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Sprödes Layout dank prüder Apple-Vorgaben: der knackige Coverboy ist verschwunden (Bild: Screenshot)

Liebling, ich habe den Gay Guide geschrumpft! Die Bibel für den schwulen Reisenden gibt es jetzt endlich als App fürs iPhone. Wir haben sie getestet.

Von Christian Scheuß

Wie hieß es noch in der Werbung? "Es gibt für fast alles eine App." Stimmt, nur für den schwulen Reisenden, da fehlte bislang noch was. Der musste sich, wie gehabt, den jährlich neu aufgelegten Spartacus Gay Guide, einen Wälzer mit über tausend Seiten, für teures Geld zulegen. Oder mit dem Exemplar des Freundes in den nächsten Copyshop rennen, um die Listen für den nächsten Trip nach Gran Canaria zu kopieren. 60.000 gedruckte Exemplare gehen derzeit weltweit noch über den Ladentisch. Ein Buch, fast so begehrt wie die Bibel, trotz aller Nachteile, die das geduldige Papier mit sich bringt: Mit Erscheinen jeder neuen Edition ist ein Teil der über 20.000 Einträge bereits veraltet, Ortsmarker in den mitgelieferten Karten sind nicht selten ungenau, und 95 Prozent der Seiten sieht man sich eh nie an, weil man nun mal nicht den gesamten Globus, sondern nur ein paar Länder bereist.

Anfang Dezember nun hat der schleichende Anfang vom Ende der Printversion mit dem Launch der App für das iPhone begonnen. Die geballten Daten der schwulen Welt wiegen jetzt nur noch rund 140 Gramm, soviel eben wie das Smartphone. Sie sind in wenigen Minuten aus dem Netz heruntergeladen und kosten statt rund 25 nur noch knapp die Hälfte. Wer sich mit Europa begnügt, kriegt den Guide bereits für 6,99 Euro. 

Der Weg vom alten zum neuen mobilen Medium war ein langer, wie Projektleiter Robert Gieseler aus der Spartacus-Redaktion zu berichten weiß. Zu optimistisch hatte der Bruno Gmünder Verlag bereits im Frühjahr 2011 mit großen Anzeigen für die App getrommelt, es folgte monatelanges betretenes Schweigen. "Wir betreiben derzeit Pionierarbeit, und dabei ist es zu vielen unerwarteten Verzögerungen gekommen", erklärt Gieseler. Zunächst hatte man mit einem Software-Entwickler zu tun, der zum ersten Mal ein solch umfangreiches Projekt umzusetzen hatte und für den die schwule Welt Neuland war. Erst im Juli gab es eine Version, die nach Ansicht aller marktreif war. Danach stellte sich Apple quer. Das amerikanische Unternehmen ist berüchtigt für seine undurchschaubaren Arbeitsabläufe bei der Prüfung neuer Apps, und noch genauer sehen die selbsternannten prüden Zensoren bei Software für die schwule Zielgruppe hin. Am 10. Dezember gab es endlich grünes Licht. Die Spartacus-App hat jetzt eine Altersfreigabe "ab 4 Jahren", ist damit so harmlos wie "Angry Birds" und kann weltweit im App-Store erworben werden.

Über 20.000 schwule Adressen in der Hosentasche


Geile Bar? Den Freunden empfehlen. Miese Bar? Die nächste suchen (Bild: Screenshot)

Die Software selbst ist kostenlos, zum Ausprobieren gibt es die Daten von Südafrika frei Haus. Die Pakete "Amerika, Afrika, Asien, Ozeanien", "Europa" oder "Welt" erwirbt man als einjähriges Abo mit monatlichen Updates, die man jeweils herunterladen kann. Sämtliche Listings lassen sich auch ohne Internetverbindung durchsuchen, Bilder und Karten landen Online auf dem Handy und verbleiben dort, auch wenn man offline ist. Durch diesen einfachen Trick, so Robert Gieseler, bekommt man alle Infos auch ohne Internet- oder 3G Verbindung: "So kann ich meine Reise vorbereiten, ohne teure Roaminggebühren bei der Onlinenutzung zu riskieren. Im Hotelzimmer mit freiem W-LAN lade ich mir die Karten und Fotos bereits auf das iPhone. Anschließend kann ich mich per GPS-Navigation zur richtigen Stelle lotsen lassen."

Auch sonst wirkt die App gut durchdacht. Die Suche ist sehr fein einstellbar nach Adressen in der näheren Umgebung oder nach Motivationslage (Wer ficken will, drückt den Button "Lust", wer feiern möchte, auf "Tanzen"). Das bekannte Spartacus-Codesystem mit seinen vielen Abkürzungen macht nun endlich Sinn, weil es unter dem jeweiligen Eintrag samt Erklärung zu sehen ist.

Sehr gut: User können mit Sternen die Qualität der Lokalitäten bewerten. Falsche oder fehlende Einträge lassen sich noch unterwegs mit einer Mail an die Redaktion korrigieren, damit sie beim nächsten Update geändert werden. Als neues Element gibt es eine Termindatenbank. Neben redaktionell aufbereiteten, international wichtigen Events wie CSDs sollen künftig die Betreiber von Bars und Clubs ihre Termine über eine Webseite eintragen und pflegen können. "Wir möchten in Zukunft bei den Terminen so umfangreich und detailliert sein, wie es zum Beispiel die Siegessäule in Berlin ist", bestätigt Projektleiter Gieseler. Eine Kampfansage an die schwulen Stadtmagazine. Die erste Version gibt es in deutscher und englischer Fassung, weitere Sprachen sollen ebenso folgen wie die Herausgabe des Guides für das Betriebssystem Android.

Apple bestätigt: Dieser Gay Guide ist geeignet für Kinder ab vier Jahren


Bug? Die GPS-Satelliten hängen noch über Thailand, wir bekamen dennoch keine Lokalisierung hin. (Bild: Screenshot)

Trotz der langen Entwicklungszeit, die Pionierarbeit ist noch nicht vorbei. So zeigte der erste Probelauf auch die Schwächen der App auf. Mal abgesehen davon, dass sie nicht besonders schick wirkt - ein guter Grafiker müsste an viele Stellen nochmal ran - ist die Bedienbarkeit hier und da nicht optimal. Teilweise gibt es zu kleine, uneindeutige oder schwerfällig reagierende Schaltflächen. Die Länder- und Städteauswahl ist umständlich, bei Metropolen wie Bangkok sogar irreführend.

In Asien und Afrika kann man sich derzeit nicht darauf verlassen, auf der Karte die richtigen Stellen angezeigt zu bekommen. "Es gibt rund 800 Ortseinträge, die wir nur manuell vornehmen können. Das wird mit dem nächsten Update korrigiert sein", beruhigt Gieseler. Was bei Google Maps kein Problem ist, schlug bei der Spartacus App fehl: Die genaue Lokalisierung meines derzeitigen Standortes in Bangkok. In Deutschland sei dieser Fehler bislang nicht aufgetreten, heißt es dazu aus Berlin.

Das momentan größte Manko will Robert Gieseler nicht verschweigen: "Wer bereits IOS 5 auf seinem iPhone laufen hat, der kann die App derzeit nicht nutzen." Das Betriebssystem-Update wäre durch Apple genau in der Zeit erfolgt, als noch die umständliche lange Prüfungsprozedur zur Freigabe lief, erklärt er. Um weitere Zeitverzögerungen zu vermeiden, wollte man erst danach mit einem Update die App fit machen für IOS5. Wenn Apple es hinbekommt, wird dies noch vor Weihnachten geschehen.

Nachtrag: Die App ist in aktualisierter Fassung und lauffähig für iOS5 wieder im Store zu bekommen.



#1 CarstenFfm
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 REINIBEARProfil
  • 16.12.2011, 19:17hFrankfurt
  • Saftiger Preis für recht ungeprüfte Daten.. jeder kennt das aus der Printversion:... man findet endlich den Laden am anderen Ende der Stadt und es ist schon seit 4 Jahren hetero oder jetzt ne Pizzeria.. oder es sind nur Schlangentänzerinnen da...
    wenn am Anfang schon viele bugs drin sind.. werd ich nicht so viel Geld ausgeben.. da gibts bestimmt was von Ratiopharm..
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