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Almodóvar am Set: Der schwule Regisseur verarbeitete häufig die tragikomischen Schicksale von Huren, Transvestiten und Transsexuellen (Bild: Taschen Verlag)

Im Taschen Verlag ist eine ausführliche Studie zum Gesamtwerk des schwulen Regisseurs erschienen.

Von Carsten Weidemann

"Un film de Almodóvar": Ob diese Zeile in seinen stylischen Filmvorspannen erscheint oder auf dem suggestiven Plakat, das ausnahmslos zu jedem seiner Filme gehört, sie weckt die unterschiedlichsten Erwartungen. Sexy und subversiv, bunt und kontrovers, leidenschaftlich und provokativ - Pedro Almodóvars Welt ist mit der anderer Regisseure nicht zu vergleichen. Dank seines auf bemerkenswerte Weise zusammenhängenden und stimmigen Werks wurde der Nonkonformist aus La Mancha zu einem glaubwürdigen Markenartikel, sein Name ist Synonym für visuelle Opulenz, Experimentierfreude und die Erotik des spanischen Kinos der Nach-Franco-Ära.

Eine visuelle Odyssee durch Almodóvars Gesamtwerk


Pedro Almodóvar probt mit Rossy de Palma und Verónica Forqué am Set von "Kika" (1993) (Bild: Taschen Verlag)

Almodóvar kam mit selbst verfassten, die Geschlechterrollen durcheinanderwirbelnden Filmgeschichten zu Ruhm, in denen die oft komischen Missgeschicke von Junkies, Nonnen, Hausfrauen, Huren, Transvestiten und Transsexuellen dargestellt werden. Von Kritikern gepriesen, von Filmemacherkollegen unterstützt, von Schauspielern verehrt und mit internationalen Auszeichnungen bedacht, ist der schwule Regisseur mit Streifen wie "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs", "Alles über meine Mutter", "Sprich mit ihr" und "Volver" der erfolgreichste spanische Filmemacher seit Luis Buñuel.

Almodóvar, ein autodidaktischer Autorenfilmer, greift auf so unterschiedliche Einflüsse zurück wie Douglas Sirk, Frank Tashlin, Andy Warhol und John Waters. Für seine Spielfilme holt er sich freimütig Anleihen bei traditionellen Genres des klassischen amerikanischen Kinos - beim Film noir, bei Melodramen und Screwball-Komödien - und verkehrt sie oftmals in ihr Gegenteil. Gleichwohl bleiben sie eindeutig iberisch, sind vor allem im vom Regisseur so geliebten Madrid angesiedelt und spüren zum Rhythmus Bolero-durchsetzter Soundtracks spanischen Mythen und der Moderne nach.

Das enfant terrible der Filmkunst der 1980er-Jahre


Das endgültige Cover der deutschen Ausgabe. Arbeitstitel war "Pedro Almodóvar: Sämtliche Filme"

Vor einigen Jahren reifte das enfant terrible der Filmkunst der 1980er-Jahre zu einem Regisseur heran, dessen allseits für seine emotionale Tiefe, Raffinesse und Kunstfertigkeit gelobtes Werk "Alles über meine Mutter" mit einem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde. Almodóvars unverwechselbares, einst noch randständiges Universum hat endgültig das große Publikum erreicht.

Pedro Almodóvar hat dem Kölner Taschen Verlag uneingeschränkten Zugang zu seinen Archiven gewährt und die Erlaubnis erteilt, bislang nie veröffentlichte Aufnahmen, darunter auch Fotos, die er selbst während der Dreharbeiten machte, in das Buch aufzunehmen. Almodóvar hat nicht nur die Bildunterschriften der Fotos verfasst, sondern auch prominente spanische Autoren gebeten, eine Einleitung zu jedem seiner Filme zu schreiben - und darüber hinaus zahlreiche eigene Texte ausgewählt, die nun dieser visuellen Odyssee durch sein Gesamtwerk beigegeben sind.

Das Buch enthält insgesamt über 600 Bilder, darunter viele bislang unveröffentlichte, sowie einen Original-Filmstreifen von "Volver" aus Almodóvars Archiv.

Paul Duncan, Bárbara Peiró (Hrsg.): Das Pedro Almodóvar Archiv, Hardcover, 41.1 x 30 cm, 410 Seiten, Taschen Verlag, Köln 2011, 150 € (ISBN 978-3-8365-0282-5)