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"Selbstbildnis eines Jünglings"

Ein Klassiker der Coming-out-Literatur


Edmund White zählt heute zu den bedeutendsten schwulen Autoren des 20. Jahrhunderts (Bild: Wiki Commons / David Shankbone / CC-BY-SA-3.0)

Mit dem autobiografischen Roman "Selbstbildnis eines Jünglings" gelang Edmund White im Jahr 1982 der Durchbruch als Autor.

Von Carsten Weidemann

Diese Geschichte einer Kindheit in den USA ist ein Klassiker, wenn nicht gar Meisterwerk der Coming-out-Literatur: Mit seinem autobiografischen Roman "Selbstbildnis eines Jünglings" konnte Edmund White im Jahr 1982 seinen Durchbruch als Autor feiern. In einer ganz eigenen Mischung aus erotischer Offenheit, poetischer Gefühlsdichte und klarsichtiger Analyse der gesellschaftlichen Umbrüche erweist sich White als Chronist des schwulen Lebens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

In "Selbstbildnis eines Jünglings" porträtiert Edmund White in einem unaufgeregten, ruhigen Ton das Schwulwerden eines Jungen im Mittleren Westen der 1950er Jahre. Die Klassenkameraden machen sich über die Hauptfigur lustig, weil er sich - anders als sie - mit Literatur und Kunst beschäftigt. Aber Literatur und Kunst stellen für demn Jungen Quellen der Inspiration dar.

Der Wunsch, Macht über einen Mann auszuüben


In der Reihe "Die Besten" des Bruno Gmünder Verlags ist eine Neuausgabe von Whites Roman erschienen

Autobiografische und fiktive Elemente sind ineinander gewoben; die nüchterne Weltsicht eines intelligenten Jungen, der selbst seinen imaginären Freunden mit Zurückhaltung begegnet, steht im Kontrast zu seiner Sehnsucht nach einem Leben, in dem er Bewunderung und Liebe findet. Die hilflose Ohnmacht, die er immer wieder spürt, weckt in ihm den Wunsch, Macht über einen Mann auszuüben, so wie es der gleichaltrige Tadzio in Thomas Manns "Der Tod in Venedig" tut.

Whites Roman ist ebenso schillernd wie klug. Aus brillanten Nahaufnahmen fügt er ein erstaunliches, bewegendes und oft auch witziges Ganzes zusammen. Das Erstaunliche (und Erschreckende) daran ist, wie zeitlos seine Geschichte ist, wie wenig sich für uns in all den Jahren geändert hat - und wie sehr viele sich wieder erkennen können in diesem Selbstbildnis.

Edmund White, 1940 in Cincinnati, Ohio, geboren, zählt heute zu den bedeutendsten schwulen Autoren des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit anderen Autoren gründete er in den Siebzigern die Gruppe "Violet Quill", die die schwule Literatur der USA essenziell prägte. White veröffentlichte zwei Fortsetzungen von "Selbstbildnis eines Jünglings", die ebenfalls von seiner Selbstfindung berichten, sowie zahlreiche weitere Erzählungen und Romane.

Edmund White: Selbstbildnis eines Jünglings, Reihe "Die Besten" Band 1, Roman, 320 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Bruno Gmünder Verlag, Berlin 2011, 12,95 €, ISBN 978‐3‐86787‐177‐8



#1 janosAnonym
  • 27.12.2011, 18:52h
  • Lesenswert vom selben Autor: "States of Desire", weil es einen Einblick ins schwule Amerika vor dem Ausbruch von Aids gibt.
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#2 wanderer LEAnonym
  • 27.12.2011, 19:52h
  • Antwort auf #1 von janos
  • Wenn Verrückte ausgebrochen sind, kann man die doch wieder einfangen, oder? AIDS ist verrückt.

    "Staaten der Sehnsucht" habe ich seinerzeit in der DB lesen können, als einziger Quelle hierzulande. Sehr aufschlußreich für mich das Kapitel über die Situation von Schwulen im Mormonenstaat Utah.
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