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Allles andere als für den Arsch - BUTT-Magazine (Bild: Screenshot)

Rund zehn Jahre lang lieferte eines der besten Fagzines der Welt queeren Lesestoff und radikal reale Ansichten aus der Szene. Das letzte Heft wurde jetzt gedruckt.

Von Christian Scheuß

Selbst der Abschied ist eine Meldung, die ganz allein den Fans vorbehalten bleibt. Mitte November erschien Ausgabe 29 des Magazins BUTT, mit 144 Seiten doppelt so dick wie sonst. Und auf der letzten Seite, im letzten Artikel steht es ganz lapidar: "We're done. BUTT will continue online." Das war's. BUTT wird online fortgesetzt." Auf der Website selbst gibt es keine Hinweise auf eine Einstellung der Printausgabe, eine Anfrage an die Herausgeber blieb bislang unbeantwortet. Doch mehrere Leser haben die Meldung inzwischen bestätigt.

Als die Niederländer Gert Jonkers und Jop van Bennekom im Jahr 2001 die erste Ausgabe in englischer Sprache herausbrachten, konnten sie noch nicht ahnen, dass sie einmal als diejenigen gelten werden, die eine Renaissance der Fagzines einleiten. Als Unterkategorie der Fanzines, die in der Regel für einen sehr überschaubaren Kreis produziert werden, sind die schwulen Fagzines Teil einer Subkultur, die sich ganz bewusst von Mainstream- und Massenmedienmarkt absetzt. BUTT war in jeder Hinsicht anders als die schwulen Hochglanzblätter: Im Schulheftformat, auf rosa Recycling-Papier und nur in Schwarz-Weiß gedruckt. Die Headlines in fetter Blockschrift, die Inhalte wie mit der Schreibmaschine getippt. Auch die Fotosprache ist eine eindeutige Absage an die glattgebürsteten Photoshop-Jünglinge. Stattdessen ein mitunter radikaler queerer Realismus, der sich auch nicht scheute, Männer mit fetten Ärschen oder steife Schwänze in Großaufnahme zu zeigen. BUTT gab es nicht im Bahnhofsbuchhandel zu kaufen, das erlaubte den munteren Einsatz pornographischer Bilder.

Promi-Unterstützer: Wolfgang Tilmans, Bruce La Bruce, Michael Stipe


Schwarz auf Rosa geht es im Internet weiter (Bild: Screenshot)

Das größte Pfund aber mit dem BUTT starten konnte, das waren die Promis. Der Fotograf Wolfgang Tillmans machte ebenso mit wie der kanadische Filmemacher Bruce La Bruce. R.E.M.-Sänger Michael Stipe gab dem Magazin ein Interview lange vor seinem offiziellen Coming-Out, viele noch unbekannte schwule Künstler aus den Off-Kulturszenen konnten sich hier ebenfalls vorstellen. Es gibt weltweit treue BUTT-Fans, wozu auch der Kölner TASCHEN-Verlag zählt. Im Jahr 2005 veröffentlichte er die ersten fünf Jahrgänge in einem gebundenen Reprint.

Dass die Luft bei BUTT langsam entweicht, registrierten die Leser in den vergangen zwei Jahren. Immer unregelmäßiger kam das Heft bei ihnen an, im Februar 2010 erschien noch Nummer 28, dann war erst einmal Sendepause. Die Nummer 29 bildet nun den offiziellen Abschluss der gedruckten Hefte. Die neuen Magazin-Inhalte stehen kostenlos für alle verfügbar im Web. Aus den Herausgebern sind inzwischen Event-Manager geworden, wie die Website verrät. Unter der markanten Marke BUTT finden Partys in San Francisco, New York, Berlin, Sao Paulo und diversen anderen Städten statt. Dazu passend jeweils die "Fag Maps", schwule Metropolen-Stadtführer mit alternativen Ausgehtipps.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 HinnerkAnonym
  • 01.12.2011, 21:39h
  • Wenn sich das mal nicht als vorschnell entpuppt. Bisher hat noch kein Printmagazin im Netz wirklich Geld verdient und evtl. platzt da ja schon bald die nächste "New Economy"-Blase.
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