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Amerikanischer Bareback-Film

In Los Angeles wird voraussichtlich noch diese Woche eine Kondom-Pflicht in Pornofilmen in Kraft treten, nachdem der Stadtrat am Dienstag eine dementsprechende Verordnung beschlossen hat.

Mit neun zu eins Stimmen fiel das Ergebnis im Lokalparlament trotz vermehrter Lobbyarbeit der Pornoindustrie sehr deutlich aus. Die Abgeordneten erklärten nach der Entscheidung, diese sei auf gesundheitspolitische Gründe zurückzuführen: "Ich nehme jede Möglichkeit wahr, die Verbreitung von HIV/Aids zu reduzieren", erklärte der Stadtrat Paul Koretz seine Zustimmung. Bereits vor einer Woche hatte das Parlament mit großer Mehrheit der Gesetzesänderung zugestimmt, musste das Ergebnis aber nun bestätigen. Die Unterschrift des Bürgermeisters Antonio Villaraigosa gilt nur noch als Formsache und wird bis zum Ende der Woche erwartet. Los Angeles ist die erste Gemeinde, die Pornoproduktion zwar gestattet, aber auf die Benutzung von Kondomen besteht.

"Heute ist ein großartiger Tag für die Pornodarsteller und für Safer Sex in unserer Gesellschaft", sagte Michael Weinstein, der Chef der Aids Healthcare Foundation, die bereits seit mehreren Jahren für die Einführung des Verbotes geworben hatte. Die Organisation hatte über 70.000 Unterschriften gesammelt, damit ein Referendum durchgeführt werden konnte. Der Stadtrat lenkte daraufhin nach langjähriger Ablehnung ein - auch wegen der hohen Kosten des Volksentscheids, der der Stadt über vier Millionen Dollar aufbürden würde.

In der Verordnung wurde auch festgelegt, dass Pornoproduzenten künftig eine Sonderabgabe zahlen müssen, um nicht angekündigte Inspektionen von Vertretern der Gesundheitsbehörde zu finanzieren. So soll die Durchsetzung der neuen Gesundheitsrichtlinien garantiert werden.

Pornoindustrie: Stadt bevormundet "mündige Erwachsene"

Der Porno-Branchenverband Free Speech Coalition kritisierte die Entscheidung scharf: "Es geht nicht um die Gesundheit und die Sicherheit der Darsteller, die Behörden wollen vielmehr vorschreiben, was zwischen mündigen Erwachsenen geschieht", erklärte Sprecherin Diane Duke. Sie warnte davor, dass Pornoproduzenten nun angeregt werden würden, ohne Lizenz zu drehen und damit nicht mehr zugänglich zu sein für die bereits jetzt "gut funktionierende" Gesundheitskontrollen. Außerdem, so Duke, würden die Produzenten ihre Pornos nun vermehrt außerhalb der Stadtgrenzen produzieren. Damit gingen Los Angeles Steuereinnahmen verloren.

Die große Mehrheit der amerikanischen Porno-Filme - schwul und hetero - wird im San Fernando Valley im Nordwesten von Los Angeles gedreht. In der schwulen Pornoszene in den USA ist Bareback bereits jetzt verpönt. Beispielsweise werden bei den jährlich vergebenen GayVN-Awards Filme automatisch disqualifiziert, bei denen keine Kondome verwendet werden. Auch Star-Regisseurin Chi Chi LaRue setzt sich seit Jahren aus Sorge um die Gesundheit der Darsteller für eine Kondom-Pflicht ein. Allerdings produzieren gerade kleine Pornofirmen gerne Bareback-Filme, da insbesondere in Europa eine große Nachfrage nach diesen Filmen besteht.

In der Vergangenheit gab es bereits mehrfach Drehpausen, nachdem sich Darsteller mit dem HI-Virus infiziert hatten. So stand die Industrie 2004 zwei Monate still, nachdem mehrere Pornodarsteller positiv getestet worden waren. Die kalifornische Gesundheitsbehörde hat in den vergangenen fünf Jahren Geldstrafen in Höhe von über 125.000 US-Dollar verhängt, weil Pornoproduzenten die bestehenden Richtlinien zum Gesundheitsschutz nicht einhielten. So sollte das Label Treasure Island Media etwa 21.500 Dollar zahlen, weil Mitarbeiter nicht vor "Sperma und anderen infektiösen Stoffen" geschützt worden seien (queer.de berichtete). Treasure Island Media hat jedoch wie viele andere Pornofirmen Einspruch gegen die Geldstrafen eingelegt.

Auch in anderen Porno-Zentren Amerikas sind bereits ähnliche Initiativen geplant. So setzt sich eine Aidshilfe-Gruppe in San Francisco für ein Bareback-Verbot in Vollerotik-Produktionen ein. (dk)

Youtube | Chi Chi LaRue wirbt für Kondomnutzung
Umfrage zum Artikel

» Soll die Produktion von Bareback-Filmen verboten werden?
    Ergebnis der Umfrage vom 06.12.2011 bis 19.12.2011


#1 Calabi-YauAnonym
  • 18.01.2012, 16:00h
  • jaja .. und bei der nächsten politischen Wahl sind die jetzt bevormundeten Bürger, seien es Akteure oder Konsumenten, alle auf einmal wieder mündige Bürger und müssen selbst wissen, was sie tun ........

    Aufklärung wäre zig-mal sinnvoller als Verbote per Gesetz. Hat noch bei keinem Reizthema in dieser Welt funktioniert - im Gegenteil.

    Das Geld für diese ganze Kampagne hätte man besser in die HIV-Präventionsarbeit gesteckt ....

    Aber vermutlich geht es eh besser um politische Rechtfertigung als um wirkliche Hilfe.
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#2 GayUserAnonym
  • 18.01.2012, 18:27h
  • Ne Frage an die Red.:

    Gilt das Bareback-Verbot auch für Heten-Pornos?
    Oder bezieht sich das Gesetz einseitig auf schwule Produktionen?
    Frage, weil im heterosexuellen Freundeskreis kaum jemand Pornos mit Kondom kennt....
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  • Anm. d. Red.: Die Regelung gilt für alle Pornoproduktionen.
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 18.01.2012, 19:45h
  • Der Stadtrat von Los Angeles hat jedenfalls richtig entschieden! Mal sehen, wie Produtionsfirmen wie SX Video oder Treasure Island Media und Co darauf reagieren werden!
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#4 üäpöolikujzhtgrfAnonym
  • 19.01.2012, 06:29h
  • Antwort auf #3 von FoXXXyness
  • Ganz einfach, die verlegen ihre Produktion in andere Staaten.

    Die Frage müsste doch nun lauten wann das Bareback-Verbot für alle schwulen überall kommt und wann es die Sittenpolizei gibt?

    Die Frage müsste doch lauten: Wo ist der Nachweis, das sich die Darsteller bei der Produktion der Filme infiziert haben? Könnte es nicht auch sein, das sie auch in ihrem Privatleben Bare ficken?
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#5 WilcombEhemaliges Profil
  • 19.01.2012, 23:31h
  • Irgendwie mag ich es nicht, wenn neue gesetze rauskommen, aber diesmal finde ich es gut, um mich aufzugeilen, muss keiner seine Gesundheit riskieren !

    Selber Praktiziere ich Bare mit meinem Lieben Mann, aber da gibts auch keine anderen Partner, und wir haben uns vorher jeweils den Aktuellen Test gezeigt. Er vertraut mir, ich vertraue ihm.
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#6 Isa Ramos GarciaAnonym
  • 28.01.2012, 15:03h
  • Herr/Frau LaRue scheint viel besser als Mann wie als Frau.
    Wenn die beide Paertner einer schwulen Verhaeltnisse getested & frei von sexuelluebertragten Krankheiten seienn, dann waeren Kondome unnotwendig
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