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Am Ende einer langen Reise: Popsänger Tiziano Ferro (Bild: Wiki Commons / riverblog / CC-BY-2.0)

Vor einem Jahr kam der italienische Popsänger aus dem Schrank - jetzt spricht er in einem Interview erstmals über Details und die Folgen.

Von Carsten Weidemann

Tiziano Ferro hat sein Coming-out nicht bereut, im Gegenteil: "Das war der beste Schritt meines Lebens", sagte der italienische Popsänger in einem Interview mit der Schweizer Zeitung "Blick". Ferro hatte sich im Oktober 2010 im Alter von 30 Jahren als schwul geoutet (queer.de berichtete), danach war es jedoch lange Zeit still um ihn.

Heute gehe es ihm "super", sagte der Sänger nun dem Blatt. "Ich bin endlich am Ende einer langen Reise, die ich nur mit Hilfe einer Psychotherapie machen konnte. Ich glaube zwar niemandem, der behauptet, dass er nach einem Jahr Therapie bereits völlig gesund ist. Doch ich fühle mich zurzeit sehr stark. Und ich stehe morgens gerne auf."

Die Therapie sei notwendig gewesen, weil er sich schuldig fühlte, schwul zu sein. Auch mit seiner Familie habe er früher nicht über seine Gefühle sprechen können, erklärte Ferro. "Weil ich mich wegen meiner Sexualität weniger wert fühlte als die anderen. Dadurch bin ich schwer krank geworden. Schliesslich war ich nicht mal mehr fähig, morgens aus dem Bett zu steigen. Ich hatte keinerlei Energie mehr. Ich sah alles nur negativ. Sah nur noch schwarz. Ich fiel in eine sehr schwere Depression."

Ferro lobt Familie, kritisiert Papst und Berlusconi


Ferro outete sich im Oktober 2010 in der italienischen Ausgabe von "Vanity Fair"

Seine Familie habe schließlich positiv auf sein Coming-out reagiert: "Es gibt keine schlechten oder bösen Menschen, sondern nur Unwissende. Meine Familie war bereit, mir zuzuhören und zu lernen", erklärte der Sänger. Seine Mutter habe sogar gemeint, dass er ihr einen großen Gefallen getan habe: "Sie hat mich zu viele Jahre unnötig leiden gesehen."

Tioziano Ferro kritisierte in dem "Blick"-Interview sowohl den Papst als auch den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. "Ich bin gläubiger Katholik. Und ich wuchs in einem Land auf, wo Kleriker und Politiker täglich im TV behaupten, dass Homosexualität böse sei", sagte der Sänger in Richtung Vatikan. Berlusconis Spruch wiederum, dass es besser sei, ein Faible für junge Frauen zu haben als homosexuell zu sein, habe ihn "persönlich sehr verletzt". In Italien lebten Tausende junger Menschen, die mit ihrer Identität kämpfen, so Ferro. "Berlusconi hat mit seiner dummen Aussage alle geohrfeigt. Endlich ist er weg!"

Auf seine Fans hingegen ist der Sänger stolz. "Ich hätte nie gedacht, dass meine Homosexualität so gut von den Fans aufgenommen wird", sagte Ferro. "Hätte ich das gewusst, hätte ich mir sehr viel Leid erspart."



#1 Geert
  • 11.12.2011, 13:14h
  • Italien ist DAS westeuropäische Land, in denen es den Schwulen auch noch im Jahre 2011 dreckig geht. Wie homophob diese Gesellschaft ist, kann man selbst als schwules Paar erleben, wenn man bestimmte italienische Restaurants in Deutschland besucht, wo man dann die Abneigung deutlich zu spüren bekommt. Italien ist weiterhin eine Machogesellschaft, wo die Männer immer noch meinen, ständig die Frauen anbalzen zu müssen. Werden Schwule in Italien oder in deutschen italienischen Restaurant dennoch mal freundlich behandelt, will man nur an ihr Geld. Ausnahmen bestätigen natürlich wie überall die Regel.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 11.12.2011, 13:48h
  • Hoffentlich macht Tiziano bald wieder Musik, denn sein Song "Perdono" ist schon einige Zeit her.
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#3 seb1983
  • 11.12.2011, 13:56h
  • Antwort auf #1 von Geert
  • Also tatsächlich siehts für Schwule in Italien für europäische Verhältnisse schlecht aus.
    Um in einem italienischen Restaurant hier oder dort unfreundliche bedient zu werden muss man aber nicht unbedingt schwul sein, das können die auch so ganz gut und wollen trotzdem dein Geld
    Schlimmer noch: Auch der Besitzer der deutschen Currywurst-Bude um die Ecke ist selten wirklich menschlich an dir interessiert sondern will in aller Regel auch nur dein Geld
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#4 Geert
  • 11.12.2011, 14:09h
  • Antwort auf #3 von seb1983
  • Jedes Restaurant will an unser Geld. Aber während man zum Beispiel in asiatischen Restaurants neutral-freundlich behandelt wird, können Italiener ihre Abneigung gegen schwule Paare kaum verstecken. Ich möchte zumindest neutral behandelt werden!
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#5 seb1983
  • 11.12.2011, 14:15h
  • Antwort auf #4 von Geert
  • Das ist eben ein Mentalitätsunterschied, ich kenne Italien recht gut und spreche die Sprache auch. Gefühlsausbrüche sind da an der Tagesordnung und werden auch so gezeigt.
    Der Asiate würde noch freundlich und neutral lächeln während du ihm die Hand abhackst.
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#6 NichiAnonym
  • 11.12.2011, 14:32h
  • "...."Ich bin gläubiger Katholik. Und ich wuchs in einem Land auf, wo Kleriker und Politiker täglich im TV behaupten, dass Homosexualität böse sei", sagte der Sänger in Richtung Vatikan. ..."

    Hier eine Variante:

    Kommunist, Katholik und ein Lieblingsfeind Berlusconis

    Nichi Vendola ist einer der ersten italienischen Politiker, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekannten. Dennoch brachte er es im traditionell katholisch dominierten Süditalien zu großer Popularität.

    1972 trat Vendola dem Jugendverband der KPI bei, dessen Sekretariat er von 1985 bis 1988 angehörte. 1990 wurde er Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Italiens (KPI). 1991 beteiligte er sich an der Gründung der Rifondazione Comunista. Als Parlamentsabgeordneter arbeitete Vendola in der Kommission zur Bekämpfung der Mafia. Bekannt wurde er überdies durch sein Engagement in der Liga gegen Aids und im schwul-lesbischen Kulturverband ARCIgay. Als gläubiger Katholik ist Vendola seit langem mit der christlichen Friedensbewegung verbunden. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört weiterhin der Einsatz für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Behinderten, psychisch Kranken und Gefangenen.

    de.wikipedia.org/wiki/Nichi_Vendola
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#7 Geert
#8 queer archivAnonym
  • 11.12.2011, 15:11h
  • Antwort auf #6 von Nichi
  • Italien: Homo gewinnt Vorwahlen

    www.queer.de/detail.php?article_id=2324

    Damit gelangte durch das Votum der Basis erstmals ein Kommunist an die Spitze eines Mitte-links-Bündnisses. Aus der Regionalwahl vom 3./4. April 2005 ging Vendola siegreich als neuer Präsident von Apulien hervor. Am 28./29. März 2010 wurde er im Amt bestätigt.

    Besonders die jungen Italiener verbinden viele Hoffnungen mit ihm. Sie mögen Vendola, weil er unkonventionell auftritt und genauso unkonventionell lebt. Er ist gläubiger Katholik und Homosexueller, er ist links, aber nicht von gestern. Apulien steht, seitdem Vendola regiert, deutlich besser da als andere Regionen des Südens: Umweltschutz und Mülltrennung sind keine Fremdwörter, ebenso wie nachhaltiger Tourismus. Und die Mafia ist nicht so mächtig wie in Kalabrien oder Kampanien. Lokale Traditionen werden gepflegt, gleichzeitig bieten selbst in den abgelegensten Dörfern die Kommunen den Bürgern freies Internet.

    Die taz zitierte Vendola im Oktober 2011 mit den Worten:

    „In Italien nennt man die politische Klasse eine "Kaste", das ist falsch.

    Die Politik ist nur der Wachposten des internationalen Finanzbusiness.

    Die alte radikale Linke hat sich genauso überlebt wie die reformistische.

    Was ich will, ist eine neue postideologische, pluralistische, populäre Linke, die sich vor allem auf das Neue, auf die Jungen und ihre Sprache einlässt."
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#9 EnyyoAnonym
  • 11.12.2011, 15:39h
  • Antwort auf #6 von Nichi
  • Das betrifft nicht nur Vendola sondern auch Ferro (bzw. alle katholischen Schwulen): schliessen sich "gläubiger Katholik" und "selbstbewußter Homosexueller" nicht per se aus?

    Christ sein ist grundsätzlich gut und schön aber ausgerechnet die vom Selbsthass und alten Ideologien bestimmte Variante aus Rom?
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#10 VoyagerAnonym