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Àrni und Eva begrüßen die LGBT-Welt mit passenden Winkelementen (Bild: pinkiceland.is)

Die schwul-lesbischen Isländer lieben ihr Land. Árni Grétar und Eva María Thorarinsdottir Lange verraten im Interview, warum das so ist.

Von Carsten Weidemann

Das Telefon-Interview Anfang Januar bringt uns mit etwas Verspätung zusammen. Eva María Thorarinsdottir Lange, Betreiberin der isländischen LGBT-Reiseagentur "Pink Iceland" und Inhaberin der zwei wichtigsten schwul-lesbischen Szenetreffpunkte, berichtet von großen Mengen Schnee. Der verzögert das Eintreffen von Árni Grétar, dem Vertreter der nationalen Homoorganisation "Samtökin 78", die auch das LGBT-Kommunikationszentrum betreibt. Doch dann steht die Leitung, über alle Stürme in Deutschland und Schneeverwehungen in Island hinweg.

Eva, auf Deiner Website steht, Reykjavik sei die "coolste" Hauptstadt der Welt. Woher rührt dieses selbstbewusste Statement?

Eva: Das hat natürlich nichts mit dem Wetter zu tun, sondern es entspricht unserem Lebensgefühl. In Reykjavik, einer im europäischen Vergleich sehr kleinen Hauptstadt, kannst du alles finden, was du suchst. Es gibt eine Menge Kultur, Musik und Events das ganze Jahr über. Das zieht auch immer mehr Gäste an. Island hat rund 300.000 Einwohner, und mehr als 300.000 Touristen reisen jährlich an. Der Tourismus ist inzwischen der zweitwichtigste Wirtschaftszweig unseres Landes. Und der Aufenthalt der vielen internationalen Besucher hat inzwischen einen großen Einfluss auf unser Leben. Das ist einfach "cool"!

Was zieht die Touristen am meisten an?

Eva: Island ist die große Spielwiese von Mutter Natur. Die einzigartige kontrastreiche Landschaft, die Geysire und die Wasserfälle, das ist faszinierend. Wer im Februar hierhin kommt, wird eine andere Atmosphäre erleben als im Sommer. Und das zweite: Die Bevölkerung ist sehr jung, entsprechend spannend und üppig ist das Kulturangebot und Nachtleben.


Das faszinierende an Island: Die Natur. (Bild: Ben Husmann / flickr / by 2.0)

Vom 16. bis 19. Februar findet in diesem Jahr zum ersten Mal das internationale LGBT-Festival "Rainbow Reykjavik" statt. Welches Wetter können wir denn dann erwarten?

Eva: Tatsächlich hatten wir im Dezember so viel Schnee, wie seit 1984 nicht mehr, das war ungewöhnlich viel. Aber Mitte Februar kann es schon wieder ganz anders aussehen. Es kann Schnee geben, es kann trocken sein. In Island heißt es: Gefällt dir das aktuelle Wetter nicht, warte fünf Minuten. Es ändert sich hier schnell. Tatsache ist, dass es im Schnitt in Reykjavik etwas wärmer ist als in New York.

Árni: Und das öffentliche Leben bricht hier nicht zusammen, egal was von oben runterkommt. Wir sind darauf eingerichtet.

Árni, es geht das Gerücht um, Auf Island kennt jeder Jeden. Wenn das stimmt, müsstest Du mir die exakte Zahl von Schwulen und Lesben in der Bevölkerung nennen können…

Árni: Oh, es sind Tausende, und ich kenne sie alle! Nein, ganz so ist es nicht. Aber die Menschen sind besonders freundlich zueinander, selbst in der großen Stadt. Man sieht es jetzt, bei dem vielen Schnee. Bleibt jemand mit seinem Wagen lieben, wird ihm sofort geholfen. Das Besondere ist nicht, dass jeder Jeden kennt, sondern dass wir uns wie eine große Familie fühlen, die LGBT-Community hat in diesem Verbund ebenso ihren Platz wie auch jeder Besucher, der die isländische Familie besucht. Das zeigt sich zum Beispiel auch beim Gay Pride. Zur letzten Parade kamen Hunderttausend Zuschauer, egal welch sexueller Orientierung.

Das Programm für das Rainbow Reykjavik Festival Mitte Februar ist dicht gepackt, dennoch die Frage an Euch: Welche persönlichen Geheimtipps habt ihr für die Besucherinnen und Besucher? Was sollten sie auf jeden Fall unternehmen oder sehen?

Árni: Mein Tipp: Geht ins eines der Schwimmbäder, und legt euch dort in eines der Becken mit dem heißen Quellwasser. Das ist der beste Weg, nach einem langen Tag unterwegs oder nach einer Party, um sich zu erholen. Am besten ein Außenbad mit Blick auf den Nachthimmel. Dort im warmen Wasser liegen, einweichen und die Nordlichter über sich beobachten, danach ist man total mit sich und der Welt im Reinen.

Eva: Das wäre auch mein Tipp. Viele Einheimische kommen regelmäßig in die guten und vor allem günstigen Bäder, um sich zu unterhalten. Du wirst dich dort nicht einsam fühlen.

Internationales LGBT-Festival

Rainbow Reykjavik heißt das neue Gay-Event, das sich im Frühjahr 2012 erstmals sowohl an Isländer als auch an Gäste aus Europa und den USA richtet.
Das Programm vom 16. bis 19. Februar 2012 ist ein ungewöhnlicher Mix aus Natur, Kultur, Party, Politik und kulinarischen Erlebnissen. So geht es gleich nach Ankunft auf dem Flughafen Keflavik zur Blauen Lagune – ein geothermal beheiztes Freibad mit naturblauem Wasser. Höhepunkt am Freitag ist die "Gullfoss, Gaysir & Fontana Tour", die zu Wasserfällen und Geysiren führt. Am Samstag können die Event-Teilnehmer u.a. an einem LGBT History Walk teilnehmen. Den Abschluss des Festivals bildet eine Wikingerparty.
Für "Rainbow Reykjavik" bietet Icelandair Online-Reisepakete ab 765 Euro an. Die Pakete beinhalten Hin- und Rückflug ab Frankfurt, drei Übernachtungen in gehobenen Hotels, tägliche Mahlzeiten sowie alle Transfers, Ausflüge und Eintrittsgelder.