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  • 05. Januar 2012, noch kein Kommentar

Drei Menschen in Beziehung, dennoch bezugslos (Bild: Arsenal Film)

Regisseur Zbigniew Bzymek erzählt von drei Menschen, die sich am Rand bewegen. Ein Independent-Film über das Scheitern.

Von Carsten Weidemann

Roger arbeitet als Yoga-Lehrer. Das Verhältnis zu seiner frisch aus dem Militärdienst ausgeschiedenen lesbischen Tochter Zoe wird durch deren Liebe zu Maya belastet, einer jungen Frau, der Schizophrenie attestiert wurde. Rogers wiederholtes Zuspätkommen und ein mitgebrachter herrenloser Hund sorgen für Spannungen mit den Teilnehmern seiner Yoga-Klasse. Auch ein Renovierungsauftrag, den Roger, Zoe und Maya in einem bürgerlichen Haus übernehmen, verläuft alles andere als plangemäß und spannungsfrei.

Die von Roger problematisierten unterschiedlichen Realitäten, für die Mayas Schizophrenie metaphorisch steht, holen ihn in der Yoga-Klasse ein, wenn sein Glaube "we can make our own time" ebenso schnell an seine Grenzen stößt, wie das "feel united with the world around you" mit der sozialen Realität kollidiert.

Fernab vom Sozialdrama hat Zbigniew Bzymek in seinem Spielfilmdebüt eine ungewöhnliche Form der Darstellung gefunden: Ohne die üblichen Dramen als Spannungsbögen und nicht chronologisch bildet sich aus teils durch Schwarzblenden separierte Szenen die Skizze einer Geschichte. Mit einer eigentümlich schwebenden Atmosphäre und einer der nachhaltigsten Gitarrenimprovisationen seit "Dead Man".

Lesbische Butch-Soldatin und schizophrene Freundin

Der aus Polen stammende Regisseur Zbigniew Bzymek hat sich bislang als Videokünstler und Produzent mehrerer Kurzfilme einen Namen gemacht. In seinem Spielfilmdebüt hat er sich mit einem Herzensthema beschäftigt, wie er im Interview mit Teddy Award-Reporterin Gabriela Seidel-Hollaender erzählt: "Ich liebe das Scheitern - als Thema, meine ich. Wenn man scheitert, heißt das, dass man vorher einen Wunsch, einen Plan hatte. Und wenn man die Erfahrung des Scheiterns teilt, ist es, als würde man bei einem Staffellauf den Stab an Menschen weitergeben, die man sympathisch findet und die einen verstehen. Der Zuschauer erhält die Möglichkeit, das Sterben eines Plans mit kriminalistischer Genauigkeit nachzuvollziehen."

Das Scheitern sei aber generell nichts Endgültiges. "Man muss genügend Leben in sich haben - selbst wenn man eine Weile mit Leichen herumgehangen hat -, um sich wieder aufzuraffen und nicht vom Scheitern überwältigt zu werden", meint Bzymek.