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Jahresrückblick

Tiefpunkte des Jahres 2011


Unter Berufung auf das Christentum macht die CDU nach wie vor Stimmung gegen Schwule und Lesben (Bild: Sat.1)

2011 wird nicht unbedingt als bestes Jahr in die Geschichte eingehen. Welche zehn Enttäuschungen es aus schwul-lesbischer Sicht gab, hat queer.de-Redakteur Dennis Klein zusammengestellt.

Blockierer des Jahres: CDU/CSU
Wir leben zwar im Jahr 2011, in Merkels Regierungsfraktion scheinen sich viele aber nach den heimeligen 50er Jahren zurück zu sehen. Zwar bewegt sich die Union beim Atomausstieg und bei der Schulpolitik, in der Frage der Homo-Rechte scheint die Partei aber nur unter einem extremen Druck nachzugeben: Die Union verweigert derzeit als einzige Partei die Gleichstellung zwischen Lebenspartnerschaften und der (heterosexuellen) Ehe – obwohl bereits der Europäische Gerichtshof im Juli angemahnt hatte, dass Menschen auch in Deutschland nicht nur wegen ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt werden dürfen. Mitglieder der Bundesregierung wie Staatssekretärin Katherina Reiche schwadronieren lieber im Fernsehen darüber, dass gleichgeschlechtliche Paare "nicht normal" seien. Zwar gibt es auch in anderen Parteien Politiker, die etwas gegen Schwule und Lesben haben – ein Beispiel ist der Sozialdemokrat Lutz Trümper, aber keiner macht mit Blick auf ewiggestrige Wähler so systematisch Stimmung wie CDU und CSU.

Dogmatiker des Jahres: Katholische Kirche
Noch dem Missbrauchsskandal im eigenen Haus versucht die katholische Kirche offenbar alles, um die Antipathie der eigenen Schäfchen auf Homosexuelle abzuwälzen. Kein Wunder also, dass Bischöfe immer wieder Schwule mit Kinderschändern in Zusammenhang bringen wollen – wie unlängst Bischof Juan Vicente Córdoba. In die selbe Kerbe schlagen auch deutsche Bischöfe: So behauptet der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, die Homo-Ehe würde deutschen Kindern schaden. Mit Gewalt gegen Schwule haben die katholischen Würdenträger aber offenbar kein Problem: So kritisierte der Vatikan sogar eine UN-Resolution, die Gewalt gegen Homosexuelle verurteilt. Immerhin: Tausende protestierten im September in Berlin gegen den Papst.


Bushido mag keine Schwulen – trotzdem wird er für als Integrationsfigur geehrt

Homo-Hasser des Jahres (national): Bushido
Dass sich Bushido eine Welt ohne Homos wünscht, ist eindeutig: Am Rande des Transgenialen CSDs in Berlin pöbelte er er ungestraft Schwule an, in der Vergangenheit bezeichnete er Schwulsein als nicht normal und rappte: "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel". Es war ein Skandal, dass dieser Spalter 2011 mit dem Bambi für Integration ausgezeichnet wurde.

Homo-Hasser des Jahres (international): Mahmud Ahmadinedschad
Der iranische Präsident wird nicht müde, Homosexuelle auch in westlichen Medien als "abstoßend" zu bezeichnen. Im eigenen Land lässt er Schwule hinrichten. Auch 2011 gab es wieder Berichte von staatlichen Tötungen, die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt.

Sportliche Enttäuschung des Jahres: DFB
Zwar hat DFB-Präsident Theo Zwanziger im Juli die "Charta der Vielfalt" unterzeichnet, in der sich der Deutschen Fußballbund zur Gleichbehandlung aller Mitarbeiter verpflichtete, ausdrücklich inklusive der Kategorie sexuelle Orientierung. Die Wirklichkeit im DFB sah aber leider ganz anders aus: In der Schiedsrichter-Affäre Kempter/Amerell machte der Verband über Jahre hinweg eine ganz schlechte Figur. Dazu erklärte DFB-Manager Oliver Bierhoff im März, allein die Behauptung, dass ein Spieler schwul sein könnte, sei eine Beleidigung. Dass sich auch 2011 kein einziger Spieler outete, ist in diesem Umfeld kein Wunder.

Sturkopf des Jahres: Russland
Als Unterzeichner der Europäischen Menschenrechtskonvention muss Russland eigentlich auch Minderheitenrechte achten. Das Putin-Reich weigert sich jedoch beharrlich, schwul-lesbische Rechte anzuerkennen. So wurde auch in diesem Jahr wieder der CSD Moskau verboten, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Einschränkung der Versammlungsfreiheit für Schwule und Lesben als Verstoß gegen die Konvention brandmarkte. Am Schluss wurden wieder Aktivisten verhaftet und verprügelt, wie wir von vor Ort in einem Liveblog berichteten. Hinzu kommt, dass bereits zwei Regionen "Propaganda" für Homosexualität verboten haben – und St. Petersburg im kommenden Jahr nachziehen will. Auch die deutsche Bundesregierung ist besorgt über die Lage von Schwulen und Lesben in Russland.

Schwuler Absteiger des Jahres: Guido Westerwelle
Er war als Außenminister, Vizekanzler und Chef einer Regierungspartei der mächtigste offen schwule Politiker der Welt. Am Ende dieses Jahres ist er zwar noch Außenminister, aber kaum jemand nimmt noch Notiz von ihm. Unter schwul-lesbischen Aktivisten war Westerwelle ohnehin nicht populär: Zu gequält war sein Coming-out, das er erst nach dem Wahlerfolg von Klaus Wowereit forcierte, und zu gering sein Interesse an der gesetzlichen Gleichstellung von Schwulen und Lesben im In- und Ausland. Und auf CSDs schien er nur auftreten zu wollen, wenn Wahlen anstanden. Tschüs, Guido.


Marcus und Michele Bachmann sind ein Paar wie aus einer schlechten Hollywood-Komödie

Witzfigur des Jahres: Michele Bachmann
Michele Bachmann galt mal ein paar Wochen im Juli als Favoritin im republikanischen Vorwahlkampf. Inzwischen ist die 55-Jährige in den Umfragen zurückgefallen, auch weil sie mit ihrem ausgesprochenen Hass auf Homosexuelle selbst bei Konservativen Kopfschütteln hervorgerufen hatte. So behauptete sie sogar, dass der liebe Gott persönlich ihr in einem Zwiegespräch erzählt habe, dass sie schwulenfeindliche Gesetze einbringen soll. Dass ihr Mann eine Homo-Heiler-Klinik betreibt, aber selbst als Klemmschwester gilt, lässt sie wie die Figur aus einer "South Park"-Folge erscheinen.

Homophober Newcomer des Jahres: BIG
Die Migranten-Partei "Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit" (BIG) – ein informeller Ableger der türkischen Regierungspartei AKP – will sich für ein tolerantes und harmonisches Miteinander der Kulturen aussprechen. Da man als populistische Mini-Partei aber offenbar ein Feindbild braucht, schlug man im Wahlkampf auf die Schwulen ein, die es angeblich auf kleine türkische Kinder abgesehen haben. Ähnliche Hasstiraden gibt es zwar vereinzelt von CDU-Politikern und der Springer-Presse. Aber Toleranz sieht anders aus.

Überflüssigste Auseinandersetzung des Jahres: Christina Street Day
Es war der absurdeste Streit innerhalb der schwul-lesbischen Szene im Jahr 2011: Der CSD München wollte das Thema "Sichtbarkeit von Lesben" ansprechen – und einmalig das Event in Christina Street Day umbenennen. Das brachte viele Schwule auf, die "Geschichtsverfälschung" beklagten. Am Ende einigte man sich auf die Rückbenennung in Christopher Street Day und das sperrige Motto: "Für ein solidarisches Miteinander: Lesben vor!". Und bei CSDs geben weiterhin die Männer den Ton an.



#1 reiserobbyEhemaliges Profil
#2 alexander
  • 30.12.2011, 22:19h
  • Antwort auf #1 von reiserobby
  • du hast auch das "glück" der spätgeborenen !
    ich beziehe mich auf dein vid im profil von david bowie, mein nachbar 1975 giesebrechtstrasse. finde es schön, dass er heute auch noch anhänger hat ! leider wie atlantis, versunkene zeiten !

    heute wird die sogenannte "jugendkultur und der integrationswille " (von der musikalischen qualität gar nicht erst zu reden !) nun mal von leutchen wie "bullshido" repräsentiert !
    ist es doch nur ein spiegel unserer zeit !
    da ist der vergleich zu ahmadinedschad doch völlig "logisch" !
    in einer zeit, in der jeder seine fürze auf facebook loswerden muss (ohne sich über die möglichen folgen im klaren zu sein), sogar unsere bundesmutti sich nicht entblödet, sich darauf zu verewigen, ist dieser vergleich letztlich folgerichtig !
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 30.12.2011, 23:17h
  • Dem Artikel ist nichts mehr hinzuzufügen und daß es kommendes Jahr bedauerlicherweise auch mal wieder Tiefpunkte geben wird, dafür werden der eine oder andere Staat schon dafür sorgen! In dem Sinne: alles Gute für 2012!
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#4 FelixAnonym
  • 30.12.2011, 23:19h
  • Guido Westerwelle hätte es gleich in mehreren Kategorien schaffen können. Auch als Witzfigur des Jahres hätte er große Chancen gehabt.

    Aber jemand, der Armen "spätrömische Dekadenz" vorwirft, während er sich eine Millionen-Villa auf Mallorca kauft, ist nicht nur eine Witzfigur, sondern ein brandgefährlicher Demagoge.
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#5 Timm JohannesAnonym
  • 31.12.2011, 11:35h
  • Der Atikel ist in weiten ^Strecken gut; was die Person Guido Westerwelle angeht, da irrt der Autor aber gewaltig.

    Ich bin selbst langjähriger LGBT Aktivist, Mitarbeiter eines schwulen autonomen ASTA-Referrates in den 1990er bereits, langjähriges LSVD Mitglied und habe da eine viel differenzierrtere Haltung zu Westerwelle.

    Man merkt leider hier an dieser Stelle, das die Queer versucht, de LGBT Szene links zu vereinnahmen. Die Szene ist aber viel politisch gemischter und das weiß ich aus langjähriger Tätigkeit.

    Daher der Artikel ist an dieser Stelle sehr schwach.
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#6 TsunamiAnonym
#7 Anti FacebookAnonym
#8 Democracy 2011Anonym
#9 vingtans
  • 31.12.2011, 13:53h
  • mein tiefpunkt war definitiv der letzte. der christina part.

    hat mir nu8r gezeigt wie intolerant die schwulen szene ist.

    schon traurig, zu wissen, dass wenn schwule die mehrheit stellen andere sexuelle minderheiten, wie lesben, untern tisch fallen.

    ganzschön homo- .. tschuldigung, schwulonormativ.
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#10 the war businessAnonym