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Genesis Breyer P-Orridge

Vom Mann zur S/He, aus Liebe


Sieht nach Muppet-Show aus, ist aber Körperkunst (Bild: Arsenal Institut)

Die Doku "The Ballad of Genesis and Lady Jaye" zeigt, wie sich ein Künstlerpaar durch Operationen zum pandrogynen Wesen verwandelt.

Von Carsten Weidemann

Wer in den siebziger Jahren seine musikalische Heimat nicht bei Abba und Marianne Rosenberg fand - und stattdessen lieber zu den Sex Pistols und den Ramones Pogo tanzte, der wird den Namen Genesis Breyer P-Orridge kennen. Der 1952 in Manchester geborene Performance-Künstler ist eine der Schlüsselfiguren fürder Underground Musikszene der vergangenen 30 Jahre. Als Musiker bei Vor- und Nachpunk-Bands wie "Throbbing Gristle" (1975 - 1981) und "Psychic TV" (1981 bis heute) dabei, gilt er auch als Vater der Industrial Music und einer der Pioniere von Acid House und Techno.

Seine künstlerischen Freiheiten jenseits allen Mainstreams nutzte er auch, die biologischen Grenzen der menschlichen Existenz zu überschreiten. Seinen Körper erklärte er zum Kunstobjekt, den er nicht nur mit Tätowierungen und Piercings schmückte, lange bevor es zur heutigen Mode wurde. Ab dem Jahr 2000 veränderte er auch seinen männlichen in einen weiblichen Körper. Aus Liebe zu seiner Partnerin, Lady Jaye (geboren als Jacqueline Breyer). Die Dokumentarfilmerin Marie Losier hat diese erstaunliche Biographie in diesem Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt, und erhielt im Forum der Berlinale auch gleich den Doku-Teddy des schwul-lesbischen Teddy-Awards verliehen. Jetzt läuft der Film im Kino an.

Youtube | Offizieller Trailer

Die Veränderungen des Lebens sind für Genesis Lebenszweck

"Mein Leben ist Wandel, Wandel, Wandel", sagt Genesis, dessen bürgerlicher Name Neil Andrew Megson lautet. Von bürgerlichen Normen hat er sich weit entfernt, und die ständige Transformation ist tatsächlich die zentrale Idee seines Lebens. Mitte der 1960er erschuf er das Alter Ego "Genesis P-Orridge" und stilisierte sich kontinuierlich zum menschlichen Kunstobjekt. Er machte Ende der 1960er durch aggressive und bewusst provokante Performance-Aktionen zusammen mit der Stripperin und Künstlerin Cosey Fanny Tutti auf sich aufmerksam. Ein Happening im renommierten Londoner Institute of Contemporary Arts (ICA) geriet zum nationalen Skandal, weil Pornografie zum Einsatz kam. Bei weiteren Skandalauftritten wurde munter mit Blut und Exkrementen hantiert. Ein paar Jahre musste er wegen staatsanwaltlicher Ermittlungen im Exil in den USA verbringen, weil man ihn der Pädophilie bezichtigte.

Im Jahr 2000 begann er mit seiner Lebenspartnerin das Kunstprodukt "Breyer-P-Orridge" zu erschaffen. Ziel der Beiden ist es, gemeinsam ein androgynes Zwitterwesen zu schaffen: So lässt sich P-Orridge als "S/He" zur Frau transformieren und unterwirft sich zahlreichen chirurgischen Eingriffen, wie Brustimplantate, Fettabsaugungen, Hautstraffungen. Auch seine Zähne weichen einem komplett aus Gold gefertigten künstlichen Gebiss. Er/sie ähnelt damit mehr und mehr seiner um etliche Jahre jüngeren Partnerin. Ein "pandrogynes Drittes" aus Liebe zueinander sollte entstehen. Der Öffentlichkeit präsentierten sie sich gern kurz nach ihren Gesichts-OPs mit noch bandagierten Köpfen. "Mein Projekt hat nichts mit Gender-Themen zu tun", erklärte er der Filmemacherin Marie Losier. "Manche Menschen fühlen sich wie ein Mann, der im Körper einer Frau gefangen ist, andere wie eine Frau, die im Körper eines Mannes gefangen ist. Ein Pandrogyner fühlt sich einfach in einem Körper gefangen. Der Körper ist nur der Koffer, in dem wir umhergetragen werden. Pandrogynie spielt sich ausschließlich im Denken, im Bewusstsein ab."

Der Körper ist nur ein Koffer - Bis das der Tod uns scheidet


Die Doku eine Ehrung für die verstorbene Lady Jaye (Bild: Arsenal Institut)

Wie viele andere, die ihn kennen, sah Marie Loise in Genesis die ebenso schlichte wie tiefgründige Idee verkörpert, dass die Art und Weise, wie man sein Leben lebt, die unanfechtbar höchste Form der Kunst ist, die existiert. Deshalb begann sie mit den Dreharbeiten zu einer Doku über das sich wandelnde Paar. Die zunehmende äußerliche Angleichung wurde jedoch abrupt durch etwas beendet, dass keine Liebe stoppen kann: den Tod. Lady Jaye Breyer starb überraschend am 9. Oktober 2007 an Herzversagen. Marie Loiser dachte nun, dass dieses tragische Ereignis das Aus für ihre Doku bedeute: "Aber für Genesis war die Fertigstellung dieses Films die am besten geeignete Art und Weise, seine Liebe zu Jaye und sein Leben mit ihr zu ehren; in diesem Sinn ist der Film eine Botschaft der Hoffnung und Solidarität mit Künstlern und Liebenden überall auf der Welt, unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung."



#1 SuperSuperNoraAnonym
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 NiXXXkapiertAnonym
#4 MatainaAnonym
  • 25.11.2011, 01:21h
  • ganz schön spooky - aber bitte. wems gefällt! Ich hätte mir hier heute lieber was zu Freddie Mercury's 20. Todestag gewünscht.
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#5 Alter LateinerAnonym
#6 DaveAnonym
#7 maaaartinAnonym
  • 29.11.2011, 16:18h
  • och kinders - freut euch doch mal, wenn ihr was über musik von jenseits des standardschwulenprogramms hört.

    wenn man was über freddie mercury erfahren möchte, sollte man sich mal im ochsengarten in münchen bei den älteren semestern erkundigen, die haben oft sehr unterhaltsame anekdoten von damals parat. viel interessanter als die ollen kamellen ausm kulturteil der zeitung

    ach ja, hier noch ne discipline coverversion von marc almond und den mambas

    www.youtube.com/watch?v=5_3ARZferHM
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