Nach Protesten unter anderem von Volker Beck und des LSVD hat sich die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) für "diskriminierende Formulierungen" in ihrer Begründung der Altersfreigabe des Films "Romeos" entschuldigt.
Die FSK veröffentlichte am Dienstag eine Stellungnahme mit der offiziellen Begründung zum Kinostart, in der sensibler argumentiert wird als in der ursprünglichen Bewertung. Die von der Regisseurin publik gemachte Fassung sei nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, schreibt die FSK weiter, die an der Einstufung des Films als geeignet für Jugendliche ab 16 Jahren festhält. Bereits gegen die ursprüngliche Klassifizierung vom 5. September 2011 sei keine Berufung durch die Filmfirma eingelegt worden.
Die Geschichte über das Hadern des jungen Transmannes Lukas mit seiner Identität und der ersten Liebe biete eine "feinfühlige Sicht auf Fragen der sexuellen Selbstverwirklichung auf dem Weg zum Erwachsenwerden", heißt es nun in der offiziellen Bewertung. "Die Irrungen und Wirrungen, die Lukas dabei durchleben muss, das Sich-Ausprobieren im sich verändernden Körper gehen einher mit dem Ausloten von persönlichen Grenzen in der Partywelt junger Erwachsener - mit Alkohol- und Drogenkonsum sowie wechselnden Partnerschaften."
Der Film stelle bewusst Fragen, ohne vorgefertigte Antworten zu geben. "Zuschauerinnen und Zuschauer sind ab 16 in ihrer persönlichen Entwicklung soweit, dass sie diese Unsicherheiten souverän gemeinsam mit der Hauptfigur Lukas bearbeiten können. 12-Jährige allerdings sind mit dieser Aufgabe überfordert." Das wird nicht jeder Kritiker der Altersfreigabe so sehen wollen. An einer Stelle verwendet die ansonsten vorsichtig formulierte Begründung den unglücklichen Begriff "schwul-lesbisches Milieu".
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Ursprünglich Desorientierung befürchtet
Trotzdem ist die neue Begründung wesentlich weniger homophob als die ursprüngliche. In ihr hieß es unter anderem: "Der Film zeigt einen leidenden jungen Menschen, der auf dem Weg der Geschlechtsumwandlung mit seinem Umfeld, mit Spott und Vorurteilen zu kämpfen hat. Damit behandelt der Film ein schwieriges Thema, welches für die Jüngsten der beantragten Altersgruppe, die sich in diesem Alter in ihrer sexuellen Orientierungsphase befinden, sehr belastbar sein könnte."
Weiter heißt es im ursprünglichen "Jugendentscheid" der FSK: "Die Schilderung einer völlig einseitigen Welt von Homosexualität im Film könnte hier zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen. Die explizite Darstellung von schwulen und lesbischen Jugendlichen und deren häufige Partnerwechsel können verwirrend auf junge Zuschauer wirken."
Regisseurin fordert eine Freigabe ab 14
Diese Begründung sei "so klar homophob, dagegen muss man vorgehen", hatte sich die Kölner Regisseurin des Films, Sabine Bernardi aufgeregt (queer.de berichtete). Als Reaktion hatte der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck die FSK in einem Brief aufgefordert, die Einstufung zu überprüfen und zu korrigieren. "Es ist nicht Aufgabe der FSK, die Auseinandersetzung von Jugendlichen mit Homo- und Transsexualität zu unterbinden", erklärte der schwule Politiker. "Vielmehr sollte sie ein Interesse daran haben, dass Filme, die zur Aufklärung beitragen und Vorurteile abbauen auch jungen Menschen gezeigt werden können."
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und geschlechtlichen Identität beginne spätestens in der Pubertät, erinnerte Beck. "Schwule, lesbische und transsexuelle Jugendliche existieren wirklich. Wenn die FSK meint, schon die filmische Auseinandersetzung mit diesem Thema sei Jugendlichen nicht zuzumuten - wie sollen Jugendliche auf die Konfrontation mit der Wirklichkeit vorbereitet sein?"
Auch der LSVD nannte in einer Pressemitteilung die Begründung "vollkommen unakzeptabel". Die Qualifizierung des privaten Umfelds von Lesben, Schwulen und Transgender als "einseitige Welt von Homosexualität" diffamiere eine ganze Bevölkerungsgruppe, so LSVD-Sprecher Manfred Bruns. Die Behauptung, diese Welt im Film zu sehen, könne zu Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen, bediene "sich des Vorurteils, Homosexualität sei ansteckend oder könne gar durch das Betrachten von Bildern übertragen werden". Der "homosexuellenfeindliche Tenor" zeige sich auch in einer "Umpolungsrhetorik (...), die wir sonst nur aus Kreisen fundamentalistischer Homosexuellenhasser kennen". Vor allem verkenne die FSK "die Nöte von homo- und transsexuellen Jugendlichen".
In einem leicht unüberlegten Blogeintrag hatte die Regisseurin die FSK noch am Wochenende unter anderem dazu aufgefordert, die verantwortlichen GremiumsteilnehmerInnen (und deren sexuelle Orientierung) bekannt zu machen und demnächst Vertreter der LGBT-Community bei Entscheidungen über Filme zum Thema zu Rate zu ziehen. Auch sei zu überlegen, ob man bestimmte Filme nicht ab 14 freigeben sollte. (nb)
Kommentare:Selbst kommentieren | Bisher 26 KommentareArtikel teilen:(mehr) Klicke hier, um Buttons undähnliche Dienste von sozialen Netzwerken dauerhaft auf queer.de anzuzeigen. Dabei werden bereits bei einem Seitenbesuch auf queer.de Daten an die Dienste übertragen. Du kannst das später wieder abschalten. Mehr Infos in den AGB.Dieser Bericht ist mir etwas wert:(Info)
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Reaktionen zu ""Romeos": FSK ändert Begründung, hält am Alter fest"
und wer interessiert sich für die homosexuellen und transsexuellen jugendlichen die in JEDEM alter, auch schon im kinderfernsehen, täglich heterosexuelle liebe und heterosexuellen liebeskummer via tv vorgelebt kriegen?
bei filmen mit homosexueller und/oder transsexueller thematik ist es umso wichtiger das diese auch schon jüngere zielgruppen erreichen, damit sich die schwulen und trans kids endlich auch mal mit fernseh- und kinodarstellern und deren identifikationssuche identifizieren können und vor allem merken, das sie nicht alleine sind!
wenn ich im zdf sehe wie sich der 7 jähriger sohn der familie in seine schulkameradin verliebt und beide kinderschauspieler dafür die dümmsten heteroklischees erfüllen müssen, indem der knirps um seine angebetete buhlen muss wie abgekupfert bei den eltern damit sich die verblödeten zuschauer , frage ich mich wer hier wen flasch beeinflusst.
"Zuschauerinnen und Zuschauer sind ab 16 in ihrer persönlichen Entwicklung soweit, dass sie diese Unsicherheiten souverän gemeinsam mit der Hauptfigur Lukas bearbeiten können. 12-Jährige allerdings sind mit dieser Aufgabe überfordert."
So ein Schwachsinn... Nach der Logik dürfte sich ein nicht geouteter Schwuler diesen Film auch nicht anschauen, weil dieser dann mit dieser "Schwulen-Thematik" überfodert wäre, weil er mit sich selbst noch nicht im reinen ist...
Außerdem: Ich habe schon mit 12 Sex
Spielchen gemacht... Mein Gott wie Prüde...
Ich wünschte ich hätte in dem alter schon Schwule Erfahrungen machen können, vielleicht
wäre dann mein Outing leichter gewesen. Aber nöööööö, hätte ein Schwuler Mann mit mir was angefangen, dann hätte der Staat und die herschende Moral gesagt : "Lass'de griffel von ihm, sonst kriegst'e ei gebatscht !"
Aber was soll's ? Gibt ja selbst in unseren Reihen Leute die DAS richtig finden, ich meine, die unbedingt verhindern wollen, das Schwule Jungs Schwule erfahrungen Sammeln...
So musste ich erst lange leiden, bis ich zu meinem Schwul sein (meinem Inneren Outing) stehen konnte..
Von FoXXXyness Profil nur für angemeldete User sichtbar
Das war klar, daß die FSK vor dem LSVD und Volker Beck einknickt und ihre Begründung ändert! Ob es dem Film eher zu- oder abträglich ist, muß jeder, der ihn sich anseht, selbst entscheiden. Eines kann ich mir jedoch nicht verkneifen:
Lieber Volker Beck,
halten Sie sich bitte in Zukunft da raus, denn die FSK schreibt ihnen ja auch nicht vor, wie Sie Ihre Arbeit zu machen haben!
Von TadzioScot Profil nur für angemeldete User sichtbar Antwort zu Kommentar #1 von tele
Super Kommentar ! Genau so isses... Jungs müssen Mädchen lieben... Oder Frauen, aber Schwul ? Gibt's nicht... Leider... "US Queer as Folk" müsste im Nachmittagsprogramm oder auf Kika laufen.
"In & Out - Rosa wie die Liebe", "Schwul", "Love and Death on Long Island", "Männer wie wir", "Get Real", "Der Verlorene Soldat", "L.I.E" und wie die Filme alle heißen... Sowas müssten Kids auch sehen dürfen...
"hm, wieso schwuler mann? du hättest doch mit gleichaltrigen jungs erfahrungen sammeln können? oder standest du mit 12 schon auf erwachsene ?"
Ähm... Wenn ich auf gleichaltirge Jungs gestanden hätte, dann wäre ich ja ein Schwuler-Päderast... Bin ich aber nicht.. Ich stand damals schon auf Männer...
Nichts das ich was gegen Päderasten hätte, warum auch ? Aber neee, 12 wär mir zu jung... Ich steh nunmal auf große Starke Männer...
Also : Wieso sollten Schwule Jungs sich in Jungs verlieben, wenn sie auf ausgewachsene Männer stehen ???? *Grübel*
"Schwul-lesbisches Milieu" ist eine unglückliche Formulierung. Aber schwul-lesbisch geprägte Stadtviertel durch besondere Straßenschilder zu kennzeichnen ist eine prima Idee, die Schwule und Lesben unglaublich voranbringt?
Von Skunki Aus Bruchsal (Baden-Württemberg) Mitglied seit 09.06.2008
Mich würde mehr interessieren, ob in dem besagten Gremium Sprachrohre der katholischen Kirche sitzen und versuchen ihre kranken, religiösen Überzeugungen, die man Homophobie nennt, als Begründung für Zensur ausüben.
Die Begründung ist Banane! Mit 11-12 Jahren lernen Kinder in Biologie wie man Kinder macht, aber mit 16 erst, was mit einem los ist, wenn man damit nicht klar kommt? Dann muß sich wohl erst wieder ein Jugendlicher umbringen, damit etwas passiert? Das ist es, was die FSK billigend in Kauf nimmt.