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In Deutschland läuft "Romeos" am 8. Dezember an – zuvor gibt es Filmpremieren in Köln, Berlin und München

Unbeschwert erzählt der Film "Romeos – …anders als du denkst!" die Coming-of-Age-Geschichte eines schwulen Frau-zu-Mann-Transsexuellen, der in der Metropole Köln erstmals auf eigenen Beinen steht.

Von Dennis Klein

Lukas (Rick Okon), gerade zwanzig geworden, will die Großstadt erobern – doch während seine Homosexualität in Köln schon niemanden mehr hinterm Ofen hervorlockt, erweist sich die Tatsache, dass er als Miri geboren wurde, als ungleich größeres Hindernis. Das fängt schon beim Zivi-Wohnheim an: Hier landet er im Mädchentrakt, weil er laut Personalausweis noch kein Mann ist. Zwar hat er bereits mit geschlechtsanpassenden Operation begonnen – doch noch gibt es einen "kleinen Unterschied". Auch stören die Brüste, die er mit straffen Bandagen und schlabberigen Sweatshirts zu verstecken versucht.

Seine beste Freundin Ine (Liv Lisa Fries) lebt bereits in Köln – die Lesbe zeigt dem noch etwas unsicheren Lukas das schwul-lesbische Leben der Stadt. Im neuen Freundeskreis verguckt er sich in Fabio (Maximilian Befort), der seine Homosexualität vor seiner konservativen Familie und seinen Macho-Freunden verstecken will.

Der Debütlangspielfilm von Regisseurin Sabine Bernardi beschreibt die Nöte und Sorgen der drei Hauptfiguren ernst und mit einer guten Prise Humor. Selbst Menschen, die sich noch nie mit dem Thema Transgender beschäftigt haben, nimmt sie mit auf die Reise. Die beeindruckendsten Szenen zeigen, wie Lukas seine Körperteile abmisst und ständig in Sorge ist, nicht als echter Mann wahrgenommen zu werden. Der 22-jährige Schauspieler Rick Okon spielt überzeugend den unsicheren und beobachtenden Lukas, der immer wieder an sich selbst zweifelt. Falsche Brüsten und künstlichen Fettpolster geben dem Zuschauer einen Eindruck, wie sein Körper sich langsam verwandelt.

Youtube | Trailer

Der ehemalige Kinderstar Maximilian Befort, der in Filmen wie "Emil und die Detektive" und "Bibi Blocksberg" vor der Kamera stand, wird viele schwule Zuschauer begeistern, da er im Film seinen gut gebauten Körper mehr als ein Mal zur Schau stellt. Der männliche Fabio ist all das, was Lukas gerne sein will. Doch auch er lebt in mehr als einer Welt. Das wird in einer sehr amüsanten Szene gezeigt, in der Fabio einer Blondine namens Jacqueline seine Männlichkeit zeigen will.

Ine wiederum leidet daran, dass sie ihre beste Freundin Miri an Lukas verloren hat. Sie kommentiert seine Veränderung und seine Macho-Allüren. Wie ihre männlichen Kollegen spielt auch Schauspielerin Liv Lisa Fries ("Schimanski – Tod in der Siedlung", "Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen") überzeugend und rundet das ungleiche Trio ab.

"Romeos" ist kein Problemfilm, der die unendliche Ungerechtigkeit der Gesellschaft aufbröseln will. Vielmehr versinken die Hauptfiguren im Kölner Nachtleben und feiern einfach, ohne wirklich zu wissen, was sie tun. Ganz nebenher werden die Schwierigkeiten von sexuellen Minderheiten gezeigt; etwa wenn Lukas einen Beamten trifft, der ihm den Wechsel ins Jungenwohnheim verweigert – und ihn dabei zwischen Faszination und Ekel wie einen Freak behandelt.

Film verwirrt FSK

Dass dieses Thema nach wie vor kontrovers ist, zeigt die deutsche Altersfreigabe: Die FSK gab den Film ab 16 Jahren frei, weil die Storyline mit einer "verzerrten Realität" Jugendliche desorientieren könnte (queer.de berichtete). Die FSK ist übrigens die selbe Organisation, die knallharten heterosexuellen Sex-Klamauk wie "American Pie" regelmäßig schon für Zwölfjährige freigibt. Die Deutsche Film- und Medienbewertung zeigte sich weniger verwirrt von sexuellen Minderheiten: Sie verlieh "Romeos" das Prädikat "wertvoll", weil der Film "ein großartiges Plädoyer für mehr Toleranz" sei.

Anders als bei Transgender-Filmen wie "Boys don't Cry" wird hier nicht mit Schock- oder Sexszenen auf die Problematik aufmerksam gemacht, sondern erzählt wird einfach die Geschichte eines Jungen, der mit einem Kölsch in der Hand seinen Platz in der Welt finden möchte. Zwar wiederholen sich besonders am Ende die Themen zu oft, was dem Film manche Längen gibt. Hier hätte eine straffere Erzählweise sicher nicht geschadet. Auch scheinen manche Nebenfiguren – etwa die süddeutschen Mitbewohner im Ziviwohnheim – ein wenig arg klischeebeladen zu sein. Dennoch ist es Regisseurin Sabine Bernardi gelungen, die Welt der Protagonisten leicht und locker zu beschreiben.

Filmpremieren

"Romeos" läuft am 8. Dezember deutschlandweit an. Zuvor gibt es Filmpremieren in Köln, Berlin und München:

Köln: Samstag, 3.12., 20 Uhr, Filmforum im Museum Ludwig
Hauptdarsteller Rick Okon, Regisseurin Sabine Bernardi sowie fast das gesamte Romeos-Team werden anwesend sein.
Berlin: Montag, 5.12., ca. 22:00 Uhr, Kino International
Anwesend sein wird u.a. die Regisseurin Sabine Bernardi.
München: Montag, 5.12., 21:15 Uhr, City-Kinos
Mit Glühwein- und Lebkuchen-Empfang vor Filmbeginn im Hof des Kinos.
Galerie:
Romeos
9 Bilder


#1 mario89Anonym
  • 02.12.2011, 22:14h
  • Im Abspann des Trailers steht, dass es ne ZDF-Co-Produktion ist - cool, dann läufts ja bald im TV - hier auf dem platten Land läuft der nämlich 100pro nirgends im Kino
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#2 David ZAnonym
  • 03.12.2011, 10:58h
  • Vor allem hoffe ich, dass die FSK ihre homophobe Altersfreigabe korrigiert.

    Wenn Heteros sich durch die Gegend huren, ist das für die FSK kein Problem, aber die Darstellung von Homosexualität soll angeblich Jugendliche verwirren.

    Daran sieht man, dass die Kirchenvertreter und andere Ewiggestrige bei der FSK das Sagen haben.
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#3 SebiAnonym
  • 04.12.2011, 14:59h
  • Antwort auf #2 von David Z
  • Volle Zustimmung.

    Da gibt es mal einen intelligenten Film und dann übersteigt er wohl den geistigen Horizont der FSK.

    Ich sag ja immer:
    wir leben zwar alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont.
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#4 AchilleusProfil
  • 16.11.2017, 18:41hDuisburg
  • Ich hätte den Film auch erst mit 16 freigegeben.

    Es handelt sich wohl um eine schwule B-Komödie, in der das Thema Transsexualität nur beiläufig und völlig unrealistisch behandelt wird.

    Solche Filme gibt's wie Sand am Meer, sie werden direkt für die DVD-Ecke bei KiK oder Aldi produziert.

    Einen Frau-Mann-Transsexuellen von einem jungen männlichen Schauspieler darstellen zu lassen, das sagt ja schon genug.

    Da könnte man ja auch einen Klischee-Schwulen in Dallas oder Denver Clan als Errungenschaft feiern. Tatsächlich ist's: Seichte Unterhaltung für ein erwachsenes Zielpublikum.
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#5 TheDadProfil
  • 16.11.2017, 23:53hHannover
  • Antwort auf #4 von Achilleus
  • ""Da könnte man ja auch einen Klischee-Schwulen in Dallas oder Denver Clan als Errungenschaft feiern.""..

    Hat man..
    Ist wahrscheinlich an Deinem Lesezirkel der klassischen Griechen ebenso vorbei gegangen wie die Information das dieser Thread bereits 6 Jahre alt ist..

    Was natürlich grundsätzlich in das Konzept paßt..
    Kleiner Tipp..
    Es gibt hier in den Annalen noch sehr viel älteres was der Kommentierung aus der Sicht des Heute harrt..
  • Antworten » | Direktlink »
#6 ursus
  • 17.11.2017, 15:17h
  • Antwort auf #4 von Achilleus
  • mir hat "romeos" recht gut gefallen und mich auch sehr berührt. dass das thema transsexualität "nur beiläufig" behandelt werde, ist unsinn. das ist ein zentrales thema der handlung.

    "Solche Filme gibt's wie Sand am Meer, sie werden direkt für die DVD-Ecke bei KiK oder Aldi produziert."

    haufenweise filme mit trans-jugend-thematik bei aldi? ich bin immer wieder erstaunt über die vielfalt an offenbar leicht zugänglichen paralleluniversen.
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