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Hinter diesem Aschenbecher sitzt ein kluger Kopf: Prof. Martin Dannecker (Bild: Wiki Commons / Richard Lemke / CC-BY-SA-3.0)

Prof. Martin Dannecker, Schwulenaktivist der ersten Stunde und einer der klügsten Köpfe der Bewegung, bekommt zum Kölner CSD die "Kompassnadel" verliehen - den Ehrenpreis des Schwulen Netzwerks NRW.

Von Christian Scheuß

"Über mich gäbe es zwar einiges zu sagen. Aber womit beginnen und wo enden?" Die Frage, die Martin Dannecker in seinem Facebook-Profil unter den "persönlichen Infos" aufwirft, ist durchaus berechtigt. Wie soll man der Beschreibung eines Mannes gerecht werden, der so viel erlebt, angestoßen, umgeworfen und ausgesprochen hat? Gut, im November 2012 wird er seinen 70. Geburtstag feiern, damit hatte er viel Zeit, etwas mit seinem Leben anzufangen. Aber das Alter allein macht noch kein Lebenswerk aus, für das man geehrt werden könnte. Es sind die Taten und dessen Auswirkungen, für die man Preise erhält.

Martin Dannecker wird nun zum Kölner CSD diese Ehre zuteil. Er erhält die Kompassnadel, den Preis des Schwulen Netzwerks NRW, der alljährlich an einen Prominenten und einen Ehrenamtler geht. Der Landesverband gab seine Entscheidung am vergangenen Dienstag auf seinem Jahresempfang in Köln bekannt.

Intellektueller Kopf der deutschen Schwulenbewegung


Die empirische "Bibel" im Emanzipationskampf (Bild: Screenshot)

Martin Dannecker ist einer der klugen und intellektuellen Menschen der neuen Schwulenbewegung, die sich im Fahrwasser der Studentenbewegung gegründet hatte. Wikipedia beschreibt ihn als "Kopf hinter Rosa von Praunheims erstem Filmerfolg ‚Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt'." Der 1973 ausgestrahlte Agitationsstreifen ging mit den Schwulen, die sich in der Diskriminierung der BRD ihre versteckten unpolitischen Kuschelecken eingerichtet hatten und nur an Sex und Konsum interessiert waren, hart ins Gericht. Die kontroverse Botschaft animierte in den Folgejahren zur Gründung zahlreicher emanzipatorisch arbeitender Schwulengruppen in den westdeutschen Großstädten.

Dannecker hatte in Frankfurt Philosophie, Soziologie und Psychologie studiert und publizierte 1974 zusammen mit dem Psychoanalytiker Reimund Reiche die erste große Studie über schwules Leben. "Der gewöhnliche Homosexuelle" lieferte empirisches Futter für den Kampf zur Abschaffung des Strafrechtsparagraphen 175 und erklärte, welchen Diskriminierungen eine sexuelle Minderheit ausgesetzt war. Nach der Promotion arbeitete er seit 1977 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an dem von Volkmar Sigusch geleiteten Institut für Sexualwissenschaft des Klinikums der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Dort war er nach seiner Habilitation für das Fach Sexualwissenschaft bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005 als Professor tätig.

Nicht der Homosexuelle ist pervers, er ist gewöhnlich


Szene aus "Nicht der Homosexuelle ist pervers..." (Bild: www.rosavonpraunheim.de)

Inzwischen lebt er in Berlin, ist aber nach wir vor rührig. Neben den Themen HIV und Aids beschäftigt er sich derzeit mit einer Studie über den Einfluss des Internets auf das Datingverhalten schwuler Männer. Und als Kuratoriumsmitglied der Initiative Queer Nations e.V. sowie als Beirat in der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung sorgt er dafür, dass Wissenschaft und soziales Engagement in der Community lebendig bleiben. Dannecker ist bekannt für seine fundierten Thesen und berüchtigt für sein Querdenken. Seine Forderung aus Praunheims Film, sich nicht gemütlich einzurichten in dem, was einem die Gesellschaft zubilligt und weiter für die (sexuelle) Emanzipation einzustehen, gilt nach wie vor.

Martin Dannecker wird die schwergewichtige Kompassnadel-Skulptur von der Vorjahres-Preisträgerin, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (queer.de berichtete), entgegennehmen. Sie geht damit in wohlverdiente Hände.



#1 internationalAnonym
  • 18.01.2012, 15:21h
  • Die Kompass-Nadel ist eine sehr schöne Geste.

    Sein Global Positioning System funktionierte schon damals einwandfrei.

    1972 nahm Dannecker an einer Schwulen-Demonstration im katholischen Münster teil. "Brüder und Schwestern, ob warm oder nicht, den Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht" lautete die Parole auf seinem Transparent.
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#2 Geert
  • 18.01.2012, 15:50h
  • Er hat es verdient!
    Der "Dannecker-Reiche" war seinerzeit extrem wichtig für die schwule Emanzipationsbewegung und auch extrem hilfreich bei der Aidsbekämpfung.
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#3 Geert
#4 mouseAnonym
#5 alexander
#6 stromboliProfil
  • 18.01.2012, 19:03hberlin
  • Antwort auf #3 von Geert
  • darf man aus der betonung des katholischen münster herauslesen, dass es verdienst der rkk ist , dass schwule überhaupt auf die strassen gingen.. die salzstrasse gehen anstatt zur salzsäule erstarren... dreh dich nicht um fremden strassen.

    Ansonsten hat martin recht mit der parole, zeitlos und den kern treffend: "Brüder und Schwestern, ob warm oder nicht, den Kapitalismus bekämpfen ist unsere Pflicht"
    Wenn man urteilt, immer den hintergrund kennen wollen...
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#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
#8 beobachter-2Anonym
  • 18.01.2012, 19:35h
  • Antwort auf #1 von international
  • Im Kapitalismus-Bekämpfen war er wohl nicht sehr erfolgreich. Auch HIV und AIDS geht es gut - weil man Kühe, die man melken will, nicht schlachten soll. Ihm selber dagegen sind die Haare ausgefallen - und sonderlich gesund wirkt er auf dem Bild auch nicht. Wär er kein Professor, könnt er sich einfach zurückziehen, aber so ...
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#9 leistbarAnonym
#10 beobachter-3Anonym