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  • 27. November 2011, noch kein Kommentar

Beeinflusst vom 80s-Dance-Pop: Plushguns zweites Album "Me. Me."

Das Album "Me. Me" der Band aus Brooklyn enthält auch einen Song über ein Transgender-Kid.

Von Carsten Weidemann

Plushgun - der Name lässt aufhorchen. Ein plüschiger Revolver? Dan Ingala, der Kopf der Band, hat bewusst einen Namen gewählt, der widerstreitende Assoziationen weckt. "Die Idee habe ich von all den 80er-Jahre-Bands, die einfach zwei Wörter, die nicht zusammenpassen zum Bandnamen gemacht haben. An Plushgun gefällt mir, dass der Name etwas evoziert das gleichzeitig kuschelig und scharfkantig ist."

Auch sonst ist Dan Ingala von der Musik der 80er beeinflusst. "New Order, Depeche Mode, Duran Duran, Human League - das war das letzte Mal, dass Dance Music etwas zu sagen hatte." Für einen Amerikaner, der ursprünglich aus Boston stammt und als Teenie nach Brooklyn, New York gezogen ist, scheint diese Begeisterung für britischen Synthie Pop seltsam. "Yeah, I was a weird kid.", meint Dan. "Aber noch seltsamer war, dass ich Tschaikowsky gehört habe."

Direktlink | Der erste Song aus dem neuen Album: "Waste Away"

Dans klassische Musikausbildung


In Deutschland kennt man Plushgun vor allem vom "Keinohrhasen" Soundtrack, auf dem ihr Song "Dancing In A Minefield" vertreten war

Dan hat nämlich seit frühester Kindheit eine klassische Musikausbildung genossen. Die Klavierstunden hat er durchaus ernst genommen. Wenn es dann aber ans Üben ging, dachte er sich viel lieber eigene Melodien aus, als die Hausaufgaben zu machen. So wurde es nichts mit der Karriere im Klassikbetrieb. Es wuchs aber ein beträchtliches Repertoire an extrem eingängigen Songs heran. Mit dem Dämmern des digitalen Zeitalters war es auch kein Problem mehr diese Songs im Alleingang in eine angemessene Form zu bringen. "Das erste Album ist zu 95% eine Solo Homerecording Angelegenheit.", sagt Dan. Zur Fertigstellung der Platte trommelte Dan ein Trio zusammen mit dem es auch auf Tour ging. Seitdem sind Plushgun eine Band auch wenn Dan die Songs nach wie vor fast alle im Alleingang schreibt. "Aber die andern beiden bringen auch Ideen ein und verändern die Songs durch ihr fantastisches Spiel.", erklärt Dan, der für Synthies und Gesang zuständig ist, und lässt dabei durchblicken, dass er Matt Bogdanow (Drums) und Taylor Armstrong (Gitarre) für die besseren Musiker hält.

Und als Band sind Plushgun für "Me. Me" natürlich ins Studio gegangen, was dem Sound eine neue Richtung gegeben hat. Weg vom Computer hin zu analogem Equipment. "Ich habe für 'Me. Me' vor allem mit analogen Synthies gearbeitet, was dem ganzen einen wärmeren und druckvolleren Sound gibt." Zusätzlich zur Trio Besetzung ist einiges an klassischem Instrumentarium zu hören. Dan ist die Freude anzuhören "mit wirklichen Streichern zu arbeiten", schließt sich damit doch in gewisser Weise ein Kreis.

Youtube | Plushguns bekanntester Song: "Dancing In A Minefield "

Klassischer Indie-Pop, beschwingter College-Rock

Trotz seiner Liebe zu russischer Klassik (Strawinski ist sein Lieblingskomponist) und britischem Synthi Pop, klingen Plushgun allerdings wie klassischer Indie-Pop und College-Rock der beschwingten Sorte. Bewusst ist Dan Ingala zwar nicht von amerikanischem Rock beeinflusst, aber eine Grunge Phase hat er schon durchgemacht, "wie alle Kids damals." Und amerikanischer Rock und Pop ist in Boston wie in Brooklyn einfach in der Luft. Der Haupteinfluss ist und bleibt für ihn aber ein britischer: "Die Britische Invasion der 60er ist für mich die Bibel des Songwritings: The Beatles, The Who und so weiter. Aber auch spätere Brit Pop-Bands wie Pulp sind sehr wichtig für mich."

Von Bands wie Pulp hat er wohl auch textlich einiges gelernt. "The Prom Queen" ist ein Song über ein Transgender-Kid, dass gern im Kleid zum Abschlussball gehen möchte, um danach im Nachtzug die Stadt zu verlassen und nie mehr zurückzublicken. Und "Live In Binary" bezieht sich auf das Internet und soziale Netzwerke "in einer sarkastischen Weise. Es geht um die seltsame, komplizierte Beziehung die wir zum Internet haben und wie das Netz unsere sozialen Fähigkeiten beeinflusst. Und wie man sich abmüht mit seiner Musik Leute zu erreichen und dann von einem Typen, der auf YouTube mit einem Laserschwert herumfuchtelt in den Schatten gestellt wird." In einer Mischung aus Warhol'scher Affirmation und politischem Aktivismus (er hat Politik studiert) nähert sich Dan diesen und anderen Phänomenen. Denn natürlich ist auch Dan überall dabei. YouTube, MySpace, Facebook, Twitter - you name it. Und - bei aller Kritik - er liebt es. Wie er auch auf der ersten Single des Albums "I Like It" singt, einem Duett mit der Freezepop Sängerin Christmas Disco-Marie Sagan, einem Song, der so offensichtlich wie kein zweiter auf diesem Album vom 80s-Dance-Pop beeinflusst ist.

Plushgun auf Tour

28.11.2011: Berlin Comet Club
29.11.2011: Hamburg Logo
30.11.2011: Cologne, Werkstatt