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  • 23. August 2004, noch kein Kommentar

Im Osten entsteht mit 2,5 Mio. Euro Fördermitteln ein Sendestudio für Hardcore-Pornos. Ein Geschäft mit Merkwürdigkeiten.

Von Norbert Blech

Torgelow Das Land Mecklenburg-Vorpommern will Medienberichten zufolge ein digitales (Hardcore-)Porno-Bouqet mit Steuermitteln subventionieren. Die drei Programme mit jeweils zwei Kanälen, darunter eines mit Homo-Pornos, sollen unter dem Namen "6 Plus" ab November dieses Jahres von der Stadt Torgelow aus bundesweit und verschlüsselt über Satellit ausgestrahlt werden. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Wolfgang Wenzel, sagte dem Blatt, er rechne mit etwa 2,5 Millionen Euro Fördermitteln - für die von ihm projizierten 100 Arbeitsplätze eine Förderung von 25.000 Euro pro Stelle. Die Filme sollen im pay-per-view-Modus ausgestrahlt werden, eventuell gebe es aber auch eine monatliche Bestellmöglichkeit, so Wenzel gegenüber queer.de.

Der Sender sollte ursprünglich "Pro 6" heißen, wurde aber offenbar angesichts befürchteter rechtlicher Schritte seitens Pro 7 umbenannt. Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten hat bereits grünes Licht für den Sender gegeben, da der Jugendschutz dank aufwendiger Verfahren gewährleistet sei. "Zur Authentifizierung des Nutzers bedient sich die Anbieterin eines Bestell- und eines Jugendschutz-PIN-Codes, wobei auch die Übermittlung biometrischer Daten über einen Fingerprint-Sensor vorgesehen ist", heißt es in einem Papier der Konferenz. Mit einer Lizensierung ist auch der erste Schritt zur Aufnahme ins digitale Kabel getan. Das Wirtschaftsministerium in Schwerin sieht in der Förderung kein Problem. "Moralisch steht der Förderung nichts entgegen, es fehlen allerdings noch Unterlagen", sagte Ministeriumssprecher Gerd Lange der "Bild am Sonntag". Der Bürgermeister von Torgelow, Ralf Gottschalk, verwies auf die hohe Arbeitslosigkeit von 30 Prozent in der Region und nannte das Konzept des Senders "nachhaltig, wachstumsorientiert und zukunftsträchtig". Neben den Kanälen soll vor allem ein Synchronstudio für Umsatz sorgen.

Wenzel-Konzept schon jahrelang auf Sendung

Wenzel hatte mit der Firma Wenzel Media B.V. bereits vor Jahren eine Ausstrahlung eines Porno-Paketes aus den Niederlanden unter dem Titel Sex-TV geplant - und offenbar zeitweilig auch gesendet (die deutsche Firma digenius lieferte dazu Decoder, s. Mitteilung). Mittlerweile sendet mit dem gleichen Namen und gleichem Konzept ein Pornopaket über den Satelliten Hotbird, ein schwuler Kanal mit größtenteils deutschen Homo-Pornos ist bei Sex-TV zum Gesamtpreis von 210 Euro pro Jahr abonnierbar. Wer das Geschäft betreibt, ist nach ersten Recherchen unklar. Wenzel bestreitet eine Beteiligung, gegenüber queer.de spricht er von Ideen- und Markenklau, schließlich habe er die Rechte an dem Namen Sex-TV. Als Domaininhaber ist eine Blue Door Venture Inc. eingetragen

Auch ohne die merkwürdige Konkurrenz trifft "6 Plus" auf zahlreiche Mitbewerber: über digitales Kabel und Premiere senden bereits (Soft-)Pornokanäle wie der von Beate Uhse mit gelegentlichen Homo-Inhalten, einige Kabelanbieter wie ish in NRW bieten auch das italienische Gay TV, das neben Softerotik auch Serien und Spielfilme für die schwule Zielgruppe ausstrahlt. Über Satellit ist die Auswahl noch größer.

Zusammenhang mit Oberhausener HDO-Skandal

Wenzel ist im Bereich der Subventionen kein unbeschriebenes Blatt. So war er auch Mitbegründer des Oberhausener Trickfilmstudios HDO ("High Definition Oberhausen") - mit rund 122 Millionen Mark (gut 62 Mio. Euro) eine der größten Subventionspleiten in Deutschland überhaupt. Bis zum Konkurs waren statt der versprochenen 200 nur 25 Arbeitsplätze entstanden, zwei parlametarische Untersuchungsausschüsse im Düsseldorfer Landtag und eine Auseinandersetzung zwischen dem ehemaligen HDO-Förderer und heutigen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und dem Land NRW um die Rückzahlung von Fördermitteln folgten. Wenzels frühere Firma, die HDO-Muttergesellschaft EMG, kam während der Wende dank guter SED-Kontakte zu einem Darlehen der PDS in Höhe von 18,4 Millionen DDR- und 5,8 Millionen Westmark sowie einem Haus in der Berliner Rosenstraße - die Treuhand verlangte das Geld später zurück, berichtet das Online-Magazin www.film-tv-video.de.

23. August 2004, 17.05h