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Protest gegen das geplante Gesetz in Kostroma am Dienstag

An der großen Protest-Bewegung gegen die Regierung nehmen auch Schwule, Lesben und Transgender teil. Am Dienstag werden Aktivisten bei einem Protest gegen ein geplantes "Homo-Propaganda"-Gesetz in Kostroma verhaftet.

Von Norbert Blech

Bei einer Demonstration vor dem Parlament der russischen Stadt Kostroma sind am Dienstag fünf LGBT-Aktivisten verhaftet worden. Die Abgeordneten der Region verabschiedeten später in erster Lesung einen Gesetzentwurf, der die "Werbung" für Homosexualität mit Geldstrafen belegt.

Rund zehn Aktivisten des Russian LGBT Network hatten sich am Morgen vor der Duma eingefunden, auf Plakaten war unter anderem "Stoppt das homophobe Gesetz" zu lesen. Die Aktion war nicht angemeldet, Proteste von nicht nebeneinander stehenden Einzelpersonen sind in Russland erlaubt. Die Polizei unterband die Aktion dennoch sofort und nahm fünf Personen fest, darunter Igor Koschtkow, den Vorsitzenden der Organisation. Sie wurden für mehrere Stunden festgehalten. Bereits einen Tag zuvor hatten Aktivisten in der Stadt gegen das geplante Gesetz demonstriert.

Zwei russische Regionen haben bereits "Homo-Propaganda" verboten: In Rjasan und Archangelsk können Personen aus angeblichen Jugendschutzgründen bestraft werden, die über Homosexualität berichten, informieren oder beraten, von politischem Aktivismus ganz abgesehen. Kostroma könnte folgen ebenso wie St. Petersburg: Dort hatte zwar internationaler Protest und Streit unter den Abgeordneten dazu geführt, dass ein entsprechendes Gesetz nicht mehr vor den Wahlen verabschiedet wurde, mit einem neuen Anlauf wird allerdings gerechnet.

Protest und Zwischentöne in Moskau


LGBT-Aktivisten bei der großen Demo gegen die russische Regierung am Samstag

Derweil haben Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender in größerer Zahl an den Protesten gegen die getürkte Parlamentswahl an Heiligabend teilgenommen, mit Regenbogenflaggen und Plakaten in Moskau, St. Petersburg und anderen Städten. Die Teilnahme hatte allerdings vorab und auch danach zum Streit zwischen den verschiedenen Homo-Organisationen Russlands geführt.

Bereits vor rund zwei Wochen hatten LGBT-Aktivisten an dem großen Protest in der Moskauer Innenstadt teilgenommen - und wurden nicht gerade freundlich aufgenommen, einige wurden beschimpft. Der ehemalige GayRussia-Chef Nikolai Aleksejew, der nach seinem Rücktritt wieder verstärkt in die Öffentlichkeit und vielleicht auch zurück an die Spitze der Organisation drängt, durfte nicht reden, ein anderer LGBT-Aktivist wurde von der Menge ausgebuht. Vom Geheimdienst mitgeschnittene Telefonate der Anführer der Opposition belegten wenige Tage später homophobe Ausbrüche der vermeintlichen Hoffnungsträger.

Aleksejew hatte daraufhin dazu aufgerufen, den großen Protest an Heiligabend zu ignorieren. Doch viele Schwule und Lesben folgten den Aufrufen anderer Organisationen wie der Rainbow Association und nahmen teil, darunter auch fast alle Mitglieder von GayRussia (privat und nicht für die Organisation, wie es auf der von Aleksejew editierten GayRussia-Webseite heißt; die Aktivisten selbst sehen das anders). Während der LGBT-Block zwischenzeitlich nach Anfeindungen die Stelle wechseln musste und ihm kein Rederecht eingeräumt wurde, kam es auch zum Streit zwischen den Aktivisten.

So beschwerte sich der Transgender-Aktivist Anno Komarow später über die "Verzagtheit" der Kollegen der Rainbow Association, die seiner Meinung nach zu vorsichtig agierten - sie seien schon ängstlich gewesen, Regenbogenflaggen zu tragen. Ein Teilnehmer habe gar ein Schild mit der Aussage "Wir wollen keine Schwulenparaden, sondern..." getragen. Die anderen LGBT-Organisationen Russlands hatten bereits in der Vergangenheit den von GayRussia organisierten öffentlichkeitswirksamen CSD in Moskau als kontraproduktiv und zu provokativ kritisiert. Anno, der GayRussia vor wenigen Tagen im Streit verlassen hat, schloß das Fazit, dass die Organisation, trotz "all der Schwächen" von Aleksejew, die einzige ernstzunehmende politische Gruppierung für LGBT-Rechte wäre.

Keine gegenseitige Unterstützung?


Igor Koschtkow (m). und seine Mitstreiter waren der Opposition in St. Petersburg nur still willkommen

Derweil beteiligten sich auch in anderen Städten Schwule und Lesben an den Protesten. In St. Petersburg bekam der LGBT-Aktivist Igor Koschtkow kein Rederecht; Mitglieder der Oppositionspartei "Gerechtes Russland" distanzierten sich von dessen Zielen, obwohl das LGBT Network noch im Vorbereitungskomitee der Proteste eingebunden war. In der Stadt Lipezk wurde es Schwulen und Lesben von der Polizei verboten, sich mit Regenbogenflaggen und Plakaten an den Protesten zu beteiligen. In Nowosibirsk wurde ein LGBT-Aktivist, der mit einer Regenbogenflagge an der Demonstration gegen die Regierung teilnehmen wollte, von Nationalisten zusammengeschlagen.

In einem Gastbeitrag für Kontury.info zog der neue GayRussia-Chef ein positives Fazit. Schwule und Lesben hätten in der "'Tahir'-Bewegung Russlands" ihren Platz erkämpft, so Nikolai Baew. Die Proteste hätten die fast vergessene Vielfalt der russischen Gesellschaft aufgezeigt. Auf der Webseite von GayRussia klingt das Fazit nüchterner: Man sei der russischen Opposition nur willkommen, solange man ihre Proteste zahlreich unterstütze und zu ihrer Wahl auffordere. Aber inhaltlich würde sie Schwule, Lesben und Transgender nicht unterstüzen.

Nachtrag/Korrektur, 28.12.: Auch Nikolai Baew, der vor wenigen Monaten die Leitung von GayRussia übernahm, hat die Organisation verlassen (s. Kommentar #5, dessen Urheberschaft bestätigt ist).



#1 dortAnonym
#2 FenekAnonym
  • 27.12.2011, 13:54h
  • Wollen wir hoffen, dass die Proteste endlich etwas zum Positiven bewegen - auch für Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle!!!
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#3 quagmireAnonym
#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 27.12.2011, 19:46h
  • Das russische Volk und die LGBT-Community lassen sich von den Regierenden nichts mehr gefallen und geht völlig zurecht auf die Straße!
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#5 AnjourProfil
  • 27.12.2011, 21:50hVoronezh
  • Страшно жить в нашей стране(((

    Furchtbar in unserem Land zu leben

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#6 alexander
#7 Nikolai BaewAnonym
  • 28.12.2011, 07:49h
  • Hallo Norbert, ein ziemlich guter Artikel, der die Situation zwischen russischen LGBT-Organisationen richtig beschreibt. Nur eine Bemerkung. Ich bin nicht mehr GayRussia-Chef. Gerade wegen meiner Auseinandersetzungen mit Aleksejew ueber Oppositionsbewegung in Russland habe ich das Projekt verlassen, ein Tag vor Oppositonsmeeting in Moskau am 24.Dezember, woran ich teilgenommen habe.
    Alles gute aus Russland! Und ein schoenes Neujahr!
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#8 insightsAnonym
#10 boulevardAnonym