisch-lesen.de


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#8
26.01.2014
08:24:21


(0, 0 Vote)

Von agiossostis


Es ist interessant zu sehen, dass die von euch angemahnte Net(t)iquette für den Autor der Rezension leider augenscheinlich nicht gilt.

Für wen hält sich Angelo Algieri? Da wird ein Buch einer der spannensten zeitgenössichen türkischen Autorinnen niedergemacht wie von einer Deutschlehrerin, die das Talent ihrer Schüler nicht ertragen kann und meint, es wie einen Schulaufsatz kommentieren zu müssen:

"Er ist nämlich unerträglich kitschig. Schmachtende Sehnsucht, die lächerlich wirkt. Verstärkt durch Metaphern, die zum Rest des Textes überhaupt nicht passen. Die Protagonisten bleiben in ihrer Charakterisierung erschreckend holzschnittartig. Eine ironische Anspielung des Subtextes auf türkische Lieder, Soaps oder Filme kann ich nicht gelten lassen: Es wird dem ernsten Inhalt nicht gerecht.

Zudem mangelt es dem Text an Stringenz und fehlender Dramaturgie. Ständige Vorausschauen entziehen die Spannung. Außerdem hat die Autorin ihre Figuren nicht im Griff und schweift ab. Der Roman ist so schwer mit Themen überfrachtet, dass die Kern-Geschichte letztlich untergeht. Zusätzlich bleibt Maden oft an der Oberfläche und im Ungefähren. Man fragt sich mitunter, warum die Geschichte in einem (halb-)fiktionalen Text gegossen wurde. Wäre eine Reportage nicht aufschlussreicher gewesen?

Ein Beispiel hätte sich die Autorin an dem Schweizertürken Yusuf Yeilöz und seinem Roman "Hochzeitsflug" (queer.de rezensierte) nehmen können. Im Gegensatz zu Maden hat er eine präzise Beobachtungsgabe und beschreibt facettenreich das soziale Milieu seines Protagonisten.

Trotz der hochbrisanten Geschichte und spannenden Kernthemen hat es Perihan Maden leider verpasst, den Text in einer angemessenen literarischen Form zu präsentieren. Bleibt die Hoffnung, dass die derzeitige Verfilmung des Buches packender und substanzieller wird!"

Das Buch ist bei Suhrkamp verlegt und nicht bei Bruno Gmünder. Das an sich spricht ja schon einmal für eine gewisse Qualität. Und das, was sich Angelo Algieri da zusammenschreibt, ist keine Kritik. Sondern eine anmaßende Frechheit. Wenn er so genau weiss, wie man gute Bücher schreibt, warum tut er es dann nicht selber?


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