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Alltag für Schwule in Deutschland bis in die späten 60er Jahre

Ein Beratungszentrum in Halle startet eine Unterschriftenliste für die Rehabilitierung der Opfer des Paragrafen 175. In Berlin fordert die Linkspartei derweil eine Bundesratsinitiative.

"Lebensart", das "Fachzentrum für sexuelle Identität", will bis zum CSD in Halle am 8. September die Unterschriftenliste an politische Vertreter auf Landes- und Bundesebene übergeben. "Sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in der Deutschen Demokratischen Republik wurden nach 1945 Männer wegen einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Sexualität strafrechtlich verfolgt. Dies hat die Würde der Betroffenen wesentlich beeinträchtigt und eine freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit unmöglich gemacht", begründet das Zentrum die Aktion.

Der Paragraf 175 war 122 Jahre lang im deutschen Strafgesetzbuch verankert. Nach dem Gesetz wurden in dieser Zeit über 140.000 Männer verurteilt, davon alleine 60.000 in der Bundesrepublik zwischen 1949 und 1969. Westdeutschland hat den 1935 von den Nationalsozialisten verschärften Paragrafen übernommen. Erst 1969 beerdigte die Große Koalition die Nazifassung. Danach enthielt das Gesetz "nur noch" ein höheres Schutzalter für Schwule, bis es 1994 vollständig abgeschafft wurde. In der DDR wurde das Gesetz kurz vor der friedlichen Revolution 1989 abgeschafft.

"Lebensart" fordert die gesetzliche Rehabilitierung aller nach 1945 in der Bundesrepublik und der DDR nach Paragraf 175 verurteilten Menschen. Für die Opfer soll ein Entschädigungsfonds eingerichtet werden. Außerdem fordert die Initiative, dass die Entscheidung des Bundeverfassungsgerichts von 1957, die den Paragrafen 175 in seiner Nazi-Fassung bestätigte, aufgehoben wird.

Regierung lehnte Rehabilitierung 2011 ab

Ein Rehabilitierung der verfolgten Schwulen wurde allerdings erst im vergangenen Jahr von der schwarz-gelben Koalition abgelehnt (queer.de berichtete). Die Regierung argumentiert, dass die Urteile in der Bundesrepublik rechtstaatlich zustande gekommen seien. Der CDU-Abgeordnete Ansgar Heveling sah in dem Antrag der Grünen, die Opfer der Schwulenverfolgung zu rehabilitieren, sogar einen Versuch, "rückwirkend die deutsche Rechtsordnung und damit unsere Rechtsstaatlichkeit" auszuhebeln. Auch die SPD äußerte verfassungsrechtliche Bedenken, während sich Linkspartei und Grüne für die Rehabilitierung einsetzten.

Berliner Linke fordert Bundesratsinitiative

Die Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus hat einen Antrag zum Thema eingebracht, der am 26. Januar in Erster Lesung behandelt werden soll. "In beiden deutschen Staaten sind Homosexuelle verfolgt worden, bis heute haben die noch lebenden Menschen Traumata und gebrochene Biografien zu verarbeiten", begründete Landesparteichef Klaus Lederer am Donnerstag die Initiative. "Es ist an der Zeit, das begangene Unrecht einzugestehen, die noch lebenden Opfer zu entschädigen und die über diesem dunklen Kapitel bestehenden Forschungs- und Dokumentationslücken zu schließen". Das sei ein Wettlauf gegen die Zeit, da viele von dem "Schandparagraphen" betroffene Menschen inzwischen sehr alt seien. (dk)



#2 TadzioScot
  • 19.01.2012, 18:57h
  • "Danach enthielt das Gesetz nur noch ein höheres Schutzalter für Schwule, bis es 1994 vollständig abgeschafft wurde."

    Das ist richtig, "Nur noch..." !!!

    Ich kenne einen Schwulen der noch in den 90er Jahren (vor 1994) ein Verfahren am Hals hatte, weil sein Freund 16 war, also unter 18... Verfahren wurde glücklicherweise eingestellt, aber sein Leben
    in dem Dorf, in welchem er lebte, war beendet.
    Er musste flüchten
    und woanders hinziehen...
    Seine Existenz war zerstört, seine Bezeihung im Arsch, er war im Arsch...

    Und heute ? Heute ist das nicht mehr Strafbar...
    Glück... Auch für ihn... Aber dennoch... Seine alte Beziehung die hat man zerstört, nebst Existenz...

    Ich finde die Rehabilitierung aller Opfer der Schwulenverfolgung, sollte sogar mit Entschädigungsgeld beglichen werden (wenn man den Seelischenschaden überhaupt mit Geld reparieren kann).

    Aber das Entschädigungsgeld nebst Rehabilitierung sollte nicht nur für die Schwulen die Verurteilt wurden gelten, sondern auch für die bei denen das verfahren "lediglich" eigestellt wurde... Denn DIE vergisst man nämlich ganz schnell. Leider...

    Dann gibt es noch die, die sich vor lauter Angst nie was getraut haben und sellisch daran zu grunde gingen. Nur wird man denen leider kaum helfen können, weil dies schwer nachzuweisen ist.

    Boar das hört sich irgendwie schauderhaft an..

    Aber ich glaube nicht an den Weihnachstmann, noch an den Osterhasen, noch an den Unsichtbaren Harvey den Hasen, noch daran, das irgendwann die Schwulen Opfer von diesen Staat Rehabilitiert und Entschädigt werden...

    Da müssten sie mich eines besseren Belehren, (würde ich schon gerne erleben, was aber glaube ich, wohl leider nicht der Fall sein wird...)

    *SEUFZ*
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#3 Fiete_Jansen
  • 19.01.2012, 19:16h
  • Man hätte aber schon schreiben können, dass der §175 nur in der SBZ und der DDR bis in die 1950er Jahre galt. Auch nicht wie in der BRD der verschärfte Naziparagraph.

    Aus den Forderungen von DKP queer

    "Im Zusammenhang mit unseren Anliegen sehen wir in Deutschland nach wie vor zahlreiche Versäumnisse, Defizite und gesellschaftliche Altlasten, die wir auf- und angreifen müssen. Der § 175 stellte im Deutschen Reich, der Weimarer Republik, im deutschen Faschismus und in Westdeutschland seit dem 1. Januar 1872 mit Inkrafttreten des Reichsstrafgesetzbuches bis zum 11. Juni 1994 sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe. Im Jahre 1935 verschärften die deutschen Faschisten den Paragraphen, unter anderem durch Anhebung der Höchststrafe von sechs Monaten auf fünf Jahre Gefängnis. Darüber hinaus wurde der Tatbestand von „beischlafähnlichen“ auf sämtliche „unzüchtigen“ Handlungen ausgeweitet. Der neu eingefügte § 175a bestimmte für „erschwerte Fälle“ zwischen einem Jahr und zehn Jahren Zuchthaus. Die DDR kehrte 1950 zur alten Fassung § 175 zurück und ab Ende der 50er Jahre wurde Homosexualität unter Erwachsenen nicht mehr geahndet. Im Jahre 1968 erhielt die DDR ein eigenes Strafgesetzbuch, das in § 151 homosexuelle Handlungen mit Jugendlichen sowohl für Frauen als auch für Männer unter Strafe stellte. Dieser Paragraph wurde 1988 ersatzlos gestrichen. Die BRD hielt zwei Jahrzehnte lang an den Fassungen der Paragraphen 175 und 175a aus der Zeit des deutschen Faschismus fest. Im Jahre 1969 kam es zu einer ersten, 1973 zu einer zweiten Reform. Seitdem waren nur noch homosexuelle Handlungen mit männlichen Jugendlichen unter 18 Jahren strafbar, wogegen das Schutzalter bei lesbischen und heterosexuellen Beziehungen bei 14 Jahren lag. Nach einer gescheiterten Gesetzesinitiative der Grünen in den 80er Jahren wurde erst 1994 im Zuge der Rechtsangleichung nach der Annexion der DDR der § 175 aufgehoben. (...)
    Es fehlt immer noch eine Rehabilitierung und Entschädigung aller Opfer des deutschen Faschismus und der BRD, die aufgrund ihrer Sexualität oder Lebensweise verfolgt wurden, ihrer Angehörigen und der unverheirateten Lebenspartner.

    Dazu fordern wir

    • Das Bundesentschädigungsgesetz ist entsprechend zu ändern.

    • Daten aus so genannten Rosa Listen und alle weiteren Datensammlungen über sexuelles Verhalten müssen unwiederbringlich vernichtet werden.

    • Berufsverbote, Benachteiligungen im Beruf oder Diskriminierung am Arbeitsplatz darf es grundsätzlich nicht geben.
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 TadzioScot
  • 19.01.2012, 19:59h
  • Antwort auf #3 von Fiete_Jansen
  • Euer Programm gefällt mir insoweit,
    daher habe ich eben bei euch auf der Webseite geschaut und war erschrocken was ich dort zu sehen bekamm..

    Deshalb ein wenig Kritik an DKP-Queer...

    Ich hatte, wie ich hier immer wieder hier schrieb, als Jugenlicher einen tollen Erwachsen Schwulen Freund , welcher wirklich nur gut zu mir war (in allen belangen) und mich Stolz machte ...

    Dennnoch tut ihr auf der gleichen Hetz-Schiene wie die normalen Medien aufspringen was das Thema Schwule-Päderastie betrifft.

    Euer Bild auf der Red&Queer "Ich wollte doch nur beichten", tut eindeutig den Leser suggerrien das Schwulen-Päderatsen allesamt missbraucher sind, und das es dort keine Liebe gäbe... Und das obwohl es auch positiv Fälle wie mich gibt, welche man aber gerne mal weglässt...

    Das trifft mich persöhnlich sehr
    und macht mich zutieftst traurig...

    Ich weiß, es kann jetzt durchaus sein das ich wieder einen haufen negativ klicks oder noch schlimmer, schlimme negativ kommentare ernte. Ich hoffe nicht...

    Dieses Thema wühlt mich jedenfalls sehr auf, denn ich muss jeden tag damit leben, wie viele (nicht alle) Menschen meinen, meinen ehmaligen Freund als Monster zu betiteln und mich wie so oft zum Opfer abstempeln zu müssen...

    Ihr seht, dieses Thema ist eine Seite, mit der man mich am meisten Verletzten kann.

    Aber ich und meine Geschichte sind nunmal
    die einzige Waffe im Kampf um aktzeptanz
    von Schwulen und Schwulen-Päderasten,
    die ich habe...

    PS:

    Achja, wie ich 16 war hatte ich einen Schwulen Freund. Meine Eltern machten Stunk, sie dachten nämlich noch es gäbe den §175 und erkundigten sich bei den Behörden ob man gegen meinen Freund nicht was unternhemen könnte...

    Mussten dann aber jedoch festellen das die Beziehung mit meinen Freund legal war...
    Das missfiel ihnen...

    So hat der §175 sogar mich (und meinen Freund) sogar noch nach 1994 verfolgt,
    weil der 175 noch in den Köpfen vieler Menschen existierte...

    Ich bin also ein Opfer dieser
    "Nachwehen" des Paragraphen 175...

    Ihr seht also, da ich mich als Jugendlicher immer zu älteren Männern hingezogen gefühlt habe, hatte ich in meiner Jugend eine Menge netter Geschichten erlebt...

    Nur jetzt wo ich selbst ein Erwachsener Mann bin (in den 30ern), da darf ich aufeinmal einen Mann als Freund haben ohne Ärger...

    Obwohl mein Mann auch älter ist als ich...
    Wie gesagt ich stehe halt auf ältere,
    seid ich ein Junge war...

    Tja so ist das...
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#6 Simon HAnonym
  • 19.01.2012, 20:14h
  • Das wäre längst überfällig!

    Allerdings wird die schwarz-gelbe Regierung wie schon letztes Jahr das Ganze ablehnen.

    Die Union und ihre Schoßhündchen von der FDP wollen uns ja gerade so weit wie möglich als Menschen 2. Klasse sehen.
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#7 alexander
  • 19.01.2012, 20:27h
  • die rehabilitierung ist schon ok und wichtig !
    nur was nützt sie den betroffenen noch ???

    man hat sich doch wieder, wie eigentlich immer in der brd, soviel zeit gelassen, dass man sich jetzt oder irgendwann von politischer seite BESTÜRZT gibt und bestenfalls eine krokodilsträne vergiesst !

    wir werden nicht alle 108 j. , wie j. heesters !
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#8 TadzioScot
  • 19.01.2012, 20:39h
  • Antwort auf #7 von alexander
  • Ich verstehe schon was du
    meinst:), aber so hätten die
    lebenden wenigstens noch
    was davon. :)

    Außerdem wäre so eine Rehabilitierung und Entschädigung eine art eingeständis und Untermauerung das unsere Regierung ein schlimmes Verbrechen begangen hat.

    Ich hab' ne idee ;
    Wie wäre es mit einem Mahnmal
    für all die Schwulen Opfer die in der BRD
    nach 1945-1994 verfolgt wurden ?
    Das würde die Opfer ehren...
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#9 alexander
  • 19.01.2012, 21:01h
  • Antwort auf #8 von TadzioScot
  • na ein mahnmahl haben wir doch schon !
    das aber nur bis 1945 gültigkeit hat (lol) ! und das müssen wir uns nun auch noch mit den lesben teilen, die es bis 1945 offiziell nicht gab !

    leider lebt nach 67 jahren kaum noch jemand von den betroffenen, (die wären alle noch älter !) ab 1969 ( dank an heinemann ) wurde auch kein schwuler mehr verknackt !
    die weterhin erfolgte diskriminierung ist auch dir geläufig, bis heute !
    wen will man denn heute noch entschädigen, die toten ? oder die katholische kirche, wegen "priesterverlust "??? (nur ein gag !)
    man kann nichts ehren, wo es nichts mehr zu ehren gibt ! es ist eben nicht alles "posthum" wieder gut zu machen ! leider !
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#10 üpöloikujzhtgfrAnonym
  • 19.01.2012, 21:05h
  • Solange diese rechte Regierung was zu sagen hat, wird dies nicht geschehen. Wer sich gegen grundlegende Mwenschenrechte ausspricht und wer mit Diktatoren dicke Geschäfte macht, wird auch nichts zur Rehabilitierung beitragen.
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