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Beschneidung

Cut oder uncut?


Diese Statue von Gomateshwara in Indien ziert ein unbeschnittenes Schniepelchen (Bild: Wiki Commons / Abhishek Mishra / CC-BY-SA-3.0)

Das Thema "Vorhaut" wird nirgendwo so heiß diskutiert wie in der schwulen Szene - wir nennen die Vor- und Nachteile der Beschneidung

Von Carsten Weidemann

Die Amerikaner tun es, die Moslems sowieso und die Juden haben diesbezüglich ebenfalls eine lange Tradition: Die Beschneidung (Zirkumzision) des Schwanzes ist in vielen Kulturen fest verankert.

Gründe für eine Beschneidung können neben religiösen und rituellen auch kosmetische, hygienische oder ästhetische sein. Man geht davon aus, dass weltweit jeder vierte Mann beschnitten ist. Wie der Blinddarm ist auch die Vorhaut aus der Entwicklungsgeschichte des Menschen übrig geblieben und erfüllt heute eigentlich keinen notwendigen Zweck mehr.

Seinerzeit als unsere menschlichen Vorfahren noch über Bäume kletterten oder leicht beschürzt durchs Gebüsch jagten, konnten die Fortpflanzungsorgane durch die Vorhaut vor Verletzungen und Verunreinigungen besser geschützt werden. Da wir heute nicht nur aufrecht gehen, sondern auch in Städten leben und in der Regel Kleidung auf dem Körper tragen, ist dieser Schutz nicht mehr zwingend nötig.

Vorteile und Nachteile der Beschneidung


Schon die alten Ägypter säbelten gern die Vorhaut ab: Zeichnung eines Grabreliefs um 2300 v. Chr.

Eine Beschneidung hat besonders im hygienischen Bereich Vorteile: Die Reinigung lässt sich einfacher vornehmen, es sammeln sich kaum mehr Rückstände am Schwanz an und auch unliebsame Gerüche werden dementsprechend einfacher eliminiert. Die Beschneidung beeinträchtigt in der Regel weder die Potenz noch die sexuelle Erregbarkeit. Manche Schwule berichten im Gegenteil von intensiveren Orgasmen und größerer Ausdauer.

Durch den Kontakt mit der Luft und besonders dem Reiben an der Kleidung verliert die ungeschützte Eichel allerdings an Empfindlichkeit. Auf der vormaligen Schleimhaut bildet sich eine Keratinschicht, die mit der Zeit zur Desensibilisierung beiträgt. Für Jungs, die sich in erster Linie aus optischen Gründen die Vorhaut entfernen lassen wollen, bleibt Folgendes zu bedenken: Etwa 80 Meter Nerven und rund 1.000 Nervenenden stecken in den durchschnittlich 75 Quadratzentimetern Vorhaut eines erwachsenen Mannes.

Mit Vorhaut in oder out?


Eine Beschneidung erfolgt in vier Schnitten - sie sollte immer vom Arzt durchgeführt werden

Ob nun mit Pelle oder ohne, das Thema "Vorhaut" wird nirgendwo so heiß diskutiert wie in der schwulen Szene. Mittlerweile kann man schon von einem richtigen Fetisch sprechen. Der eine mag es überlang und legt wert darauf, dass besonders viel Haut zu sehen ist, der andere will es ganz ohne, damit die Eichel auch besonders gut zur Geltung kommt. In Chat-Communitys wie Gayromeo haben sich längst eigene Clubs für das hautfreie Vergnügen gebildet.

"CUTclub" mit über 3.500 Mitgliedern ist der größte Club für Beschnittene auf den blauen Seiten: "Hier könnt ihr mit anderen Cut-Typen in Kontakt tretten und euch austauschen", heißt es in der Selbstdarstellung: "Diskutiert darüber ob es mit oder ohne Vorhaut besser ist. Wann und warum ihr beschnitten seit, und wie ihr nun mit eurem besten Stück umgeht."

User mit Vorhaut, die noch überlegen, das "lästige Übel" loszuwerden, haben auf Gayromeo ein Club-Forum, das schlicht "Beschneidung" heißt.

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58 Kommentare

#1 GastAnonym
  • 01.01.2012, 15:42h
  • Wie passt das denn zusammen?

    "Etwa 80 Meter Nerven und rund 1.000 Nervenenden stecken in den durchschnittlich 75 Quadratzentimetern Vorhaut eines erwachsenen Mannes."

    "Wie der Blinddarm ist auch die Vorhaut aus der Entwicklungsgeschichte des Menschen übrig geblieben und erfüllt heute eigentlich keinen notwendigen Zweck mehr."

    Wenn die Vorhaut einfach nur eine sinnlose Hauthülle darstellt, wieso ist sie dann voller empfindsamer Nerven?

    Ich finde den Artikel ziemlich einseitig.

    Und im übrigen: In den USA gibt es einen starken Trend, kleinen Jungs nicht mehr "einfach so" die Vorhaut zu amputieren. Das führt in den Küstenstaaten dazu, dass mittlerweile die Mehrzahl der Jungs intakt belassen wird.
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#2 chrisProfil
  • 01.01.2012, 16:00hDortmund
  • Die unfreiwillige Beschneidung aus medizinisch nicht notwendigen Gründen ist in meinen Augen Körperverletzung und gegen die Würde des Menschen. Keine Religion und keine Gesellschaft sollte das Recht haben, einen Menschen direkt nach seiner Geburt derart sinnlos zu verstümmeln. Wer sich freiwillig dafür entscheidet kann das gerne machen, aber nicht gegen seinen Willen bzw. ohne die Möglichkeit der Entscheidung zu haben. Persönlich finde ich unbeschnittene Schwänze schöner. Aber ich werde daran ganz bestimmt keine Sexpartner festmachen :-)
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#3 FelixAnonym
  • 01.01.2012, 16:04h
  • Antwort auf #1 von Gast
  • Dass in den USA (zumindest in den moderneren Gegenden) der Trend dazu geht, Jungen nicht zwangsweise zu beschneiden, wenn es nicht nötig ist, habe ich auch schon gelesen. Da wurde ja früher fast jedes Kind automatisch beschnitten.

    Ich sehe das ähnlich:
    Beschneiden sollte man nur bei medizinischer Notwendigkeit, aber nicht einfach so. Dafür gibt es weder aus medizinischer Sicht noch aus hygienischen Gründen Veranlassung.

    (Früher erzählte man sich ja, das sei gesünder, hygienischer, etc. Aber das ist mittlerweile alles als falsch bewiesen. Ob man eine Vorhaut hat oder nicht, hat keine Auswirkungen auf die Gesundheit oder die Hygiene. Das hängt vom Waschen ab, nicht von der Anatomie.)

    Und irgendwelche Religionen sollten erst recht kein Grund zur Beschneidung sein.
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#4 Lapushka
  • 01.01.2012, 16:47h
  • Ich finde unbeschnitten eigentlich besser (wobei das im Grunde nicht so wichtig ist). Ausser wenn die Vorhaut so richtig weit überhängt das finde ich dann wiederum nicht so hübsch, aber kein Ausschlusskriterium.
    Ausserdem finde ich dass Beschnittenen die Eichel oft irgendwie "anders" wirkt von der Hautbeschaffenheit her ich kann das schlecht beschrieben, irgendwie faltiger und "rauer". Vielleicht ist das die im Artikel erwähnte Keratinschicht.

    ok männliche Intimhygiene ist nun wirklich nicht mein Thema aber ich nehme mal an, da gilt auch nichts anderes als sonst auch: Entweder jemand wäscht sich regelmäßig oder jemand tut es nicht.
    Ist Letzteres der Fall, hilt vermutlich auch keine Beschneidung beim Sauber-Bleiben.

    Wer erwachsen ist und sowas machen will, kann das machen aber bei Kindern oder Babys sehe ich das kritisch.
    Ausser es liegt eine medizinische Notwendigkeit vor.
    Ich würde mich jedenfalls ziemlich ärgern wenn ich als Heranwachsender feststellen würde, dass ich es eigentlich lieber anders gehabt hätte, meine Eltern es aber einfach so entschieden haben als ich klein war. Ist ja nicht mehr rückgängig zu machen.
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#5 hirsiAnonym
  • 01.01.2012, 16:58h
  • Die Ursprünge der Beschneidung weiblicher Genitalien sind zeitlich und geographisch nicht bestimmbar. Erste Hinweise zeigen sich für ein Auftreten in der Epoche des alten Ägypten. So wird auf einem Papyrus aus dem Jahr 163 v. Chr. die Beschneidung von Mädchen erwähnt. Des Weiteren wurden weibliche Mumien gefunden, die Anzeichen einer Beschneidung aufweisen. Die männliche Zirkumzision kann auf diese Zeit zurückdatiert werden. Laut dem griechischen Geschichtsschreiber Strabon wurde Beschneidung an beiden Geschlechtern in Ägypten durchgeführt,[17][18] ebenso wird von Philon von Alexandria berichtet, der um die Zeit Christi Geburt lebte, dass „bei den Juden nur die Männer, bei den Ägyptern jedoch Männer und Frauen beschnitten sind“.[19] (wiki)
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#6 CarstenFfm
  • 01.01.2012, 17:40h
  • Och, das find ich jetzt aber witzig, dass Ihr das Thema am Neujahrstag bringt - dem Fest der Beschneidung Christi.


    David Berger beschriebt ja in "der Heilige Schein", dass die Schrankschwestern im katholischen Klerus eine großen Briborium machen und die Reliquie der Vorhaut Christi


    ... genaugenommen gibt es mehrer solche Reliquien. Wenn man das alles ernst nehmen würde, hätte Christus ein paar Meter Vorhaut gehabt.
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#7 kb75Anonym
#8 KathiGr
  • 01.01.2012, 18:06h
  • Antwort auf #2 von chris
  • Da stimme ich dir 100%ig zu.

    Die Gegner der Beschneidung von Babys (aus nichtmedizinischen Gründen) nennen sich in den USA übrigens "Intactivists". Schönes Wortspiel.

    In Deutschland gibt's anscheinend keine eindeutige Rechtslage, was das unnötige Beschneiden von kleinen Jungs angeht. Aus dem Wikipedia-Eintrag werde ich nicht richtig schlau. Falls jemand etwas Genaueres weiß, kann er's ja mal posten. Die Grünen/Linken/Piraten sollten sich mal dafür stark machen, dass das bei uns vernünftig verboten und bestraft wird. Und nicht bloß 'ne Geldstrafe, denn dann könnten sich die Reichen "freikaufen". Bei Kindesverstümmelung muss schon ein Knastaufenthalt drin sein.
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#9 MarcAnonym
#10 RaffaelAnonym
  • 01.01.2012, 18:28h
  • Antwort auf #2 von chris
  • Ja, wenn ein Erwachsener sich ohne medizinischen Grund beschneiden lassen will (z.B. weil es ihm gefällt oder aus religiösen Gründen) soll er das gerne tun.

    Aber Kinder, die das gar nicht selbst entscheiden können und noch gar nicht wissen, was sie später wollen, ohne medizinischen Grund zwangsweise zu beschneiden ist Körperverletzung!

    Dass diese Körperverletzung (ohne medizinische Indikation) nicht geahndet wird, ist ein Skandal und beweist, wie mächtig Religionen sind und dass die Trennung von Staat und Kirche nicht wirklich existiert.
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