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Afrikanisches Tabuthema

Eine schwule Geschichte aus Simbabwe


Tendai Huchus Roman greift ein großes afrikanisches Tabuthema auf

Der Roman "Der Friseur von Harare" von Tendai Huchu führt Ängste und Stimmungen zum Thema Homosexualität plastisch vor Augen.

Von Klaus Jetz

Homophobe Strafgesetze gibt es in 36 der 54 afrikanischen Staaten. Simbabwe zählt zu den schlimmsten Verfolgerstaaten, einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Männern können mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. Zudem hetzt der Potentat Mugabe regelmäßig gegen Lesben und Schwule. Im vergangenen Jahr bezeichnete er Homosexualität als "teuflisch" und als "Geisteskrankheit", die die nationale Einheit vernichten könne.

Da überrascht ein Roman wie "Der Friseur von Harare", der im letzten Jahr in Simbabwe und nun in deutscher Übersetzung im renommierten Peter Hammer Verlag erschienen ist. Der Autor Tendai Huchu wurde 1982 in Simbabwe geboren. "The Hairdresser of Harare" ist sein erster Roman und der greift neben vielen anderen gesellschaftlichen Themen auch das, so sein deutscher Verlag, "große afrikanische Tabuthema Homosexualität" auf. Tendai Huchu lebt heute in Edinburgh.

Antischwule Gewalttaten sind gang und gäbe

Dumisami (kurz Dumi) ist jung, "gut gebaut, schön anzuschauen" und schwul. Ein außergewöhnlich begabter Friseur, jemand, der sein Handwerk versteht. Er heuert im chicsten Salon von Harare an, und schon bald spannt er seiner jungen Kollegin Vimbai, eine von ihrer Familie verstoßene, alleinerziehende Mutter und Ich-Erzählerin im Roman, die wichtigsten Kundinnen der High Society aus. Eigentlich hatte Vimbai immer geglaubt, eine Kundin sei erst dann zufrieden, wenn sie das Gefühl habe, den Salon als Weiße zu verlassen. Ihr neuer Kollege und dessen Erfolgsrezept belehren sie eines Besseren.

Zwar spielen all die sozialen und politischen Themen wie Arbeitslosigkeit und Verelendung, Inflation und Überlebenskampf, Rassismus und Gewaltbereitschaft, Korruption, Willkürherrschaft und Repression eine zentrale Rolle im Roman. Im Mittelpunkt aber steht das Phänomen der staatlich verordneten und gesellschaftlich weit verbreiteten Homophobie. Dem Autor gelingt es, den Leserinnen und Lesern die Ängste und Stimmungen zum Thema Homosexualität in Simbabwe plastisch vor Augen zu führen. Antischwule Gewalttaten sind gang und gäbe, werden nicht geahndet, sondern staatlich gefördert.

Dumi kann sein Doppelleben nicht länger fortführen


Tendai Huchu wurde 1982 in Bindura/Simbabwe geboren und ging in Harare zu Schule. Heute lebt er als Podologe in Edinburgh/Schottland

Die Spannung im Roman steigt von Seite zu Seite, vor allem als Dumi bei Vimbai einzieht. Er sieht in ihr die beste Freundin, macht sich im Haushalt nützlich und kümmert sich um die Tochter, doch Vimbai verliebt sich in Dumi. Gebannt verfolgen wir Dumis Doppelleben, seine Affären, Eskapaden, Liebschaften. Wir ahnen Böses. Irgendwann kann der Protagonist sein Versteckspiel Vimbai gegenüber nicht länger fortführen. Es kommt zur Katastrophe.

Wie groß die Tabuisierung gleichgeschlechtlicher Liebe in Simbabwe noch immer ist, zeigt die Reaktion der aufgeklärten und modernen Ich-Erzählerin, als sie erfährt, dass Dumisami schwul ist. Ihre Worte zeugen von Unkenntnis, Vorurteilen, grenzenloser Naivität. "Auf diesen Schlag war ich nicht vorbereitet. Dumi sprach wie ein normaler Mann, er kleidete sich so, und er ging auch wie ein normaler Mann. Alles an ihm war männlich. Spazierten den Homosexuelle nicht mit Handtaschen durch die Gegend und sprachen schrill, mit Piepsstimmen?"

Huchu schreibt voller Humor und treibt die Spannung auf den Gipfel. Er fesselt seine Leserinnen und Leser bis zum Schluss. Zwar fehlt ein wirkliches Happy end, aber eine positive Entwicklung gibt es im Roman dennoch: Vimbai stellt Selbstbetrachtungen an, bedauert aufrichtig ihr Fehlverhalten, durchläuft eine Katharsis. "Ihm (Dumi) verdanke ich die Zuversicht, dass nicht alle Männer schlecht sind auf der Welt."

Tendai Huchu: Der Friseur von Harare, Roman, gebunden, 280 Seiten, Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2011, 19,90 €, ISBN: 978-3-7795-0358-3

Unser Autor

Klaus Jetz ist Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD). Seine Rezension erschien zuerst im LSVD-Blog.


#1 schwulenaktivist
#2 Geert
#3 meet the pressAnonym
#4 NilsAnonym
  • 08.12.2011, 09:53h
  • Simbabwe ist ein Beispiel, wie ein Diktator seine persönliche Meinung zur Staatsmeinung macht und dem Volk aufzwingt.

    Und die lassen sich das auch noch bieten und glauben das, weil ihnen die Bildung fehlt, das zu durchschauen.

    Da sieht man wieder mal, dass alles mit Bildung steht und fällt. Bildung ist das wichtigste und die beste Hilfe.
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 08.12.2011, 18:58h
  • Gut, daß der Autor in Schottland lebt und nun sein Buch veröffentlichen kann. In seinem Heimatland wäre es mit Sicherheit zensiert oder verbrannt worden! Mugabe traue ich alles zu!
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#6 hilfscheckafoxxxAnonym
  • 08.12.2011, 19:32h
  • Antwort auf #5 von FoXXXyness
  • Das kannst du aber echt laut sagen, finde ich! Dem "feinen Herrn" (ist der gar nicht!) Mugabe ist wirklich alles zuzutrauen! Wie der sich in alles einmischt und Zwietracht säht! Ähnlich, nur anders: Volker Beck!
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#7 schwulenaktivist
  • 26.01.2012, 21:46h
  • Bildung fehlt leider auch sehr vielen, wenn nicht den meisten Schwulen!! Siehe auch das nahe liegende... ;)
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